Die Hetze verfängt

7. Juli 2026

Kampagne gegen das rechte Hetzportal Nius

antifa: Ihr werft dem rechten Portal Nius vor, keinen Journalismus zu betreiben. Nun gibt es ja viele, bei denen die Grenzen zwischen Journalismus und hetzerischer Propaganda fließend sind. Was macht Nius besonders?

Carla: Nius verfolgt das Ziel, die Grenzen des Sagbaren nach rechts zu verschieben. Darin enthalten ist auch ein deutlicher Druck auf die CDU, sich weiter und stärker rechts zu positionieren und die Brandmauer zur AfD einzureißen. Neben tagespolitischen konservativen oder offen rechten Interventionen werden rassistische und queerfeindliche Positionen vertreten. Wir sehen in Nius einen Akteur eines rechten Kulturkampfes. Alles, was als links wahrgenommen wird, Demokratieprojekte, Klimapolitik und generell nicht-rechte NGOs werden verdächtigt, markiert und diffamiert. Da geraten Vielfaltprojekte an Schulen, die Omas gegen rechts und auch mal die AWO in den Fokus.

Andreas: Sie versuchen, als journalistisches -Medium wahrgenommen zu werden. Chefredakteur Julian Reichelt will eine Heimat für »medial Obdachlose« anbieten. Der Finanzier Frank Gotthardt, ein rechter IT-Unternehmer aus Koblenz, ist der Ansicht, dass die »links zu verortende« Medienlandschaft »eine Ergänzung im konservativen Bereich« bräuchte. Inzwischen hat Nius eine TV- und Radio-lizenz der Landesmedienanstalt Berlin-Brandenburg, die stellvertretende Chefredakteurin Pauline Voss sitzt in der Bundespressekonferenz, und andere Medien zitieren inzwischen Nachrichten von Nius. Dabei wäre eine journalistische Brandmauer hier dringend angebracht. Diese Normalisierung müssen wir durchbrechen und immer wieder sagen, dass es sich um ein rechtes Hetzportal handelt, das sich im übrigen selber nicht dem Pressekodex, also der freiwilligen Selbstkontrolle des Deutschen Presserates, unterwirft.

antifa: Nius will langfristig im Medienmarkt mitspielen und Politik beeinflussen. Aktuell haben sie kaum Publikum. Woran lässt sich ein Erfolg messen?

Infos zur Kampagne:neinzunius.noblogs.org

Infos zur Kampagne:
neinzunius.noblogs.org

Andreas: Zunächst einmal handelt es sich um eine Onlineplattform, die regelmäßig viele Inhalte ausspuckt. Also nachrichtenartige Artikel mit aufmerksamkeitsheischenden Überschriften, tendenziell lärmende Kommentare und »Recherchen« mit wilden Infografiken. Darüber hinaus wird je eine »Morgen live«- und eine »Abend live«-Sendung produziert. Außerdem sind sie auf Social Media sehr aktiv.

Carla: Formal getragen wird das Portal von der VIUS SE & Co. KGaA. Julian Reichelt ist geschäftsführender Direktor und gleichzeitig Chefredakteur von Nius. Das Geld kommt von Frank Gotthardt, der mit seiner Medizin-Software-Firma CGM Millionen verdient hat. Er finanziert auch das österreichische Boulevardmedium exxpress sowie lokale Fernsehsender und supportet Reichelts Projekte seit Jahren als gönnerhafter Mäzen.

Aus unserer Sicht zeigen sich die »Erfolge« solch rechter Medienhetze immer öfter: Wenn seriösere Medien auf Feindmarkierungen aufspringen und die Hetze weiterverbreiten, oder wenn Geldgeber Finanzen zurückhalten, weil Nius ein Demokratieprojekt oder einen linken Verlag in den Dreck gezogen hat.

antifa: Was macht die Kampagne »Nein zu Nius«, und was ist noch geplant?

Andreas: Unser erster Impuls war es aufzuklären: Was ist Nius, was machen die, und warum ist das ein Problem? Und dass sie mit ihren Redaktionsräumen mitten in Kreuzberg sitzen. Die Kreuzberger Nachbarschaft und Gewerbetreibenden wissen heute Bescheid und lehnen Nius ab. Nachdem wir mit der Kampagne angefangen haben, wurden unabhängig von uns die Initiative der GSG-Nachbar_innen (GSG ist der Vermieter der Redaktionsräume) und das Edelweiss Netzwerk aktiv. Zuletzt gab es noch die sehr erfolgreiche Kampagne gegen Nius-Werbung auf Flächen der Berliner Verkehrsbetriebe.

Clara: Wir haben dann eine große Info- und Diskussionsveranstaltung organisiert. Damit haben wir unsere Kritik an Nius im Kontext von Rechtsruck und Tech-Faschismus verortet und Betroffene von Doxing1 und Schmutzkampagnen zusammengebracht. Wir werden auch weiterhin auf die Straße gehen – eine Fahrraddemo gegen Nius und Apollo News im Juni war erst der Anfang.

antifa: Worauf müssen sich Kritiker*innen solcher Projekte wie Nius einstellen? Wie wehren sie sich?

Andreas: Reichelt, Gotthardt und ihr Medium zielen darauf ab, die kritische Zivilgesellschaft mundtot zu machen, dabei einzelne Personen oder Projekte herauszustellen und mit Dreck zu bewerfen. Für die Betroffenen kann das berufliche Konsequenzen haben, Fördergelder können entfallen, und man kann auf der Hassliste von rechtsterroristischen Gruppen landen.

Clara: Zum einen gehen Leute den Rechtsweg, und Nius hat in letzter Zeit einige Prozesse verloren. Es ist darüber hinaus aber wichtig, sich gegenseitig im Alltag den Rücken zu stärken. Als Nius etwa gegen einen queeren Drag-Workshop bei der AWO gehetzt hat, haben solidarische Nachbar_innen die Lesung besucht und drohenden Störungen vorgebeugt. Als Kampagne arbeiten wir so gesehen auch proaktiv, indem wir aufklären, Druck machen und eine solidarische Haltung propagieren: Wer von Nius an den Pranger gestellt wird, hat nichts falsch gemacht.

Infos zur Kampagne:

neinzunius.noblogs.org

1 Doxing bezeichnet das gezielte Veröffentlichen oder Verbreiten persönlicher Informationen einer Person ohne deren Zustimmung, oft mit dem Ziel, sie einzuschüchtern, zu diffamieren oder Angriffen auszusetzen, d.Red.