Verheerende Folgen

geschrieben von Ulrich Schneider

11. Juli 2023

Der Vormarsch der extremen Rechten in Europa bei den zurückliegenden Urnengängen

Parlamentswahlen sind Indikatoren für gesellschaftliche Einflussverhältnisse, selbst wenn sie manchmal kurzfristig von äußeren Faktoren beeinflusst werden, und Ausdruck der Machtverteilung zwischen den politischen Eliten. In diesem Sinne ändern die jeweiligen Wahlprozente wenig an den tatsächlichen Machtverhältnissen, sie sagen vielmehr etwas über die Integration der Bevölkerung in das jeweilige politische System. Diese Grunderkenntnis bestätigte sich auch bei den letzten politischen Wahlen in verschiedenen Ländern Europas. Dabei ist es auffällig, mit welcher Aufmerksamkeit die jeweiligen Wahlen durch viele bundesdeutsche Medien verfolgt wurden, zeigt es doch, welche politischen Interessen durch diese Wahlen berührt sind. Verheerende Folgen weiterlesen »

»Unbewohntes« Land?

geschrieben von Cornelia Kerth

11. Juli 2023

50 Jahre nach dem Putsch in Chile: Mapuche, deutsche Kolonisten und Landreform

Wer in Chile im »Kleinen Süden« zwischen Concepcion und Puerto Montt unterwegs ist, findet in Bäckereien und Cafés »Kuchenes« und »Strudel«, sieht in nahezu jeder Stadt eine »Deutsche Schule«, gelegentlich ein »Deutsches Haus« mit deutschtümelnder Gedenktafel und natürlich: »Kunstmann«-Bier. Als der »deutscheste aller chilenischen Orte« und zugleich eine der »idyllischsten Siedlungen Chiles« gilt Frutillar am Westufer des Lago Llanquihue. Der Name des Sees weist darauf hin, wo man sich befindet: in Wallmapu, dem Land der Mapuche, in deren Sprache Mapudungun »llanquyn-we« einen Ort bezeichnet, an dem man »ins Wasser eintauchen« kann.

Es ist kein Zufall, dass die meisten der rund 500.000 Deutsch-Chilenen im Land und auf dem Land der Mapuche leben und es ist auch kein Zufall, dass ihre »idyllischen« Häuser vom Wohlstand der Bewohner zeugen, während die oft windschiefen Behausungen der Mapuche zwischen Puerto Montt und Valdivia auf äußerste Armut schließen lassen. »Unbewohntes« Land? weiterlesen »

In Diktatur getrieben

geschrieben von Holger Czitrich-Stahl

11. Juli 2023

Studie zur »Machtergreifung« von Faschisten im ländlichen Raum

20 Jahre nach dem Ende der NS-Diktatur veröffentlichte William Sheridan Allen 1965 seine Studie über den Aufstieg der NSDAP in der norddeutschen Kleinstadt Northeim, 1966 erschien sie in deutscher Sprache. Der Autor (1932–2013) studierte unter anderem an der FU Berlin und in Göttingen. Northeim liegt in der Nähe des Harzes. Allen nannte es »Thalburg«. Ihn bewegte, wie eine Demokratie lokal in die Diktatur getrieben werden konnte. Es gab erste Studien zur »Machtergreifung« der Faschisten im ländlichen Raum, jedoch keine lokalen Analysen des Zeitraums von 1930 bis 1935. Insofern war seine Arbeit eine Pionierstudie. In Diktatur getrieben weiterlesen »

Die Fragen sind anschlussfähig

11. Juli 2023

Ausstellung für junge Menschen erinnert an Kinder des »Verlorenen Transports«. Gespräch mit Carolin Starke

antifa: Sie haben an der Wanderausstellung »›Wer ein Leben rettet …‹ – Lebensgeschichten von Kindern des ›Verlorenen Transports‹« mitgewirkt. Worum geht es genau in der Exposition?

Carolin Starke: Alles verbindet sich mit einem Räumungstransport kurz vor Kriegsende aus dem KZ Bergen-Belsen bei Hannover. Es gab drei dieser Transporte, allesamt Güterzüge, in denen sich sogenannte Austauschjuden befanden und die jeweils Anfang April 1945 in Bergen-Belsen starteten und Theresienstadt erreichen sollten, was aber nur einem Zug gelang. Jener Zug, der in der Ausstellung Thema ist, war rund zwei Wochen unterwegs und fuhr mit etwa 2.500 jüdischen KZ-Häftlingen quer durch das Reichsgebiet. Die Situation der Menschen war absolut schrecklich: Die meisten hatten mindestens ein Jahr die Qualen im KZ Bergen-Belsen und weiteren Haftorten ertragen müssen, waren krank, geschwächt, und sie wussten nicht, wo sie hinfahren oder wo gehalten wird, Essen und Wasser mussten sie während einiger Halte unter gefährlichen Bedingungen selbst organisieren. Über 500 Häftlinge starben insgesamt während der Fahrt und noch nach der Befreiung. Schließlich ist der Zug nahe des Dorfes Tröbitz im heutigen südbrandenburgischen Landkreis Elbe-Elster zum Stehen gekommen, weil die Brücke über die Elster durch die Hitlerjugend gesprengt worden war, um das Vorrücken der Roten Armee zu erschweren. Am Ende sind die SS-Männer abgehauen, und die Sowjets kamen am nächsten Morgen, dem 23. April 1945, und retteten die Insass:innen. Die Fragen sind anschlussfähig weiterlesen »

Unbeschwert in Zwickau

geschrieben von Sebastian Schröder

11. Juli 2023

»Wenn du hier politisch wirst, ändert sich alles«: Zu »Unter Nazis«

Im sächsischen Zwickau fährt ein Bus der städtischen Verkehrsbetriebe mit einem roten Eisernen Kreuz auf schwarzem Hintergrund. Dieser Bus macht stadtweit Werbung für das Tattoo-Studio eines bekannten Zwickauer Rechten, der auf Fotos schwer bewaffnet posiert und auch die Motive »Schwarze Sonne«, der »Rote Baron« und Wehrmachtssoldaten anbietet. Unbeschwert in Zwickau weiterlesen »

Zwischen kritisch und toxisch

geschrieben von Peps Gutsche

11. Juli 2023

Buch zu Männlichkeiten und der Auseinandersetzung mit dem Patriarchat

Es wird in letzter Zeit richtigerweise viel über Männlichkeiten und die Auseinandersetzung mit dem Patriarchat gesprochen und geschrieben. Das ist gut und wichtig, häufig aber auch eher akademisch oder analytisch geprägt. Die Auseinandersetzung mit Männlichkeiten bleibt dabei eine ernste Angelegenheit zwischen kritischer Betrachtung und toxischer Manifestation. Zwischen kritisch und toxisch weiterlesen »

Vermächtnis der Geretteten

geschrieben von Ulrich Schneider

11. Juli 2023

Antifaschistische Kultur: Eine politische Biografie von Nico Rost

Seit einigen Jahren sind die Themen Antifaschismus und die Geschichte antifaschistischer Verbände zunehmend Gegenstand akademischer Betrachtung. Mit dem Verschwinden der Zeitzeugengeneration, die in ihrer Person beide Themen verkörperten, gibt es eine höhere Nachfrage nach derlei Beiträgen.

An sich ist das begrüßenswert, jedoch ist oftmals das Fehlen der Zeitzeugen als vermittelndes Korrektiv in solchen Arbeiten festzustellen. Nur wenn eine Person genügend Materialien und Originaltexte hinterlassen hat, gelingt eine solche Aufarbeitung. Ein gutes Beispiel dafür ist die Doktorarbeit von Markus Wegewitz zu Nicolaas Rost, einem niederländischen Künstler und ehemaligen Dachau-Häftling, der bis zu seinem Tod zahlreiche Veröffentlichungen über seine Verfolgungserfahrungen, aber auch sein Grundverständnis von Antifaschismus vorgelegt hat. Mit dem Ergebnis, dass der Autor mit seiner Studie »anhand des Lebens eines individuellen Akteurs soziale Kontexte, Ideenwelten, organisatorische Zugehörigkeiten und Diskurse des Antifaschismus im 20. Jahrhundert« zu erschließen versucht. (S. 18) Vermächtnis der Geretteten weiterlesen »

Demokratische Militarisierung?

geschrieben von Beryl Bömer

11. Juli 2023

Wie arte versucht, das Polizeiproblem zu umgehen

Auch die großen Medien müssen sich mittlerweile mit der Kritik an der Polizei auseinandersetzen – vor allem in Frankreich. Neben den Verletzten und Toten der Gelbwesten-Bewegung sind bei den Protesten gegen die Rentenreform Straßenschlachten mit der Polizei wiederholt Ergebnis einer sich taub stellenden Regierung. Auch beim Sender arte beschäftigen sich aktuell drei Sendungen (alle in der Mediathek online) damit. Spricht sich arte etwa gegen die Militarisierung der Polizei aus? Das nicht, aber zumindest wird der Kritik an der Polizei in allen drei Dokumentationen ausgiebig nachgegangen. Demokratische Militarisierung? weiterlesen »

Tor zur Sklaverei

geschrieben von Ulrich Sander

11. Juli 2023

Ein Buch zur Rolle Hamburgs für den deutschen Kolonialismus

München als Stadt der Nazibewegung. Potsdam und Berlin als Herzen des Militarismus. So weit, so bekannt. Aber: Hamburg die Metropole des deutschen Kolonialismus? Die Stadt war Tor zur Welt. Und nun ist zu erfahren, dass eines der größten Menschheitsverbrechen – nach dem Holocaust – von Hamburg ausgegangen ist: im neuen Buch »Zucker, Schnaps und Nilpferdpeitsche – Wie hanseatische Kaufleute Deutschland zur Kolonialherrschaft trieben« des Spiegel-Redakteurs Dietmar Pieper.

Es zeigt auf: Schon im 17. Jahrhundert strebten Hamburger Kaufleute in alle Welt, beschafften »Kolonialwaren«. Sie brachten Sklaven von Afrika nach Amerika, und ihre Schiffe kamen hochbeladen mit Kaffee, Gewürzen, Hölzern und Weinen zurück. Tausende Sklaven verblieben auf Besitzungen der hanseatischen Sklavenhalter in Übersee. Tor zur Sklaverei weiterlesen »

Fotografie im Holocaust

geschrieben von Axel Holz

11. Juli 2023

Ausstellung auch mit Dokumenten jüdischer Fotografen in den Ghettos

Wenn die Zeitzeugen verstummen, können Dokumente und Aufarbeitungen zu geschichtlichen Ereignissen hilfreich sein. Dazu zählen auch Fotodokumente, die zugleich viel über die Fotografen erzählen. Die aktuell in Berlin gezeigte Ausstellung zur Fotografie im Holocaust fokussiert auf die besondere künstlerische Form und Aussagekraft dieser Kunst. Tatsächlich erkennt man den Blick der Fotografen und auch der Filmemacher von Filmen, die in der Exposition zusätzlich gezeigt werden. Ob es die Szenen aus dem Olympiafilm »Die Götter des Stadions« von Leni Riefenstahl sind oder die Ausschnitte aus dem Billy-Wilder-Film »Death Mills« (»Die Todesmühlen«), einer Dokumentation über die nach der Befreiung vorgefundenen Konzentrationslager und ihre Opfer. Ersterer sollte den Mythos vom überlegenen »arischen« Sportler stärken, letzterer der Dokumentation, der Anklage der Kriegsverbrecher und der Umerziehung der Deutschen dienen, wie beispielhaft zur suggestiven Wirkung von Fotos in der Ausstellung gezeigt wird. In einem Zeitstrahl wird die Geschichte dieses neuen Mediums Film den Besuchern in Erinnerung gebracht. Doch schon fällt der Blick auf zahlreiche beleuchtete Vitrinen mit einer Unmenge unsortierter Fotos über den Holocaust, seine Täter und Opfer, sozusagen als Gesamteindruck. Fotografie im Holocaust weiterlesen »

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