Blick in die AfD-Postfächer

geschrieben von Janka Kluge

4. November 2026

421.000 geleakte Mails: Wie Weidel über Höcke dachte

Im September 2026 ist es Hackern gelungen, sich Zugriff auf mehrere E-Mail-Konten der AfD zu verschaffen. Die erbeuteten Daten, immerhin 421.000 Mails aus den Jahren 2013 bis 2026, wurden Mitte Oktober online gestellt. Nach der Veröffentlichung hat die AfD den Datenabfluss bestätigt. »Im September 2026 kam es zu einem Hackerangriff auf einen Hosting-Dienstleister unserer Partei, bei dem offenbar Teile einiger weniger Mail-Postfächer – von denen die meisten seit Jahren nicht mehr genutzt waren – widerrechtlich kopiert wurden«, teilte die AfD der »Tagesschau« mit. Nach Angaben der Bild, die als Erste über den Hack berichtet hatte, handelt es sich um zehn Mailadressen auf dem Server der Alternita Dienstleistungs-GmbH, eines Unternehmens, das der AfD selbst gehört. Eines der Postfächer ist besonders brisant: Das Postfach, über das die Mitglieder des Bundesvorstands miteinander kommunizierten, liegt jetzt offen.

Die genaue Auswertung wird wahrscheinlich noch Monate dauern. Einiges lässt sich aber schon jetzt sagen. Im November 2015 hatte Björn Höcke bei einem Auftritt am Institut für Staatspolitik rassistische Äußerungen gemacht. Nach Recherchen des Focus warnte Alice Weidel im Dezember 2015 Jörg Meuthen davor, in einer Presseerklärung dazu zu schreiben, Höckes Aussagen könnten »fälschlicherweise als rassistisch gedeutet werden«. Weidel schrieb: »Es gibt definitiv keine ›Fehldeutungen als rassistische Aussagen‹.« (Focus, 25.10.2026)

Weidel rechnete damals deutlich mit Höcke ab. Der Focus zitiert sie mit den Worten: »Höckes Äußerungen und die Verwendung des Begriffs der Volksgemeinschaft allein reichen aus, die AfD in diesen Bericht hineinzubringen.« Gemeint war der Verfassungsschutzbericht. Ebenfalls 2015 schrieb Weidel, dass »die Grenzen weit nach rechts zur NPD mutwillig und mit voller Absicht verwischt werden«.

Auch die Affäre um Spenden aus der Schweiz an Weidels Kreisverband Bodensee rückt wieder in den Fokus. Der Spiegel berichtet, dass Weidel viel früher von den Spenden wusste, als sie bisher zugegeben hat. Weidel, im Bundestagswahlkampf 2017 gemeinsam mit Alexander Gauland Spitzenkandidatin der AfD, schrieb an zwei führende Personen aus dem Kreisverband: »Es wurden mir Spenden avisiert, mit denen ich meinen Social Media Wahlkampf bestreiten muss.« Sie bat darum, »das Konto vielleicht 2x wöchentlich im Blick« zu haben »für eventuelle Spendeneingänge«, und wollte schriftlich benachrichtigt werden (tagesschau24, 23.10.2026).

Wenige Tage später ging die erste von 18 Spenden ein. So gestückelt, flossen innerhalb kurzer Zeit insgesamt 132.000 Euro. Ob die Mails, wie bereits spekuliert wird, in ein mögliches Verbotsverfahren einfließen können, ist noch völlig offen.