Antifa oder Kollaps

geschrieben von Tino Pfaff

1. November 2024

Wer den Kapitalismus inkonsequent herausfordert, bekommt Faschismus als Antwort

Es gibt keinen Kapitalismus ohne ökologische Zerstörung und Ungleichheit. Das Anhäufen von Macht, Besitz und Geld in den Händen Weniger, ist davon abhängig, Naturvorkommen und Ökosysteme zu zerstören sowie große Teile der (Welt-)Gesellschaft zu unterwerfen. Solange es privatwirtschaftlich agierende Superreiche und Großkonzerne gibt, wird es ökologische Zerstörung, Ausbeutung und Leid geben. Vorangetrieben wird dies durch das unaufhörliche Wachstumsstreben, das dem kapitalistischen System zugrunde liegt, und so erzeugt es seit seinem Bestehen eine soziale Frage. Diese befasst sich damit, wie, dadurch entstehende, sozioökonomische Missstände aufgelöst werden können.

In der Jetztzeit wird die soziale Frage durch die ökologische Komponente maßgeblich definiert. Planetare Ökosysteme stehen vor einem Kollaps. Die Folge sind häufigere und stärkere Extremwetterereignisse sowie ökologische »Systemausfälle«, die Katastrophen und Mangelzustände in Lieferketten nach sich ziehen. Die Stabilität von Gesellschaften wird dadurch akut bedroht. Zum künstlich erzeugten Mangel durch gezielte Ungleichverteilung gesellt sich also ein Mangel an intakten Naturvorkommen, die den Menschen als Lebensgrundlagen dienen. Die soziale Frage unserer Zeit ist daher unweigerlich eine sozialökologische Frage. Antifa oder Kollaps weiterlesen »

Ziel ist es einzuschüchtern

1. November 2024

Filmkollektiv hat Doku zu Razzien gegen Antifas produziert. Ein Gespräch mit Tim

antifa: Euer ehrenamtlich arbeitendes Filmkollektiv »Insight Reports« hat jüngst die Doku »Zwischen Trauma und Gewalt: Hausdurchsuchungen gegen Antifas auf dem Prüfstand« auf Youtube veröffentlicht. Was steht im Fokus des Films?

Tim: Wir thematisieren darin das polizeiliche Mittel der Hausdurchsuchung am Beispiel der Razzien vom 15. März 2023 in Leipzig und Jena. Dabei haben sich unsere Recherchen auf das Erlebte der betroffenen Menschen konzentriert. Insgesamt wurden an dem Tag 13 Wohnungen durchsucht, und der Vorwurf aller Maßnahmen waren Fälle von gefährlicher Körperverletzung gegen Teilnehmer des rechten Aufmarschs am »Tag der Ehre« im 2023 in Budapest.

Wir wollen mit dem Film auch die Nachwirkungen – insbesondere die psychischen und sozialen Folgen – dieser Einsätze aufzeigen, aber ebenso ganz grundsätzlich die Abläufe. Zudem geht es uns darum, das fragwürdige Handeln der eingesetzten Polizist:innen öffentlich zu machen, und nicht zuletzt darum, die Aufnahmen für eine mögliche Aufarbeitung zur Verfügung zu stellen. Ein weiterer Fokus war, das polizeiliche Mittel solcher Razzien im Kontext von Ermittlungen gegen antifaschistische Aktivist:innen gerade auch in Leipzig zu bewerten und die politische Instrumentalisierung einer solchen Maßnahme zu untersuchen. Ziel ist es einzuschüchtern weiterlesen »

Ethische Grundlagen für Protest

1. November 2024

Interview mit Rolf Meyer, Sprecher der »Letzten Generation« zur steigenden Repression

antifa: Die »Letzte Generation« ist mit Aktionen des zivilen Ungehorsams präsent. Euch geht es um die Erzwingung politischer Maßnahmen zur Einhaltung der Ziele des Pariser Klimaschutzabkommens (1,5-Grad-Ziel). Schon vor zwei Jahren wurden Aktivist*innen von euch in Bayern für mehrere Wochen in Präventivhaft genommen. Im vorigen Jahr wurden Personen zu mehreren Monaten Haft ohne Bewährung wegen »versuchter Nötigung« verurteilt. In diesem Jahr stieg die Länge der Haftstrafen auf über ein Jahr. Wie ist eure Analyse zum Anziehen der Repression gegen Klimaschutzaktivist*innen?

Rolf Meyer: Wir erheben die Verfahren, die Gewalt und polizeilichen Maßnahmen gegen uns nicht strukturiert. Das ist auch sehr unterschiedlich. In Berlin, Hamburg und NRW beispielsweise wird schon verhindert, sobald wir unsere Versammulng irgendwo beginnen, und viele von uns werden durch Spezialgriffe verletzt. In Bremen wurde dagegen sogar schon vorab der Verkehr abgeleitet und eine unterstützende Situation hergestellt. Niedersachsen war ähnlich ermöglichend. In Bayern ist die Polizei sehr kontrolliert und wenig gewalttätig. Ethische Grundlagen für Protest weiterlesen »

Meldungen

1. November 2024

Entschädigungsforderung

Der niederländische Holocaustüberlebende Salo Muller hat sich mit dem offenen Brief »Entschädigung für niederländische Opfer der Deportationen durch die Deutsche Reichsbahn während der NS-Zeit« erneut an die Deutsche Bahn und das Bundesverkehrsministerium gewandt und neben Entschädigung auch eine ernst gemeinte Entschuldigung für die Deportionen gefordert. Er erhob die Forderung bereits 2020, nachdem die niederländische Bahn Entschädigungszahlungen geleistet hatte.

Strafe wegen Hitlergruß

Die Schlagersängerin Melanie Müller ist Ende August zu einer Geldstrafe von insgesamt 80.000 Euro verurteilt worden. Das Amtsgericht Leipzig sah es als erwiesen an, dass Müller bei einem ihrer Konzerte vor dem rechten Motorradclub »Rowdys Eastside« den Hitlergruß aus dem Publikum aufgenommen hatte, das Publikum durch Rufe aufforderte ihr ein »Heil, Heil, Heil« zu erwidern. Sie selbst wie das Publikum hoben dabei den rechten Arm. Das Urteil ist nicht rechtskräftig. Während Konzertveranstalter daraufhin Auftritte von ihr absagten, tratt sie spontan bei einer Oktoberfestfeier auf Mallorca auf. Meldungen weiterlesen »

Antisemitismus ist unmenschlich

1. November 2024

Der 9. November 1938 und Feindschaft gegenüber Juden heute. Ein Gespräch mit Reinhard Schramm

antifa: Sie sind Vorsitzender der Jüdischen Landesgemeinde Thüringen. In den vergangenen Tagen häuften sich angesichts des grassierenden Antisemitismus im Land Meldungen, es herrsche Ausnahmezustand in den Gemeinden und man brauche mehr Schutz. Wie stellt sich die Lage in Thüringen dar?

Reinhard Schramm: Bei uns in der Landesgemeinde gibt es seit 2019 – nach dem rechtsextremistischen Überfall auf die Synagoge in Halle – erhöhte Unsicherheit unter den Mitgliedern. Vor allen Dingen ältere Juden sind der Meinung, dass das, was in Halle passiert ist, auch hätte in Erfurt stattfinden können. Wir sind verunsichert, seit 2019 verstärkt und seit dem Pogrom vom 7. Oktober 2023 umso mehr. Wenn ich als Jude zwei schreckliche Wendepunkte nennen müsste, dann ist es, im Gedanken an meine Mutter, der 9. November 1938, der Übergang von Diskriminierung zum Mord, und in meiner Zeit das Pogrom der Hamas mit 1.200 ermordeten Juden 2023 in Israel und mit vor Freude über den Judenmord tanzenden muslimischen Antisemiten auf Berlins Straßen.

In Thüringen selbst decken sich unsere Wahrnehmungen mit den wachsenden Zahlen von antisemitischen Vorfällen, wie sie auch durch Organisationen wie die Recherche- und Informationsstelle Antisemitismus (RIAS) veröffentlicht werden. Solche Statistiken sind wichtig, und wir sind RIAS und anderen Organisationen dankbar. Wenn wir den wachsenden Antisemitismus nicht aufdecken, haben wir auch weniger Möglichkeiten, ihn zu bekämpfen. Antisemitismus ist unmenschlich weiterlesen »

Lebendiger Gedenkort

geschrieben von Míša, Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e.V.

1. November 2024

Antifa-Erinnerungsarbeit am ehemaligen Jugendkonzentrationslager Uckermark

In Brandenburg bei Fürstenberg an der Havel liegt das ehemalige Jugendkonzentrationslager und der spätere Vernichtungsort Uckermark. In der Zeit zwischen 1942 und 1945 wurden dort Mädchen* und junge Frauen* inhaftiert, gefoltert, zur Zwangsarbeit gezwungen und ermordet. Am Ende des Krieges zwischen Januar und April 1945 haben die Nazis das KZ zu einem Vernichtungsort umfunktioniert. In dieser kurzen Zeit wurden hier mindestens 5.000 Menschen umgebracht. Lebendiger Gedenkort weiterlesen »

Ein gutes Urteil

geschrieben von Silvio Lang

1. November 2024

VVN-BdA überwiegend erfolgreich in Gerichtsverfahren gegen Firma Hentschke Bau

Nach gut anderthalb Jahren Rechtsstreit aufgrund der Klage der Firma Hentschke Bau und ihres Geschäftsführers Jörg Drews gegen die VVN-BdA Sachsen, ist nun ein letztinstanzliches Urteil am Oberlandesgericht Dresden (OLG) gefallen. In der ersten Instanz vor dem Landgericht Dresden hatte der Richter, selbst Ex-AfD-Mitglied, dem Kläger in allen Punkten Recht zugesprochen. Das OLG hat das Urteil nun in den wesentlichen Punkten korrigiert. Lediglich im Fall der zitierten Aussage einer anonymen Quelle bleibt es dabei, dass diese nicht weiter veröffentlicht werden darf. Im Sinne des Schutzes der Quelle nehmen wir dies hin, da wir gegenüber einer berichtenden Person im Wort stehen. Zudem ist es ein Nebenaspekt des Artikels. Ein gutes Urteil weiterlesen »

Nius bekommt Fernsehlizenz

geschrieben von Janka Kluge

1. November 2024

Finanzstarkes rechtes Medienprojekt expandiert weiter und will ein Scharnier sein zwischen CDU und AfD

Der Exchefredakteur von Bild, Julian Reichelt, ist seinem Ziel, einen bundesweiten TV-Sender zu besitzen, nähergekommen. Nach seinem Rauswurf bei dem Klatschblatt hat Reichelt mit Rome Medien eine eigene Mediengruppe aufgebaut, die sich vorwiegend auf Inhalte via Social Media spezialisiert. Unklar ist, wie Reichelt jüngst den neuen Sponsor für seine Plattform Nius, Frank Gotthardt, für sich gewinnen konnte. Gotthardt ist Milliardär und hat nach eigenen Schätzungen in der Vergangenheit über 500 Millionen in das neue Medienprojekt gesteckt. Hinter Nius steckt die Betreiberfirma Vius SE & Co. KGaA. Nius bekommt Fernsehlizenz weiterlesen »

Plakatierte Geschichte

geschrieben von Peter Nowak

1. November 2024

Antifaplakate aus Thüringen seit 1990 in einem neuen Buch

Auf den ersten Blick entsteht der Eindruck, es handele sich um ein Plakat der autonomen Antifabewegung der 1990er-Jahre. Zu sehen sind vermummte Personen – mal allein, mal in einer Demo. Aufgerufen wird zu einem Protest gegen ein Neonazizentrum im thüringischen Saalfeld am 11. Oktober 1997, unter dem Motto »Den rechten Konsens brechen«. Doch beim näheren Hinsehen gibt es eine Irritation. Denn in dem Textfeld auf dem Plakat kann man erfahren, dass die Demo nicht nur von Antifagruppen aus dem gesamten Bundesgebiet unterstützt wird. Auch FDP-Politiker*innen, DGB-Ortsgruppen und mehrere Einzelgewerkschaften sowie der Landesverband Thüringen von Bündnis 90/Die Grünen hatten aufgerufen.

Wir sehen hier das Dokument einer Antifademonstration, zu der neben der damals noch mobilisierungsstarken autonomen Antifabewegung auch Bündnispartner*innen aus dem gewerkschaftlichen und linksliberalen Lager aufgerufen hatten. Diese Demonstration sorgte wochenlang für Schlagzeilen – auch bundesweit. Denn sie wurde von der Polizei verboten. Zuvor war über Wochen von Medien und Politiker*innen Stimmung gemacht worden. Die Folgen waren das Demoverbot und ein großes Aufgebot an Polizei, die auf den Autobahnen in Thüringen Busse und Autos anhielt, in denen sie potentielle Demonstrant*innen vermutete. Alles zur Freude der Neonazis, die auch selbst noch ihre Gegner*innen angriffen. Die linke Wochenzeitung Jungle World beschrieb die Gemengelage treffend: »Militante Neo-nazis, die Stadt Saalfeld und der SPD-Innenminister Richard Dewes verhinderten gemeinsam die Antifa-Demo im thüringischen Saalfeld«. Plakatierte Geschichte weiterlesen »

Gefahr erkannt

geschrieben von Holger Elias

1. November 2024

Brief zur Debatte um den gewerkschaftlichen Beitrag gegen rechts

Die Auseinandersetzung zwischen der VVN-BdA Thüringen (siehe unten) mit der Autorin Regina Girod dreht sich um die Rolle des DGB im Kampf gegen Rassismus und Rechtsextremismus, insbesondere im Hinblick auf die AfD. Beide Seiten erkennen die Gefahr, die von der AfD ausgeht, doch der Streitpunkt liegt in der Einschätzung, wie wirksam und sichtbar die Gewerkschaften, insbesondere der DGB, diesen Herausforderungen begegnen.

Girods Hauptkritik richtet sich gegen die fehlende Sichtbarkeit eines breiten organisierten Widerstands des DGB gegen Rassismus und gesellschaftliche Spaltung. Sie argumentiert, dass Gewerkschaften wie Ver.di zwar in antirassistischen Arbeitskreisen und Aktionen gegen rechts engagiert seien, doch der DGB als Organisation nicht klar genug Position beziehe und zu wenig Widerstand gegen die tiefergehende gesellschaftliche Spaltung organisiere, die durch die AfD befördert wird. Girod erwartet, dass der DGB nicht nur auf ökonomische Themen wie Mindestlohn oder Tarifbindung fokussiert, sondern die tieferen gesellschaftlichen Gefahren adressiert, die von der AfD ausgehen. Gefahr erkannt weiterlesen »

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