Ein antifaschistischer Journalist

geschrieben von Ulrich Schneider

4. Januar 2025

Kurt Nelhiebel ist gestorben

Sein Werdegang und seine politische Prägung waren eng mit der Erfahrung des deutschen Faschismus verbunden. Geboren am 29. Juni 1927 in Německé Jablonné (Deutsch Gabel) in der Tschechoslowakei und im Teil des Sudetengebietes, erlebte er als Elfjähriger, wie nach dem Münchener Diktat seine Heimat dem Deutschen Reich einverleibt wurde. Sein Vater Eugen war deutschsprachig, er verstand sich als Antifaschist. Noch gegen Kriegsende wurde Kurt Soldat. Diese Erfahrungen hat er in Form eines Tagebuchs und des Briefwechsels mit seinem Vater verarbeitet. Ein antifaschistischer Journalist weiterlesen »

Bella Ciao

geschrieben von Uwe-Jens Kluge

4. Januar 2025

Eine antifaschistische Bildungswoche mit dem Fahrrad auf Spurensuche in Italien

Ende August 2024 machte sich eine 13-köpfige Radelgruppe aus Berlin, Bielefeld, Hamburg und Köln auf den Weg nach Südtirol/Alto Adige und Nord-italien, um sich intensiv mit dem historischen Faschismus, seinen Grundlagen und Auswirkungen sowie dem antifaschistischen Widerstand in der Region zu beschäftigen. Veranstalter der als Bildungsurlaub anerkannten Reise war »Arbeit und Leben Herford«, Kooperationspartner waren die regionalen ANPI-Organisationen (Associazione Nazionale Partigiani d’Italia, deutsch: Nationale Vereinigung der Partisanen Italiens) aus Berlin, Bolzano, Trento und Verona. Insbesondere Chiara Zandonella aus Verona/Berlin trug durch ihre Übersetzungsarbeiten im Vorfeld maßgeblich zum Gelingen der eindrücklichen Reise bei. Bella Ciao weiterlesen »

Erdoğans Interessen

geschrieben von Rojin Kadir

4. Januar 2025

Bekämpfung der Selbstverwaltung in Nord- und Ostsyrien

Innerhalb weniger Tage wurde Anfang Dezember die syrische Regierung unter Präsident Baschar al-Assad nach fast 14 Jahren Bürgerkrieg von der dschihadistischen HTS-Miliz und verbündeten, vor allem durch die Türkei finanzierte, Milizen gestürzt. Die HTS, lange als syrischer Al-Qaida-Ableger »Jabhat al-Nusra« bekannt, bemüht sich seit 2016, durch Namenswechsel und öffentliche Abspaltung von al-Qaida um einen Imagewechsel, vornehmlich mit dem Ziel, nicht weiter militärischen Angriffen durch die USA ausgesetzt zu sein, internationale Sponsoren zu sichern und Rückhalt in der Bevölkerung zu finden.

Der Griff nach der Staatsmacht durch diese Gruppen stellt eine grundlegende Veränderung des Machtgefüges in Syrien dar. Der Wandel betrifft auch die nationalen Interessen der Türkei. Der Umsturz im südlichen Nachbarland ist ein länger verfolgtes Ziel der Erdoğan-Regierung. Bereits seit 2018 arbeitet die türkische Armee mit der HTS zusammen. Seit 2020 führen die Syrische Nationale Armee (SNA) und HTS gemeinsame militärische Operationen durch. Die SNA selbst wurde 2017, ursprünglich als »Turkish-backed Syrian National Army« aus Überbleibseln der zerfallenden oppositionellen Milizen gegründet und ist hauptsächlich finanziert und ausgebildet durch die Türkei. Im Sinne einer Islamisierung verfolgt die SNA eine Politik der ethnischen Säuberung der von ihr kontrollierten Gebiete in Nordsyrien von kurdischen und jezidischen Menschen. Erdoğans Interessen weiterlesen »

Faschismus in den USA?

geschrieben von Peter Nowak

4. Januar 2025

Regierung Trump-Musk: Bündnis von Ultrarechten und Kapitalfraktionen

Seit der Wahl des ultrarechten Präsidentschaftskandidaten Donald Trump wird in unterschiedlichen Medien über den Charakter des Regimes diskutiert. Handelt es sich etwa um ein faschistisches in den USA?

So rückte der linksliberale Sozialwissenschaftler Harald Welzer in einen Beitrag für die Taz1 Trump in die Nähe des Nationalsozialismus. »Trumps Wiederwahl erinnert an 1933. Die Gleichgültigkeit der Anderen ließ die Nazis damals gewähren. Sie darf sich jetzt nicht wiederholen«, heißt es am Beginn des Artikels. Es entsteht der Eindruck, als wolle Welzer mit seinem Verweis auf den deutschen Faschismus die Leser*innen zum Engagement aufrütteln. Dabei bleibt aber die Analyse weitgehend auf der Strecke. Das wird auch an der folgenden Passage in Welzers Text besonders deutlich: Faschismus in den USA? weiterlesen »

Zunehmend risikoreicher

geschrieben von FIR-Newsletter

4. Januar 2025

Überlegungen zu den Ergebnissen der US-Präsidentenwahl

Am 20. Januar ist es soweit: Donald Trump wird zum zweiten Mal in das Amt des Präsidenten der Vereinigten Staaten eingeführt. Anders als von Demoskopen und Medien im Wahlkampf erwartet, sind die Mehrheiten für die US-Republikaner klar ausgefallen. Oder: Die Mehrheiten für die US-Republikaner sind klarer ausgefallen, als Demoskopen und -Medien vorhergesagt hatten. Es zeigt sich einmal mehr, dass Prognosen sich vor allem auf städtische Mittelschichten stützen, die Meinung der Bevölkerung in ländlichen Regionen, aber auch die Stimmungslage unter den arbeitenden Menschen nicht angemessen abbilden. Wochenlang wurde von einem Kopf-an-Kopf-Rennen gesprochen (siehe Spalte). Zunehmend risikoreicher weiterlesen »

FIR im Kalten Krieg

geschrieben von Ulrich Schneider

4. Januar 2025

Studie über die Internationale Föderation der Widerstandskämpfer

Mit dem Verschwinden der Zeitzeugen geraten die Verbände der Überlebenden der Lager und ihre internationalen Verbindungen zunehmend in den Fokus jüngerer Akademiker*innen. Auf der Suche nach »innovativen« Themen entdeckt man die Archivbestände der Verbände ehemaliger Verfolgter, die – oftmals ungeordnet – noch von keinem Wissenschaftler erschlossen wurden.

Die Überlebendenverbände, deren Archiv in eine gewisse Ordnung gebracht wird, profitieren davon. Die Wissenschaftler, die bislang unbearbeitetes Terrain betreten, müssen ebenfalls kein Risiko fürchten, dass jemand anderes ihr Thema ebenfalls bearbeitet. Es sind auch solche Gründe, die erklären können, warum gegenwärtig nicht nur zahlreiche Studien erscheinen, sondern auch internationale Konferenzen zum Thema stattfinden. Auffällig ist jedoch, dass solche Tagungen allein im akademischen Milieu stattfinden, die Überlebenden (soweit Zeitzeugen noch leben) oder die politischen Akteure, die sich in der Fortsetzung dieser Organisationsstrukturen um die Bewahrung des Vermächtnisses heute einbringen, werden dazu selten oder gar nicht eingeladen. FIR im Kalten Krieg weiterlesen »

Die eigentlichen 1945er

geschrieben von Thomas Willms

4. Januar 2025

Eine Tagung zur frühen Geschichte der VVN

Vor 20 Jahren arbeitete außer einigen Menschen in unserem eigenen Verband – allen voran natürlich Dr. Ulrich Schneider – niemand daran, die Geschichte unseres Verbandes zu erforschen. Auch die Lage unserer Archive war desolat. Das war zunächst Ausdruck unserer organisatorischen Schwäche, denn immer gab es Wichtigeres zu tun, als alte Papiere zu sortieren und zu erschließen. Zum anderen konnte man sich das in gewissem Sinne »leisten«, hatte man doch oft noch Zeitzeug*innen, die man gegebenenfalls schlicht fragen konnte. Ihr weitgehendes Ausscheiden gab wohl den letzten Impuls dazu, dass innerhalb der VVN-BdA und zwar unabhängig voneinander, zum Teil erstmalig vorhandene Unterlagen bearbeitet wurden.

Eine tragende Rolle spielten und spielen dabei häufig Mitglieder mit Familienbezug, aber auch engagierte und fachspezifisch ausgebildete jüngere Mitglieder. Gleichzeitig zu diesen internen Bemühungen setzte ein nach außen wenig sichtbarer Trend in der Geschichtswissenschaft ein. Nachwirkungen des NS-Regimes zu untersuchen und dabei nicht mehr nur Individuen, sondern auch organisatorische Zusammenhänge in den Blick zu nehmen – häufig mit internationalem Vergleich – wurde zu einem kleinen Trend, was nicht despektierlich gemeint ist. Unsere in den späten 1940er-/frühen 1950er-Jahren aktiven Kamerad*innen sind Teil der Zeitgeschichte geworden. Ihre geschichtswissenschaftliche Untersuchung ist deshalb naheliegend, ehrend und gut für uns. Die eigentlichen 1945er weiterlesen »

Neue Faschismusepoche?

geschrieben von Mathias Wörsching

4. Januar 2025

Über Unterschiede zwischen damals und heute

Die erneute Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten hat den globalen Trend zu autoritärer Formierung und Militarisierung, zu Umwelt- und Klimakatastrophe zementiert. Um zu beschreiben, was sich gegenwärtig vollzieht und der Menschheit in naher Zukunft wohl bevorsteht, benutzen immer mehr Menschen den Faschismusbegriff. Dabei sollten jedoch einige grundlegende Unterschiede zwischen der »Epoche des Faschismus« (Ernst Nolte) 1918–1945 und unserer Zeit im Auge behalten werden.

So fällt gleich auf: Heutzutage abwesend ist eine expandierende, selbstbewusste, organisierte, in proletarischen Massenbewegungen verankerte Linke, wie sie in der Zeit zwischen den Weltkriegen die Überwindung des Kapitalismus anstrebte. Die Linke vollständig und dauerhaft zu vernichten, und zwar sowohl ihren reformistischen als auch den revolutionären Flügel, war eins der Hauptanliegen der historischen Faschisten. Dies war ein zentraler Programmpunkt, der sie für großbürgerliche und adlige, militärische und bürokratische Herrschaftsgruppen als Bündnispartner interessant machte. Neue Faschismusepoche? weiterlesen »

Mit wachen Augen

geschrieben von Ernst Antoni

4. Januar 2025

Eine Graphic-Novel-Biografie über den Antifaschisten Ernst Grube

Das kürzlich erschienene großformatige Buch bringt inklusive seines massiven Covers über drei Pfund auf die Waage. Eine Graphic Novel mit Bildern und Texten der Künstlerin und Autorin Hannah Brinkmann. Wer das Buch aufschlägt, dem begegnen Seite für Seite Zeichnungen von Menschen, die mittels Sprechblasen kommunizieren. Ein Comic also – von beachtlicher Größe. Auf der Titelseite das Porträt des Gewürdigten: der Kopf eines älteren Herren mit silberweißem Haar, der uns mit hellem Gesicht und wachen Augen anblickt. Dahinter vollzieht sich einiges in blauschwarzem Titelbilddunkel, das zum Teil wohl erst nach Betrachten und Lektüre des gesamten Buches leichter zu entschlüsseln sein wird.

Marschierende Soldaten mit Stahlhelmen sind zu erkennen, Silhouetten von Militärflugzeugen und diverse verschlungene Ranken, die Assoziationen an Pflanzliches, aber auch an menschliches Organ-innenleben auslösen. Wer das Buch umdreht, findet in der unteren Hälfte des Rücktitels noch einmal ein Bild einer Soldatenansammlung, dieses Mal in braun-oliv gefärbter Montur. Und einen zivil gekleideten jungen Mann, der mit Schrecken im Gesicht der stahlbehelmten Schar gegenübersteht. Mit wachen Augen weiterlesen »

Aus der »Mitte«

geschrieben von Janka Kluge

4. Januar 2025

Thorsten Mense und Judith Goetz zur Entstehung und Etablierung der AfD

Im Unrast Verlag ist jüngst der sehr lesenswerte Sammelband »Rechts, wo die Mitte ist«, herausgegeben von Thorsten Mense und Judith Goetz, erschienen. Der Ansatz der beiden Herausgeber*innen ist die Analyse, dass die AfD aus der Mitte der Gesellschaft heraus entstanden ist und am Anfang kein ordinär extrem rechtes Projekt war. Im Vorwort schreiben sie: »Der Erfolg der AfD liegt nicht zuletzt darin begründet, dass sie einen modernisierten Rechtsextremismus vertritt und daher für sehr unterschiedliche Menschen, Milieus und Gruppen identitätsstiftend sein kann, die der traditionelle Rechtsextremismus nicht ansprechen konnte« (S. 10).

Davon ausgehend analysieren verschiedene Autoren das Verhältnis der AfD zur modernen Gesellschaft. Sebastian Friedrich schildert zu Beginn die Entstehungsgeschichte der AfD und ihre Entwicklung bis heute. Dazu gehört auch, wie andere Parteien auf die AfD reagieren. Dabei zeigt sich am Beispiel der CDU, dass nicht nur Forderungen der AfD übernommen wurden, sondern mit der Werte-union aus der Union heraus eine Partei entstanden ist, die die Zusammenarbeit mit der AfD vorantreiben will. »Ein Blick auf die Entwicklungen christdemokratischer und gemäßigt-konservativer Parteien in anderen EU-Staaten zeigt, dass die Zerstörung der Union kein Wunschtraum von AfD-Politiker*innen sein muss.« (S. 33) Aus der »Mitte« weiterlesen »

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