Rechter Terror – eine Kontinuität
5. Mai 2026
Von der Nachkriegszeit bis heute
Im Kreis der Leser*innen der antifa muss sicherlich niemand an die NSU-Verbrechen erinnert werden, von denen sich die beiden Morde in Kassel und Dortmund in diesen Tagen zum 20. Mal jährten. Diese Gewalttaten haben das Bild vom Rechtsterrorismus in den deutschen Medien stark geprägt. Dass dies aber keine neuen Erscheinungen im deutschen Neofaschismus sind, zeigt Barbara Manthe in ihrem neuen Buch, das als Ergebnis langjähriger Recherchen und eines DFG-Forschungsprojekts »Rechtsterrorismus in der Bundesrepublik Deutschland 1970 bis 1990« im März 2026 bei C. H. Beck erschienen ist.
Anders als in dem Forschungsprojekt selbst schlägt Manthe in sieben Kapiteln den Bogen von den ersten Jahren der BRD bis in die jüngste Gegenwart. Schon in den Gründungsjahren der Bundesrepublik finden sich Formen von Rechtsterrorismus, der sich – ideologisch im Naumann-Kreis und organisatorisch im »Technischen Dienst« des Bundes Deutscher Jugend – bereits im öffentlichen Raum bewegen konnte, auch wenn vereinzelt Zwangsmaßnahmen gegen diese Strukturen ergriffen wurden.
Mit dem Aufschwung der NPD Mitte der 1960er-Jahre fanden sich auch gewalttätige »Einzeltäter«, die glaubten, Vollstrecker des »Volkswillens« zu sein, wie Josef Bachmann, der Dutschke-Attentäter. Zwar distanzierte sich die NPD von ihm, die Neonazipartei hatte aber das geistige Umfeld für diesen Rechtsterrorismus geschaffen. Im Kapitel zu den 1970er-Jahren blickt die Autorin nicht vorrangig auf die »Rote Armee Fraktion« (RAF), die damals die mediale Öffentlichkeit dominierte, sondern sie verfolgt die Radikalisierung der extremen Rechten, bei der Paul Otte, Michael Kühnen und Odfried Hepp mehrere gewalttätige Gruppen geschaffen haben.
Tatsächlich reagierte Ende der 1970er-Jahre auch der Staat auf die Zunahme von Gewalt. Es waren aber Einzelaktionen (Verbot der fränkischen Wehrsportgruppe Hoffmann Anfang 1980), die deren Wirkung nur bedingt einschränkten, wie sich im September 1980 beim Münchener Oktoberfest-Attentat mit 13 Toten und über 200 Verletzten durch ein Mitglied der Wehrsportgruppe Hoffmann blutig bestätigte. Zwar wurde sofort vom »Einzeltäter« gesprochen, aber die Zunahme von Gewaltaktionen in diesen Monaten zeigten die Vernetzung des Rechtsterrorismus. Dass dies auch eine internationale Dimension hatte, zeigte das Attentat auf den Bahnhof in Bologna 1980 mit 85 Toten.

Barbara Manthe: Terror von rechts. Die Geschichte einer andauernden Gefahr. Verlag C. H. Beck, München 2026, 383 Seiten, 29,90 Euro
Für diese Jahre weist die Autorin auch auf »blinde Flecken« der Aufarbeitung hin, wenn antisemitische Mordaktionen entweder der RAF zugeschrieben wurden oder deren Aufklärung bis heute nicht zweifelsfrei erfolgte. In den gewalttätigen 1990er-Jahren zeigte sich der Rechtsterrorismus mit Baseballschlägern und Brandanschlägen in West wie Ost.
Das umfangreichste Kapitel behandelt die NSU-Morde, wobei die Autorin für ihre Darstellung die Ergebnisse parlamentarischer Untersuchungsausschüsse auswertet, die sehr klar die Einbindung staatlicher Stellen in das unterstützende Netzwerk und das Versagen der Sicherheitsorgane bei der Aufklärung belegen.
Das knappe Abschlusskapitel fragt nach der Gegenwart des Rechtsterrorismus, wobei hier weniger Quellen der Justiz oder des Sicherheitsapparates ausgewertet werden konnten, da diese für historische Forschung noch nicht zur Verfügung stehen. Mit Blick auf den Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke und die rassistischen Morde von Hanau wird sichtbar, dass Rechtsterrorismus auch ohne sichtbare Gruppen eine andauernde Gefahr bleibt.
Dem Charakter einer Forschungsarbeit entsprechend hat die Verfasserin über 50 Seiten Anmerkungen und Belegstellen gelistet, die es den interessierten Lesenden ermöglichen, sich vertiefend mit einzelnen Verbrechen und deren Hintergründen zu beschäftigen. Die Quellen- und Literaturliste zeigt, wie umfänglich sie sich mit der gedruckten Literatur beschäftigt und welche Archive sie für ihre Recherchen neu erschlossen hat. Überraschend ist, dass sie die antifaschistische Wochenzeitung Die Tat, die seit Anbeginn über diesen Teil der extremen Rechten berichtete, nicht verzeichnet hat. Sicherlich hätte sie dort keine zusätzlichen Fakten gefunden, aber für die politische Einordnung der Verbrechen und des gesellschaftlichen Umgangs damit, wäre das sicherlich spannend gewesen. Da jetzt endlich alle Exemplare der Zeitung digitalisiert vorliegen (im Archiv der VVN-BdA-Bundesvereinigung), sollte diese Quelle bei einer Weiterarbeit am Thema einbezogen werden.
Erwähnt werden sollen noch die Illustrationen zu den einzelnen Kapiteln, denen man ansieht, dass sie mit Empathie für die Opfer des Rechtsterrorismus ausgewählt wurden und die zudem das Engagement der Zivilgesellschaft gegen Rechtsterrorismus sichtbar machen. Dabei erinnerten manche Bilder den Rezensenten an Aktivitäten, an denen er gemeinsam mit vielen Mitgliedern der VVN-BdA und anderen Antifaschisten bei Protesten gegen den Vormarsch und die Gewalt der extremen Rechten teilgenommen hat.




























