Verboten, aber nicht weg
4. September 2026
Razzia gegen »Artgemeinschaft« – und HDJ-Kader bei der AfD in Sachsen-Anhalt
Am 27. August durchsuchte die Staatsanwaltschaft Halle 15 Wohnungen und Höfe in fünf Bundesländern. Der Vorwurf: Die Beschuldigten sollen die »Artgemeinschaft« weiterbetrieben haben, jene völkisch-heidnische Vereinigung, die das Innenministerium unter Nancy Faeser (SPD) 2023 als rassistisch und antisemitisch verboten hat. Zu ihnen gehören zwei Landtagskandidaten der AfD Sachsen-Anhalt: Sebastian Koch und Simon Lansmann, auf dessen Hof im Juni durch Neonazis die Sonnenwende gefeiert wurde – mit Tierhörnern und Liedern der Hitlerjugend. Gewählt wird in dem Bundesland am 6. September.
Lansmann bestreitet über seinen Anwalt ein illegales Treffen, rechte Medien reichen die Schutzbehauptung nach: Man habe nicht wissen können, wer zu Gast war. Wirklich? Wer auf dem eigenen Hof ein völkisches Sonnenwendfest ausrichtet, ist nicht in die falsche Gartenparty geraten. Gepflegt wird dort NS-Rassenlehre im Familienformat: Familientage, Ferienlager, Kinder, die in die »Art« hineinwachsen. Die Verbindungen reichen tief in den militanten Neo-nazismus – zu Stephan Ernst, dem Mörder Walter Lübckes, zu Beate Zschäpe, den Brüdern Eminger, zu Combat 18 und Blood & Honour.
Verboten ist das alles längst. Genützt hat es wenig: Man trifft sich weiter, feiert weiter, und zwar beim AfD-Kandidaten. Mit der »Heimattreuen Deutschen Jugend« (HDJ) war es dasselbe, 2009 verboten wegen völkischer Schulung von Kindern ab sieben Jahren. Ihre Kader sind nicht verschwunden, sie sind aufgestiegen: Patrick Harr, einst im HDJ-»Beschaffungsreferat«, ist heute Pressesprecher und Fraktionsgeschäftsführer, rechte Hand von AfD-Spitzenkandidat Ulrich Siegmund und soll nach einem Wahlsieg die Staatskanzlei führen. Laurens Nothdurft, jahrelang in der HDJ-Bundesführung, ist Justiziar der Fraktion und wird als Justiz-Staatssekretär gehandelt. »Ich bin damit im Reinen«, sagt Harr. Er ist es. Wir sollten es nicht sein – und uns nicht darauf verlassen, dass ein Verbot die Arbeit erledigt, die auf der Straße zu tun ist.
Der YouTube-Kanal der »Artgemeinschaft« warb für das »Überleben unserer Art«. Wie ernst das gemeint ist, zeigte ein Fund im Januar – bei einem 25-Jährigen aus dem Umfeld lagerten Waffen und sprengfähiges Material im zweistelligen Kilobereich.
Siehe zum Thema auch die Seite 8 der antifa-Juli-/Augustausgabe.





























