Rechtes Firmengeflecht

geschrieben von Ulrich Peters

8. September 2024

Temporäres Verbot des Compact-Magazins ruft viele Unterstützer auf den Plan

Die Diskussionen um ein Verbot des seit 2010 erscheinenden extrem rechten Compact-Magazins verdeutlichen einerseits die Erfolge einer rechten Diskursstrategie, andererseits zeigt ein Blick auf die Unterstützungs- und Solidaritätsstrukturen die fortschreitende Etablierung eines Netzwerks, das auf Verschwörungserzählungen und rechten Narrativen basiert. Gerade der Gründer und Chefredakteur des Magazins, Jürgen Elsässer, trat von Beginn an immer auch als Aktivist und Netzwerker in Erscheinung. Wenngleich eine von ihm herbeigesehnte Querfront von ganz links bis rechts nie zustande kam, ist es dennoch gelungen, unterschiedliche Akteur*innen anzusprechen und damit das hinter Compact stehende Firmengeflecht zu einer relevanten Plattform für extrem rechte, rassistische und verschwörungsideologische Kampagnen auszubauen. Rechtes Firmengeflecht weiterlesen »

Ebenbürtig standhaft

geschrieben von Uschi Otten

8. September 2024

Zur Erinnerung an Zenzl Mühsam

Am 27. Juni 1955 kehrt die 71jährige Zenzl Mühsam nach 20 Jahren im sowjetischen Exil, das überwiegend aus Gefängnis, Zwangsarbeitslager und Verbannung bestand, nach Ostberlin, Hauptstadt der DDR, zurück. Gleich nach der Ankunft wird sie von der Kaderabteilung der SED zu absolutem Schweigen über das in der Sowjetunion Erlebte verpflichtet. Sie war nach der Ermordung Erich Mühsams am 10. Juli 1934 im KZ Oranienburg nach Prag geflohen und anschließend einer Einladung von Wilhelm Pieck und Jelena Stassowa nach Moskau gefolgt, die ihr die Veröffentlichung von Werken Mühsams versprachen. Ihnen vertrauend, hatte sie eben Mühsams Nachlass nach Moskau geholt, als sie vom NKWD verhaftet wird und ihre leidvolle Odyssee im stalinschen Terrorregime beginnt. 1915 hatte die 31jährige Bauerntochter aus der Hallertau den 37jährigen Dichter und anarchistischen Schriftsteller geheiratet, konnte sie endlich ihren unehelichen Sohn Siegfried zu sich nehmen. Aus eigener Lebenserfahrung teilt sie Mühsams Engagement für den Frieden und eine gerechte Gesellschaft, hat gleich ihm immer wieder alle bitteren Konsequenzen zu tragen. Ebenbürtig standhaft weiterlesen »

Berge von Akten

geschrieben von Archiv-AG der VVN-BdA

8. September 2024

Fotos in VVN-Archiven

Wenn man über Archive spricht, denkt man sicherlich zuerst an Berge von Akten, handschriftliche und gedruckte Unterlagen, Organisationsmaterialien, zum Teil auch an Bücher und Broschüren, die sich im Laufe der Zeit in den Beständen angesammelt haben. In einigen Beständen finden sich auch Plakate und Poster, die auf Aktionen hinwiesen oder als politische Botschaft der VVN-BdA, des Bündnisses oder anderer Zusammenhänge entstanden sind. So ist es auch in der Mehrzahl aller Archive, die sich in den Kreisvereinigungen oder Landesverbänden befinden.

Eine wichtige Quelle für unsere Arbeit, vor allem für die Präsentation unserer eigenen Geschichte, sind jedoch Bilder. Und mit diesen ist eine ganz eigene Herausforderung verbunden. Hier gilt es juristische und inhaltliche Dinge zu beachten. Berge von Akten weiterlesen »

Ins queere Hinterland

geschrieben von Pride Soli Ride

8. September 2024

Die Initiative »Pride Soli Ride«

Ost-Millenials aus der Provinz kennen es: dieses stärkende Gefühl, das aufkam, als diese eine Antifademo durchs eigene Dorf, die Kleinstadt oder den Stadtteil zog und man für einen Tag mal nicht allein oder in der Minderheit war. Einen Tag lang war man etwaigen Faschos und ihren bürgerlichen, »unpolitischen« Kumpels mal nicht schutzlos ausgeliefert, sondern erlebte ungewohnt ernstzunehmenden Widerspruch gegen die rechte Hegemonien in den ostdeutschen Provinzen, die Mitte der Nullerjahre, rund um das »Deutschlandmärchen« der WM 2006, als »No-go-Areas« debattiert wurden. Nicht wenige Antifaschist*innen dieser Generation haben diese Regionen zugunsten der Metropolen hinter sich gelassen. Ins queere Hinterland weiterlesen »

Mühsam, jedoch notwendig

geschrieben von Paulina für Aktion Bleiberecht Freiburg

8. September 2024

Ein Rasthaus für Geflüchtete – überall!

»Es wird kein Hotel werden, in dem die Mächtigen ihren Platz haben. Es wird kein Plätzchen im Villenviertel werden. Aber es kann dies sein: Im Süden dieses gastfeindlichen Landes wollen wir – im Dreiländereck – auch etwas anderes bieten: einen Empfangsort für Geflüchtete.« Mit dieser Gründungsidee entstand in Freiburg 1998 das Projekt »rasthaus« als konkrete solidarische Antwort auf die zunehmende ausgrenzende und rassistische Politik gegen Geflüchtete und Migrant:innen. Das rasthaus wurde als Projekt der »Kein Mensch ist illegal«-Bewegung gegründet. Rasthäuser sollten bundesweit in verschiedenen Städten etabliert werden. In der Zwischenzeit bietet das rasthaus in Freiburg seit mehr als zwei Jahrzehnten einen Ort für Beratung, medizinische Unterstützung, Sprachkurse sowie politische Organisierung und Aktionen. Mühsam, jedoch notwendig weiterlesen »

Jung, frisch, provokativ

geschrieben von Kein Bock auf Nazis

8. September 2024

Die Kampagne »Kein Bock auf Nazis«

Die Kampagne »Kein Bock auf Nazis« wurde 2007 von der Band ZSK in Berlin ins Leben gerufen, und die Jungs sind bis heute im Team mit dabei. Damals gab es außer der radikalen Linken und ganz wenigen engagierten Journalist:innen kaum Leute, die sich ernsthaft mit Rechtsextremismus auseinandergesetzt haben. Das hat sich erst alles nach der Selbstenttarnung des NSU geändert.

Uns war es von Anfang an wichtig, nicht die x-te klassische Antifakampagne zu sein, sondern vor allem Jugendliche außerhalb linker Jugendzentren und besetzter Häuser zu erreichen. Dafür war und ist es wichtig, jung, frisch und provokativ aufzutreten. Der klare Slogan »Kein Bock auf Nazis« und das poppige Logo mit den knalligen Farben ist dafür perfekt. Unser Ziel ist es, einen Grundkonsens bei Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu fördern, kurz gesagt: »Ganz egal was du für Musik hörst oder wie du aussiehst, beim Thema Neonazis und Rassismus sind wir uns alle einig: Geht gar nicht!« Jung, frisch, provokativ weiterlesen »

Dokumentarisches Theater

8. September 2024

Interview mit Michael Ruf zum dokumentarischen Theater

antifa: Viele kennen eure Stücke. Seit wann gibt es euch, und was ist die Grundidee eures Theaters?

Michael Ruf: Mein erstes Theaterstück, die »Asyl-Monologe«, wurde erstmals 2011 dargeboten. In den Jahren danach habe ich die »Asyl-Dialoge«, »NSU-Monologe«, »Mittelmeer-Monologe« und »Klima-Monologe« entwickelt. Pro Jahr gibt es rund 100 Aufführungen, somit wurden genannte Werke bislang etwa 1.300-mal dargeboten. Meine Vision ist es, jene Geschichten zu verbreiten, die sonst im Diskurs zu kurz kommen: bei den Theaterstücken zu Flucht und Asyl die geflüchteten Menschen selbst; bei den »NSU-Monologen« die Stimmen der Familien der Hinterbliebenen; bei den »Klima-Monologen« vor allem jene Menschen im globalen Süden, die bereits von der Klimakrise dringlich betroffen sind. Dokumentarisches Theater weiterlesen »

Fähigkeit zu begeistern

geschrieben von Ulrich Schneider

8. September 2024

Wir erinnern an Peter Gingold (8.3.1916–29.10.2006)

Peter Gingold, geboren im Kriegsjahr 1916 in Aschaffenburg, erhielt seine persönliche und politische Prägung in seinem jüdischen Elternhaus und in der Arbeiterjugendbewegung. Als Jugendlicher erlebte er den Antisemitismus der Nazis, dagegen organisierte er sich in der Gewerkschaft und im Kommunistischen Jugendverband. Bei einer Razzia der SA im Juni 1933 festgenommen, kam er erst mit der Auflage frei, Deutschland zu verlassen. Er folgte seiner Familie, die schon im Frühjahr 1933 nach Paris emigriert war. Dort arbeitete er im deutschsprachigen antifaschistischen Pariser Tageblatt und gehörte zu den Gründern der »Freien Deutschen Jugend« (FDJ) als überparteiliche antifaschistische Jugendorganisation. Fähigkeit zu begeistern weiterlesen »

Frauen in der Résistance

geschrieben von Brigitte und Gerhard Brändle

8. September 2024

Karlsruhe: Nazigegnerinnen im Gefängnis an der Riefstahlstraße

Sie waren Nazigegnerinnen und gehörten zu einer britischen Spezialeinheit, der SOE (Special Operations Executive). Sie kamen aus verschiedenen Ländern, sprachen jedoch perfekt Französisch. Sie absolvierten eine Ausbildung an Waffen und Sprengstoff, im Nahkampf und lautlosem Töten, sie lernten Fallschirmspringen, Kartenlesen und den Umgang mit Funkgeräten. Sie erhielten neue Identitäten mit fiktiven Lebensläufen. Sie gehörten zu den 39 Frauen von über 400 Mitgliedern der »Sektion F« (Frankreich) der SOE. Verantwortlich für die »Sektion F« war Vera Atkins, Nachrichtendienstoffizierin aus einer jüdischen Familie. Die Aufgaben der SOE bestanden in Sabotageaktionen hinter den feindlichen Linien sowie in der Unterstützung von Widerstandsgruppen. Die Mehrzahl der neun Frauen war schon vor ihrem Engagement bei der SOE politisch aktiv in der Résistance sowie bei der Fluchthilfe für britische Piloten, die 1940/41 über Frankreich abgesprungen waren bzw. abgeschossen wurden, und für aus Nazideutschland geflohene Menschen. Frauen in der Résistance weiterlesen »

Warum folgen sie dem Faschismus?

geschrieben von Janka Kluge

8. September 2024

Vor gut 100 Jahren wurde mit dem Institut für Sozialforschung die Frankfurter Schule begründet

Als vor gut hundert Jahren, im Juni 1924, das Institut für Sozialforschung in Frankfurt am Main die offizielle Arbeit aufnahm, ahnte wahrscheinlich niemand, dass die Gründung einmal Geschichte schreiben würde. Am Anfang stand eine Stiftung von Felix und Hermann Weil. Felix Weil konnte durch das Geld, das sein Vater Hermann Weil durch Weizenhandel in Argentinien verdient hat, ein Leben ohne finanzielle Sorgen führen. Er wurde 1919 kurz vor der Promotion in Tübingen wegen revolutionär-politischen Engagements aus Württemberg ausgewiesen und zog nach Frankfurt. Dort konnte er seine Promotion nachholen. 1923 finanzierte Felix Weil die »Marxistische Arbeitswoche« in Geraberg in Thüringen. An der Tagung nahmen damals führende Marxisten wie Georg Lukács, Karl Korsch oder Friedrich Pollock teil.

Dieses Treffen war die erste Tagung des 1923 per Erlass des preußischen Bildungsministeriums ins Leben gerufenen Instituts. Felix und Hermann Weil erkannten die Bedeutung einer übergreifenden marxistischen Forschungseinrichtung und gründeten eine großzügig ausgestattete Stiftung zur Finanzierung des Instituts. Der erste Direktor wurde Carl Grünberg. Unter seiner Leitung arbeitete das Institut eng mit dem Marx-Engels-Institut in Moskau zusammen. Warum folgen sie dem Faschismus? weiterlesen »

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