Lied gegen Vereinnahmung
5. Mai 2026
Gedenken in Buchenwald: Antifaprotest gegen rechten Kulturstaatsminister
Dass die Merz-Regierung mit Wolfram Weimer einen rechten Kulturkämpfer zum Kulturstaatsminister gemacht hat, ist spätestens seit dem Skandal um drei linke Buchhandlungen, die unter Verweis auf angebliche »verfassungsschutzrelevante Erkenntnisse« von der Liste für den Deutschen Buchhandlungspreis gestrichen wurden, allgemein bekannt. Dass sein Haus dabei die Jury überging und die Betroffenen mit irreführenden Darstellungen abspeiste, zeigt: Hier wird nicht verwaltet, hier wird eingegriffen. Der kulturkämpferische Modus, den die extreme Rechte seit Jahren vorantreibt, ist in abgeschwächter Form längst in der Bundesregierung angekommen.
Zum diesjährigen Gedenken an die Selbstbefreiung des KZ Buchenwald hatte Weimer sich selbst in die Gedenkstätte eingeladen. Dass ihn mit der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora e. V. sowie der Lagergemeinschaft Buchenwald-Dora/Freundeskreis e. V. zwei Verbände der ehemaligen Häftlinge und ihrer Angehörigen im Vorfeld aufgefordert hatten, auf seine Rede zu verzichten, war folgerichtig – Weimers bisheriger Kurs: Kürzungen und politischer Druck auf kritische Projekte und deutschnationale Akzentverschiebungen im Kulturbetrieb liefert den Kontext – und wurde ignoriert. Damit war klar, dass die weitgehend aus Bundesmitteln finanzierte Gedenkstätte ihn als Vertreter der Politik willkommen heißen musste. Dennoch hatte Gedenkstättenleiter Wagner im Vorfeld ungewöhnlich deutlich Position bezogen und den Kulturstaatsminister wiederholt kritisiert. Das ist bemerkenswert – und verweist zugleich auf die strukturelle Zwickmühle: Wer sonst die Gefahr läuft, abgewickelt zu werden, gerät schnell in eine Situation, in der politische Klarheit mit institutioneller Abhängigkeit kollidiert. Genau diese Spannung wurde in Buchenwald sichtbar.
Vor diesem Hintergrund war Weimers Auftritt mehr als nur ein politischer Fehlgriff. Es ging um die symbolische Besetzung eines zentralen Ortes antifaschistischer Erinnerung. Umso wichtiger war die Reaktion vieler Besucher:innen: Während Weimer sprach, wurde das Buchenwald-Lied angestimmt – ein kollektiver Einspruch gegen die Vereinnahmung von Gedenken.
Interview »Gedenkstättenarbeit ist keine Agitprop-Veranstaltung« mit Jens-Christian Wagner auf Hagalil: kurzlinks.de/wagner-interview



























