Editorial
4. September 2026
Wer kennt sie nicht, die fünf oder zehn Dinge, die JETZT zu tun sind, um die Machtambitionen der AfD zu durchkreuzen. Systematische Herangehensweisen an das Faschismusproblem und das Rechtsdriften der Gesellschaft gibt es seit hundert Jahren. Was heute »Checklisten für demokratisches Handeln« oder »Tipps & Trix für Antifas« sind, gab es auch schon in den 1930er-Jahren. So breitete Carlo Mierendorff (SPD) in der Broschüre »Grundlagen und Formen politischer Propaganda« (Reichsbanner Magdeburg, 1932) eine kluge kommunikative Strategie für NSDAP-Gegner*innen aus, die erstaunlich stark dem gleicht, was heute gegen die AfD versucht wird: Ihre Lügen entlarven, die Verbindungen aufzeigen, die Gefahren für den eigenen Alltag herausstellen, die Verhinderungstaktiken auf Eignung prüfen und zum Schluss die Einheitsfront fordern. Solche Schriften erschienen vor der Machtübergabe an Hitler 1933 in hoher Auflage und erreichten auch die Massenbasis der Arbeiter*innenbewegung. Interessante Parallelen zeigen sich auch bei kurzfristigen Mobilisierungserfolgen, die durch Veröffentlichungen wie die von Correctiv Anfang 2024 ausgelöst werden. Auch 1931 gab es so was. Wilhelm Leuschner, damaliger hessischer Innenminister, veröffentlichte die NSDAP-internen »Boxheimer Dokumente«. Darin fanden sich Pläne der NSDAP für eine gewaltsame Machtübernahme. Der Aufschrei war – ähnlich wie nach Bekanntwerden der »Remigrations«-Pläne der AfD 2024 – riesig. Doch das Reichsjustizministerium lehnte eine Verfolgung ab, denn die Umsturzpläne wären nur als Reaktion auf einen drohenden kommunistischen Umsturz zu werten. Ähnlich wie heute lief es mit der Möglichkeit, die NSDAP zu verbieten. Seit ihrer Neugründung 1925 verfolgte die NSDAP einen Legalitätskurs, um sich ungestört aufbauen zu können, ohne ständig mit Repression überzogen zu werden. 1930 unternahm das preußische Innenministerium auf Grundlage eines 97-seitigen Gutachtens erneut einen Verbotsversuch. Kanzler Brüning lehnte aber ab, da man die NSDAP politisch stellen und »entzaubern« wolle. Geschichte mag sich nicht wiederholen, aber ähnliche historische Fehler werden auch heute gemacht. Die Gegenaktivitäten gegen faschistische Parteien erreichen heute wie damals nicht die notwendige Breite und Durchschlagskraft und verpuffen in den undurchsichtigen Machtdynamiken. Trotzdem dran bleiben.





























