Kommunal zweistellig, personell blank

geschrieben von Jtf

4. November 2026

Niedersachsen: Die AfD verdreifacht ihr Ergebnis in Räten und Kreistagen

Nur eine Woche nach dem Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt war bei den Kommunalwahlen im Nachbarland Niedersachsen am 13. September die Sorge groß, der Rechtsruck könne auch hier die Rathäuser und Kreistage erfassen. Landesweit steigerte die AfD ihr Ergebnis um mehr als elf Prozentpunkte auf 15,9 Prozent und ist damit rechnerisch drittstärkste Kraft in dem Bundesland mit 6,3 Millionen Wahlberechtigten. Vor ihr liegen CDU und SPD, die jeweils rund fünf Prozentpunkte verloren. Die Grünen folgen mit 14,1 Prozent (minus 1,8), Die Linke verdoppelte ihr Ergebnis auf sechs Prozent. Die Wahlbeteiligung stieg um rund sieben Prozentpunkte auf 64,6 Prozent.

Bemerkenswert ist, dass die AfD mehr als 250 errungene Mandate nicht besetzen kann, weil ihr schlicht das Personal fehlt. In den Landkreisen Osnabrück, Leer, Aurich und Peine bleiben jeweils mindestens 20 ihrer Sitze in Kreistag und Gemeinderäten leer. Vier AfD-Bewerber um Landrats- und Bürgermeisterämter waren bereits im Vorfeld wegen »Zweifeln an ihrer Verfassungstreue« von der Wahl ausgeschlossen worden. Rund 2.700 AfD-Kandidat:innen wurden dagegen zugelassen. Was nach Blamage aussieht, ist jedoch vor allem ein Warnsignal: Die AfD hat mehr Mandate gewonnen, als sie Kandidat:innen aufbieten konnte.

In Salzgitter wurde die AfD mit 27,4 Prozent stärkste Kraft im Stadtrat, das Amt des Oberbürgermeisters aber konnte die CDU in der Stichwahl gerade noch verteidigen. Zwei weitere Stichwahlen um Bürgermeisterämter verlor die AfD ebenfalls.

Für die Landtagswahl im kommenden Jahr verheißt das wenig Gutes. Die AfD verfolgt erklärtermaßen die Strategie, die Städte vom Land aus zu »erobern«. Noch halten die Städte dem Ansturm stand. Stellt die Bundespolitik aber nicht andere Weichen, dürfte die AfD weiter davon profitieren.
Es gibt auch gute Nachrichten: Im Rat einer mittelgroßen Stadt und im Kreistag ihres Landkreises gehört ein nennenswerter Teil der Abgeordneten der VVN-BdA an. Mitglieder unserer Organisation haben sich zudem bei einer Großdemonstration in Magdeburg solidarisch mit den Menschen in Sachsen-Anhalt gezeigt und in beiden Ländern Flyer verteilt. Im Wahlkampf konnten auch neue Mitglieder gewonnen werden.

Hannover hält dagegen

In der Landeshauptstadt bleibt der Grüne Belit Onay mit 61,5 Prozent Oberbürgermeister. In der Region Hannover folgt die Sozialdemokratin Eva Bender auf ihren Parteikollegen Steffen Krach, der als SPD-Spitzenkandidat in Berlin antrat; sie setzte sich gegen einen CDU-Kandidaten durch. In der Regionsversammlung zeichnet sich sogar ein rot-grün-rotes Bündnis ab. Damit bestätigt sich das Bild der Wahl: Die großen Städte halten dem Rechtsruck bislang stand.