Neue Doku zum Versagen von Polizei, Justiz, Ermittlungsbehörden und Politik im Fall Oury Jalloh
»Staatsversagen« – so hieß der letzte Teil der sechsteiligen ARD-Dokumentation »Warum verbrannte Oury Jalloh?«. Kaum jemand hat die offizielle Story über den Tod von Oury Jalloh geglaubt, der sich gefesselt auf einer feuerfesten Matratze in einer Dessauer Polizeistation am 7. Januar 2005 angeblich selbst mit einem Feuerzeug entzündet und verbrannt haben soll. Zweifel daran wurden auch durch Filme wie »Tod in der Zelle« von Pagonis Pagonakis 2006, die Dokumentation »Oury Jalloh« von Simon Jaikiriuma Paetau 2008 und 2015 mit dem Tatort »Verbrannt« in der Regie von Thomas Stuber genährt. Die neue Doku, die aktuell noch in der ARD-Mediathek zu finden ist und ab 6. Januar 2025 im MDR läuft, präsentiert nun neue, unglaubliche Erkenntnisse und wirft grundsätzliche Fragen auf – in Dessau und darüber hinaus.
Der Bürgerkriegsflüchtling Oury Jalloh floh aus seiner Heimat Sierra Leone zunächst ins Nachbarland Guinea zu seinen Eltern und dann weiter nach Deutschland. Nach einem abgelehnten Asylantrag lebte er als Geduldeter in Deutschland und hatte mit seiner deutschen Lebensgefährtin ein Kind, das die Mutter nach der Geburt zur Adoption frei gab. Oury Jalloh war wegen gewerbsmäßigen Drogenhandels verurteilt worden, aber das Urteil war noch nicht rechtskräftig. Auch wegen des Verlustes seines Kindes hatte er sich betrunken und nachts Frauen eines Reinigungstrupps um ein Telefon gebeten, weil sein Guthaben verbraucht war. Die riefen die Polizei, die aus der Belästigung sofort eine schwere Belästigung machte und Oury Jalloh brutal gegen bestehende Polizeirichtlinien in die Dessauer Polizeidienststelle brachte, durchsuchte, ärztlich untersuchen ließ, in eine feuersichere Isolierzelle sperrte und fixierte – angeblich, um Selbstverletzungen zu verhindern. Bei der Durchsuchung wurde, amtlich dokumentiert, auch kein Feuerzeug gefunden. Stunden später wurde er fixiert und verbrannt in seiner Zelle gefunden. Staatsversagen weiterlesen »