Kampf muss weitergehen

geschrieben von Ulrich Schneider und Regina Girod

4. Mai 2026

Herausforderungen für die Zukunft der FIR

In den 75 Jahren ihres Bestehens haben die Fédération Internationale des Résistants (FIR, Internationale Föderation der Widerstandskämpfer) und ihre Mitgliedsverbände mehrfach existentielle Umbrüche erlebt. Angesichts der weltgeschichtlichen Veränderungen, die sich in diesem Dreivierteljahrhundert vollzogen, lohnt es, nach den Gründen zu fragen, die das lange Fortbestehen der Organisation erforderten und ermöglichten.

Vermächtnis der Überlebenden

Der wichtigste Grund dafür ist inhaltlicher Natur. Die Losung »Nie wieder Faschismus! Nie wieder Krieg!« und das Eintreten für das politische Vermächtnis der Überlebenden des antifaschistischen Kampfes im 20. Jahrhundert sind bis heute notwendig, weil die Bedrohung der Menschheit durch Faschismus und Krieg noch nicht gebannt ist, aktuell sogar wieder wächst.

Das heißt, die grundlegenden Ziele der FIR, ihr Eintreten für antifaschistische und demokratische Werte muss die künftige Arbeit weiter bestimmen. Doch Kampfformen, Bündnismöglichkeiten und -abgrenzungen müssen, wie in der Vergangenheit, an veränderte gesellschaftliche Bedingungen angepasst werden, eingeschlossen die Entwicklung neuer Formen politischen Engagements und strukturelle Veränderungen der Organisationen.

Bis heute treten die FIR und ihre Verbände – von den Wahlen zum Europaparlament bis zu Aktionen gegen neofaschistische Provokationen – gegen den Vormarsch der extremen Rechten auf. Damit leisten sie einen Beitrag dafür, den Aktionsraum der extremen Rechten mit Mitteln des zivilgesellschaftlichen Widerstands einzuschränken. Die aktuelle Rechtsentwicklung bewegt nicht nur antifaschistische Organisationen, sondern breitere Kreise, die sie aus unterschiedlichen Perspektiven fürchten und bekämpfen. Daraus entstehen Möglichkeiten für neue Bündnisse. Der Anteil bürgerlicher Parteien an der Rechtsentwicklung und am Abbau demokratischer und sozialer Rechte in den jeweiligen Ländern sollen dabei jedoch nicht aus dem Blick geraten. Vor allem geht es darum, die Betroffenen von rechten Angriffen, migrantische Organisationen, Gewerkschaften und gesellschaftliche Minderheiten in antifaschistische Aktionen einzubinden. Es gibt in vielen Ländern gute Erfahrungen, wie solche Bündnisse unter Anerkennung der Unterschiedlichkeit von Positionen möglich sind.

Nicht nur durch die Kriege in der Ukraine, im Nahen Osten und jetzt gegen den Iran steht die Friedensfrage weiter im Zentrum der politischen Arbeit. In Europa findet man sehr heterogene Friedenskräfte und Bewegungen gegen Militarisierung. Es ist eine Aufgabe für die FIR und ihre Verbände, sich als aktiver Teil der Friedensbewegungen zu erweisen. Die Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte zeigt, dass in der Friedensbewegung Platz sein muss für Antiimperialisten und Pazifisten, für christliche Überzeugungen und Menschen mit anderen Zugängen. Es geht darum, sich gemeinsam in breiten gesellschaftlichen Aktivitäten der Militarisierung der Gesellschaft und der Umschichtung von Haushaltsmitteln zugunsten von Aufrüstung und zulasten sozialer Sicherheit zu widersetzen, ohne dabei antifaschistische Positionen aufzugeben.

In den Kriegen der letzten Zeit wurden Regeln des Völkerrechtes zugunsten des Rechts des Stärkeren gebrochen. Sekundiert wurde dies durch die Behauptung, das bisherige System des Völkerrechts hätte sich überlebt. Es war und ist aber als Lehre aus dem Zweiten Weltkrieg entstanden, um derartige Menschheitskatastrophen künftig zu verhindern. In diese Debatte müssen sich die FIR-Verbände stärker einbringen und das Prinzip der Vereinten Nationen verteidigen. Es kann nicht um eine Auflösung der UNO gehen, vielmehr gilt es, ihren Wert als Ergebnis des Sieges über die Nazibarbarei zu bekräftigen. Eine Rückkehr zum »Recht des Stärkeren« in der internationalen Politik hätte katastrophale Folgen für die Menschheit.

Alleinstellungsmerkmal

Ein zentrales Handlungsfeld der FIR und ihrer Verbände, fast schon ein Alleinstellungsmerkmal, ist die Verteidigung der Erinnerung an den Kampf der Völker gegen die faschistische Bedrohung und die Nazibarbarei. Ideologische Angriffe auf die Erinnerung zielen darauf, das kollektive Gedächtnis der Völker weg von der antifaschistischen Erinnerung hin zur »Kriegsertüchtigung« zu lenken. Von daher haben Veranstaltungen zum Gedenken und symbolische Zeichen der Erinnerung ihre Bedeutung, wenn sie die gesellschaftliche Öffentlichkeit erreichen. Es kann aber nicht nur um ritualisierte Formen des Gedenkens gehen. Angehörigen nachgeborener Generationen muss ein eigener Zugang zu dieser Erinnerung ermöglicht werden.

Neben den grundlegenden politischen Aufgaben stehen die FIR und ihre Mitgliedsverbände aber auch vor verbandsinternen Herausforderungen. So müssen Konzepte zur Sicherung der Organisationen vor existenzgefährdenden Angriffen erarbeitet werden. Die wichtigste Voraussetzung für ihre Weiterexistenz aber bleibt, wie in ihrer ganzen bisherigen Geschichte, die Übergabe des Staffelstabes an Angehörige nachfolgender Generationen.