Nächste Empörungsmaschine
4. November 2026
Sammlungsbewegung »Eine Million gegen die Regierung«
Seit Frühjahr 2026 mobilisiert das sogenannte Projekt M1llion zu bundesweiten Protesten gegen die Bundesregierung. Zur ersten Großdemonstration am 8. Juni in Berlin kamen etwa 4.000 Menschen, am 8. August in Plauen bereits rund 10.000. In Bielefeld waren es am 12. September etwa 500, in Berlin am 10. Oktober nur noch 2.600. Rechte jeder Couleur sind dabei. Sie alle eint die Deutschlandfahne.
Wir kennen dieses Drehbuch: Ein Bewegungsunternehmer und einige Anhänger*innen erklären sich zum Sprachrohr des Volkes. Die Regierung sei illegitim, die Medien seien gleichgeschaltet, das Land stehe kurz vor dem Untergang.
Jetzt also ein neuer Name, ein neuer Anlauf. Wieder wird so getan, als hätten sich ganz normale Bürger*innen spontan zusammengefunden, um endlich ihre Stimme zu erheben. Wer Pegida, die Proteste gegen Geflüchtete und die Corona-Aufmärsche erlebt hat, weiß: Die Empörungsmaschine entsteht nicht spontan. Hinter dem Projekt stehen Netzwerke und Erfahrungen aus Jahren rechter und verschwörungsideologischer Mobilisierung. Die Themen wechseln, die Talkingpoints bleiben: korrupte Eliten, gleichgeschaltete Medien, ein verratenes Volk.
Gerade die betonte Offenheit in alle Richtungen macht solche Bewegungen gefährlich. Reale soziale Unzufriedenheit wird eingesammelt und in eine autoritäre, nationalistische Richtung gelenkt. Die angebliche Überparteilichkeit ist dabei kein demokratisches Gütesiegel, sondern ein Türöffner.
Was hilft? Erstens: genau hinschauen, dokumentieren und die rechten Netzwerke hinter der Fassade sichtbar machen. Zweitens: breite Bündnisse organisieren. Drittens: soziale Fragen nicht den Rechten überlassen und solidarische Antworten anbieten.
Und vor allem: nicht erst aufwachen, wenn die Aufmärsche groß geworden sind. Pegida hat gezeigt, wie aus kleinen Demonstrationen eine gesellschaftliche Normalisierung rechter Positionen erwachsen kann. »Querdenken« hat gezeigt, wie lange solche Netzwerke über einzelne Krisen hinaus mobilisierungsfähig bleiben.
Initiator des »Projekts M1llion« ist der bis dahin politisch kaum bekannte Marcel Baldauf, der den »Freien Sachsen« nahesteht. Die Bewegung entstand aus einer Facebook-Gruppe zur Krise der Gasversorgung und wuchs über soziale Medien und Telegram zu einem überregionalen Mobilisierungsnetzwerk.
Das Elf-Punkte-Programm fordert Neuwahlen, direkte Demokratie nach Schweizer Vorbild, die Abschaffung der CO2-Abgabe und des Rundfunkbeitrags sowie eine Migrationspolitik nach AfD-Vorbild. Hinzu kommen nationalistische und populistische Forderungen, etwa nach Politikerhaftung und der Einstellung der Entwicklungshilfe.






























