Wir werden nicht schweigen
4. November 2026
Treffen des Internationalen Auschwitz Komitees in Oświęcim
Unter der Losung »Wir werden nicht schweigen« kam das Internationale Auschwitz Komitee (IAK) vom 22. bis 25. September 2026 zu seiner Generalversammlung zusammen. Nach einer gemeinsamen Kranzniederlegung im Stammlager und in Auschwitz-Birkenau tagten Überlebende, Nachfahren und weitere Engagierte aus zwölf Ländern in der Internationalen Jugendbegegnungsstätte Oświęcim/Auschwitz. Sie stellten ihre Arbeit vor, die vielfach davon geprägt ist, die junge Generation für die Auseinandersetzung mit dem Holocaust zu gewinnen.
Im Vordergrund stand die Sorge um die zahlreichen Holocaustüberlebenden, die es insbesondere in Israel nach wie vor zu unterstützen gilt. Beeindruckend war die Bandbreite aus Forschungs- und Vermittlungsarbeit, geschichtspolitischen Auseinandersetzungen und Gedenken. Übereinstimmend berichteten Delegierte aus mehreren Ländern von einer Zunahme des Antisemitismus nach dem 7. Oktober 2023. Große Sorge bereitet die Situation in Deutschland mit dem Aufstieg der AfD. Besonders empört zeigten sich die Delegierten über die gegenwärtigen Angriffe auf die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA.

Silvia Gingold fand den Namen ihrer Tante im »Buch der Namen«: »Buchband, Dora, 10/7/1913, Frankfurt, Germany, Murdered in Auschwitz«. Gemeinsam mit Ellen Händler las sie dort die Namen zahlreicher Verwandter. Dora Buchband, die Schwester von Silvias Vater Peter Gingold, wurde nach Auschwitz deportiert. Auf dem Weg dorthin gelang es ihr, einen Brief aus dem Deportationszug zu werfen. Er erreichte tatsächlich sein Ziel und befindet sich heute im Besitz der Familie. Darin versuchte Dora, ihre Angehörigen zu beruhigen: Es gehe ihr gut, und man werde sich »zurückfinden«, schrieb sie. Kurz darauf wurde sie ermordet. Foto: Maxi Schneider
Teil unserer Delegation waren Ellen Händler und Silvia Gingold. Beide haben durch den Holocaust zahlreiche Angehörige verloren, einige von ihnen wurden in Auschwitz ermordet. Am Nachmittag nach der Sitzung blieb noch etwas Zeit, und sie begaben sich im »Buch der Namen« auf Spurensuche. Es verzeichnet rund 4,8 Millionen namentlich bekannte Holocaustopfer mit Geburtsdatum, Heimatort und Todesort. Tatsächlich wurden sie fündig (siehe Spalte).
Nach diesem emotionalen und belastenden Besuch der Gedenkstätte stand der letzte Abend im Zeichen der Verständigung zwischen den Generationen. Bei einem gemeinsamen Abendessen kamen die Delegierten mit jungen Auszubildenden von VW ins Gespräch, die zwölf Tage lang bezahlt in der Gedenkstätte arbeiten und sich zugleich weiterbilden. VW bietet diese Möglichkeit in einer deutsch-polnischen Gruppe jedem dritten Ausbildungsjahrgang an. Das Gespräch mit Überlebenden und direkten Nachfahren war für die Azubis natürlich besonders spannend. Dabei ging es nicht nur um Geschichte, sondern auch um aktuelle Politik, jüdische Kultur, Hobbys, die Sparpläne von VW und gemeinsame Ideen für künftige Projekte.






























