Migrationsgesellschaft unter Druck

geschrieben von Paulina, Aktion Bleiberecht

8. März 2026

Veranstaltungsreihe und Protest im Dreiländereck Frankreich – Schweiz – Deutschland

Das gesellschaftliche Klima gegenüber Menschen, die vor Krieg, Verfolgung, Armut oder den Auswirkungen des Klimawandels nach Europa flüchten, ist rau. Dabei ist Deutschland seit Jahrzehnten eine Migrationsgesellschaft. Fluchtbewegungen – aktuell aus der Ukraine oder Syrien – sind Ausdruck globaler Machtverhältnisse, kriegerischer Konflikte und ökonomischer Ungleichheiten. Dennoch wird das Asylrecht spätestens seit den 1980er-Jahren nicht als menschenrechtliche Verpflichtung, sondern als innenpolitischer Konfliktstoff verhandelt. Vor diesem Hintergrund organisieren Aktion Bleiberecht und das Informationszentrum 3. Welt (iz3w) in Freiburg noch bis zum 18. April die Veranstaltungsreihe »Die Ausgrenzung vor unserem Auge«, die die jüngsten rechtlichen Verschärfungen und ihre sozialen Konsequenzen kritisch analysiert. Migrationsgesellschaft unter Druck weiterlesen »

Vergangenheit, die weiterlebt

geschrieben von K. Schütte

8. März 2026

Ein Blick in das Archiv von Heideruh

Die Antifaschistische Erholungs- und Begegnungsstätte Heideruh in der Nordheide wird in diesem Jahr 100 Jahre alt (siehe antifa-Januar-/Februarausgabe). Bereits 1926 kauften Hamburger Kommunisten um Ernst Ständer, Franz Jacob und Fiete Lass ein großes Holzhaus abgelegen im Wald und nutzten es als Rückzugsort und dafür, abseits der Aufmerksamkeit der Großstadt, politisch zu arbeiten und den Widerstand gegen die erstarkenden Nazis zu planen. 1936 wurde Heideruh enteignet und unter anderem von einem Hamburger Bauunternehmer als sogenanntes Gefolgschaftsheim – ein Aufenthaltsraum für dessen Arbeiter – genutzt. Unmittelbar nach Kriegsende wurde es von den britischen Befreiern an das Komitee ehemaliger politischer Gefangener übergeben. In der frühen Nachkriegszeit wurde Heideruh zunächst als Schulungsheim der FDJ, später als Kinderheim der VVN genutzt. Stetig war es vor allem ein Ort der Erholung für ehemalige Verfolgte des Faschismus, ihre Angehörigen und andere Antifaschist:innen. Vergangenheit, die weiterlebt weiterlesen »

Olympische Nostalgie

geschrieben von Hans-Peter Häfele, Karlsruhe

8. März 2026

Wie ein Retroshirt des IOC die Ästhetik von 1936 vermarktet

Die Olympischen Winterspiele 2026 in Italien befinden sich zum Zeitpunkt der Niederschrift dieses Textes bereits auf der Zielgeraden. Solche Events sind für die ausrichtenden Länder gleichermaßen Prestigeprojekte wie finanzielle Kraftakte. Milliardeninvestitionen in Infrastruktur, Sicherheit und Inszenierung steht die Hoffnung auf touristische Impulse, internationale Sichtbarkeit und langfristige Standortvorteile gegenüber.

Für Irritationen sorgte jüngst die Meldung, dass die »Olympic Heritage Collection« als offizielle Vermarktungsagentur des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) ihre hauseigene Produktpalette um ein neues T-Shirt ergänzt hatte. Dessen Bildmotiv rief kritische Nachfragen hervor. Es handelt sich um ein Kleidungsstück zur Eigenwerbung des IOC, das die Olympiade 1936 in Berlin promotet. Der Vertrieb des in allen Größen angebotenen und 39 Euro teuren Artikels erfolgte über den offiziellen Fanshop des IOC. Das Motiv zeigt einen muskulösen Athleten mit Lorbeerkranz vor der Quadriga des Brandenburger Tors, darüber die olympischen Ringe mit dem Schriftzug »Germany Berlin Olympic Games 1936«. Der Entwurf geht auf Franz Würbel zurück, den Chefdesigner des NS-Regimes für die Spiele von 1936. Die Auflage sei streng limitiert gewesen und ist nach IOC-Angaben seit geraumer Zeit vergriffen. Naheliegend ist die Frage, welcher Personenkreis für ein solches Produkt besonderes Interesse entwickelt – und mit welcher Motivation. Olympische Nostalgie weiterlesen »

Eskalation im Nahen Osten stoppen: Nein zum Krieg gegen den Iran!

8. März 2026

Erklärung des BSK, 28.2.2026 (gekürzt)

Donald Trump und Benjamin Netanjahu haben ihre ständigen Drohungen wahrgemacht: die USA haben gemeinsam mit Israel den Iran angegriffen. Damit haben sie eine neue Eskalation des seit dem Überfall der Hamas wütenden Krieges herbeigeführt, der die ganze Region in Brand vollends in Brand setzen könnte. Der Iran reagiert postwendend mit Raketen auf Israel, und US-Stützpunkte in den Golfstaaten und zur See.

Die Islamische Republik Iran ist eine klerikal-reaktionäre Diktatur, die antisemitische Vernichtungsfantasien propagiert, Terrororganisationen finanziert und insbesondere Frauen unterdrückt. Bis zu 30.000 Menschen hat das Mullah-Regime bei der blutigen Niederschlagung der Massenproteste Anfang des Jahres von seinen Schergen ermorden lassen, Tausende wurden verhaftet und sind von der Todesstrafe bedroht. Eskalation im Nahen Osten stoppen: Nein zum Krieg gegen den Iran! weiterlesen »

antifa für alle Mitglieder!

8. März 2026

Der Bezug der Verbandszeitung ist im Beitrag enthalten

Liebe Kameradinnen und Kameraden,

seit dem Zusammenschluss von VVN-BdA (West) und IVVdN-BdA (Ost) zur gemeinsamen Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten im Jahr 2002 ist das antifaschistische Magazin antifa unsere gemeinsame Mitgliederzeitung. Der Bezug ist im Mitgliedsbeitrag enthalten. antifa für alle Mitglieder! weiterlesen »

Im Teufelskreis der Projektionen

geschrieben von Maxi Schneider

8. März 2026

Erinnerungspolitische Verwerfungen nach dem 7. Oktober 2023

Das antisemitische Massaker durch Hamas und Verbündete am 7. Oktober 2023 mit mindestens 1.200 ermordeten Israelis und 240 verschleppten Geiseln und die darauffolgende Kriegsführung gegen den Gazastreifen durch Israel, die für die palästinische Zivilbevölkerung dramatische Auswirkungen genozidalen Ausmaßes hat, hat hierzulande zu tiefgreifenden politischen Verwerfungen geführt. Wahrscheinlich hat schon dieser Satz auf verschiedenen Seiten unterschiedliche Widerstände ausgelöst. Es ist gar nicht möglich, einen solchen Text zu schreiben, ohne Irritationen auszulösen. Zu verfahren und kompliziert ist die Lage – voll von Projektionen, Unterstellungen, Verletzungen, Bedrohungen und existenziellen Ängs-ten. Die Auseinandersetzungen und Spaltungen betreffen die Erinnerungskultur in Deutschland und beschäftigen uns als Antifaschist*innen besonders stark.

Zum einen wird der Kampf gegen Antisemitismus über die sogenannte Staatsräson instrumentalisiert, um rassistische Repression in Deutschland zu legitimieren und Kriegsverbrechen gegenüber der palästinensischen Bevölkerung zu rechtfertigen. Zum anderen steigen antisemitische Attacken unter dem Deckmantel des Antizionismus seit dem 7. Oktober rasant an, und erinnerungspolitische Errungenschaften werden seit Neuestem auch von links infrage gestellt. Im Teufelskreis der Projektionen weiterlesen »

Das Morgenrot der Menschheit

geschrieben von Bernd Kant

8. März 2026

Jüdischer Kommunist und Widerstandskämpfer: Peter Gingold zum 110. Geburtstag am 8. März

Zum 50. Gründungsjubiläum der VVN-BdA standen Peter Gingold und Esther Bejarano gemeinsam auf der Bühne und verlasen ihren – bis heute aktuellen – »Appell an die Jugend«. Es war für alle Anwesenden ein bewegender Moment, als diese Zeitzeugen den Nachgeborenen die Verantwortung für die Fortführung des Vermächtnisses der Überlebenden übergaben.

So war Peter Gingold, geboren am 8. März 1916, sein ganzes politisches Leben lang. Mit jungen Antifaschisten stand er in vielen Orten auf Straßen und Plätzen gegen Neofaschismus und Krieg. Gleichzeitig berichtete er in ungezählten Veranstaltungen, in Gesprächsrunden, in Schulklassen und Jugendgruppen von seinen historischen Erfahrungen – von dem Verfolgungsschicksal seiner Familie, aber auch seiner Bereitschaft, sich dem antifaschistischen Widerstand anzuschließen, und alles dafür zu tun, dass nie wieder Faschismus und Krieg die Menschheit bedrohen. Das Morgenrot der Menschheit weiterlesen »

Möglichst weit weg

geschrieben von Susanne Heim

8. März 2026

Als Juden vor verschlossenen Grenzen standen

Als im Herbst 1933 das Hochkommissariat des Völkerbunds für die Flüchtlinge aus Deutschland gegründet wurde, konnte Deutschland, das immer noch Mitglied des Bundes war, Bedingungen durchsetzen, die den Handlungsspielraum des Hochkommissars stark einschränkten.

Eine koordinierte Flüchtlingspolitik kam nicht zustande. Und die potenziellen Zufluchtsstaaten entwickelten nicht miteinander, sondern tendenziell in Konkurrenz zueinander neue Regularien zur Abwehr von Flüchtlingen. In Deutschland enteignet, in den Zufluchtsstaaten ohne Arbeitserlaubnis – die geflüchteten Jüdinnen und Juden wurden schnell zur unerwünschten Bevölkerungsgruppe. Dem versuchten die jüdischen Organisationen entgegenzutreten. Doch je länger die Flüchtlinge in den Zufluchtsstaaten festsaßen, desto mehr wurden die Ressourcen der Hilfs-organisationen für ihre vorübergehende Versorgung gebraucht und fehlten damit für den Aufbau neuer Existenzen. Zudem waren die Hilfsorganisationen in den Zufluchtsstaaten in einer ambivalenten Situation. Einerseits bemühten sie sich, die Flüchtlinge zu unterstützen, andererseits waren sie an einer Kooperation mit den Behörden interessiert und bereit, die Zahl der Neuankömmlinge in Grenzen zu halten aus Sorge vor einer Ausbreitung des Antisemitismus. Möglichst weit weg weiterlesen »

Führerprinzip und Kapitalismus

geschrieben von Dirk Schneider

8. März 2026

Vor 100 Jahren: Bamberger Tagung der NSDAP

Ein Jahr nach Wiedergründung der NSDAP 1925 kam es im Februar 1926 in Bamberg zur Machtprobe zwischen dem Nordflügel um Gregor Strasser und Joseph Goebbels sowie dem von Hitler dominierten Südflügel. Die Tagung in der fränkischen Provinz bestimmte dabei die langfristige Ausrichtung der Nazipartei. Goebbels und Strasser standen im Vorfeld programmatisch in der Tradition der Thesen Oswald Spenglers in dessen Schrift »Preußentum und Sozialismus«. Beide verfochten eine »nationalbolschewistische« Wirtschaftspolitik und befanden sich so in Fundamentalopposition zu Hitler und den süddeutschen Parteigauen. Führerprinzip und Kapitalismus weiterlesen »

35 Jahre von 75

8. März 2026

Ein Gespräch über die FIR, die vor 75 Jahren gegründet wurde

Regina Girod: Sich an die Geschichte der FIR zu erinnern, ist für uns untrennbar mit der Geschichte der VVN verbunden, die seit ihrer Gründung 1951 Mitglied in der FIR war. Wenn wir heute über die 35 Jahre sprechen, die wir beide aktiv miterlebt und mitgestaltet haben, bringst du die Westerfahrung und ich die Ostperspektive ein. Die alte VVN war von Anfang an dabei, du bist heute der Aktivist der VVN-BdA, der die FIR am längsten und besten kennt. Mir ist sie das erste Mal 1992 bei einer Generalversammlung in Berlin begegnet, da hast du als einziger Nachgeborener bereits die VVN-BdA vertreten. Von den beiden 1990 im Osten gegründeten Organisationen war damals nur die IVVdN Mitglied in der FIR. Ihr Vorsitzender, Fred Dellheim, erzählte mir, dass du zu diesem Zeitpunkt keinen leichten Stand unter den gestandenen Widerstandskämpfern hattest. 35 Jahre von 75 weiterlesen »

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