Rückblick und Ausblick

geschrieben von Regina Girod

6. September 2025

Das Internationale Jugendtreffen in Buchenwald

Im April versammelten sich rund 500 junge Menschen aus zehn europäischen Ländern zu einem internationalen Jugendtreffen in der Gedenkstätte Buchenwald. Organisiert wurde die Veranstaltung von der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), der belgischen »Confédération Nationale des Prisonniers Politiques et Ayant Droits« (CNPPA) sowie dem »War Heritage Institute« in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Komitee Buchenwald-Dora und Kommandos (IKBD), den deutschen Lagergemeinschaften Buchenwald-Dora und der Initiative »Paint it red«. Rückblick und Ausblick weiterlesen »

Druck auf Regierung Israels

6. September 2025

Erklärung des Bundessprecher*innenkreises der VVN-BdA vom 22. August 2025

– Stopp der Offensive zur völkerrechtswidrigen Besetzung Gazas

– Beendigung der illegalen Landnahme im Westjordanland

– Waffenstillstand und Verhandlungen für die Freilassung der Geiseln und eine dauerhafte Friedensregelung sofort

– Umfassende Versorgung der Bevölkerung in Gaza durch die Vereinten Nationen Druck auf Regierung Israels weiterlesen »

Zurück ins Reich

geschrieben von Maxi Schneider

6. September 2025

Der geschichtspolitische Angriff der AfD. Von Maxi Schneider

Geschichtspolitik ist für die AfD zentrales Politikfeld und Lieblingswaffe im von ihr ausgerufenen Kulturkampf. Ihr Problem ist, dass sie sich angesichts der präzedenzlosen Massenverbrechen des deutschen Faschismus und der breiten Verurteilung in Deutschland nicht rundheraus zum Nationalsozialismus bekennen kann. Der Geschichtsrevisionismus der im Kern faschistischen Partei ist eine Mischung aus kalkulierten Tabubrüchen, Glorifizierung nationaler Ursprungsmythen, Falschbehauptungen, Externalisierung und Verharmlosung bis hin zur offenen NS-Verherrlichung. Damit bewegt sich die Partei vollständig in der Tradition des Neofaschismus.

Lange stand das Kaiserreich, mitsamt seinem Kolonialismus und Rassismus, als scheinbar unverfänglicherer Bezugspunkt im Zentrum der AfD-Geschichtspolitik. Die Partei vermied es, über den deutschen Faschismus zu sprechen. Das bewusste Ignorieren der NS-Geschichte kippt jedoch über den Umweg der Relativierung und eine Täter-Opfer-Umkehr, die die Deutschen zu Opfern erklärt, in zunehmend offene Bekenntnisse zu den faschistischen Vorbildern. Hinzu kommt ein hochgradig instrumentalisierender Umgang mit der DDR-Vergangenheit. Teil davon ist eine geschichtspolitische Aneignung und Umdeutung von Begriffen und Symbolen, bis am Ende nichts mehr so scheint, wie es ist. Zurück ins Reich weiterlesen »

Handeln und Denken

geschrieben von Maria Krüger

6. September 2025

Vor 125 Jahren wurde Anna Seghers geboren

Es gab Zeiten, da war der Name Anna Seghers in der Bundesrepublik jedem vertraut. Nicht zuletzt deshalb, weil es einen jahrelangen breit rezipierten öffentlichen Streit gab, ob man Anna Seghers in Mainz zur Ehrenbürgerin ernennen dürfe oder nicht – eine Ehrung, zu der man sich erst 1981 durchringen konnte. Allein dieser Skandal im Umgang mit der wohl profiliertesten deutschsprachigen antifaschistischen Schriftstellerin führte dazu, dass ihre Werke, obwohl sie seit der Rückkehr aus dem mexikanischen Exil in der DDR gelebt hat, auch im Westen auf großes Interesse stießen. Handeln und Denken weiterlesen »

Karte für den Widerstand

geschrieben von Elsa Logar, Milan Wutte und Jakob Holzer

6. September 2025

Kärnten/Koroška hat über 100 Orte, die an den Widerstand gegen Nazis erinnern

Der Verband der Kärntner Partisanen/Zveza koroških partizanov hat die Orte des Widerstands in einer Karte zusammengetragen und im Erinnerungsjahr 2025 veröffentlicht. Grüne Linien ziehen sich über die Karte und zeichnen die Landschaft Südkärntens nach. Dazwischen finden sich mehr als 100 rote Nummern. Kärnten war im Zweiten Weltkrieg Schauplatz des größten militärisch organisierten antifaschistischen Widerstands innerhalb des Deutschen Reichs. Jede dieser Nummern steht für einen Ort des Gedenkens an Verfolgung und Widerstand der Kärntner Slowen:innen und der Partisan:innen. Seit 1945 hält der Verband der Kärntner Partisanen das Gedenken an den Kampf gegen den Faschismus aufrecht. Die Karte des Widerstands macht den Kampf und die vielen Opfer räumlich sichtbar. Karte für den Widerstand weiterlesen »

Unsere Wut gibt uns Kraft

6. September 2025

Polizeiüberfall auf Antifacamp auf dem Gelände der NS-Gedenkstätte Peršmanhof (Kärnten). Ein Gespräch

antifa: Ende Juli 2025 kam es in Österreich auf dem Gelände der NS-Gedenkstätte Peršmanhof in Kärnten zu einem martialischen Polizeiüberfall auf ein antifaschistisches Sommercamp. Eingesetzt wurden auch ein Polizeihubschrauber, Drohnen und eine Hundestaffel. Was ist geschehen, und wie habt ihr diesen Angriff erlebt?

Maria Knez: Es war Sonntagvormittag, gegen elf Uhr. Wir saßen gerade auf der Wiese in einem Workshop, hatten uns nach dem Frühstück versammelt, um einem Programmpunkt zuzuhören. Die meisten Campteilnehmer:innen waren dort. Plötzlich kam die Polizei, zunächst zwei Streifenwagen, zwei schwarze Zivilfahrzeuge und ein Mannschaftswagen.

Zuerst versuchte das Organisationsteam, Kontakt aufzunehmen, um abzuklären, was die Polizei wollte. Wir wollten das Programm nicht sofort unterbrechen, sondern erst verstehen, was los ist. Wir hatten nicht mit einer Störung gerechnet – schließlich fand das Camp schon im zweiten Jahr in Folge dort statt, im Vorjahr ohne Zwischenfälle. Damals war nur einmal ein Polizeiauto kurz aufs Gelände gefahren und gleich wieder umgedreht. Dieses Mal war es anders. Dabei war das Programm vielfältig und stark mit dem Gedenkort verbunden, es gab Führungen im Museum in drei Sprachen. Unsere Wut gibt uns Kraft weiterlesen »

Zentrale Bausteine

geschrieben von Niklas Tretow

6. September 2025

Queerfeindlichkeit und der Kampf gegen Sexualforschung im Nazireich und heute

Queeres Leben ist unter Beschuss: Die AfD hetzt, ihre Fußsoldat*innen und die neuen Stiefelnazis greifen Christopher-Street-Day-Paraden an. Wo die Faschist*innen und andere Reaktionäre bereits an der Macht sind – siehe Italien, USA, Ungarn – werden die Rechte queerer Menschen beschnitten. In Deutschland plant das Bundesinnenministerium eine Speicherung und Weitergabe der Daten zum früheren Geschlechtseintrag von Trans- und nicht-binären Menschen.

Auch wenn die Lage sich aktuell verschärft, ist all das nicht neu. Homo- und Queerfeindlichkeit waren zentrale ideologische und politische Bausteine des deutschen Faschismus. Bisher stand die Verfolgungsgeschichte homosexueller Männer im Vordergrund, die nach Paragraf 175 verurteilt wurden – auch vor und nach der politischen Herrschaft des Nationalsozialismus. 5.000 bis 15.000 Männer verschleppten die Nazis aufgrund ihrer tatsächlichen oder vermeintlichen Homosexualität ins KZ. Zehntausende weitere wurden in Zuchthäusern inhaftiert, zwangskastriert oder in den Suizid getrieben. Zentrale Bausteine weiterlesen »

Arbeiterwiderstand und Lagerhaft

geschrieben von Ulrich Schneider

6. September 2025

Die biografischen Erinnerungen von Heinz Junge

Da die Zeitzeugen heute nicht mehr selbst sprechen können, sind Autobiografien, manchmal auch Video-interviews mit ihnen eine Möglichkeit, einen authentischen Eindruck der politischen Wirklichkeit von Verfolgung und Widerstand zu erhalten. Einer derjenigen, der sehr umfänglich seine Erfahrungen und Erlebnisse aus dieser Zeit niedergeschrieben hat, ist der Dortmunder Heinz Junge (1914–2004). Bereits in den letzten Jahren der Weimarer Republik politisch in den Reihen des kommunistischen Jugendverbandes aktiv, wurde er mit 18 Jahren zum ersten Mal verhaftet und von der SA, die als »Hilfspolizei« agierte, misshandelt. Um ihn »kleinzukriegen«, wie er selber schreibt, kam er im Herbst 1933 für kurze Zeit ins KZ Börgermoor (Emsland).

Zurück in Dortmund, organisierte er erneut eine Widerstandsgruppe. Wegen »Hochverrats« verhaftet und verurteilt, saß er im Jugendknast in Bochum. Nach seiner Entlassung ging er illegal in die Niederlande, wo er seit Herbst 1939 auf der Insel Vlieland mit anderen »feindlichen Ausländern« interniert war, bevor er mit dem deutschen Überfall im Westen erneut in die Fänge der Gestapo geriet und in das KZ Sachsenhausen verschleppt wurde. Arbeiterwiderstand und Lagerhaft weiterlesen »

Gefangenenbefreiung 1934

geschrieben von Detlef Grumbach

6. September 2025

Polizist Bruno Meyer wollte Etkar André und Fiete Schulze aus Naziknast holen

Im Juni 1935 wurde der Hamburger Widerstandskämpfer Fiete Schulze von den Nazis ermordet, ein Jahr später brachten sie auch Etkar André, damals Mitglied der Bürgerschaft, um. Beide haben in der antifaschistischen Erinnerungskultur Hamburgs prominente Plätze. Verbunden mit dem Schicksal der beiden Kommunisten ist aber ein weiterer Kämpfer, doch an ihn erinnert heute (fast) nichts: Bruno Meyer!

1929, mit 18, ist Meyer in die KPD eingetreten. Am 1. Januar 1931 begann er seine Ausbildung im Polizeidienst. Hier wollte er später das Abitur nachholen und Ethnologie studieren. Sein Traum war Afrika, er nannte sich »Simba, der Löwe«. Doch dann saß er fest bei einer Polizei, die seine eigenen Leute verfolgte. Er ging in den Widerstand. Als wachhabender Polizist im Untersuchungsgefängnis planten er und ein paar andere, Schulze und André aus der Haft zu befreien. Der Plan scheiterte damals, Meyer hat ihn teuer bezahlen müssen. Gefangenenbefreiung 1934 weiterlesen »

In einer Falle

geschrieben von Harry Friebel

6. September 2025

Die Holocaustüberlebende Anita Lasker-Wallfisch wurde jüngst 100

Die Holocaustüberlebende Anita Lasker-Wallfisch hat am 17. Juli 2025 ihren 100. Geburtstag gefeiert. Dies soll hier Anlass sein, auf die 2025 in 22. Auflage erschienene Biografie aus dem Jahr 2000 mit Lebenserinnerungen von Anita Lasker-Wallfisch hinzuweisen.

Sie wurde 1925 als Anita Lasker in Breslau in einer jüdischen Familie geboren: »Wir waren eine typische assimilierte Familie.« Die ersten antisemitischen Angriffe erfuhr sie als Achtjährige. »Ich erinnere mich …, dass Kinder mich auf der Straße anspuckten und mich ›dreckiger Jude‹ nannten.« Im April 1942 wurden ihre Eltern durch die Nazis deportiert und ermordet. Anita und ihre Schwester Renate blieben zunächst in Breslau. Bei einem Fluchtversuch (Ziel: Unbesetzte Zone Frankreichs) mit ihrer Schwester wurde sie von der Gestapo verhaftet. Die beiden wurden getrennt und in das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz deportiert. In einer Falle weiterlesen »

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