Der Antifa-Hoax
5. Mai 2026
Das Trump-Regime hysterisiert den Kampf gegen rechts
»Was in den USA gerade verboten wird, die Antifa, erhält in Deutschland Preise vom Kulturstaatsminister«, wetterte im Oktober 2025 im Bundestag ausgerechnet der AfD-Abgeordnete Matthias Helferich, der sich selbst mal als das »freundliche Gesicht des Nationalsozialismus« bezeichnet hatte. Er bezog sich dabei auf den Verlagspreis, den der antifaschistische Unrast-Verlag aus den Händen jenes Kulturstaatsministers Wolfram Weimer (CDU) entgegennahm, der zuletzt Buchhandlungen vom Verfassungsschutz überprüfen ließ, der Helferich jedoch ein Knecht »linker Dominanz« im Lande ist, der sich dem »Kulturkampf« verweigert. Helferichs Hetze zeigt überdeutlich, wer sich für ein Vorgehen gegen »die Antifa« ausspricht: Es sind selbst Faschist*innen, die sich des amorphen Schlagworts »Antifa« bedienen, um ihr braunes Süppchen aufzukochen. Der positive Bezug darin auf die USA, die in Trumps zweiter Amtszeit gerade mit äußerster Brutalität in eine faschistische Diktatur umgebaut werden, ist also ebenso wenig Zufall wie die Sprecher, aus deren Mund die Verbotsforderung in Deutschland kommt.
Irre Forderung nach Antifa-Verbot
Im November 2025 hatte das US-Außenamt »Antifa Ost«, eine italienische und zwei griechische antifaschistische Zusammenhänge zu internationalen »Terrorgruppen« erklärt. Sie seien, so war zu hören, gegen den Kapitalismus, gegen die USA, gegen »das Christentum« und die Demokratie und insoweit zu verfolgen und unschädlich zu machen. An Fahrt aufgenommen hatte die Forderung nach einem Antifa-Verbot in den USA erst vor sieben Monaten nach dem tödlichen Attentat auf den faschistischen US-Hetzer und Anführer der ultrarechten Bewegung »Turning Point USA«, Charlie Kirk. Die Trump-Regierung ergriff ohne jegliche Verbindungen des Attentäters die Gelegenheit, »Antifa« als Passepartout für alles, was sich gegen Trumps Größenwahn richtet, zu installieren.

Friedrich Burschel ist Historiker und Publizist. Foto: privat
Unterdessen lief tatsächlich bereits ein Verfahren gegen neun Angeklagte, die im Sommer 2025 vor einem Abschiebegefängnis der Einwanderungsmiliz ICE in Texas protestiert hatten. Ihnen wird Mitgliedschaft in einer »Antifa-Terror-Zelle« aufgrund der gemeinsamen Nutzung des Messengerdienstes »Signal«, schwarzer Kleidung und der Lektüre von linken Zines vorgeworfen. Es ergingen drakonische Urteile zwischen zehn Jahren und lebenslänglich unter anderem eben wegen der Mitgliedschaft, Aufstands (rioting) und versuchten Mords (ein Protestierer hatte tatsächlich einen Wachmann angeschossen). Die inzwischen geschasste Justizministerin Pam Bondi kündigte an, das werde nicht die einzige Verurteilung dieser Art bleiben. Der seit Oktober im Exil lebende US-Wissenschaftler und Autor des »Antifascist Handbook«, Mark Bray, schätzt den Verfolgungsdruck gegenüber der Antifa in den USA in einem Interview mit analyse & kritik als nicht so hoch ein wie zunächst erwartet: Die Antifa-Keule sei im Kontext etwa der Anti-ICE-Proteste in Minneapolis Anfang Januar, wo zwei Demonstrierende erschossen wurden, erst einmal nicht geschwungen worden. Ende März jedoch wurde bekannt, dass die Trump-Administration für Juni/Juli einen internationalen Gipfel gegen »die Antifa« plant. Das zeitweilige sogenannte Debanking von antifaschistischen Organisationen wie der »Roten Hilfe« unter anderem durch die anthroposophische Alternativbank GLS, aber auch, dass Meta jetzt den Begriff »Antifa« in den Filter verdächtiger Worte aufgenommen hat, gehört zu den Auswirkungen des US-Banns.
Am besten kam diese Anti-Antifa-Politik in Euro-pa dort an, wo rechts-autoritäre Regierungen oder Regierungsbeteiligungen wie zu jenem Zeitpunkt in Ungarn und den Niederlanden am Start waren. In beiden Ländern gibt es unterdessen Antifa-Verbote oder zumindest laufen Verbotsverfahren. Aber auch in Frankreich werden nach dem Tod eines neo-faschistischen Aktivisten in einer Auseinandersetzung mit Antifas die Rufe nach einem Verbot lauter. Dass hierzulande die AfD nach bisher vergeblichen Anläufen mit Antifa-Bashing fortfährt, verwundert daher keineswegs.
AfD mischt ordentlich mit
Die Töne werden vor allem dort immer schriller, wo die AfD immer näher an die Fleischtöpfe der Regierungsmacht kommt. Das aggressive Regierungsprogramm für Sachsen-Anhalt, wo sie sich unversehens einer absoluten Mehrheit nähert, lässt da keine Fragen offen: »Die überbordende politische Kriminalität linksextremer Fanatiker und insbesondere der sogenannten Antifa ist eine der größten Bedrohungen für die Innere Sicherheit. (…) Wir werden der Bekämpfung der Antifa in Sachsen-Anhalt höchste Priorität geben und den nachrichtendienstlichen und polizeilichen Verfolgungsdruck auf diese Szene massiv erhöhen.«
Trotzdem: Die erratische Irrationalität des Versuchs, Antifa zu einer globalen Überbedrohung zu stilisieren, sollte niemanden dazu bewegen, Antifa zu rechtfertigen oder auf die allfälligen Verschwörungsideologien einzugehen. Die Antifa, die dort an die Wand gemalt wird, gibt es nicht.



























