Vor einhundert Jahren, am 3. August 1925, wurde Günter Pappenheim geboren
Ein professioneller Akkordeonist hatte die ersten Töne der französischen Nationalhymne gespielt, als sich im Festsaal die Gäste aus Frankreich und dann alle Anwesenden von den Plätzen erhoben. Die Franzosen sangen ihre »Marseillaise« textsicher. Auf einem kleinen Tisch war eine Ziehharmonika mit Gebrauchsspuren ausgestellt. In der ersten Reihe neben dem Botschafter Frankreichs in Deutschland stand Günter Pappenheim, ein würdiger Alter mit seinen 92 Jahren. Auf Erlass des französischen Präsidenten waren ihm an diesem 27. Januar 2017 in Erfurt die Insignien eines Kommandeurs der Ehrenlegion Frankreichs überreicht worden. Eine der höchsten staatlichen Auszeichnungen der Französischen Republik für einen deutschen Antifaschisten!
Das war insofern bemerkenswert, als der Vorschlag, Günter mit dem Bundesverdienstkreuz zu ehren, mit der lapidaren Begründung »nicht auszeichnungswürdig« ablehnend beschieden worden war. Der Botschafter Frankreichs zeichnete den Lebensweg des Geehrten nach. Günter ergänzte in seinen Dankesworten, und es kam die ausgestellte Ziehharmonika in Rede. Um die zu besitzen, hatte der Lehrling vom kargen Lehrlingsgeld lange gespart. Inzwischen war er Schlosser in der Werkzeugfabrik »Gebrüder Heller« in Schmalkalden. In der mittäglichen Arbeitspause am 14. Juli 1943 hatte er die »Marseillaise« auf der Ziehharmonika gespielt. An diesem Tage gedachten die zur Zwangsarbeit eingesetzten französischen Kriegsgefangenen in der Fabrik des Sturms auf die Bastille und der Revolution von 1789. Der Tag war ihr Nationalfeiertag, und je kräftiger sie sangen, desto leidenschaftlicher spielte Günter. Von einem deutschen Kollegen denunziert, wurde Günter in der Fabrik von der Geheimen Staatspolizei verhaftet und nach Suhl gebracht. Kompass für sein Leben weiterlesen »


























