Verfahren gegen Polizei

7. Januar 2022

Die Bundestagsverwaltung hat Mitte Oktober Disziplinarverfahren gegen Bundestagspolizisten eingeleitet. Nach Bekanntwerden von Presserecherchen im Juni, hat es umfangreiche Gespräche mit ca. 200 aktiven und ehemaligen PolizistInnen gegeben. Ein Polizist soll sich in einer Reichsbürgerpartei engagieren, ein anderer zu einer »Querdenker«-Demo aufgerufen, ein dritter im Pausenraum den Hitlergruß gezeigt haben. In dienstlich genutzten Chatgruppen sollen extrem rechte Inhalte verbreitet worden und diskriminierende Sprüche alltäglich gewesen sein.

Wiederaufnahme verlangt

7. Januar 2022

In einem neuen Brandgutachten kommt der britische Sachverständige Iain Peck zu dem Ergebnis, dass der an Händen und Füßen gefesselte Oury Jalloh von Polizeibeamten angezündet worden sein muss. Das Gutachten basiert auf Brandversuchen in einem originalgetreuen Nachbau der Zelle 5 des Polizeireviers Dessau. Der Brandforensiker Peck hielt es für höchstwahrscheinlich, dass Jalloh am 7. Januar 2005 in seiner Zelle mit einer Flüssigkeit wie Benzin übergossen und angezündet wurde. Jallohs Familie forderte Anfang November von der Bundesanwaltschaft die Wiederaufnahme der Ermittlungen. Nach offizieller Version hat Jalloh sich im gefesselten Zustand selbst angezündet.

Reul bestreitet Schuld

7. Januar 2022

Nach dem Tod des 25-jährigen Giórgos Zantiótis im Polizeigewahrsam hat dessen Schwester Strafanzeige gegen beteiligte Polizisten erstattet. Der junge Mann verstarb am 1. November unmittelbar im Anschluss an eine erzwungene Blutentnahme in Wuppertal. Nach Polizeiangaben soll der Deutsche mit griechischen und polnischen Wurzeln LSD konsumiert und seine Schwester verletzt haben. Bei der folgenden Festnahme habe er massiven Widerstand geleistet. Die Obduktion habe ergeben, der Mann sei an einer Grunderkrankung verbunden mit seinem Drogenkonsum verstorben. Fremdverschulden oder Gewalteinwirkung wurden als Todesursache ausgeschlossen. NRW-Innenminister Herbert Reul (CDU) sprach im Innenausschuss des Landtags von einer persönlichen Tragödie und sah keine Mitschuld der Polizei. Die Schwester von Giórgos und ein Unterstützerkreis sehen dies anders. Es gab mehrere Kundgebungen in verschiedenen Städten.

Marsch in Warschau

7. Januar 2022

Am 11. November, dem polnischen Unabhängigkeitstag, traten in Warschau Nationalisten und extrem Rechte zu einem Marsch an. Zwei Gerichte hatten dies zuvor verboten. Die Regierungspartei PiS hat den Marsch dann zu einer Kundgebung mit »staatlichem Charakter« befördert, um ihn gegen Gerichte und Warschauer Stadtregierung durchzusetzen. Die PiS kooperiert immer wieder mit nationalistischen und extrem rechten Gruppen in Polen.

NSU Revision verworfen

7. Januar 2022

Der Bundesgerichtshof (BGH) hat Mitte Dezember die beiden Revisionen von Bundesanwaltschaft und Angeklagten gegen das NSU-Urteil verworfen. Sowohl André Eminger als auch die Ankläger waren mit dem Urteil zu einer zweieinhalbjährigen Haftstrafe nicht zufrieden. Der BGH sah keine Rechtsfehler in der Entscheidung des Oberlandesgerichts (OLG) München, den ständigen Unterstützer der drei Haupttäter nur wegen Unterstützung einer terroristischen Organisation zu verurteilen. Freunde und Familie der Terroropfer waren enttäuscht von der Entscheidung. Anfang November war beschlossen worden, in Köln ein Denkmal für die NSU-Opfer zu errichten.

Compact feiert im Ahrtal

7. Januar 2022

Handwerker des extrem rechten Magazins Compact sind seit September im Ahrtal aktiv. Dabei habe man in den letzten Wochen viele Wohnungen winterfest gemacht. »Am 15. Dezember laden betroffene Bürger zur Weihnachtsfeier – Compact wird das finanzieren«, heißt es in der Dezemberausgabe der Zeitschrift. Bereits Ende September hatte es anlässlich der Einweihung des Compact-Büros in Ahrweiler ein »Bürgerfest« gegeben. Mittlerweile wurde bekannt, dass unter den Helfern nach der Hochwasserkatastrophe im Ahrtal auch Akteure der rechten Zeitschrift Vergißmeinnicht aus Zittau waren. Die Gruppe um Jürgen Hösl hatte sich ins Ahrtal begeben und dort »hunderte Helfer und Flutopfer, aber auch Einsatzkräfte der Blaulichtfamilie und Bundeswehr mittels einer Feldküche« bedient, heißt es in der aktuellen Ausgabe von Vergißmeinnicht. Während des Besuches von Bundeskanzlerin Merkel in dem Hochwassergebiet seien die bekannten »Merkel muss weg«-Aufkleber weggegangen wie warme Semmeln.

Anschläge Rhein/Main

7. Januar 2022

Wie erst Anfang Dezember bekannt gemacht wurde hat die Frankfurter Staatsanwaltschaft bereits im April ein Verfahren wegen mehrfacher Brandstiftung gegen Joachim Scholz eingestellt. Die Serie von zwölf Brandanschlägen auf linke und feministische Wohnprojekte im Rhein-Main-Gebiet zwischen September 2018 und Juli 2019 bleibt somit unaufgeklärt. Die Betroffenen wurden von der Einstellung des Verfahrens nicht informiert. Für zehn weitere Brandanschläge, die er danach beging, wurde Scholz im Januar 2021 zu siebeneinhalb Jahren Freiheitsstrafe verurteilt. Betroffene und Unterstützer haben die Taten und Ermittlungen auf der Website
www.rheinmain-doku.org dokumentiert.

Hanau: Keine Beihilfe

7. Januar 2022

Die Bundesanwaltschaft hat Mitte Dezember das Verfahren gegen unbekannt zur Ermittlung von Mitwissern oder Mittätern des Hanau-Attentäters eingestellt. Angehörige und Überlebende hatten Strafanzeige gegen Rathjens Vater gestellt. Sie warfen ihm Beihilfe zum Mord und Nichtanzeige geplanter Straftaten vor. Die Ermittlungen hätten nicht ergeben, dass er in strafrechtlich relevanter Weise von den Plänen gewusst habe oder am Anschlag beteiligt gewesen sei. Bereits einen Monat zuvor waren Ermittlungen gegen Polizeibeamte wegen des Vorwurfs der unterlassenen Hilfeleistung eingestellt worden. Überlebende und Opferangehörige hatten eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen Polizisten wegen Versäumnissen bei der Erstversorgung eines Anschlagsopfers gestellt.

Solidarität als Alternative

geschrieben von Axel Holz/Ulrich Schneider

7. Januar 2022

Gewerkschaftliche Bemühungen gegen rechts

Im Oktober fand in der ver.di-Bildungsstätte am Berliner Wannsee eine gemeinsam mit der Friedrich-Ebert-Stiftung durchgeführte Tagung unter dem Motto »Solidarität ist unserer Alternative« statt. Es ist kein Geheimnis, dass sich unter den Betriebs- und Personalräten auch AfD-Wähler befinden, die AfD sogar rechte Gewerkschaften wie AidA gegründet hat. Seit Jahren ist bekannt, dass nicht nur rassistische und diskriminierende Einstellungen zunehmen, sondern bei Umfragen unter Gewerkschaftsmitgliedern überdurchschnittlich vorkommen.
Ver.di hat sich diesem Problem gestellt. Der Soziologe Klaus Dörre eröffnete die Diskussion mit einem Beitrag zu den ökonomischen Ursachen des Nationalismus und zum Aufstieg der Rechten in Deutschland. IG-Metall-Chef Jörg Hofmann hatte mit dem Aufruf »Wer hetzt, der fliegt« klare Kante gegen rassistische Äußerungen in den Gewerkschaften gefordert. Darauf verließen Hunderte die Gewerkschaft. Juliane Karakayali plädierte für Gesprächsangebote, die aber nicht selten bei den Betroffenen auf taube Ohren stießen. Die Auseinandersetzung mit Rassismus müsse bereits auf institutioneller Ebene beginnen und sei eine zentrale Aufgabe der Gewerkschaften in der Migrationsgesellschaft, erläuterte die Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung. Solidarität als Alternative weiterlesen »

Frieden von unten

geschrieben von Andreas Schmiemann und Florian Gutsche

7. Januar 2022

Für ein Durchbrechen der Eskalationsspirale

Die wenigstens Menschen auf diesem Planeten haben ein Interesse an Krieg und Aufrüstung. Auch in Deutschland spricht sich die Mehrheit klar gegen Aufrüstung, Waffenexporte und Kriegseinsätze aus. Dennoch genehmigte die ehemalige Bundesregierung im Jahr 2021 Rüstungsexporte im Wert von mehr als neun Milliarden Euro, allein in den letzten neun Tagen ihrer Amtszeit wurden Aufträge über 4,9 Milliarden Euro bewilligt. Mitverantwortlich der alte Finanzminister und neue Bundeskanzler Olaf Scholz.

Der grüne Koalitionspartner erging sich kurz danach in öffentlich zur Schau getragener Entrüstung. Leider haben die Grünen als Teil der neuen Bundesregierung mit Entrüstung im Sinne von Abrüstung dann doch eher wenig zu tun. Das wird beispielsweise durch die im Ampel-Koalitionsvertrag festgehaltene und geplante Drohnenbewaffnung deutlich, zumal fatalerweise nicht die Grünen, sondern die SPD in dieser Angelegenheit als letzte umfiel. Frieden von unten weiterlesen »

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