Die Ostermärsche 2022 liegen hinter uns. In ganz Deutschland sind in den vergangenen Tagen zehntausende Menschen für Frieden und Abrüstung auf die Straße gegangen – und das in Zeiten, die so unfriedlich sind, wie schon seit vielen Jahren nicht mehr. Proteste für einen friedenspolitischen Wandel sind in Zeiten eines Krieges in Europa nicht einfach, aber besonders notwendig: In rund 120 Städten fanden Ostermarsch-Aktionen statt, um Frieden und Abrüstung zu fordern. Zentrale Forderungen bei den Ostermärschen waren ein Waffenstillstand, die Beendigung des russischen Krieges gegen die Ukraine und eine deutliche Ablehnung gegenüber den Aufrüstungsplänen der Bundesregierung. Insgesamt stieg die Zahl der Teilnehmenden 2022 im Vergleich zu den Vorjahren moderat an. Das ist besonders bemerkenswert in Anbetracht der mehr als schwierigen politischen Großwetterlage, die sich auch in einigen Medienberichten niederschlug und u. a. zu Diskussionen unter der Leitfrage »Ist der Pazifismus noch zeitgemäß?« führten. Ostermärsche wieder besser besucht weiterlesen »
In die richtige Richtung
13. Mai 2022
Aktionsplan gegen rechts, leider ohne die »Sicherheits«behörden mitzudenken
Der von Innenministerin Nancy Faeser im März vorgestellte »Aktionsplan gegen Rechtsextremismus« ist generell zu begrüßen. Er unterlegt die Ankündigungen der Ministerin, der Bekämpfung der extremen Rechten als größter innenpolitischer Gefahr Priorität einzuräumen, mit konkreten Vorhaben.
Neonazinetzwerke sollen zerschlagen, die Szene entwaffnet und ihre Finanzströme stärker in den Blick genommen werden. Gegen Hass und Hetze im Netz soll konsequenter vorgegangen werden, und den Schutz der Opfer rechter und rassistischer Gewalt will man verbessern. Außerdem wird eine Reihe von Präventionsmaßnahmen im Bereich der politischen Bildung gegen Verschwörungsmythen und für Demokratie angekündigt. In die richtige Richtung weiterlesen »
UN: Systematische Polizeigwalt
13. Mai 2022
Im August 2021 übernahm der UN-Sachverständige für Folter, Nils Melzer, Ermittlungen gegen Deutschland, aufgrund unverhältnismäßiger Polizeigewalt bei den Protesten gegen die Corona-Maßnahmen in Berlin. Ein 49-Jähriger war damals bei seiner Festnahme an einem Herzinfarkt gestorben. Das Ziel war es, zur Aufklärung von Verstößen beizutragen, diese zu ahnden und Wiedergutmachungen einzuleiten. Im Oktober wurde beim 48. UN-Menschenrechtsrat berichtet, dass sich willkürliche Polizeigewalt, die von Folter nicht zu unterscheiden ist, während der Pandemie verstärkt habe. Melzer prangerte einen »autoritären Ansatz in der Polizeiarbeit« in sehr vielen Ländern an, der durch Defizite bei der Ausbildung, durch polizeiliche Stigmatisierung sozialer Gruppen bis hin zu Rassismus entsteht. Diesen Trend gibt es auch in Deutschland. UN: Systematische Polizeigwalt weiterlesen »
Das Schweigen hält an
13. Mai 2022
Tiefsitzende Vorurteile: Die mit dem grünen und dem schwarzen Winkel
Ja, man könnte meinen Onkel Ernst als typischen »Vagabunden« der 1920er- und 1930er-Jahre bezeichnen. 1908 in Stuttgart geboren, wuchs er unter den Bedingungen dramatischer ökonomischer Krisen nach dem Ersten Weltkrieg und der Massenarbeitslosigkeit auf. Seine Mutter, eine »Ledige«, hatte von zwei verschiedenen Männern je einen Sohn, wurde beide Male »sitzen gelassen« und verdingte sich als rechtlose Weißbüglerin stundenweise bei reichen Leuten. Sozial war sie ausgestoßen und verachtet. Die Fürsorge wurde aufmerksam und nahm ihr Gustav, den jüngeren Sohn, meinen Vater, weg und gab ihn ins Waisenhaus. Das Schweigen hält an weiterlesen »
Unsere Meldungen
13. Mai 2022
Website über Polizeigewalt
Seit 1976 dokumentiert die Zeitschrift Bürgerrechte & Polizei/CILIP Hintergründe zu durch die Polizei verursachten Todesfällen. Dabei werden Informationen zur Beteiligung von Sondereinheiten, der Zahl jeweils abgegebener Schüsse und der Situation, in der sich die Schussabgabe zutrug, gesammelt. Jetzt gibt es eine Website (polizeischuesse.cilip.de) hierzu. Die Suche lässt sich durch Angaben zu Ort, Zeit und Umständen des Schusswaffengebrauchs sehr erleichtern.
Faschisten an der Macht
In Spaniens größter Region, Kastilien und Léon, wird die konservative Partido Popular (PP) mit der neofaschistischen Partei Vox eine Koalition eingehen. Der zukünftige Regionalpräsident Alfonso Fernández Mañueco (PP), der die Wahl im Februar gewann, hat sich mit der Vox darauf geeinigt, ihr drei Ministerposten, den Posten des Vizeregionalpräsidenten und des Parlamentspräsidenten der Region zu überlassen. Vox hatte bei den Wahlen 17,6 Prozent der Stimmen und
13 Mandate erhalten. Kritisch zu der Koalition äußerten sich der sozialdemokratische Ministerpräsident Spaniens Pedro Sánchez und der Chef der Europäischen Volkspartei Donald Tusk.
»Atomwaffen Division«
800 Beamte durchsuchten Anfang April 61 Immobilien in elf Bundesländern. In Eisenach sind dabei vier Neofaschisten festgenommen worden. Die Aktion richtete sich hauptsächlich gegen die »Atomwaffendivision Deutschland« (AWDD), doch gibt es auch Verfahren gegen Aktivisten der verbotenen Neonaziorganisation »Combat 18« und der Chatgruppe »SKD1418«. AWDD wird verantwortlich gemacht für Morddrohungen gegen die Grünen-Politiker_innen Claudia Roth und Cem Özdemir. Unsere Meldungen weiterlesen »
Ringen um Entschädigung
13. Mai 2022
Vor 30 Jahren entstand der Bundesverband Information & Beratung für NS-Verfolgte e. V.
Eine zentrale Aufgabe der VVN war seit ihrer Gründung die soziale Betreuung der NS-Opfer. Vor allem ging es um »Wiedergutmachung« und »Entschädigung«, doch den Kern des Problems trafen die beiden Begriffe nicht. »Schäden« waren nicht mehr zu beheben, »wieder gut« wurde gar nichts. Dennoch wurde mit diesen Formulierungen gearbeitet. Die »Wiedergutmachung«, so wurde schon auf der »Interzonalen Tagung« der VVN vom 15. bis 17. März 1947 in Frankfurt am Main erklärt, »ist eine menschliche, politische, moralische und rechtliche Pflicht«. Der Staat muss beweisen, »dass er gewillt und bereit ist, zuerst im eigenen Hause Unrecht, das er mitverschuldet hat, zu tilgen«. Weiter hieß es: »Wiedergutmachung soll nur denen zuteil werden, die nach strengen Richtlinien als Mitglieder des deutschen Widerstandes gegen das Dritte Reich, als Kämpfer gegen den Faschismus, als politische, religiöse und rassische Opfer des nationalsozialistischen Terrors anzusehen sind.« Ringen um Entschädigung weiterlesen »
Gemeinsam Kraft tanken
13. Mai 2022
In Frankfurt (Main) wurde der 75. Jahrestag der VVN-BdA gefeiert
200 Gäste sind am 26. März 2022 ins Haus Gallus in Frankfurt am Main gekommen, um gemeinsam das 75-jährige Bestehen unseres Verbandes zu feiern. Ein geschichtsträchtiger Ort, erbaut für die Auschwitz-Prozesse in den 1960er-Jahren. Ein antifaschistischer Rahmen für unsere Feier. Aber Feiern in Zeiten des Krieges? Geht das überhaupt? Ja, denn wir feierten den gewonnenen Kampf um die Gemeinnützigkeit und dass wir, nach mehr als zwei Jahren Pandemie, zum ersten Mal und unter Corona-Maßnahmen, in so einem großen Rahmen wieder zusammenkommen konnten. Außerdem war die Feier eine gute Gelegenheit, um auf die Herausforderungen der nächsten Jahre hinzuweisen und gemeinsam Kraft zu tanken. Es waren Mitglieder aus dem ganzen Bundesgebiet angereist, aus Berlin, Tübingen, Hamburg, Kassel und zahlreiche aus Frankfurt selbst anwesend. Ina Hauck, Stadträtin der Mainmetropole, würdigte in ihrem Grußwort die Arbeit der VVN-BdA und mahnte mit den Worten: »Es ist unsere Verantwortung, das Andenken der Opfer von Krieg und Gewaltherrschaften zu bewahren (…)«, was »angesichts zynischer Vergleiche, die von Verschwörungstheoretikern und Neonazis zwischen der heutigen Zeit und dem Terror der Nazis gezogen werden«, besonders wichtig sei. Gemeinsam Kraft tanken weiterlesen »
Bei Bombenangriff getötet
13. Mai 2022
Stellungnahme zum Tod von Boris Romantschenko
Wir sind zutiefst erschüttert und betroffen vom Tod des NS-Überlebenden Boris Romantschenko, der laut der Stiftung Gedenkstätten Buchenwald und Mittelbau-Dora vergangenen Freitag (am 18. März 2022, die Redaktion) Opfer eines Bombenangriffs auf sein Wohnhaus im ukrainischen Charkiw wurde. Der ehemalige Buchenwald-Häftling war Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos für die Ukraine (IKBD). Bei Bombenangriff getötet weiterlesen »
Alle Gruppen vertreten
13. Mai 2022
Dokument gibt Einblick in Entstehungsgeschichte der bayerischen VVN
Für die VVN-Vorstandswahlen des Bezirks München im Februar 1948 wurden von allen damals zugelassenen demokratischen Parteien sowie aus dem Kreis der »rassisch Verfolgten«, von Frauen und Parteilosen vorab jeweils zwei Personen (bzw. eine Person) benannt, die dann in geheimer Wahl im Grunde nur noch bestätigt worden sind. Die drei Vorsitzenden mussten verschiedenen »Gruppen« angehören und wurden in der Reihenfolge der abgegebenen Stimmen ermittelt.
Dieses Verfahren ging zurück auf die eigentliche Entstehung der Münchner und damit auch der bayerischen VVN. Aus Enttäuschung über die schleppende Wiedergut-machung trafen sich Anfang Oktober 1946 im Münchner Rathaus Verfolgte aus allen Parteien sowie rassisch Verfolgte und beschlossen die Gründung einer eigenständigen Organisation. Ziel war es, die Verabschiedung eines Gesetzes zur Wiedergutmachung zu beschleunigen und auf das große Elend von vielen Verfolgten und deren Angehörigen hinzuweisen, während gleichzeitig ehemalige Nazis noch ungeschoren in Freiheit waren und der Antisemitismus wieder zunahm. Alle Gruppen vertreten weiterlesen »
Ehrenmal geschändet
13. Mai 2022
Berlin: Auswirkungen des Krieges an Gedenksteinen für sowjetische Soldat*innen
Das sowjetische Ehrenmal im Treptower Park in Berlin ist großflächig beschmiert worden. »Fascists«, »Death to all russians«, »Stop War« und »Kill russians as people in Bucha« wurde auf die Gedenksteine geschrieben. Das Ehrenmal ist Gedenkstätte und Friedhof für die im Zweiten Weltkrieg gefallenen Soldat*innen der Roten Armee aus allen Republiken der Sowjetunion.
Dieser Vorfall ist ein gefährliches Beispiel für die geschichtsverfälschenden Narrative, die spätestens seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges gegen die Ukraine im Umlauf sind. Ehrenmal geschändet weiterlesen »



























