USA am Kipp-Punkt


geschrieben von André Wartmann

8. März 2026

Entwicklung zu einem faschistisch-autoritären Staat

Ein Jahr nach Beginn der zweiten Amtszeit von Donald Trump ist klar: Die Entwicklung übertrifft selbst die düsteren Erwartungen vieler Beobachter*innen. Anders als während seiner ersten Präsidentschaft von 2017 bis 2021, als Trump noch als politischer Außenseiter ohne erkennbare strategische Linie agierte, treibt er nun von Beginn an einen systematischen autoritären Staatsumbau voran. Die ideologische Grundlage liefert das Programm »Project 2025« der Heritage Foundation, umgesetzt von loyalen Amtsträger*innen in Schlüsselpositionen. Seit Trumps Rückkehr ins Weiße Haus ist die politische Kultur der Vereinigten Staaten nicht nur rauer geworden – sie ist bereits in den ersten Wochen des Jahres 2026 in einer Weise eskaliert, die selbst pessimistische Prognosen übertroffen hat. USA am Kipp-Punkt
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Stimmen für die Ewigkeit

geschrieben von Falk Mikosch

8. März 2026

»Holo-Voices« im Erinnerungs- und Lernort auf Zeche Zollverein in Essen

Nur noch wenige NS-Opfer können über ihre Erlebnisse berichten. Die neue Ausstellung »Holo-Voices – begegnen – fragen – weitersagen« soll deshalb dafür sorgen, dass die Zeitzeugen nie verstummen werden. Am 27. Januar, dem Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus, eröffnete »Holo-Voices« in der Zeche Zollverein in Essen. Mit Aufnahmen von Holocaustüberlebenden wurden lebensgroße Hologramme gebildet. Fast könnte man vergessen, dass es sich um ein dreidimensionales Video handelt. Auf eine Bühne projiziert, ist es sogar möglich, Fragen an die Zeitzeuginnen und Zeitzeugen zu stellen. Stimmen für die Ewigkeit weiterlesen »

Feldzug gegen die UdSSR

geschrieben von Ulrich Schneider

8. März 2026

Quellenreiche Studie zum deutschen Überfall erschienen

Jochen Hellbeck ist Autor der Studie »Ein Krieg wie kein anderer«. Der Professor an der Rutgers University ist bereits vor einigen Jahren mit dem Band »Die Stalingrad-Protokolle« in Erscheinung getreten. Darin gelang es ihm, ausgehend von den Erinnerungen der Soldaten beider Seiten, die Dramatik dieser Schlacht, die tatsächlich eine Kriegswende der faschistischen Expansion bedeutete, »von unten« zu beleuchten. Sein neues Buch ist die Fortsetzung dieses Projekts. Es enttäuscht die Erwartungen nicht.

Der Autor beginnt seine etwa 500-seitige Darstellung nicht mit der Kriegsplanung, sondern mit der ideologischen Grundausrichtung der NS-Bewegung, deren Antibolschewismus aus seiner Sicht konstitutiv für alle politischen Entscheidungen in den folgenden Jahren der »Kampfzeit«, aber auch nach der Machtübertragung 1933 war. Er ordnet dabei auch den Antisemitismus, der sich in letzter Konsequenz zur eliminatorischen Form entwickelte, in seiner Bedeutung für das faschistische Projekt neu ein. Er bezeichnet dies als »Triebfeder« des NS-Regimes, die sich in den Massenmorden an den sowjetischen Juden ausdrückte und »zur Blaupause für den Holocaust in ganz Europa« wurde. Erhellend sind in seiner Darstellung die Beispiele für die Konsistenz dieser Ideologie, die sich insbesondere gegen die sowjetischen Juden richtete, die in der NS-Vorstellung als reale Bedrohung aufgebaut wurden. Feldzug gegen die UdSSR weiterlesen »

Kämpfe immer verbunden

geschrieben von Maxi Schneider

8. März 2026

Zur Ausstellung zu Rom*nja und Sinti*zze nach 1945. Ein Gespräch mit Jane Weiß

antifa: Im November 2025 wurde die Ausstellung »Widerstand und Würde – Verbundene Kämpfe von Rom*nja und Sinti*zze nach 1945« im Friedrichshain-Kreuzberg-Museum in Berlin eröffnet. Wie kam es dazu, und was war euch inhaltlich besonders wichtig?

Jane Weiß: Die Ausstellung wurde vom Museum initiiert und gemeinsam mit zivilgesellschaftlichen Akteur*innen erstellt. Für uns ist sie ein wichtiger Teil unserer Arbeit bei RomaniPhen e. V., bei der es darum geht, Wissen rassismuskritisch und mit verändertem Blick aufzubereiten und der Öffentlichkeit, vor allem aber auch unserer Community, zur Verfügung zu stellen. Aus dem Material und unserer Zusammenarbeit haben sich vier Schwerpunkte ergeben: Kämpfe um Erinnerung, Anerkennung, Bleiberecht und feministisches Empowerment (Romnja*-Power). Eine Besonderheit unserer Ausstellung ist, dass wir BRD und DDR immer gleichwertig in den Blick nehmen. Meistens wird die DDR als Fußnote behandelt und dann auch wenig kenntnisreich. Außerdem war es uns sehr wichtig, Geschichte und Gegenwart zu verbinden. Kämpfe immer verbunden weiterlesen »

Fluchtpunkt Marseille

geschrieben von Axel Holz

8. März 2026

Künstler, Helfer und Netzwerke im Europa des Jahres 1940

Im Juni 1940 hat Hitlers Wehrmacht Frankreich besiegt. Hunderttausende von den Nazis Verfolgte hatten in den 1930er-Jahren Deutschland verlassen. Viele landeten als Emigranten in Frankreich und waren nun erneut bedroht. Darunter zahlreiche Prominente – Politiker, Literaten, Lektoren, Komponisten und Maler –, die Crème de la Crème der deutschen Intellektuellen. Sie alle waren abermals in Gefahr und flüchteten vor der Front nach Südfrankreich, um über Marseille nach Tunesien, Spanien, Portugal und weiter nach Amerika zu emigrieren.

Mit Kriegsbeginn wurden alle Deutschen als feindliche Ausländer in fünf großen Lagern interniert, darunter in Gurs und Drancy. Die Bedingungen waren katastrophal, sodass Tausende bereits dort starben. Im Waffenstillstandsabkommen der Nazis mit Pétains Marionettenregime war auch die Auslieferung der Nazigegner vereinbart worden, deshalb mussten Tausende Emigranten nun um ihr Leben fürchten. Besonders Juden, politisch Verfolgte und liberale Künstler. Darunter befanden sich Lion Feuchtwanger, Franz Werfel und Alma Mahler-Werfel, Golo Mann und Heinrich Mann, Alfred Döblin, Anna Seghers, Hannah Arendt und Walter Benjamin, Wilhelm Mehring und Max Ernst, aber auch Politiker wie Rudolf Breitscheid und Rudolf Hilferding. Einige brachten sich aus Verzweiflung selbst um, wie der Prosapoet Franz Hessel oder der Autor Walter Benjamin, der kurz zuvor seinen letzten Essay Anna Seghers übergeben hatte und sich auf der Flucht verzweifelt in Portbou vergiftete. Seghers floh mit ihren Kindern zu Fuß aus Paris, Louis Fürnberg steckte im Internierungslager Gurs fest. Andere liefen sich in Marseille über den Weg, auf der Suche nach Visa, Aus- und Einreisepapieren, Schiffspassagen und Geldmitteln. Spanien und Portugal waren als Durchgangsrouten notwendig, aber als Emigrationsziel nicht sicher; die USA versuchten, sich aus dem Krieg herauszuhalten, und vermieden weitgehend die Ausgabe von Visa. Tausende Emigranten saßen in der Falle und mussten um ihr Leben fürchten. Fluchtpunkt Marseille weiterlesen »

Erinnerung in Bewegung

geschrieben von Harry Friebel

8. März 2026

Gegen Ritualisierung und rechte Instrumentalisierung

Nachdem in der antifa-Januar-/Februarausgabe bereits »Gedenken neu denken«, die Neuerscheinung von Susanne Siegert, besprochen wurde, sei hier nur knapp daran erinnert, dass auch sie – aus der Perspektive einer jüngeren Generation – für eine aktivierende und inklusive Erinnerungskultur plädiert. Im Vergleich dazu argumentiert Wolfgang Benz stärker historisch-systematisch und mit dem Gewicht jahrzehntelanger Forschungserfahrung.

Wolfgang Benz, Historiker, war leitender Antisemitismusforscher an der TU Berlin und wirkt in verschiedenen Beiräten von KZ-Gedenkstätten mit. In »Zukunft der Erinnerung« schreibt er mit Vehemenz gegen die Ritualisierung der Erinnerung und des Gedenkens an. Sein Anliegen ist es, die Erinnerungsarbeit gegen politische Instrumentalisierung zu verteidigen. Mit großer Schärfe kritisiert Benz Rechtsradikale, insbesondere Funktionäre und Mandatsträger der AfD. »Die Äußerungen von Funktionären und Mandatsträgern in der Öffentlichkeit bilden ein Quodlibet (Mischmasch H. F.) von Nationalkonservativen, vulgär-patriotischen, völkisch-rassistischen, islamfeindlichen und antidemokratischen Stimmen« (S. 93). Benz verweist dabei etwa auf Höckes pöbelnde Aussprüche gegen die NS-Erinnerungskultur: Deutschland sei, so Höcke, »das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt« (ebenda) habe. Erinnerung in Bewegung weiterlesen »

Im Schatten der Historie

geschrieben von Bernd Hüttner

8. März 2026

Kunst und Kultur nach 1945 in Ost und West

Die zeithistorischen und auch die kunstwissenschaftlichen Großerzählungen waren lange von der Vorstellung eines demokratischen (West) oder antifaschistischen (Ost) Neubeginns im Kunstbetrieb nach 1945 geprägt. Dieses Narrativ hat sich für den Westen noch mehr als für den Osten als falsch erwiesen. Für die Bundesrepublik wurden in den letzten Jahren ideologische und personelle Kontinuitäten nicht nur anhand von Emil Nolde oder der weltbekannten Ausstellung documenta fundiert nachgewiesen. Im Schatten der Historie weiterlesen »

Gewerkschaften gegen Aufrüstung

geschrieben von Ulrich Stuwe

8. März 2026

Die Gegner der Aufrüstung aus den Gewerkschaften haben Ende letzten Jahres einen Sammelband publiziert, in dem sie ihre Positionen darstellen und daraus Empfehlungen ableiten. Herausgeberin ist die Gewerkschaftssekretärin Ulrike Eifler. Sie sieht in der Umstellung von Teilen der Industrie auf Rüs-tungsproduktion und die enorme Steigerung des Rüs-tungsetats auf avisierte fünf Prozent des BIP einen Klassenkampf von oben, dem sich die Gewerkschaften als Vertretung der Arbeiterklasse entgegenstellen müssen. Die Aufrüstung wird nach Meinung aller AutorInnen zu einem massiven Abbau des Sozialstaates führen und zu einer Verschlechterung der Möglichkeiten der Arbeitenden für hohe Gehälter und gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Hiergegen helfe als einziges Bollwerk der Aufbau einer gewerkschaftlich verankerten Friedensbewegung. Gewerkschaften gegen Aufrüstung weiterlesen »

Wer ist Höcke?

geschrieben von Janka Kluge

8. März 2026

Eine neue Biografie seziert Strategie, Netzwerk und Ideologie des Thüringer AfD-Politikers

Im Herbst 2025 erschien eine Höcke-Biografie des Journalisten Frederik Schindler. Schindler recherchiert seit 2018 zur AfD und ihren Protagonisten, seit 2021 arbeitet er bei Springer insbesondere für die verschiedenen Formate von Welt. In seinem Buch versucht er, Ideologie, Karriereweg und Kommunikationsstrategie von Björn Höcke systematisch offenzulegen – und liefert damit Material für alle, die sich ernsthaft mit der extrem rechten Formierung auseinandersetzen wollen.

Besonders aufschlussreich ist Schindlers Blick auf Höckes frühe Jahre im Schuldienst. Zwischen 1999 und 2001 absolvierte er sein Referendariat am Goethe-Gymnasium im hessischen Bensheim, anschließend wechselte er an eine integrierte Gesamtschule im rund 40 Kilometer entfernten Groß-Gerau. Dort galt er als engagierter Lehrer, insbesondere im Sportunterricht, und als jemand, der für Schüler:innen ansprechbar war. Parallel jedoch verfolgte er ehrgeizigere Pläne: Ab dem Wintersemester 2002/2003 studierte er im Fernstudium Schulmanagement an der TU Kaiserslautern, mit dem Ziel, Schulleiter zu werden. Wer ist Höcke? weiterlesen »

Kämpferinnen sichtbar

geschrieben von Peter Nowak

8. März 2026

Gewerkschaftswiderstand gegen den NS-Staat

In den 1960er-Jahren plante der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Geschichte der Gewerkschafter*innen aufzuarbeiten, die während des NS-Regimes Widerstand geleistet hatten. Das Projekt wurde nie realisiert. Doch fast sechzig Jahre später setzt die Arbeitsstelle »Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik« am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin die Pläne um. In den letzten Jahren sind zahlreiche Schriften zum gewerkschaftlichen Widerstand erschienen.

Jetzt ist im Metropol-Verlag der dritte Band der Reihe »Gewerkschafterinnen im NS-Staat« erschienen. Auf über 400 Seiten finden sich Biografien von 50 Gewerkschafterinnen, die zum großen Teil unbekannt waren. Tatsächlich wurden Frauen oft als Lebensgefährtinnen männlicher Antifaschisten betrachtet. Dabei wurde der eigenständige Beitrag der Widerstandskämpferinnen ausgeblendet. Kämpferinnen sichtbar weiterlesen »

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