Erinnerung, die Haltung zeigt
4. November 2026
Lagergemeinschaften zu Gast in der Gedenkstätte Sachsenhausen
Vom 18. bis 20. September fand das zweite Netzwerktreffen der Lagergemeinschaften (LAG) dieses Jahres statt – diesmal in Oranienburg und in der Gedenkstätte Sachsenhausen. Seit einigen Jahren treffen sich deutsche LAG-Vertreter*innen regelmäßig, um sich auszutauschen und gegenseitig zu unterstützen. Auch die VVN-BdA ist im Netzwerk vertreten.
Andreas Meyer, Vorsitzender des Deutschen Sachsenhausen-Komitees und Präsident des Internationalen Sachsenhausen-Komitees, lud zu einer Führung über das Gelände ein. Besonders spannend war der Einblick in das Depot. Ein langjähriger Mitarbeiter zeigte die nach Materialien unterteilten Räume voller Objekte aus Holz, Glas, Keramik, Metall und Textil, darunter viele von Häftlingen geschaffene Kunstwerke, Häftlingskleidung und Alltagsgegenstände.

Gedenkstättenleiter Axel Drecoll erinnert an queere Opfer im KZ Sachsenhausen und verbindet dies mit Solidarität mit den CSDs in Brandenburg, die heute von rechts angegriffen werden. Foto: Maxi Schneider
Zwei kleinere Ausstellungen auf dem Gelände warfen Schlaglichter auf die Themen Nachkommenschaft und Verfolgung von Sinti*zze und Rom*nja. In der ersten kommen Menschen zu Wort, die erst spät von der Verfolgungsgeschichte ihrer Angehörigen erfahren haben. In der zweiten ist besonders eine aktuelle Intervention verschiedener Aktivist*innen und politischer Bildner*innen interessant. Gemeinsam haben sie die ältere Ausstellung kommentiert – mit Blick auf die Frage, wie sich der menschenverachtende Blick der Nazis möglichst wenig reproduzieren und die Würde der Opfer bestmöglich bewahren lässt. Als Teil dieser kritischen Perspektive wird nun auch dargestellt, wie sich Rom*nja und Sinti*zze nach dem Krieg organisierten und für das Gedenken stritten.
Ein weiterer Höhepunkt des Wochenendes war die Gedenkstunde für queere Menschen in der Gedenkstätte. Neben der Erinnerung an die homosexuellen Häftlinge im KZ Sachsenhausen und andere queere Opfer nahm der Bezug zur Gegenwart viel Raum ein. Alle Redner*innen – ob aus Politik oder Community – verbanden das Gedenken mit einer klaren Warnung vor dem Aufstieg der AfD und vor queerfeindlicher Hetze. Passenderweise waren die Teilnehmenden aufgerufen, direkt im Anschluss mit einem bereitstehenden Bus von der Gedenkstätte zum CSD Oberhavel zu fahren. Es macht Hoffnung zu sehen, dass die Gedenkstätte Sachsenhausen den Mut hat, Gedenken mit aktivem Einstehen für Vielfalt heute zu verbinden.
Lagergemeinschaften wurden nach der Befreiung von ehemaligen Häftlingen gegründet, um gemeinsam für ihre Interessen einzustehen. In ihrem Sinne führen heute Nachfahren und Engagierte diese Arbeit weiter.






























