Spaniens Himmel
4. Mai 2026
Vor 90 Jahren: »¡No Pasarán!« – ein unvergessenes Kapitel der Solidarität
Vor 90 Jahren, am 17./18. Juli 1936, putschte General Francisco Franco gegen die Volksfront-Regierung in Spanien. Was Historiker heute als erste Schlacht des Zweiten Weltkriegs bezeichnen, wurde zur größten internationalen Solidaritätsaktion der Geschichte, an die Antifaschistinnen und Antifaschisten weltweit erinnern.
Am 18. Juli 1936 rief die kommunistische Abgeordnete Dolores Ibárruri, »La Pasionaria«, im Radio zum entschlossenen Widerstand auf, um Madrid vor Francos Truppen zu schützen. Ihr legendärer Kampfruf »¡No Pasarán!« (Sie werden nicht durchkommen!) ist bis heute im Gedächtnis Europas bewahrt.
Denn nicht nur Spanierinnen und Spanier, sondern auch 32.165 Kämpfer (darunter 2.212 Deutsche) folgten dem Ruf der Kommunistischen Internationale, gegen die Putschisten zu kämpfen. Die ersten internationalen Milizionäre waren vornehmlich Teilnehmer der Volksolympiade (Olimpiada Popular) in Barcelona und Emigranten mit politischem Hintergrund, die in Spanien lebten. Es waren an die 300 internationalen Milizionäre, die sich nach dem Militärputsch vor allem in Barcelona in Gruppen organisierten, unter anderem in »Grupo Thaelmann« und »Carlos Marx«. Sie bildeten zusammen mit den ersten Freiwilligen, die über Frankreich nach Spanien kamen, internationale Milizgruppen, die später Einheiten der Internationalen Brigaden wurden.
Anarchisten, Christen, Liberale, Kommunisten, Sozialdemokraten – die internationalen Freiwilligen kamen aus allen Schichten, aus mehr als 53 Ländern; Juden, Muslime, Katholiken, Protestanten, Konfessionslose – alle stellten sich gemeinsam an die Seite der Spanischen Republik.
Das erste Mal in der Geschichte gab es einen schwarzen Kommandeur (Oliver Law); im Amerikanischen Bürgerkrieg hatte es nur schwarze Soldaten gegeben. Ärzte, Krankenschwestern, Pflegekräfte – aus Amerika ganze Krankenwagen –, Techniker, Piloten, Panzerfahrer, Ausbilder – jede Hilfe wurde von der spanischen Bevölkerung begrüßt. Die Kämpfer waren nicht nur Soldaten. Sie halfen auf den Feldern, unterstützten Krankenhäuser und Kinderheime in Spanien, brachten ihren spanischen Kampfgenossen Lesen, Schreiben und Rechnen bei und erlernten selbst die spanische Sprache.

Internationale Solidarität im Kampf gegen den Faschismus: Ernst Busch (Mitte stehend, ohne Kopfbedeckung) mit Kämpfern der XI. Internationalen Brigade im Spanischen Bürgerkrieg – Freiwillige aus vielen Ländern, vereint im Widerstand gegen Franco und seine Unterstützer
Viele internationale Künstler reisten nach Spanien – Ernst Busch, Louis Armstrong, Joris Ivens, Ernest Hemingway und andere Schriftsteller, der deutsche Ludwig Renn wurde Kommandeur des Thälmann-Bataillons. Fotografen wie Robert Capa, Gerda Taro, Kati Horna und Margaret Michaelis dokumentierten den Konflikt und die Schrecken des Krieges oft unter Lebensgefahr, bezogen Stellung und etablierten mit ihren Arbeiten die moderne Kriegsfotografie.
Während die Internationalen Brigaden an der Seite der Republik kämpften, die auch von der Sowjet-union und Mexiko unterstützt wurde, standen Nazideutschland und das faschistische Italien auf der Seite Francos. Die Bombardierung von Guernica durch die deutsche Legion Condor am 26. April 1937, weltweit bekannt geworden durch Picassos Gemälde »Guernica«, war einer von vielen Testeinsätzen für den kommenden Zweiten Weltkrieg. Frank-reich und Großbritannien verfolgten offiziell eine Nichteinmischungspolitik, allerdings unterstützten US-amerikanische und britische Konzerne aktiv die putschenden Generäle.
Die internationale Dimension des Spanischen Bürgerkriegs war Ausdruck der Konfrontation zwischen demokratischen und faschistischen Kräften in den 1930er-Jahren in Europa und der Welt. Hier konnte sich entscheiden, ob der Vormarsch der Faschisten noch aufzuhalten war. Unter den deutschen Inter-brigadisten waren viele, die das Hitlerregime in die Emigration gezwungen hatte. Sie gingen nach Spanien, um gegen jene zu kämpfen, deren Machantritt sie in Deutschland nicht verhindern konnten.
Die Internationalen Brigaden wurden im September 1938, kurz vor Ende des Krieges, von der republikanischen Regierung abgezogen, in der Hoffnung, dies würde den Abzug der ausländischen Truppen durch Franco bewirken. Das geschah jedoch nicht. Die Namen der deutschen Freiwilligen standen längst auf den Listen der Gestapo. Ihre Möglichkeiten, nach dem Abzug woanders Exil zu finden, waren gering. Nach knapp drei Jahren endete der Krieg am 1. April 1939 mit dem Sieg der Putschisten. Er führte zu einer jahrzehntelangen Diktatur unter Franco, die erst mit seinem Tod 1975 endete.
Das Erbe der internationalen Freiwilligen aber wird bis heute in vielen Ländern bewahrt. In der Bundesrepublik gründeten Spanienkämpfer, Angehörige und Freunde 2001 den Verein »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936–1939« (KFSR), der korporatives Mitglied der VVN-BdA ist.
Am 18. und 19. Juli 2026 findet jeweils ab 10 Uhr in Berlin, im Salon des Hauses Franz-Mehring-Platz 1 (FMP1) ein Symposium zum Beginn des Spanischen Krieges 1936–1939 statt.
Mehr unter spanienkaempfer.de
Die Autorin ist eine Enkeltochter des deutschen Spanienkämpfers Fritz Mergen und Vorstandsmitglied des Vereins KFSR.



























