25 de Abril

Drucken

Demonstration in Porto 1983 zum Gedenktag des 25 de Abril

Demonstration in Porto 1983 zum Gedenktag des 25 de Abril

Editorial

Drucken

geschrieben von Regina Girod

Die Totalitarismusdoktrin ist keine wissenschaftliche Theorie, sondern ein politisches Konzept zur Deutung der Geschichte aus der Sicht der heute Herrschenden. Dieser Schluss drängte sich den Teilnehmern der internationalen wissenschaftlichen Konferenz zum Thema »Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt« am 21. Und 22. Januar in Berlin geradezu auf, als Historiker aus Deutschland, Russland, Polen, Kanada, Großbritannien und Frankreich die Vorgänge am Vorabend des Zweiten Weltkrieges analysierten. Wir berichten von dieser spannenden Veranstaltung, die von der VVN-BdA mit getragen wurde, auf den Seiten 8 und 9.

Wohin es führt, wenn die Totalitarismusthese zur Staatsdoktrin wird, zeigt das Beispiel der Baltischen Staaten. Am 16. März wird in Lettland zum wiederholten Mal der lettischen SS-Freiwilligendivision gedacht (siehe unser Kommentar auf Seite 4). Der Marsch der SS-Veteranen und ihrer Anhänger durch das Zentrum von Riga erregt unterdessen weltweit Empörung. Angesichts der aktuellen Entwicklungen in der Ukraine und weil der Marsch an eine Schlacht gegen die Rote Armee erinnert, die sich zum 70. Mal jährt, ist in diesem Jahr mit einer besonders großen Beteiligung zu rechnen. Die VVN-BdA wird sich erstmals an den Gegenaktionen der lettischen Antifaschisten beteiligen und mit einem Bus von Berlin nach Riga fahren. Informationen dazu gibt es bei der Bundesgeschäftsstelle.

Da der 100. Jahrestag des Ausbruchs des Ersten Weltkrieges schon seit Wochen erhebliches mediales Interesse hervorruft, haben wir uns entschieden, ein Thema aufzugreifen, dass in Deutschland vermutlich keine Beachtung finden wird, nämlich die Tatsache, dass der italienische Faschismus unmittelbar aus dem Ersten Weltkrieg hervorging und einige seiner Erscheinungsformen den deutschen Nazis als eine Art Kopiervorlage dienten. Thomas Willms zeichnet diese Entwicklung in unserem »Spezial« nach und bezieht in seine Darstellung auch neueste englischsprachige Publikationen ein.

Zum Platz an der Sonne

Drucken

geschrieben von Dieter Lachenmeyer

Die Große Koalition reist familienfreundlich nach Afrika

 

Nein, man sollte sich nicht beklagen. Insgesamt 13 mal auf 130 Seiten taucht das Wort Frieden in der Koalitionsvereinbarung zwischen CDU, CSU und der SPD auf. Merkwürdig nur, dass es niemals alleine und für sich steht. Niemals geht es darum, Frieden zu halten und Frieden zu wahren, sondern immer darum »Verantwortung in der Welt für Frieden und Menschenrechte (zu) übernehmen«, wie es in der einzigen Überschrift, in der das Wort vorkommt, heißt. Der Frieden ist für diese Regierung eine Sache, die es von deutschem Boden aus weltweit, das heißt vor allem anderswo durchzusetzen gilt: auf dem Balkan, im Nahen und Mittleren Osten, in Afghanistan und aktuell und ganz besonders in Afrika. Wie das geschehen soll, bleibt kein Geheimnis, nämlich durch »den Einsatz der Bundeswehr für Frieden und Freiheit weltweit. Die Bundeswehr ist eine Armee im Einsatz.« Das soll sie bleiben auch nach dem Willen dieser Koalition. Kanzlerin Merkel begann und endete ihre Regierungserklärung mit dem Blick auf den hundertsten Jahrestag des Ersten Weltkrieges und, wie sie nicht zu erwähnen vergaß, den 75. des Zweiten. Aber gelernt hat sie und ihre famose Regierung nichts daraus. Am deutschen Militärwesen soll auch nach 100 Jahren wieder die Welt genesen.

Da ändert auch die erstmalige Ernennung einer Frau in der bisherigen Männerdomäne des Militärministers gar nichts. Im Gegenteil. Ursula von der Leyen wurde zur Bundeswehrministerin ernannt, um einen neuen Aufbruch durchzusetzen. Ähnlich, wie es damals die Regierungsbeteiligung der Grünen brauchte, um endlich wieder Krieg gegen Jugoslawien führen zu können, braucht es jetzt in der Großen Koalition eine Frau, um endlich die Fesseln der Geschichte abzustreifen, die Kultur der Zurückhaltung aufzugeben und »Verantwortung zu übernehmen« oder welche Floskeln auch immer das böse Wort vom Krieg ersetzen sollen.

Es geht nicht darum, dass die Bundeswehr familienfreundlich wird. Krieg ist nicht familienfreundlich. Es geht darum, das Kriegshandwerk zu einem gesellschaftlich als normal empfundenen, attraktiven Beruf zu machen. Weg vom »archaischen Kämpfer« wie ihn sich ein ehemaliger Generalinspekteur vorgestellt hatte, hin zur high-tech-Kriegerin mit Kitaplatz im Teilzeitkilling. Hin aber vor allem zu jenen Kriegsschauplätzen, auf denen es was zu holen gibt. Nur dürftig verhüllt geht es beim Abstreifen der militärischen Zurückhaltung auch darum, die enge Bindung des bisherigen militärischen Engagements an die US-Außenpolitik aufzugeben. Nicht in Afghanistan, wo es für deutsche Interessen wenig und nur das, was die USA abzugeben bereit sind, zu gewinnen gibt, sondern im »Nachbarkontinent« Afrika, wo, so von der Leyen, eine »europäische Aufgabe« auf die Bundeswehr wartet. »Afrika ist ein Kontinent mit phantastischen Chancen«, spricht sie im Interview nach, was der BDI, in dessen Papieren Afrika als »Chancenkontinent« bezeichnet wird, zuvor aufgeschrieben hat. Gemeint sind die Rohstoffe ebenso wie die Märkte, die dort ihrer Erschließung und Ausbeutung harren. So wird nun auch die zum Eurokorps mutierte deutsch-französische Brigade endlich wieder zum Afrikakorps. Was man immer vermutet hatte, was aber bisher die von einer Mehrheit der Bevölkerung und nicht zuletzt der Friedensbewegung erzwungene »Kultur der Zurückhaltung« und ein Rest von Anstand immer verhindert hatte, wurde mit dem Einsatz in Zentrakafrika nun beschlossen.

Diesen Rest von Anstand zu beseitigen, hat sich nun kein geringerer als der Bundespräsident vorgenommen: Geradezu als Sprachrohr der Großen Koalition forderte auch er von der deutschen Politik mehr »Internationale Verantwortung« zu übernehmen. »Tun wir, was wir könnten, um unsere Nachbarschaft zu stabilisieren, im Osten wie in Afrika?« fragte er und gab damit die Richtung für die neue Einmischungskultur vor: Regimechange in der Ukraine und Bundeswehreinsatz in Afrika.

Ausgerechnet auf der Münchner »Sicherheitskonferenz«, auf der es noch niemals um Menschenrechte, sondern immer um Aufrüstung und Kriegseinsätze ging, entdeckte er »Kräfte, die Deutschlands historische Schuld benutzten, um damit bis heute ein fragwürdiges ›Recht auf Wegsehen‹ zu begründen«. Mit diesen fragwürdigen Kräften meint er niemand anderen als jene Bevölkerungsmehrheit, die immer noch und immer wieder das Recht zum Hinsehen in Anspruch nimmt, wenn ihre Repräsentanten zum Krieg trommeln. Lasst uns diese Kräfte, die der neokolonialen und militaristischen Ausrichtung der deutschen Politik im Wege stehen, stärken, so gut wir können.

Antifa nach Lettland!

Drucken

geschrieben von Frank Brendle

Am 16. März wird dort erneut der Waffen-SS gedacht

 

Der Abgeordnete einer Regierungspartei durchbricht eine Polizeiabsperrung, geht auf Demonstranten los und zerfetzt eigenhändig ein großes Foto mit NS-Opfern, das an die Verbrechen der Faschisten erinnern soll. In einem europäischen Land undenkbar? Von wegen. Geschehen am 16. März vorigen Jahres in Riga, am Rande einer Veranstaltung, die in der EU ebenfalls ihren Platz hat: Dem traditionellen Gedenkmarsch zu Ehren der Waffen-SS. Das lettische Parlament beschäftigte sich mit dem Vorfall – und befand, der Abgeordnete Janis Dombrova (Partei »Alles für Lettland«) sei aus durchaus lauteren Gründen schwer erregt gewesen, weil er durch die antifaschistische Aktion die Ehre der »Lettischen Legion« beeinträchtigt gesehen habe. Und da habe er sich eben zum Handeln gezwungen gesehen, absolut nachvollziehbar. Diese Episode, die der lettische Antifaschist Joseph Koren im Februar bei einer Infoveranstaltung in Berlin schilderte, zeigt das Klima in dem baltischen Staat. Wer dort die Waffen-SS-Legion zu einer »Befreiungsarmee« umdichtet, genießt gesellschaftliche und politische Rückendeckung. Wer dagegen protestiert und an die Verbrechen der Nazihelfer erinnert, gilt als Provokateur, Agent Moskaus. Ähnliches vollzieht sich in anderen osteuropäischen Ländern. In der Ukraine etwa gehen jetzt die geistigen Erben der Bandera-Milizen, die nach 1941 Zehntausende Polen, Juden und andersdenkende Ukrainer hingemordet haben, als »proeuropäische« Freiheitskämpfer durch. Ein Anfang, um diese verbrecherische herrschende Meinung zu durchbrechen, wird jetzt in Riga gesetzt: Wenn sich dort wieder am 16. März die Freunde der Waffen-SS versammeln, werden sie mit einer internationalen Protestdelegation konfrontiert. Auch aus Berlin gibt es einen Bus.

Befremdliche Blackouts

Drucken

antifa-Gespräch mit Wolf Wetzel über staatliches Handeln und den NSU

antifa: Im Zusammenhang mit der Fahndung nach den Mitgliedern des NSU reiht sich Panne an Panne. Wie erklärst du dir das?

Wolf Wetzel: Der Begriff Panne soll ja suggerieren, dass all dies ohne eigenes staatliches Zutun, ohne Vorsatz, ohne Anweisung, ohne Deckung der parlamentarischen und politischen Kontrollgremien passiert ist – über dreizehn Jahre lang. Wenn dies so gewesen sein soll, stellt sich doch die Frage, warum sich diese Pannenserien nur sektorial, im Bereich des Neonazismus abgespielt haben? Warum hat zur selben Zeit alles funktioniert, wenn es z.B. um die Durchsetzung der Neonaziaufmärsche in Dresden 2010-2013 ging? Dort arbeiteten alle Behörden, auf allen Ebenen pannenfrei zusammen!

Wolf Wetzel ist Journalist und Autor. Im Jahr 2013 erschien im Unrast Verlag sein Buch »Der NSU-VS-Komplex - Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund - wo hört der Staat auf?«

Wolf Wetzel ist Journalist und Autor. Im Jahr 2013 erschien im Unrast Verlag sein Buch »Der NSU-VS-Komplex – Wo beginnt der Nationalsozialistische Untergrund – wo hört der Staat auf?«

Schauen wir uns also den sektorialen Blackout genauer an: 1998 wurde bei den späteren NSU-Mitgliedern eine konspirative Adress- und Telefonliste in einer Garage in Jena gefunden: Ein Who is Who der Neonaziszene, auf die der NSU zurückgreifen konnte. Dieses Beweismittel, das in etwa der Sicherstellung eines Personalausweises am Tatort entspricht, wurden von Spezialisten auf dem Gebiet »Rechtsextremismus« für unbedeutend erachtet und in die Asservatenkammer gelegt. Wer hier also von einer Panne redet, deckt keine Unachtsamkeit, sondern die Beseitigung eines wichtigen Beweismittels. Damit wurde nicht nur eine Verfolgung der abgetauchten Mitglieder des Thüringer Heimatschutzes/THS verhindert. Man wollte mit dem Verschwindenlassen dieses Beweismittels einen noch viel schwerwiegenderen Umstand verdecken: Auf der »Garagenliste« befanden sich auch vier namentlich bekannte V-Männer! Das heißt ganz konkret: Am Zustandekommen eines neonazistischen Untergrundes waren auch mehrere V-Männer verschiedener Behörden beteiligt.

antifa: Beim Mord in Kassel war ein Verfassungsschutzbeamter zur Tatzeit in dem Internetcafé. Was gibt es für Erklärungen?

Wolf Wetzel: Lassen wir einmal die abstruse offizielle Erklärung, der V-Mann-Führer Andreas Temme wäre zur falschen Zeit am falschen Ort gewesen, für kurze Zeit gelten. Warum klären dann nicht alle Behörden den unglücklichen Zufall lückenlos auf? Warum raten ihm seine Vorgesetzten mit Blick auf seine Zeugenvernehmung, »so nah wie möglich an der Wahrheit« zu bleiben? Warum werden die Akten nicht lückenlos, also vollständig als Beweismittel in den Prozess in München eingeführt?

Die Tatsache, dass ein mit neonazistischem Gedankengut verbundener V-Mann-Führer einen Neonazi in Kassel »führte« ist keine Panne, sondern eine Unerträglichkeit. Dass seine Vorgesetzten Andreas Temme für anstehende Zeugenvernehmungen präparieren, also zu Falschaussagen ermutigen, lässt erahnen, dass es um mehr als um einen V-Mann-Führer geht. Ich kenne die »Wahrheit«nicht, ich weiß nicht, was Andreas Temme tatsächlich zur Tatzeit gemacht hatte. Aber es reicht, wenn wir aktenkundig wissen, dass der V-Mann-Führer und seine Vorgesetzten selbst Straftaten im Amt begehen, damit die »Wahrheit« nicht herauskommt.

antifa: In Stuttgart ist ein Aussteiger aus der rechten Szene nur wenige Stunden vor der Aussage vor der Ermittlungsgruppe Umfeld in seinem Auto verbrannt. Die Polizei sprach nach kurzer Zeit von Selbstmord. Florian H. hatte davor bereits von einer zweiten Terrorgruppe mit dem Namen »NSS« berichtet. Warum zweifelst du die offizielle Version an?

Wolf Wetzel: Ich zweifele die offizielle Version nicht an, ich halte sie für vorsätzlich, geradezu bodenlos falsch. Die Polizei wusste bereits einen Tag nach dem Tod von Florian H., dass es sich um einen Suizid handelte, acht Stunden vor seiner geplanten Zeugenvernehmung, in der er seine Mitte 2011 gemachten Aussagen bestätigen und ergänzen wollte: Es gebe eine weitere neonazistische Terrorgruppe namens NSS in Baden-Württemberg, die Verbindungen zum NSU hatte. Und: Am Mordanschlag auf Polizisten in Heilbronn 2007 waren Neonazis beteiligt. Nach Angaben der Ermittler habe sich Florian H. aus »Liebeskummer« qualvoll, um 9 Uhr früh, in seinem Auto, selbst verbrannt. Dieses Motiv wollen sie aus dem »familiären Umfeld« erfahren haben. Wenn man zum »familiären Umfeld« die Eltern, die Tochter und die damalige Freundin von Florian H. zählen darf, dann kann man eines ganz sicher feststellen: Das angebliche Motiv ist erstunken und erlogen. Das Motiv für einen Selbstmord ist also eine reine Erfindung der Ermittlungsbehörden. Die Motive für einen Mord sind hingegen evident:

Die Wiederholung dieser gemachten Aussagen haben nicht nur Neonazis als Bedrohung verstanden. Die Wiederholung dieser Aussagen hätte vor allem die Behörden in Baden-Württemberg bloßgestellt, die bis zum heutigen Tage behaupten, sie hätten von der Beteiligung von Neonazis am Mordanschlag in Heilbronn, von der Existenz des NSU und seine engen Verbindungen nach Baden-Württemberg bis zum »Auffliegen« des NSU 2011 nichts gewusst.

Die Fragen stellte Janka Kluge

Brüssel, sie wollen dich

Drucken

geschrieben von Martin Schirdewan

Ohne 3%-Hürde: Gefahr neonazistischer Einbrüche in das Europaparlament

 

Karlsruhe hat gesprochen. Die 3%-Hürde zu den Europawahlen wurde gekippt, wie es so salopp heißt. Das verdeutlicht einerseits das grundsätzliche Vertrauen, das die Richterinnen und Richter des Bundesverfassungsgerichts in die wachsende europäische Demokratie besitzen. Andererseits öffnen sie jedoch mit ihrer Entscheidung sehr umstrittenen Geistern Tür und Tor. Geister, um derentwillen Prozenthürden bei Wahlen nach 1945 bislang als politischer common sense galten.

Sie wollen den ehemaligen NPD-Vorsitzenden und Spitzenkandidaten seiner Partei, Udo Voigt, nicht im Europäischen Parlament gegen angebliche Überfremdung, Ausländerschwemme und Durchrassung schwadronieren hören? Voraussichtlich werden Ihnen seine neofaschistischen Tiraden nun nicht erspart bleiben. Sie wollen keine Reps, keine NPD und auch keine AfD, die im Chor der europäischen Rechten ihre Lieder im Brüsseler und Strasbourger Parlament krakeelen? Dem werden Sie sich jetzt wohl stellen müssen.

Sie und die demokratischen Parteien. Soweit deren gesellschaftspolitische Analyse überhaupt bereit ist, eine Gefahr von rechts anzuerkennen. Was also sagen CDU/CSU, SPD, Grüne, Die Linke, und FDP zu den »Volksmusikanten«?

Betrachten wir die bereits vorliegenden Europawahlprogramme, bzw. Europawahlprogrammentwürfe: Der vom Parteivorstand der CDU vorgelegte Entwurf meidet das Thema Neofaschismus in Europa konsequent. Das überrascht nicht wirklich. Die bayerische Schwesterpartei wird ihr Programm erst nach den Kommunalwahlen in Bayern verabschieden. Kaum zu erwarten, dass darin ein anderer Grundtenor erklingen wird.

Da entsenden diese Parteien wahrscheinlich die stärkste Delegation nach Brüssel und Strasbourg und ignorieren sträflich, dass es auch ihre politische Aufgabe wäre, den Neofaschismus in die Schranken zu weisen-wenn schon die Wahlschranken geöffnet werden.

Die FDP will das Übel auch nicht so recht an der Wurzel packen, sondern richtet ein allgemeines Lamento gegen »die Populisten«, die die europäische Einigung bedrohen. Nichts Konkretes, liberal irgendwie.

Die Sozialdemokratie hingegen bekannte sich in Person ihres Fraktionsvorsitzenden im Deutschen Bundestag, Thomas Oppermann, sofort nach Bekanntwerden des Urteils des Bundesverfassungsgerichts am 26. Februar zu der Verantwortung, sich politisch mit den Rechten auseinandersetzen zu müssen, um diese aus dem Europäischen Parlament herauszuhalten. Bravo! Ein Blick ins Europawahlprogramm bestätigt die sozialdemokratische Sensibilität. Die SPD fordert ein »europäisches Aktionsprogramm gegen den Rechtsextremismus zum Schutz der Demokratie.« Ähnliche, wenn auch weitreichendere und konkretere Forderungen, erhebt Die Linke in ihrem Wahlprogramm. Hier wird neben der Stärkung bestehender Programme der Aufbau einer »europäischen Präventionsarchitektur« gegen den aufkommenden Neofaschismus und Rassismus gefordert. Die Grünen schließlich wollen dem erstarkenden Rechtsextremismus in der EU mit Aufklärung und der Stärkung der Zivilgesellschaft begegnen.

 

Fazit

Ein Wahrnehmungsriss geht durch die deutsche Parteienlandschaft. Das konservativ-liberale Lager sieht sich nicht bemüßigt, sich in ihren Europawahlprogrammen zur neofaschistischen Gefahr, die das gesamte europäische Projekt und die ihm zugrunde liegende Idee eines gemeinsamen friedlichen und auf sozialen Ausgleich ausgerichteten Europas attackiert, zu äußern. Bald jedoch, muss man jedenfalls annehmen, werden sich ihre Vertreterinnen und Vertreter mit wildgewordenen Neonazis zu plagen haben, deren erklärte Absicht darin besteht, über den Umweg des EP doch möglichst bald auch den Bundestag zu erobern. Das Mitte-Links-Lager erkennt die Gefahr und arbeitet an politischen Gegenmaßnahmen. Derzeit jedoch noch getrennt voneinander und damit geschwächt. Doch eine gemeinsame Grundlage ist vorhanden. Und damit die Hoffnung, den Faschisten in Deutschland und in Europa doch noch den Vormarsch zu verwehren.

Irreführung durch Behörden

Drucken

geschrieben von P.C. Walther

Minister verkünden »neue Handhabung« der Extremismusdoktrin

 

Als die zuständige Bundes-Familienministerin Manuela Schwesig (SPD) und Bundes-Innenminister Thomas de Maizière (CDU) in einer gemeinsamen Erklärung verkündeten, die Extremismusklausel werde so nicht mehr angewandt, konnte man meinen, die Proteste gegen die Klausel hätten endlich Erfolg gebracht – und man könnte dies gebührend würdigen.

Schließlich hatten immer mehr Menschen und Gruppierungen aus vielen Bereichen der Gesellschaft, aus Wissenschaft, Sozial – und Bürgerrechtsverbänden, Gewerkschaften, Kirchenkreisen und auch aus Parteien, sich gegen die widersinnige und denunziatorische Unterstellung gewandt, Rechtsextremismus- und Rassismusgegner müssten per se unter dem Verdacht stehen, Demokratie- und Verfassungsgegner zu sein. Auch aus der SPD heraus wurde Protest gegen die Extremismusklausel erhoben und ihre Abschaffung gefordert.

Doch weil auch diese Große Koalition die Extremismusdoktrin, mit der Rechts und Links und so auch Nazigegner und Nazis gleichgesetzt werden, nicht aufgeben will, sondern ihr vielmehr auch im Koalitionsvertrag Platz und Bestand eingeräumt hat, wurde aus dem formalen Wegfall der Klausel, der durchaus zu begrüßen ist, eher eine Irreführung.

Die Minister verkündeten nämlich zugleich »eine neue Handhabung« der alten Sache: Mit jedem »Zuwendungsbescheid« werde künftig klar darauf hingewiesen, »dass keine Steuergelder an extremistische Organisationen oder Personen gehen dürfen«. Damit werde erreicht, heißt es in der Minister-Erklärung, »dass die Empfänger staatlicher Fördermittel weiterhin ihrer Verantwortung bei der Auswahl ihrer Kooperationspartner gerecht werden, so dass niemand mit Steuermitteln unterstützt wird, der sich nicht auf dem Boden des Grundgesetzes bewegt.« So wird die alte Gesinnungsüberprüfung und Mithaftungs-Verpflichtung für Kooperations- und Bündnispartner beibehalten und reaktiviert. Weggefallen ist lediglich die Verpflichtung zur Unterschriftsleistung.

Damit ist der Erfolg des Wegfalls der Extremismusklausel bestenfalls eine halbe Sache. Um das Ganze, nämlich den Verzicht auf jede Art von Vorab-Verdächtigung und Gleichsetzung zu erreichen, muss weiterhin gegen die Extremismusdoktrin und ihre Anwendung argumentiert und protestiert werden. Kein Grund also, die Hände in den Schoß zu legen.

Bedenkliches Gedenken immer noch

Drucken

geschrieben von Markus Tervooren

Am 12. Februar 2014 zogen etwa 500 Neonazis durch die Dresdner Innenstadt, posierten vor der »Trümmerfrau« und zeigten unter massiven Polizeischutz einen Film, der wieder einmal die Mär von der »unschuldigen Stadt« herbeilügen wollte. Die Polizei schützte routiniert die sächsische Demokratie und räumte rasch organisierte antifaschistische Blockaden teilweise brutal ab. Unter den rund 400 Besucherinnen der Gedenkveranstaltung an die Bombardierung Dresdens auf dem Heide- Friedhof, wo auf Gedenkstelen, Dresden, Auschwitz und Hiroshima gleichgesetzt werden, waren etwa 90 Neonazis, darunter die unvermeidliche Landtagsfraktion der NPD samt Freunden aus den »Freien Kameradschaften«. In die Menschenkette am 13. Februar reihten sich etliche Neonazis ein, am Revers die »Weiße Rose« aus Dresden, die Geschwister Scholl werden sich im Grabe umgedreht haben. Zwei Neonazis ließen sich dabei, unerkannt, mit der Oberbürgermeisterin fotografieren. Die braunen Marschierer fühlten sich auf ihren Internet-seiten wieder im Aufwind.

Trotzdem – der ehemals größte Neonaziaufmarsch Europas ist und bleibt Geschichte. Antifaschisten und Vertreterinnen der Opfer des Nazismus, wie der jüdischen Gemeinde, haben am 13. Februar 2014 das Gedenken entscheidend mitbestimmt. Der Täterspurenmahngang entlang von Orten der deutschen, sächsischen und Dresdener NS-Geschichte, mit seinen 3.500 Teilnehmerinnen weit über das Spektrum der üblichen Verdächtigen hinaus, stellte das »Schweigen«, die Sprachlosigkeit der Menschenkette und die Häme der Neonazis in den Schatten. Darüber hinaus machte er zusammen mit der anschließenden Demonstration gemeinsam mit dem Studierendenrat durch die Innenstadt sicher, dass Neonazis am 13. Februar eben nicht marschieren konnten, genau wie in den Jahren zuvor. Das war solide antifaschistische Arbeit – den Organisatoren sei gedankt.

Wir werden also Dresden auch in den nächsten Jahren nicht aus den Augen lassen dürfen. Ein lohnendes Ziel ist immer noch der Heidefriedhof. Und nicht zuletzt brauchen alle, die die sächsischen Justiz wegen ihres Engagement für die erfolgreichen Blockaden der letzten Jahre hart verurteilen will, unsere Solidarität. Kommt nach vorne und das nicht nur in Dresden!

Ein »Stalin-Hitler-Pakt«?

Drucken

geschrieben von Regina Girod

Internationale Historiker analysierten die Situation am Vorabend des 2. Weltkriegs

 

Um es gleich vorweg zu sagen: Daran, dass es den Nichtangriffsvertrag vom 23. August 1939 zwischen Nazideutschland und der Sowjetunion, einschließlich eines geheimen Zusatzprotokolls, in dem Gebietsansprüche beider Länder an Polen festgeschrieben wurden, tatsächlich gab, zweifelte auf dem Kongress niemand. Allerdings merkte ein Referent beiläufig an, dass das Wort »Pakt« eigentlich Militärbündnisse beschreibe und daher für einen Nichtangriffsvertrag nicht zutreffend sei.

Genau das spricht für die Wahl des provokativen Konferenzthemas: Spätestens seit das EU-Parlament beschlossen hat, den 23. August als Leitdatum der europäischen Erinnerungskultur zu etablieren und an diesem Tag der »Opfer aller Diktaturen« zu gedenken, ist der »Hitler-Stalin-Pakt« zu einem Hauptargument für die These »rot gleich braun« geworden. Höchste Zeit also, die realen geschichtlichen Vorgänge um dieses Datum herum aus der Sicht unterschiedlicher europäischer Länder zu analysieren und zu debattieren.

Diesen Anspruch löste die Konferenz überzeugend ein, selten habe ich eine so spannende, vielschichtige und inspirierende Tagung erlebt. Obwohl sich nur ein einziger Beitrag (der von Günter Morsch von der Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) explizit auf den 23. August als Gedenktag bezog, kann man mit Recht feststellen, dass sie die Vereinfachungen, Verzerrungen und Verfälschungen, die sich notwendig ergeben, wenn Geschichte über den Leisten des Totalitarismus gespannt wird, ad absurdum führte. Leider wird das wohl auch ein Grund dafür sein, ihre Ergebnisse möglichst wenig zu beachten. Mit einer erfreulichen Ausnahme: Der Deutschlandfunk schnitt Teile der Konferenz mit und berichtete einige Tage später.

Die Thesen, Fragen und Haltungen der Referenten und Teilnehmerinnen der Konferenz unterschieden sich stark – gerade das machte ihren Reiz aus. Dass es auch wirkliche Unterschiede in der Sicht von Generationen gibt, zeigte z. B. die Frage eines jungen Teilnehmers an Kurt Pätzold, warum er an die Haltung der Sowjetunion einen anderen moralischen Maßstab anlege, als an die anderen Mächte jener Zeit. Diese Frage, im Sinne der Verteidigung der Sowjetunion gestellt, machte schlagartig deutlich, dass junge Menschen heute keine Vorstellung mehr von den ungeheuren Hoffnungen haben können, die sich einmal auf die Sowjetunion richteten. Um so wichtiger die kritischen Positionen, die gerade auch die beiden aus der DDR stammenden Referenten, Kurt Pätzold und Werner Röhr, zur Haltung Stalins und zu den Folgen des Nichtangriffsvertrages bezogen.

Ulrich Schneider, der über die Reaktionen der Komintern und von Antifaschisten im Exil und in den Konzentrationslagern auf den Nichtangriffsvertrag referierte, brachte als Generalsekretär der FIR und Bundessprecher der VVN-BdA einen Teil jener Erfahrungen in die Debatte ein, die wir als politischer Verband weitertragen. Dieses Anliegen war auf der Tagung gut aufgehoben. Die aus mehreren Bundesländern zu der Konferenz angereisten Mitglieder der VVN-BdA werden meine Einschätzung sicher teilen, dass die Beteiligung als Mitveranstalterin dieser Tagung unserer Organisation gut zu Gesicht stand.

75 Jahre später: Thesen und Argumente aus der Diskussion

Drucken

geschrieben von Tobias Baumann

Die Tagung »Gab es einen Stalin-Hitler-Pakt?« war die vierte im Rahmen einer Reihe wissenschaftlicher Konferenzen, die seit 2007 an der FU zu den deutsch-polnischen Beziehungen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts veranstaltet werden. Prof. Dr. Christoph Koch, Vorsitzender der Deutsch-Polnischen Gesellschaft und Einlader der Konferenz, verlas Grußworte von Außenminister Frank-Walter Steinmeier, der den »internationalen Teilnehmerkreis« lobte, und des Regierenden Bürgermeisters von Berlin, Klaus Wowereit, der mitteilen ließ, dass der Ribbentrop-Molotov-Vertrag vom 23. August 1939 den von Deutschland entfesselten Weltkrieg »erleichterte«.

In seinem Eröffnungsreferat betonte Christoph Koch, dass die »Totalitarismustheorie nicht wissenschaftlicher, sondern politischer Natur ist« und kritisierte die »feinsinnige Propagandaformel«, nach welcher der Vertrag vom 23.08.1939 »am Beginn des Zweiten Weltkriegs steht«. Diese Totalitarismustheorie-Formel verberge die wahren »Ursachen und Beweggründe des Krieges«. Er ergänzte, dass Moskau mit dem »Einmarsch in Ostpolen an die Grenze zurückkehrte, die nach dem Ersten Weltkrieg die Demarkationslinie« zwischen Polen und Russland war und die erst nach dem Polnisch-Sowjetischen Krieg von 1920 und dem Friedensvertrag von Riga 1921 weiter nach Osten verschoben wurde, womit sich das polnische Territorium nahezu verdoppelte, inklusive des litauischen Wilna-Gebiets sowie vornehmlich von Ruthenen (Ukrainer und Weißrussen) bewohnter Gebiete.

Die These des ersten Referenten, Domenico Losurdo, lässt sich zusammenfassen in der Formel, dass Hitler weltweit der »Verfechter der White Supremacy sowie der kolonialistischen Konterrevolution« war, während der sozialistische Vielvölkerstaat als »antikoloniale Revolution« mit dem Anspruch, alle Menschen in Frieden, Gleichheit und Eintracht zu verbinden, zu werten sei. Losurdo hob hervor, dass der »Anführer der siegreichen Revolution der schwarzen Sklaven« der französischen Kolonie Saint-Domingue (ab 1804 Haiti, das erste von Sklaverei befreite Land Amerikas), Toussaint Louverture, autoritär regierte und dennoch »Protagonist der abolitionistischen Revolution« war.

Die Konferenz lieferte einen bedeutenden Beitrag zur Versachlichung der wissenschaftlichen Diskussion über dieses oft politisch interessengeleitete Thema. Die französische Historikerin Annie Lacroix-Riz von der Universität Paris 7 Diderot (laut Christoph Koch die zuerst eingeladene Rednerin, um deren Input sich die Konferenz ausrichten sollte), bewies anhand zahlreicher Archivdokumente, dass der deutsch-sowjetische Nichtangriffsvertrag nicht aufgrund der »Gemeinsamkeiten der Spießgesellen Stalin und Hitler« (Zitat Erika Steinbach) zustande kam, sondern aufgrund komplexer diplomatischer Strategien, insbesondere Frankreichs und Großbritanniens, die qua faktischer Verweigerung einer Großen Allianz mit Moskau sowie durch systematische Täuschung zunächst der Tschechoslowakei und anschließend Polens ihre einstigen mittelosteuropäischen Verbündeten entweder direkt opferten oder hinterrücks verrieten, um den deutschen Expansionsdrang nach Osten zu lenken.

Annie Lacroix-Riz bei ihrem Vortrag

Annie Lacroix-Riz bei ihrem Vortrag

Ein Beispiel für ihre von deutschen Historikern wie Werner Röhr bestätigte These des französisch-britischen »Katzbuckelns« vor Hitler: Der französische Großunternehmer und Besitzer von Skoda, Eugène Schneider, verkaufte Skoda an Krupp, da das französische Finanzkapital im Osten in der Krise zur Belastung geworden war; die französische Außenpolitik zog sich im Nachgang zum Großkapital auch aus den 1919 als neue französische Einflusssphäre gewonnenen Gebieten zurück und überließ sie dem Deutschen Reich.

Sergey Kudryashov (Deutsches Historisches Institut Moskau) präsentierte Dokumente des Politbüro-Archivs und hob hervor, dass in Paris und London der »Bolschewismus als größere Gefahr im Vergleich zum Faschismus wahrgenommen« wurde. Die Nichtintervention des Westens im spanischen Bürgerkrieg sowie die Opferung Prags in München hätten das Moskauer Politbüro in dieser Überzeugung bekräftigt.

Geoffrey C. Roberts (University College Cork) betonte in seinem Vortrag, dass die Sowjets im Frühling 1939 mehrmals in Warschau nachfragten, ob Polen nicht aufgrund des im April durch Berlin einseitig gekündigten deutsch-polnischen Nichtangriffspakts von 1934 mit dem Kreml gegen Berlin kooperieren wollten. Doch Polen, in dem die kommunistische Partei verboten war, seit 1926 ethnische Minderheiten systematisch unterdrückt wurden und antijüdische Pogrome stattfanden, reagierte nicht.

Michael Jabara Carley (Universität Montréal) erwähnte, dass die russische Außenpolitik bis Mitte der 1930er Jahre nicht antifaschistisch geprägt war (Stalin verhandelte Anfang der 1930er Jahre sehr ernsthaft und intensiv mit Rom über bilaterale Abkommen), sondern antinazistisch- und das auch nach dem August 1939 blieb. Zuvor hatte Litvinov (sowjetischer Außenminister bis 1939) vergeblich kollektive Sicherheitsabkommen verhandelt, nicht nur mit Westeuropa, sondern auch mit Rumänien. Außenminister Nicolae Titulescu musste 1936 wegen ebendieser Verhandlungen mit Moskau zurücktreten. Litvinow versuchte auch, mit den USA ins Gespräch zu kommen, doch das State Department unterwanderte die Initiative Litvinow-Roosevelt zur Aufnahme von Verhandlungen.

Werner Röhr (Edition Organon Berlin) wies am zweiten Konferenztag darauf hin, dass der polnische Militär und Außenminister Beck Ende 1938 die Information Ribbentrops über die »Globallösung« (u.a. Berlins Forderung der Abtretung eines Korridors nach Danzig) nicht an seine Regierung weiterleitete, da er sich die völlige Niederlage seiner jahrelang betriebenen pro-deutschen Außenpolitik nicht eingestehen konnte. Stanislaw Zerko (Požnan) ergänzte die illusionäre Einschätzung von Beck, nach welcher Hitler ein »Gefühl von Mäßigung in Deutschland« verbreitet habe, wie es das seit Bismarcks Zeiten nicht mehr gegeben habe. Marek Kornat (Warschau) sprach vor etwa 70 Diskutanten über die Außenpolitik Polens am Vorabend des Zweiten Weltkrieges und Kurt Pätzold (Leibniz-Sozietät Berlin) über die innenpolitischen Wirkungen des sowjetisch-deutschen Nichtangriffsvertrages in Nazieutschland.

Ulrich Schneider von der Fédération Internationale des Résistants (FIR) schilderte den Entwurf einer Direktive der Kommunistischen Internationale von Ende September 1939, in der es hieß: »Der Krieg wird zwischen zwei Gruppen kapitalistischer Länder um die Weltherrschaft geführt«. Er erwähnte, dass zwei Tage nach dem deutsch-russischen Vertrag die Pariser Polizei L‘Humanité überfiel und die Tagesausgabe beschlagnahmte; kurz darauf wurde das Zentralorgan der Kommunistischen Partei Frankreichs ganz verboten, anschließend die gesamte kommunistische Presse. Eine Maßnahme, die als Teil der faktischen Annäherung an das antikommunistische Deutschland gewertet werden könne.

Abschließend dozierte Heinrich Schwendemann (Universität Freiburg) über die sowjetische Wirtschaftskooperation mit dem Deutschen Reich und Günter Morsch (Stiftung Brandenburgische Gedenkstätten) kritisierte das EU-Projekt, den 23. August als Gedenktag für die »Opfer aller totalitären Regime« zu installieren.

Soweit einige Schlaglichter auf eine äußerst spannende Veranstaltung. Der Konferenzband mit allen Vorträgen soll Ende des Jahres erscheinen.

· Vorblättern