Elfriede Brüning (1910-2014) war eine der beliebtesten Frauenautorinnen der DDR. Günter Kunert verstieg sich 2000 in der »Welt« dazu, sie »brave Parteigängerin des realen Idiotismus« zu nennen, die ihre »Hervorbringungen« angeblich »problemlos veröffentlichen« konnte. Dass ihre Bücher schon deshalb nicht aus der Literaturgeschichte zu streichen sind, weil sie zur »Bückware« zählten, also nur an Vorzugskunden verkauft wurden, entnimmt man einer Studie von Sabine Kebir. Sie durchforstete den Brüning-Nachlass, der im Dortmunder Fritz-Hüser Institut liegt, das eine bedeutende Sammlung von Literatur der Arbeitswelt pflegt. Von wegen angepasst Elfriede Brüning – Feministin, Sozialistin, Antifaschistin weiterlesen »
Führer-Phantasien
22. März 2020
Die »Zukunftsvisionen« des Björn Höcke
Björn Höcke hat seine Ideen für ein künftiges Deutschland in einem Buch gebündelt und im kleinen rechten »Manuscriptum Verlag« veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein langes Interview, dass Sebastian Hennig mit ihm geführt hat. Die beiden verstehen sich gut, es gibt keine kritischen Nachfragen. Im Gegenteil, sie ergänzen sich und spielen sich Gedankenbälle zu. Schon der Titel des Buches »Nie zweimal in denselben Fluss« lässt aufmerken.
Was meint Höcke damit? Er beschreibt so seine Distanzierung von Hitler und der NSDAP. »Der Nationalsozialismus und Faschismus sowie der Kommunismus versuchten Anfang des 20. Jahrhunderts mit brachialen Mitteln und Methoden, die Krisen der Modernen in den Griff zu bekommen, scheiterten aber dramatisch und hinterließen Trümmerfelder, auf denen sich der zersetzende Materialismus noch ungezügelter ausbreiten konnte.« Führer-Phantasien weiterlesen »
Neue Einsichten, alte Mythen
22. März 2020
Die beiden namhaften Autoren des im November erschienen Buches »Die Wehrmacht – Krieg und Verbrechen« sind ausgewiesene Kenner der deutschen und preußischen Militärgeschichte. Zudem verfassten sie eine Reihe profilierter Gutachten zu historisch bedenklichen und geschichtspolitisch umstrittenen Traditionsnamen in der Bundeswehr. Aus diesen Gründen wird man diese Neuerscheinung mit erwartungsvoller Spannung zur Hand nehmen.
Das erste Kapitel befasst sich mit der Blockade von Leningrad. Diese Millionenstadt wurde am 8. September 1941 von der Heeresgruppe Nord eingeschlossen. Zu Beginn der Blockade war der im Text nicht genannte GFM Ritter von Leeb der Oberbefehlshaber. Nach Leebs Rücktritt bekam Küchler am 17. Januar 1942 das Kommando über diese HG. Der Leser erfährt nicht, dass Leeb bis 1992 in der Bundeswehr traditionswürdig war, obwohl er u.a. auch wegen der Weitergabe des Kommissarbefehls zu drei Jahren Haft verurteilt worden war. (Nota bene: Tradition ist nicht Geschichte, sondern eine absichtsvolle und sinnstiftende Auswahl aus ihr.) Auch der Durchhaltekrieger Fahnert war bei der Blockade von Leningrad dabei. Jener Fahnert, der schon ab September 1904 bei der Niederwerfung des Aufstandes der Herero und Nama dabei war, war zudem bis Oktober 2016 Kasernenpatron der Bundeswehr in Karlsruhe. Doch davon wollen die beiden Autoren nichts wissen. Neue Einsichten, alte Mythen weiterlesen »
Gewöhnung ans Autoritäre Die beiden Verfilmungen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde«
22. März 2020
Seit dem Erscheinen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde« im Jahre 1968 hat er Millionen Leser gefunden. Lenz scheint einen Punkt getroffen zu haben, der die neue Generation faszinierte und die ältere nachdenklich stimmen konnte.
Bereits 1971 wurde das Buch in einem zweiteiligen Fernsehfilm in der Regie von Peter Beauvais verfilmt. Derzeit, fünfzig Jahre später, läuft eine Neuverfilmung in den Kinos. Unter der Regie von Christian Schwochow, nach einem Drehbuch seiner Mutter Heide, glänzen Ulrich Nöthen in der Rolle des Dorfpolizisten Jens Ole Jespen und Tobias Moretti als Maler Max Jansen, der an die Person des Malers Emil Nolde angelehnt ist. Gewöhnung ans Autoritäre Die beiden Verfilmungen von Siegfried Lenz′ Roman »Deutschstunde« weiterlesen »
Angriffe auf den Kulturbereich Erfahrungen der Initiative »Verlage gegen Rechts«
22. März 2020
In den vergangenen Jahren waren auf den deutschen Buchmessen rechtsextreme Verlage und ihre Autoren vertreten. In Reaktion auf die Präsenz rechtsextremer Verlage und Akteurinnen auf Buchmessen gründete sich 2017 die Initiative »Verlage gegen Rechts« (VgR). Bei der Leipziger Buchmesse im März diesen Jahres hat sich von den größeren rechten Verlagen bislang lediglich Compact angemeldet, weder die Junge Freiheit noch Cato oder der Antaios Verlag haben einen Stand gebucht.
Nun ist es angesichts des Erstarkens der Rechten und rechter Gewalt sowie Schulterschlüssen zwischen Konservativen und Rechtsextremen nicht angesagt, das Fernbleiben von der Messe als politischen Erfolg zu bejubeln. Eher noch liegt die Vermutung nahe, dass diese Schulterschlüsse und die Anwesenheit rechter Intellektuellen in gesellschaftlichen Debatten und Talkformaten ihr Agieren auf der Messe überflüssig gemacht haben. Angriffe auf den Kulturbereich Erfahrungen der Initiative »Verlage gegen Rechts« weiterlesen »
Eine mehr als trübe Quelle
22. März 2020
Hintergründe der Attacken auf die Gemeinnützigkeit der VVN-BdA
Nachdem das Finanzamt Berlin der VVN-BdA-Bundesorganisation den Entzug der steuerlichen Gemeinnützigkeit angekündigt hatte, wurde ich gebeten, eine Inhaltsanalyse zu regionalen Entscheidungen abzugeben, die in der Bundesrepublik allein stehen und auf die sich das Amt in Berlin alleine beruft. Hier meine Stellungnahme zur einzigen Entscheidungsgrundlage des Finanzamtes Berlin: Der regelmäßigen Nennung des Landesverbandes Bayern der VVN-BdA im Bayerischen Landesverfassungsschutzbericht, deren Bestätigung durch die 22. Kammer des Verwaltungsgerichts München 2014 (M 22K 11.2221) nach einer Klage des betroffenen Verbandes und die Nichtzulassung der Berufung durch den 10. Senat des Bayerischen Verwaltungsgerichtshofes 2018 (10 ZB 15.795). Eine mehr als trübe Quelle weiterlesen »
Willkommen in der VVN-BdA
27. Februar 2020
Wir begrüßen unsere mehr als1300 neuen Mitglieder
Eine riesige Welle der Solidarität hat uns erreicht, nachdem uns das Finanzamt für Körperschaften in Berlin die Gemeinnützigkeit für die vergangenen drei Jahre abgesprochen und Steuer-Nachforderungen in fünfstelliger Höhe gestellt hat. All die wichtigen öffentlichen Stellungnahmen, die Petition, politische und juristische Unterstützungs-angebote und nicht zuletzt eine beträchtliche Spendenbereitschaft machen uns Mut. Mit soviel Unterstützung kämpft es sich doch gleich viel optimistischer.
Wir begreifen die enorme Unterstützung und Wertschätzung, die wir in den letzten Wochen des Jahres erfahren durften, auch als Auftrag, unsere Anstrengungen im Sinne der überlebenden Widerstandskämpferinnen und Verfolgten des Naziregimes zu verstärken:
Die Erinnerung an Verfolgung und Widerstand wach zu halten, neue Formen des Gedenkens unter Einbeziehung aller Verfolgtengruppen zu entwickeln und ihre historische Erfahrung in die gesellschaftliche Debatte einzubringen. Dazu gehören auch die Opfer rassistischer Gewalt heute.
Die Bestrafung der Täter und die Entschädigung der Opfer zu verlangen, Verantwortliche zu benennen, Aufklärung und Konsequenzen für Zukunft einzufordern.
Deutsche Großmachtträume, die schon zwei Weltkriege verursacht haben, zum Platzen zu bringen. Für Abrüstung statt Aufrüstung, Auslandseinsätze und Rüstungsexporte einzutreten.
Die solidarische Unterstützung von Geflüchteten und von politischen Initiativen gegen die Abschottung Europas.
Nazis und Rassisten entgegenzutreten, wo immer sie den öffentlichen Raum für sich und ihre mörderische Ideologie beanspruchen.
Die schleichende »Normalisierung« der AfD aufzuhalten oder, wie Erich Kästner sagte: »den Schneeball zertreten bevor er zur Lawine wird«.
Wir freuen uns darauf, dass ihr eure unterschiedlichen Erfahrungen und Kompetenzen in unsere Diskussionen einbringt, damit sie in unserer gemeinsamen Arbeit fruchtbar werden können. Wir sehen in diesem großen Mitglieder-Zuwachs eine großartige Chance, denn die Vereinigung lebt von aktiven Mitgliedern und ihren vielfältigen Ideen.
Natürlich wissen wir, dass viele Menschen in die VVN-BdA eintreten, um mit ihrem Mitgliedsbeitrag eine solidarische Unterstützung zu leisten. Das schätzen wir hoch, denn politische Arbeit kostet Geld und wir haben Anfang der 1990er Jahre entschieden, unsere Arbeit aus eigener Kraft zu finanzieren. Das heißt, Mitgliedsbeiträge und Spenden setzen den materiellen Rahmen, in dem wir aktiv werden können. Deshalb erhöht jedes neue Mitglied, mit seinem solidarischen Beitrag unsere Aktionsfähigkeit und hilft uns zugleich, den politischen Unwägbarkeiten der Abgabenordnung nicht völlig ausgeliefert zu sein.
Allerdings stehen wir auch personell vor großen Herausforderungen. So wie diejenigen, die den historischen Faschismus aus eigenem Erleben und Leid kennen, immer weniger werden, so sind viele von uns, die sich zu Beginn der 1970er Jahre als »Junge« der Vereinigung der Verfolgten und Widerstandskämpferinnen angeschlossen haben und die heute wesentlich die Organisationsarbeit leisten, inzwischen auch schon ziemlich alt geworden. Das gilt ebenso für diejenigen, die 1990 noch in der DDR den Bund der Antifaschisten gegründet haben. Der nächste Generationenwechsel steht an und will gestaltet werden.
Vom 22. bis 24. Mai 2020 findet in Frankfurt/Main der nächste Bundeskongress der VVN-BdA statt, wo Vorschläge zur Zukunft des Verbandes im Mittelpunkt der inhaltlichen Debatte stehen werden. Aktuell werden überall in der Republik Delegierte gewählt, alle anderen Mitglieder sind (nach Anmeldung) als Gäste willkommen. Das gilt besonders für die öffentliche Veranstaltung am Abend des 22. Mai. Wir wollen dort in einer Revue den Bogen von den Erwartungen der Befreiten am 8. Mai 1945 zur heutigen Situation und den notwendigen Interventionen von Antifaschistinnen und Antifaschisten schlagen.
Wir möchten euch alle ermutigen, euch in die anstehenden Diskussionen einzumischen. Eure Sicht ist wichtig und kann neue Impulse setzen. Die Einladungen zu den nächsten Treffen eurer Kreisvereinigungen sollten schon bald in euren Briefkästen liegen.
Wir sind guten Mutes, dass wir mit mehr Mitgliedern, mehr Aktiven und neuen Ideen gestärkt aus der aktuellen Auseinandersetzung um die Gemeinnützigkeit hervorgehen werden und dies sich auch in Aktions- und Kampagnenfähigkeit ausdrücken wird.
In diesem Sinne wünschen wir
uns allen ein erfolgreiches Jahr 2020.
Cornelia Kerth und Dr. Axel Holz
Editorial
27. Februar 2020
Das war ein turbulentes Jahresende für die VVN-BdA! Seit das Berliner Finanzamt für Körperschaften I Anfang November der Bundesorganisation der VVN-BdA rückwirkend für drei Jahre die Gemeinnützigkeit entzogen hat, erreichen uns bis heute Solidaritätsbekundungen, Protestschreiben, Unterstützungsangebote, Spenden und Anträge auf Mitgliedschaft in ungeheurer Zahl. Die ganze Ausgabe hätte nicht gereicht, sie alle abzudrucken. Deshalb haben wir uns entschieden, neben den Positionen von Esther Bejarano, Ernst Grube und Günter Pappenheim, deren Stimmen als Verfolgte des Naziregimes großes Gewicht besitzen, in unserem »Spezial« nur einige exemplarische Auszüge aus den eingegangenen Schreiben zu veröffentlichen. Sie spiegeln zumindest ansatzweise die politische Breite unserer Unterstützerinnen und Unterstützer wider. (Seiten 13 – 16) »Wir begreifen die enorme Unterstützung und Wertschätzung, die wir in den letzten Wochen des Jahres erfahren durften, auch als Auftrag, unsere Anstrengungen im Sinne der überlebenden Wider-standskämpferinnen und Verfolgten des Naziregimes zu verstärken.«, versichern die Vorsitzenden der VVN-BdA in ihrer Begrüßung der mehr als 1300 neuen Mitglieder. (S. 3) Denn es gibt für Antifaschistinnen und Antifaschisten in diesem Land auch weiter viel zu tun. Auf Seite 12 der Ausgabe berichten wir über die eindrucksvollen Proteste gegen den Bundesparteitag der AfD in Brauschweig. Und unsere Interviewpartnerin, Jenny Haas aus Offenburg, aktive Antifaschistin und Neumitglied in der VVN-BdA, informiert über die Vorbereitung der Protestaktionen in ihrer Stadt, in der die AfD schon im April den nächsten Bundesparteitag durchführen will.(S. 5) Der Bundesausschuss der VVN-BdA hat den 7. Bundeskogress für Ende Mai nach Frankfurt/ Main einberufen. Er wird sich mit Zukunftsfragen der Organisation beschäftigen, die wir nun mit noch größerem Optimismus angehen werden.
Unser Titelbild und der Rücktitel
27. Februar 2020
Neu in der VVN-BdA
24. Februar 2020
Ein Gespräch mit Jenny Haas aus Offenburg
antifa: Was verbindest Du mit VVN-BdA?
Jenny Haas: Mit der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten (VVN-BdA) verbinde ich in erster Linie klare antifaschistische Arbeit, ob im Bereich des Gedenkens oder in der Bildungsarbeit. Als Aktivistin gegen Rechts kenne ich die VVN-BdA auch als verlässlichen Partner. Wenn ich nun sehe, dass diese Arbeit nicht mehr gemeinnützig sein soll, ist es für mich dringend geboten, ein Zeichen der Solidarität zu setzen, und dies nicht nur durch tiefe Verbundenheit, die über die Jahre gewachsen ist, sondern eben auch durch eine ordentliche Mitgliedschaft in der Vereinigung.
antifa: Wie kam es dazu, dass du schon in jungen Jahren angefangen hast, dich gegen Nazis zu engagieren? Neu in der VVN-BdA weiterlesen »





























