Begegnung ohne Rückkehr

geschrieben von
Jennifer Bonk (Belgien)

5. September 2013

Auf der Suche nach den Opfern eines Rachefeldzuges –
Meensel-Kiezegem–Neuengamme-Bremen 1944 – 2009

Nov.-Dez. 2009

Raimund Gaebelein

»Begegnung ohne Rückkehr. Auf der Suche nach den Opfern eines Rachefeldzuges Meensel-Kiezegem – Neuengamme – Bremen 1944-2009.«

Mit einem Grußwort von Chris Desaever-Cleuren und einem Nachwort von Detlef Garbe

In dieser Broschüre von Raimund Gaebelein geht es um die belgische Gemeinde Meensel-Kiezegen. Im Zweiten Weltkrieg zählte sie 900 Einwohner. Die beiden Teil-Gemeinden sind durch einen Hügel voneinander getrennt, aber nicht das unterscheidet die beiden Ortsteile, sondern eher ihre Sozialstrukturen. Dies auch mit politischen Folgen. Einige Bewohner Kiezegems sympathisieren mit der deutschen Besatzung, während Bewohner Meensels sich Widerstandsgruppen anschließen. Die deutsche Besatzung dringt immer tiefer in die Gemeinde ein, sie erhält durch Familien, die mit ihr sympathisieren, Informationen über Arbeitsverweigerer und Flüchtlinge sowie die Tätigkeit der Widerständigen.

Im August 1944 läuft daraufhin in der Gemeinde Meensel-Kiezegem ein Vernichtungsplan der deutschen Besatzung ab. Von den 900 Einwohnern der Gemeinde werden 68 Männer nach Neuengamme deportiert. Raimund Gaebelein beschreibt aufgrund seiner Recherchen im Detail, wie diese Männer unter den SS-Offizieren zu leiden hatten. Sie durchleben einen höllischen Weg, auf dem sie oft nicht mehr wissen, ob es für sie und ihre Familien noch ein Morgen gibt. Sie werden auf brutale Art geschlagen und misshandelt, nur damit sie das aussagen, was ihre Peiniger hören wollen, egal ob es der Wahrheit entspricht.

Nachdem die 68 Männer aus der Gemeinde in Richtung Neuengamme gebracht worden sind, durchlaufen sie einen weiteren Leidensweg. Heute kann sich das kaum ein Mensch mehr vorstellen, denn diese Art Geschichte wird eher selten weitergetragen. Nach kurzem Aufenthalt in Neuengamme werden sie in die bremischen Außenkommandos Schützenhof und Blumenthal verwiesen. Doch die Geschichte der 68 Männer ist auch dort noch nicht zu Ende, viele von ihnen müssen ihr Leben geben, weil sie den Torturen der Nazis nicht standhalten können oder einfach hingerichtet werden. So sterben allein in Bremen 15 belgische Häftlinge auf tragische Weise.

Viele Menschen aus der Gemeinde Meensel-Kiezegem, wussten Jahrzehnte nicht, wo und wie ihre Angehörigen ums Leben gekommen sind und wo sie ihre letzte Ruhe fanden. Die Suche nach den Opfern und ihrem Schicksal führte sie nach Neuengamme und Bremen. Was sie mit Hilfe deutscher Antifaschisten herausgefunden haben, ist in der Broschüre festgehalten.

Als Leserin habe ich einen Einblick bekommen, wie Faschismus und Krieg damals Nachbarschaftsbeziehungen zerstört haben, und dass uns das heute auch noch etwas angeht. Vor allem weil Faschismus und Fremdenfeindlichkeit noch heute in der Gesellschaft herrschen. Die Broschüre ist eine Mahnung dafür, dass wir keine Wiederholung der Geschichte zulassen dürfen.