In ihrem Wortlaut

geschrieben von Ruby Bender

8. März 2022

Eine Graphic Novel erzählt die Geschichte von Francine R., einer Überlebenden von Ravensbrück

Der Comicautor Boris Golzio verarbeitet in der Graphic Novel die Verfolgten- und Überlebendengeschichte einer Verwandten: Francine R. Das Besondere ist, dass Golzio R.s Geschichte in ihrem Wortlaut erzählt. Textgrundlage ist ein Zeitzeugingespräch. Die Graphic Novel folgt also ihrer Erzählweise, was teilweise bei der Syntax zutage tritt. Es gab keine Anpassungen, um eine (künstliche) Dramaturgie ihrer Geschichte zu schaffen. Der graphische Zeitzeuginbericht beschreibt Francine R.s Tätigkeit in der Résistance, ihre Hafterfahrung in französischen Gefängnissen, den deutschen KZs Ravensbrück und Watenstedt/Leinde sowie ihre Befreiung. In ihrem Wortlaut weiterlesen »

Persönliche Aufarbeitung

geschrieben von Claude Lampe

8. März 2022

Als Enkelin wagt Nora Hespers die Auseinandersetzung mit dem Großvater

Der Widerstandskämpfer Theo Hespers ist außerhalb seiner Geburtsstadt Mönchengladbach kaum bekannt. Es ist das Verdienst der Enkelin Nora Hespers, seine Geschichte ins Bewusstsein der Öffentlichkeit zu bringen. Zunächst in Form eines Blogs, nun auch als Buch. »Mein Opa, sein Widerstand gegen die Nazis und ich« versucht sich aber nicht nur an einer Einordnung der ­historischen Figur Theo Hespers, sondern bemüht sich auch um eine gegenwärtige, ehrliche Auseinandersetzung mit der eigenen Familiengeschichte. Persönliche Aufarbeitung weiterlesen »

Ein Nebenprodukt?

geschrieben von Ulrich Schneider

8. März 2022

documenta in Kassel: Antifaschismus in der Ausstellung zeitgenössischer Kunst

Was hat eine alle fünf Jahre stattfindende Ausstellung zeitgenössischer Kunst mit unserem antifaschistischen Anliegen zu tun? Diese Frage, die sich aufdrängen mag, lässt sich schnell beantworten. Seit 1955 findet die documenta in Kassel statt. Fast immer hat sie in ihren Konzepten und zahlreichen Kunstwerken einen dezidiert politischen Anspruch erhoben, der auf Überwindung von rassistischer Ausgrenzung, gesellschaftliche Umverteilung oder Sichtbarmachung von Verfolgung und kolonialer Ausplünderung hinauslief. Über Jahrzehnte beschäftigte sich jedoch niemand mit der Genese der Ausstellung selbst. Ein Nebenprodukt? weiterlesen »

Bis ins Mark

geschrieben von Peps Gutsche

8. März 2022

Autobiografischer Roman über die tägliche Erfahrung von Rassismus und Gewalt

Die TV-Autorin und Kolumnistin Jasmina Kuhnke, die unter dem Namen »Quattromilf« twittert, musste selbst erleben, wie rechte Hetze und Bedrohung online wie eine Flutwelle über eine hereinbrechen kann. Im Frühjahr 2021 wurde ihre Adresse online veröffentlicht und zu Gewalt gegen sie aufgerufen, so dass sie und ihre Familie umziehen mussten. Im Herbst 2021 hat sie sich öffentlich positioniert, ihren Debütroman nicht auf der Frankfurter Buchmesse vorzustellen, da dort Neonazis eine Plattform geboten werde. Wenig verwunderlich, dass ihr erster Roman die Wirkung von Rassismus und Sexismus sowie den Kampf für die eigene Existenz beschreibt. Bis ins Mark weiterlesen »

Ruf zur Umkehr

geschrieben von Jakob Knab

8. März 2022

Gedenkbuch über Hans Paasche: Vom Leutnant zum Kritiker des preußischen Militarismus

Hans Paasche, 1881 in Rostock geboren, wuchs in einem großbürgerlichen, national-protestantisch geprägten Elternhaus in Berlin auf. Seine Jugend fiel in jene Zeit, da Großadmiral von Tirpitz mit seinen Plänen, die Flotte aufzurüsten, reichsweit Begeisterung auslöste.Auch den jungen Preußen Paasche packten die Träume von Weltmacht und Seegeltung. Es drängte ihn zur Marine; 1899 wurde er Seekadett, ab 1904 Leutnant im Küstenwachdienst in Deutsch-Ostafrika, ab 1906 war er Befehlshaber der deutschen Schutztruppe am Rufiji gegen den Maji-Maji-Aufstand. Einmal befiehlt er sogar, Gefangene zu erschießen. 1909 nahm er seinen Abschied als Kapitänleutnant. Ruf zur Umkehr weiterlesen »

Alle Opfer – keine Täter?

geschrieben von Harry Friebel

7. März 2022

Was von der Erinnerungskultur an die Nazizeit bleibt

Gestern ist auch morgen. Der »neue« Antisemitismus und die bittere Tatsache, dass Zeitzeugen der NS-Diktatur immer weniger für die alltägliche Aufklärungsarbeit zur Verfügung stehen, sind zwei Anlässe, grundsätzlich neu über die Gestaltung des Gedenkens und der Erinnerung nachzudenken. Mindestens ebenso bedeutsam für diese Arbeit sind der gesellschaftliche Wandel, z. B. in der Migra­tionsgesellschaft und das zunehmende Desinteresse gegenüber der weiteren Aufarbeitung des NS-Zivilisationsbruchs. Alle Opfer – keine Täter? weiterlesen »

Keine Monster zeigen

geschrieben von Axel Holz

7. März 2022

80 Jahre Wannseekonferenz: Wie kann die Erinnerung gegenwärtig bleiben?

Der 20. Januar 1942 war über Jahrzehnte kaum beachtet in der Erinnerungskultur, obwohl die einzige Ausfertigung des Protokolls der Wannseekonferenz für die Forschung schon lange – in der alten BRD spätestens seit Ende der 50er Jahre – zur Verfügung stand.

Es war die Ausfertigung für das Auswärtige Amt, die Unterstaatssekretär Martin Luther als Teilnehmer der Konferenz erhielt, der selbst 1943 ins KZ Sachsenhausen als »privilegierter Schutzhäftling« kam und kurz nach Kriegsende starb. Keine Monster zeigen weiterlesen »

Die gesamte Januar/Februar-Ausgabe zum Nachlesen!

7. Januar 2022

Wir wünschen unseren Leser*innen ein gesundes und politisch erfolgreiches neues Jahr. Die Bundesvorsitzenden der VVN-BdA, Cornelia Kerth und Florian Gutsche, umreißen auf Seite 3 die anstehenden Themen. Nach den Bundestagswahlen im letzten Jahr, erwarten uns mehrere Landtagswahlen und damit eine Dauermobilisierung gegen die AfD. Der Bundesparteitag in Wiesbaden wurde pandemiebedingt verschoben und wir freuen uns schon dieses so wichtige Event der AfD irgendwann in diesem Jahr bundesweit mit Protesten zu begleiten. Wir freuen uns auch schon auf das Fest zum 75 jährigen Bestehen der VVN am 26. März in Frankfurt/Main.

Mittlerweile kennen wir die Ideen der neuen grünen sozial-liberalen Bundesregierung (zum Koalitionsvertrag S.5) und werden ganz genau die Vorhaben in den Gedenkstätten im Auge behalten. Wir freuen uns, dass dafür nun auch eine feste Stelle in der Bundesgeschäftsstelle (siehe S.1 der Länderseiten) eingerichtet wurde. Wie diskursiv und praktisch umkämpft Gedenk- und Erinnerungsarbeit ist, zeigt unser Gesprächsprotokoll zum Essay »Tränen ohne Trauer« (S.32).  Die Pandemie verlangt auch 2022 von uns weiterhin einen klaren Kopf. Während die sog. Corona-Proteste hierzulande durch neue Protestformen (»Spaziergänge«) behördliche Auflagen und Verbote umgehen, sich selbst aber auch dezentralisieren und verkleinern, radikalisieren sich Massenproteste im europäischen Ausland zunehmend. Wie auch hier, sorgen vor allem extrem rechte Gruppierungen für den dafür nötigen Organisierungsgrad. Um den Überblick zu behalten haben wir auf Seite 25, die unterschiedlichen Bewegungen zusammengefasst. Diese rechten Aufläufe dürfen gleichzeitig nicht dazu führen, dass die Versammlungsgesetze weiter geschleift werden (wie in NRW S.6).

Dieses Jahr erwarten uns auch die Wahlen zu den Betriebsräten in vielen Unternehmen. Da die AfD angekündigt hat in Gewerkschaften aktiver zu werden, heißt es hier wachsam zu sein. Wir berichten auf Seite 11 von einer Tagung antifaschistischer Gewerkschafter*innen. Das Spezial-Thema »50 Jahre Berufsverbote« erinnert an ein Dauerthema der deutschen Arbeiter*innenbewegung.

Die gesamte Januar/Februar-Ausgabe zum Nachlesen! weiterlesen »

Unser Titelbild:

7. Januar 2022

 »Sei keine Duckmaus« ist ein bekanntes Motto der Bewegung gegen die Berufsverbote und wurde ab 2012 verschiedentlich eingesetzt. Die Plüschtiere sind Modell eines Spielwarenherstellers, die heute als nicht mehr lieferbar gelten. Siehe unser Spezial auf den Seiten 17–20. Foto: berufsverbote.de

editorial

geschrieben von Nils Becker

7. Januar 2022

Wir wünschen unseren Leser*innen ein gesundes und politisch erfolgreiches neues Jahr. Die Bundesvorsitzenden der VVN-BdA, Cornelia Kerth und Florian Gutsche, umreißen auf Seite 3 die anstehenden Themen. Nach den Bundestagswahlen im letzten Jahr, erwarten uns mehrere Landtagswahlen und damit eine Dauermobilisierung gegen die AfD. Der Bundesparteitag in Wiesbaden wurde pandemiebedingt verschoben und wir freuen uns schon dieses so wichtige Event der AfD irgendwann in diesem Jahr bundesweit mit Protesten zu begleiten. Wir freuen uns auch schon auf das Fest zum 75 jährigen Bestehen der VVN am 26. März in Frankfurt/Main. editorial weiterlesen »

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