Kampf muss weitergehen

geschrieben von Ulrich Schneider und Regina Girod

4. Mai 2026

Herausforderungen für die Zukunft der FIR

In den 75 Jahren ihres Bestehens haben die Fédération Internationale des Résistants (FIR, Internationale Föderation der Widerstandskämpfer) und ihre Mitgliedsverbände mehrfach existentielle Umbrüche erlebt. Angesichts der weltgeschichtlichen Veränderungen, die sich in diesem Dreivierteljahrhundert vollzogen, lohnt es, nach den Gründen zu fragen, die das lange Fortbestehen der Organisation erforderten und ermöglichten. Kampf muss weitergehen weiterlesen »

Erinnern oder verherrlichen?

geschrieben von Ney Sommerfeld und Ivo Stern

4. Mai 2026

SS-Gedenken, Geschichtsdeutung und Neonazis: Eindrücke vom 16. März in Riga

Trüb und grau ist der Montagmorgen des 16. März 2026 rund um die St.-Johannes-Kirche in der Rigaer Innenstadt. Tröpfchenweise kommen Menschen mit Blumen an, um am Gottesdienst teilzunehmen. Empfangen werden sie von einem Dutzend älterer Männer in Camouflage, die den Eingang der Kirche sichern, sowie von der Polizei, die den Platz überwacht – teils uniformiert, teils vermummt, mit Hunden und in Zivil. Rechte Politiker*innen schütteln Hände, ein paar junge Neonazis beobachten das Geschehen aus einem Torbogen. Die Stimmung ist angespannt.

Die Bänke in der Kirche füllen sich langsam. Mittig vor dem Altar, gut sichtbar für alle, sind Fahnen von baltischen Waffen-SS-Einheiten drapiert. Nach einer kurzen Begrüßung spricht der Pastor über die Geschichte Lettlands als Schicksal eines Volkes, das durch gemeinsame Erfahrungen von Leid und Verlust verbunden sei. Der 16. März erscheint dabei nicht nur als Gedenktag der Legion, sondern als ein Tag, der Vergangenheit und Gegenwart miteinander verknüpft. Erinnern oder verherrlichen? weiterlesen »

Spaniens Himmel

geschrieben von Rosita Mergen

4. Mai 2026

Vor 90 Jahren: »¡No Pasarán!« – ein unvergessenes Kapitel der Solidarität

Vor 90 Jahren, am 17./18. Juli 1936, putschte General Francisco Franco gegen die Volksfront-Regierung in Spanien. Was Historiker heute als erste Schlacht des Zweiten Weltkriegs bezeichnen, wurde zur größten internationalen Solidaritätsaktion der Geschichte, an die Antifaschistinnen und Antifaschisten weltweit erinnern.

Am 18. Juli 1936 rief die kommunistische Abgeordnete Dolores Ibárruri, »La Pasionaria«, im Radio zum entschlossenen Widerstand auf, um Madrid vor Francos Truppen zu schützen. Ihr legendärer Kampfruf »¡No Pasarán!« (Sie werden nicht durchkommen!) ist bis heute im Gedächtnis Europas bewahrt.

Denn nicht nur Spanierinnen und Spanier, sondern auch 32.165 Kämpfer (darunter 2.212 Deutsche) folgten dem Ruf der Kommunistischen Internationale, gegen die Putschisten zu kämpfen. Die ersten internationalen Milizionäre waren vornehmlich Teilnehmer der Volksolympiade (Olimpiada Popular) in Barcelona und Emigranten mit politischem Hintergrund, die in Spanien lebten. Es waren an die 300 internationalen Milizionäre, die sich nach dem Militärputsch vor allem in Barcelona in Gruppen organisierten, unter anderem in »Grupo Thaelmann« und »Carlos Marx«. Sie bildeten zusammen mit den ersten Freiwilligen, die über Frankreich nach Spanien kamen, internationale Milizgruppen, die später Einheiten der Internationalen Brigaden wurden. Spaniens Himmel weiterlesen »

Erfolge, Fehler und Widersprüche

geschrieben von Günter Wehner

4. Mai 2026

Eine weitere Thälmann-Biografie

Der Autor Ronald Friedmann hat sich der schwierigen Aufgabe gestellt, eine ausgewogene Thälmann-Biografie zu schreiben. Er gliedert sein Buch weitgehend chronologisch in umfangreiche Abschnitte und fügt zum besseren Verständnis fünf Exkurse hinzu.

In der Einleitung schreibt der Autor, dass mit dem Wirken Ernst Thälmanns der deutsche Parteikommunismus entscheidend geprägt wurde. Mit seinem Namen sind die politischen Erfolge der Partei in der Weimarer Republik, aber auch die Fehler der KPD verbunden. Dennoch resümiert er, dass Thälmann nicht allein die Schuld am Scheitern der KPD trägt, da er und die Partei fest in die Kommunistische Internationale eingebunden waren. Friedmann erläutert, dass die Biografie Antworten auf zahlreiche offene Fragen zur Geschichte der KPD und der Weimarer Republik geben kann. Erfolge, Fehler und Widersprüche weiterlesen »

Bauhaus und die Nazis

geschrieben von Bernd Hüttner

4. Mai 2026

Im Spannungsfeld von Anpassung, Widerstand und Kollaboration

Die neue Studie der renommierten Bauhaus-Forscher:innen Anke Blümm, Elizabeth Otto und Patrick Rössler widmet sich einem ebenso komplexen wie lange Zeit nur unzureichend beleuchteten Kapitel der Kunstgeschichte und ihrer Historiografie¹. In 16 Beiträgen untersucht sie das Verhältnis des Bauhauses zum deutschen Faschismus. Sieben Beiträge befassen sich mit den »rechtsnationalen Gegnern« des Bauhauses, weitere sieben mit der »Bauhaus-Community unter dem Nationalsozialismus«, also den Lebenswegen (ehemaliger) Mitglieder nach der Machtübertragung an die Nazis 1933. Alle Beiträge stellen indirekt die zentrale Frage nach Anpassung, Widerstand und individueller Verantwortung.

Den Autor:innen gelingt es, ein differenziertes Bild der Bauhäusler:innen zu zeichnen, das sich bewusst vorschnellen moralischen Urteilen entzieht. Statt die Akteur:innen pauschal als Opfer oder Mitläufer:innen einzuordnen, arbeiten sie die Vielschichtigkeit ihrer Entscheidungen heraus. Einige emigrierten früh und setzten ihre Arbeit im Exil fort, andere versuchten, Widerstand gegen die Nazis zu leisten, etliche arrangierten sich mit dem System, während wenige aktiv in den Strukturen des NS-Staates Karriere machten. Diese Bandbreite verdeutlicht, dass es »die« Bauhaus-Reaktion auf den deutschen Faschismus nicht gab. Vielmehr muss der – nicht zuletzt von Walter Gropius (1883–1969), dem ersten Bauhausdirektor, gezielt konstruierte – Mythos vom »guten« Bauhaus, das ins Exil gezwungen wurde und seine Ideen von dort aus in die Welt trug, kritisch hinterfragt werden. Bauhaus und die Nazis weiterlesen »

Haftort des Terrors

geschrieben von Ulrich Schneider

4. Mai 2026

»Oranjehotel« – Gedenkstätte erinnert an NS-Verbrechen in den Niederlanden

Was in den Niederlanden in Anlehnung an das Haus Oranje königlich klingt, war in Wirklichkeit eine der brutalsten Haftstätten während der deutschen Okkupation. In den Jahren 1940 bis 1945 wurden im Oranjehotel Tausende eingekerkert. Sie wurden hier verhört und gefoltert, bevor sie entweder in ein Deportationslager verbracht, vor Gericht gestellt und abgeurteilt oder in der Nähe dieser Haftanstalt hingerichtet wurden. Wie in anderen Ländern auch übernahmen die deutschen Besatzer vorhandene Strafanstalten und andere kasernierte Gebäudekomplexe, um politische Gegner und andere Verfolgte einsperren zu können, wenn man sie verhören oder zur Deportation in deutsche Lager bringen wollte.

Im Katalog der Gedenkstätte heißt es: »Zwischen 1940 und 1945 sitzen mehr als 25.000 Menschen im Oranjehotel gefangen. Das sind Menschen aus allen Schichten der Bevölkerung: Militärangehörige, Studenten, Arbeiter, Künstler, Beamte, Politiker, Geistliche, Männer und Frauen und sogar Kinder. Sie stammen aus dem ganzen Land. (…) Die meisten Gefangenen wurden wegen Widerstands oder Formen bürgerlichen Ungehorsams verhaftet.« Haftort des Terrors weiterlesen »

Unbekannte Heldinnen

geschrieben von Janka Kluge

4. Mai 2026

100 Frauen im Widerstand – ein Buch über Erinnerung, Mut und blinde Flecken

Das Buch »Warum kennt ihr mich nicht?« ist mehr als ein einfaches Buch. Es ist eine Erinnerung an 100 Frauen, die im Kampf für eine bessere Welt ermordet wurden. Der Autor Ernst Volland, ein in Berlin lebender Künstler, setzt sich seit Langem mit Faschismus und Widerstand auseinander, unter anderem in zum Teil satirischen Plakaten. Im Vorwort beschreibt er die Entstehung des Projekts: »Als ein Motiv meiner Serie ›Eingebrannte Bilder‹ für eine Gedenkbriefmarke der Deutschen Post zum anstehenden 100. Geburtstag von Sophie Scholl 2021 in die engere Wahl kam, fragte ich mich: ›Wer sind die anderen Frauen des Widerstands?‹« Unbekannte Heldinnen weiterlesen »

Denkmal für deutsche Antifaschisten

geschrieben von Klaus Holdefehr

4. Mai 2026

Griechische Dokumentation über den Widerstand in den 999er Strafbataillonen

»Ich bin kein Linker, ich bin Kommunist«, stellt Kostas Stamatopoulos gleich zu Beginn des Gesprächs klar. Der 40-jährige Regisseur aus Athen hat seinen antifaschistischen Genossen in der deutschen Wehrmacht mit einem 91-minütigen Dokumentarfilm ein Denkmal gesetzt. Und das im Sinne des Wortes: Immer wieder ist in kurzen Zwischenschnitten der Bau einer Stele der Erinnerung an acht deutsche Widerstandskämpfer zu sehen, die im Juni und Juli 1944 von den Nazis in der griechischen Provinzstadt Amaliada und dem Umland hingerichtet worden sind.

Der Widerstand von Demokraten, Sozialisten und Kommunisten in der deutschen Wehrmacht, die von 1941 bis 1944 Griechenland besetzt hatte und dort zahlreiche Kriegsverbrechen beging, ist ein wenig bekanntes Kapitel des Antifaschismus. Denn im Westen Deutschlands galten solche Kämpfer auch nach der Befreiung vom Nationalsozialismus meist als Landesverräter und wurden erst 2009 juristisch rehabilitiert. Im Osten hatten manche von ihnen hingegen Heldenstatus. In Griechenland waren diese deutschen Antifaschisten ein geachteter Teil, wenngleich doch eher ein Randaspekt des »nationalen Widerstands« gegen die Nazibesatzer. Denkmal für deutsche Antifaschisten weiterlesen »

Geschichte von unten

geschrieben von Kristin Caspary

4. Mai 2026

Warum Rätebewegungen immer wieder neu entstehen und wirken

Die Geburtsstunde der Räte liegt in der Pariser Kommune – und seither hat es zahlreiche Rätebewegungen gegeben. Einen Eindruck von der beeindruckenden Dichte dieser rund 250-jährigen Geschichte vermittelt Christopher Wimmer in seinem Buch »Alles muss man selber machen – Zur Geschichte der Rätebewegungen, von der Pariser Kommune bis Rojava«. Schon die im Titel benannten historischen Bezugspunkte – Paris und Rojava – lassen erahnen, dass die Geschichte der Rätebewegungen zwar einen vergleichsweise kurzen Zeitraum umfasst, sich in dieser Zeit jedoch über weite Teile der Welt erstreckt.

Während die Pariser Kommune, die Sowjets in Russland oder die Räte in Rojava gemeinhin als bekannte Beispiele gelten und etwa die ungarische Episode nicht zuletzt durch Hannah Arendts Rezeption neue Aufmerksamkeit erfuhr, lenkt Wimmer den Blick auch auf weniger bekannte Versuche rätedemokratischer Organisierung. So treten Episoden aus China, Tansania oder Bolivien hervor, die die globale Dimension dieser politischen Praxis eindrucksvoll unterstreichen. Geschichte von unten weiterlesen »

Warum es die Antifa braucht

geschrieben von Ulrich Peters

4. Mai 2026

Interviews einer weltweiten Bewegung

Die linke Wochenzeitung WOZ aus der Schweiz bringt sechsmal im Jahr das Magazin wobei heraus. Die aktuelle Ausgabe »No pasarán – Warum es die Antifa braucht« befasst sich mit Herausforderungen, Praxen und Perspektiven der antifaschistischen Bewegung. Die Herausgebenden reisten dafür von Madrid (Spanien) über Reggio Emilia (Italien), Brüssel (Belgien) und Berlin (Deutschland) bis nach Budapest (Ungarn), um mit antifaschistischen Aktivist*innen ins Gespräch zu kommen. Historische Rückblicke auf die über 100-jährige Geschichte der Bewegung werden dabei nicht isoliert betrachtet, sondern jeweils in Beziehung gesetzt mit den Perspektiven aktueller antifaschistischer Strukturen. Warum es die Antifa braucht weiterlesen »

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