Tagebuch eines Gettos

geschrieben von Janka Kluge

17. Mai 2021

In Lodz wurde das Leben dokumentiert

Der Krieg erreichte Lodz am 8. September 1939. Nach den Plänen der Nazis sollten die 223.000 Juden, die in der polnischen Stadt lebten, ein Drittel der Bevölkerung, sofort weiter in den Osten vertrieben und dadurch ermordet werden. Die Region rund um Lodz und Posen sollten unter dem Namen Warthegau Deutschland zugeschlagen werden. Aus diesem Grund ist Lodz 1940 in Litzmannstadt umbenannt worden. Am 10. Dezember 1939 hatte der Regierungspräsident von Kalisz-Lodz, Friedrich Uebelhoer, den Befehl zur Errichtung eines jüdischen Gettos in Lodz veröffentlicht. In dem Befehl hieß es: »Die Erstellung des Ghettos ist selbstverständlich nur eine Übergangsmaßnahme (…) Endziel muss jedenfalls sein, dass wir diese Pestbeule restlos ausbrennen.« Im April 1940 wurde ein Gebiet rund um die Armenviertel Baluty, Marysin und Stare Miasto zum Getto erklärt. Tagebuch eines Gettos weiterlesen »

Was da noch dräut

geschrieben von Daniel Bratanovic

17. Mai 2021

Heute ein Hauch von Weimar … Ein Sammelband scheut den Vergleich

Ein aufgrund der Corona-Pandemie erheblich gestörtes Zeitempfinden lässt das Ereignis in weite Ferne rücken: Am 5. Februar 2020 wählte ein Bürgerblock aus CDU und FDP einschließlich der offenen Faschisten der Höcke-AfD Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Thüringens. In Berlin, nicht in Erfurt wurde daraufhin entschieden, dass ein solcher Vorgang zu dieser Zeit nicht erwünscht ist – das Amt von Gnaden einer Bande völkischer Desperados, das war dann doch nicht akzeptabel und der internationalen Öffentlichkeit nicht vermittelbar. Kemmerich musste seinen Posten sogleich wieder räumen. Gleichwohl stand die bange Frage im Raum, ob damit nicht aufziehe, was schon einmal gewesen war. Schien wiederzukehren, was sich während der Endphase der Weimarer Republik zugetragen hatte? Was da noch dräut weiterlesen »

Unser Rücktitel im Mai

17. Mai 2021

Die Entscheidung der Crew des Seenotrettungsschiffs »Sea-Watch 4«, neben anderen Flaggen auch eine Antifa-Fahne zu hissen, hatte Anfang April einen rechten Shitstorm zur Folge. Demonstrativ platzierte die Besatzung daraufhin die Flagge »sichtbarer weiter oben«.

Die »Sea-Watch 4« war 2020 mithilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung Geflüchteter ins Mittelmeer gestartet. Die aufrechte Haltung der Seenotretter:innen erfuhr zu Redaktionsschluss erneut den Hass von CDU über Welt bis AfD. Dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm fiel als Reaktion auf den Druck der Rechten nicht mehr ein, als zu fordern, die Fahne solle »alsbald eingeholt« werden. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass erneut 130 Flüchtende im Mittelmeer ertranken. Nach Angaben von »Alarmphone« hatten sich Frontex, Italien, Malta und die libysche »Küstenwache« zuvor geweigert, den Schiffbrüchigen zu helfen Foto: Fabian Melber/Sea-Watch.org

editorial

geschrieben von Nils Becker

19. April 2021

Mit unserem Flyer »Das Haus brennt und sie sperren die Feuerwehr aus!«, der im Januar mehreren Medien beilag, konnten wir eine dreistellige Anzahl neuer Mitglieder begrüßen, auch das Spendenaufkommen stieg (beispielhaft Seite 19). Dafür danken wir allen und sind frohen Mutes, dass wir auch die Zielmarke unserer Petition (t1p.de/petition-vvn) von 50.000 Unterschriften bald knacken – Ende Februar waren es rund 49.000. Doch unsere Gemeinnützigkeit steht weiter auf der Kippe. Nach der Bundesvereinigung werden nun auch einige Landesverbände (z. B. der Berliner) von den Finanzämtern mit dem Entzug der Gemeinnützigkeit bedroht, weil das Verfahren gegen die Bundesvereinigung noch nicht entschieden ist. Es herrscht Willkür, ein an Unverschämtheit grenzendes Lavieren der zuständigen Fachpolitiker und deshalb Unsicherheit, der wir gemeinsam begegnen müssen. Das erinnert eher an die Kampagnen der AfD, fortschrittlichen Organisationen finanziell das Wasser abgraben zu wollen, als an die vielbeschworene »Unterstützung der Zivilgesellschaft«, für die das Gemeinnützigkeitsrecht vorgeblich steht.

Dieser antifa liegt der Rechenschaftsbericht unseres Verbandes für die letzten vier Jahre bei. Er dient der Vorbereitung auf unseren Bundeskongress im April – die Einladung ist allen Landes- und Kreisverbänden zugegangen. Neben unseren Aufgaben im Wahljahr 2021 (Seite 3) werden wir uns auf dem Kongress auch mit antifaschistischer Kunst und Kultur beschäftigen. Grundlagen dafür sind die Beiträge unseres Spezials (ab Seite 15), wie auch weitere Artikel, die sich mit der Form zur Vermittlung antifaschistischer Werte beschäftigen (Seite 7 und 25). Wie lässt sich Menschlichkeit und Solidarität dort kultivieren, wo der Zeitgeist versucht, sie auszutreiben? Dass es dafür auch neue Formen braucht, ist uns allen klar. Deshalb ist die Aufmachung dieser Ausgabe etwas experimenteller. Bei einigen wird das Stirnrunzeln auslösen, aber vielen der neuen Mitglieder wollen wir auch vermitteln, dass die VVN offen und wandelbar ist.

Die Einzeltäterthese lebt

geschrieben von Bernd Kant

16. April 2021

Urteil im Lübcke-Mordprozess

Ende Januar ging mit der Verurteilung von Stephan Ernst der Prozess wegen einer spektakulären neofaschistischen Gewalttat, dem Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Dr. Walter Lübcke, zu Ende. Spektakulär deshalb, weil damit erstmals ein hoher Regierungsbeamter und prominentes CDU-Mitglied getötet wurde – und zwar wegen seines angemessenen Umgangs mit der Lage von Geflüchteten im Jahre 2015, als Deutschland zwischen Willkommenskultur und zunehmendem Rassismus stand. Der Mord ereignete sich am 2. Juni 2019 im nordhessischen Istha, auf dem Grundstück von Lübcke. Der Täter Stephan Ernst und sein Kompagnon Markus Hartmann konnten erst durch einen Zufallsfund einer DNA am Tatort entdeckt und festgenommen werden.

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Geschichtsverdreher übertönt

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

16. April 2021

Dresden und der 13. Februar: Antifaschistischer Protest in Pandemiezeiten

Ungeachtet der Pandemie waren Neonazis und andere Rechte auch um den 76. Jahrestag der alliierten Luftschläge auf Dresden mit ihrer geschichtsrevisionistischen Propaganda in der sächsischen Landeshauptstadt unterwegs. Hunderte Anhänger von Parteien wie NPD, Die Rechte, Der III. Weg sowie extrem rechter Kameradschaften versammelten sich am 13. Februar nahe dem Hauptbahnhof, vereinzelt waren auch Neonazis aus Tschechien und der Slowakei unter ihnen.

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Vertraute Rhetorik

geschrieben von Nils Becker

16. April 2021

Ob nach den Hanauer Morden etwas anders wird, ist fraglich

Mitte Februar erinnerten bundesweit mehrere Zehntausend Menschen an die rassistischen Morde im hessischen Hanau vor einem Jahr. Am 19. Februar 2020 erschoss Tobias Rathjen neun Menschen. Danach erschoss er sich und seine Mutter in der elterlichen Wohnung. Wie schon kurz nach der Tat, beeilten sich Politiker*innen bis hoch zum Bundespräsidenten, lückenlose Aufklärung zu versprechen. Der Staat stehe, so Steinmeier, in einer »Bringeschuld«. Wie ernst solche Versprechungen zu nehmen sind, zeigt die Bilanz der Aufklärung der Morde des NSU, der sich vor fast zehn Jahren selbst enttarnte. Das Netzwerk hinter den Haupttäter*innen blieb von der lückenhaften Aufklärung verschont, Zusammenhänge mit behördlichem Handeln wurden nicht hergestellt, und wenn sie nicht zu ignorieren waren, wurden Erkenntnisse verschleppt und hatten wenig Konsequenzen. Der polizeilich-geheimdienstliche Apparat, der eine gehörige Mitverantwortung für die Taten des NSU trägt, wurde hingegen ausgebaut.

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Entschwörung der Echsen

geschrieben von Nils Becker

13. April 2021

Interview mit der Anti-Schwurbelaktion zu satirischen Handlungsmöglichkeiten

antifa: Ihr begleitet als Echsenmenschen verkleidet die Demonstrationen der Corona-Leugner*innen und Verschwörungsgläubigen. Damit spielt ihr auf eine populäre Verschwörungstheorie an, die besagt, dass die Regierungen aller Länder durchsetzt sind von reptiloiden Aliens. Warum habt ihr euch für die satirischen Aktionen eine der absurdesten Fantastereien ausgesucht?

Echsen: Reptiloide Weltverschwörung ist ein alter Klassiker bei den sogenannten Verschwörungstheorien und den meisten von uns geläufig. Es geht darum, ihnen die Absurdität ihrer wahnhaften Vorstellungen zur Kontrolle der Welt durch eine geheime Gruppe vor Augen zu halten. Manche sind dafür empfänglich, einige sind es weniger. Für uns steht auch der eigene Spaß im Vordergrund. Und die Kinder der Schwurbler*innen fahren voll auf uns ab.

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Vergeigte Inventur

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

13. April 2021

Das »Kommando Spezialkräfte« klärt Probleme lieber unter sich

Bei der 1996 gegründeten Eliteeinheit der Bundeswehr, dem »Kommando Spezialkräfte«, hielt die Inventur in den Waffenkammern im baden-württembergischen Calw im Frühjahr 2020 einiges an Überraschungen bereit: Vermisst gemeldet wurden da rund 50.000 Schuss Munition sowie Dutzende Kilo Hand- und Nebelgranaten (siehe antifa von September/Oktober 2020). Nun wurde bekannt, dass derlei Ungemach bei einer edlen Truppe wie dem KSK am liebsten unter sich geklärt wird – Vertuschung par excellence. Zu Redaktionsschluss dieser Ausgabe bahnte sich somit gleich ein neuer Skandal bei der krisengeschüttelten Einheit an, die über eintausend Angehörige umfasst.

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Von der Prüfung zum Verdachtsfall

geschrieben von Janka Kluge

13. April 2021

Auseinandersetzung der AfD um Beobachtung durch Verfassungsschutz geht in eine neue Runde

Für die AfD geht es um viel. Sollte das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) zu dem Ergebnis kommen, dass die AfD bundesweit vom Prüffall zum Verdachtsfall eingestuft wird, kann der Geheimdienst die Partei mit geheimdienstlichen Mitteln beobachten. Es könnten leichter Telefongespräche abgehört und V-Menschen angeworben werden. Gegen Beamte, die in leitender Position in der AfD tätig sind, könnte wegen der Tätigkeit, nicht der Mitgliedschaft, ein disziplinarrechtliches Verfahren eingeleitet werden.

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