Stadtrat ausgetreten

21. Juli 2020

Kai Mehliß, Stadtrat in Bernburg, ist aus der CDU Sachsen-Anhalt ausgetreten. Er kam damit wohl einem Ausschluss zuvor. Mehliß war in der Chatgruppe »Germania Leipzig« mit rechten Preppern vernetzt. Er soll u.a. dem ehemaligen AfD-Referenten Michael Volker Schuster zu einer Beförderung in der Bundeswehrreserve mit »Sieg Heil! Herr Hauptmann« gratuliert haben.

 

Ein »Lernort« von Format

geschrieben von Ernst Antoni

21. Juli 2020

Seit fünf Jahren gibt es das NS-Dokumentationszentrum in München

Vor fünf Jahren wurde am 30. April, dem Jahrestag der Befreiung der Stadt vom Faschismus, in München ein neues Ausstellungs-Gebäude eröffnet. Mit diesem sollte informativ, kritisch  und zukunftsweisend an die NS-Vergangenheit der einst von den Hitlerfaschisten zu ihrer »Hauptstadt der Bewegung« ausgerufenen bayerischen Landeshauptstadt erinnert werden. Vorangegangen waren weit über ein Jahrzehnt Initiativen und Aktionen, mit denen Forderungen nach solch einem Zentrum als »Erinnerungs- und Lernort« artikuliert und von offizieller Seite oft recht zögerlich aufgenommen wurden.

2015 war es aber dann schließlich so weit: Auf einer Freifläche in der Innenstadt am Rande der Briennerstraße, dem Grundstück, auf dem einst das »Braune Haus« gestanden hatte, konnte ein imposanter Museums-Neubau eingeweiht werden. Das NS-Dokumentationszentrum haben die Berliner Architekt*innen Bettina Georg, Tobias Scheel und Simon Wenzel entworfen.  Die Stadt München, die Bayerische Staats- und die Bundesregierung hatten schließlich jeweils zu einem Drittel die Finanzierung dieses 28 Millionen Euro teuren Projekts ermöglicht.

Vom  »Braunen Haus«, der berüchtigten »Reichsparteizentrale« der NSDAP, das an dieser Stelle einst gestanden hatte, war am Kriegsende nur noch eine Ruine übriggeblieben, die schließlich 1947 abgerissen wurde. Seit 2018 hat der kleine Platz, auf dem der Museums-Neubau errichtet wurde, nun auch einen eigenen Namen: Er heißt Max-Mannheimer-Platz, zum Gedenken an den 2016 verstorbenen Holocaust-Überlebenden und langjährigen Präsidenten der Lagergemeinschaft Dachau. Ein »Lernort« von Format weiterlesen »

Mehr als bunte Bilder

geschrieben von Gerald Netzl

21. Juli 2020

Neue antifaschistische Comics

Der Wiener Verlag bahoe books hat sich auf politische Graphic Novels spezialisiert. Zum 75. Jahrestages der Befreiung vom Hitler-Faschismus erscheinen in diesem Jahr eine Reihe von Titeln. So etwa die Autobiografie des slowenischen Partisanen Franc Sever-Franta »Momente der Entscheidung« und Aleksandar Zografs »Partisanenpost« über den erfolgreichen Kampf der jugoslawischen Volksbefreiungsarmee gegen die Wehrmacht.

Kalmen Wewryk schildert in »Nach Sobibor und zurück« seine Flucht beim Aufstand am 14. Oktober 1943. Durch Glück stieß er auf eine Gruppe russischer Partisanen, schloss sich diesen an und befreite als Mitglied der Roten Armee seine Heimatstadt Chelm.

»Cartier-Bresson, Deutschland 1945« erzählt die Geschichte eines Fotografen, der nach drei Jahren in deutscher Kriegsgefangenschaft 1943 fliehen konnte und danach unter anderem die Befreiung von Paris abbildete und im Gefolge von US-Truppen bis nach dem Kriegsende arbeitete.

Zwei Bücher schildern die Erinnerungen spanischer Überlebender des größten KZ auf (heute) österreichischem Boden: Jordi Peidros »Mauthausen« und »Der Fotograf von Mauthausen«, von Pedro J. Colombo, der die Erlebnisse des republikanischen Spaniers Francisco Boix im Erkennungsdienst des KZ Mauthausen wiedergibt.

»Der letzte Weg« ist eine in dreijähriger Arbeit recherchierte und gezeichnete Geschichte nach den Erinnerungen von Chaika Grossman und Chasia Bornstein Bielicka, die als Verbindungsmädchen in Białystok lebten. Sie organisierten Waffen und Medikamente und hielten die Kommunikation mit den anderen Ghettos und Widerstandsgruppen aufrecht.

Jan Karski, »Zeuge der Shoah«, war Soldat der polnischen Armee und schloss sich dem polnischen Widerstand an. 1942 begann sein wichtigster Auftrag: Mit Hilfe eines jüdischen Aktivisten wurde Karski in das Warschauer Ghetto und in ein Durchgangslager für den Vernichtungsort Bełzec geschmuggelt, um später der Welt als Augenzeuge über die bereits weit fortgeschrittene Vernichtung der polnischen jüdischen Bevölkerung zu berichten.

Auf zwei vor kurzem erschienene Bücher soll hier genauer eingegangen werden: Mehr als bunte Bilder weiterlesen »

Vom »Mörderlager« nach Spanien

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

21. Juli 2020

Erinnerung an Hans Beimler zu seinem 125. Geburtstag

Es waren schwere Startbedingungen: Am 2. Juli 1895 von der ledigen Hausgehilfin Rosina Beimler in einer armseligen Unterkunft in München geboren, wenige Wochen später zu den Großeltern in das oberpfälzische Dorf Waldthurn gebracht, Schulbesuch, Schlosserlehre bei seinem Onkel. Also packte Hans Beimler sein Leben selbst an und fand nach kuzer Wanderschaft Arbeit in einem Münchner Betrieb. Um endlich etwas von der Welt zu sehen, heuerte er bei Blohm und Voss in Hamburg an. Dort wurde er 1915 zum Kriegsdienst bei der Marine eingezogen und beteiligte sich 1918 in Cuxhaven am Aufstand der Matrosen.

Im Februar 1919 nach München entlassen, schloss er sich der KPD an und nahm als Soldat an Kämpfen zur Verteidigung der Räterepublik teil. 1921 verbüßte er eine zweijährige Festungshaft wegen angeblich geplanter Sabotage bayerischer Truppen, die zur Bekämpfung von Aufständen nach Mitteldeutschland verlegt werden sollten.

Ohne die Solidarität seiner KPD-Genoss*innen hätte die Familie Beimler mit zwei kleinen Kindern – er hatte 1919 geheiratet – diese Zeit nicht überstanden. Er fand wieder Arbeit in einem Großbetrieb, wurde Betriebsrat und schließlich hauptamtlich im Vorstand der südbayerischen KPD tätig. Beimler war bekannt geworden in der Arbeiterschaft als hemdsärmeliger, vertrauenswürdiger Kommunist, der ungekünstelt redete und auf die Menschen zuging. Politik war sein Leben, auch in Augsburg, wohin ihn die Partei nach dem Freitod seiner Frau geschickt hatte. Der Anstieg der Stimmen für die KPD in den letzten Jahren der Weimarer Republik brachte ihn in den Stadtrat von Augsburg und 1932 auch in Landtag und Reichstag.

In der Münchnerin Centa Dengler fand Beimler eine verständnisvolle zweite Ehefrau. Sie ermöglichte ihm die politische Arbeit, indem sie sich um die Kinder kümmerte, seine Schreibarbeiten erledigte und selbst tatkräftig politisch mitmachte. Ende 1932 wieder in München verbreitete er als Redner in vielen Veranstaltungen noch Zuversicht, dass es der Arbeiterschaft gelingen wird, dem Ansturm der Nazis erfolgreich Widerstand zu leisten und gleichzeitig die sozialistische Revolution einzuleiten. Vom »Mörderlager« nach Spanien weiterlesen »

Rot-rot-grün-schwarze Arbeitsteilung?

30. Juni 2020

Der bayerische VS schmeißt mit Dreck und das Finanzamt im rot-rot-grün regierten Berlin macht ’was draus. Diesen Eindruck muss gewinnen, wer ein 6-seitiges Schreiben liest, das am 22. Juni bei unserem Anwalt einging, und das als Stellungnahme zu unseren Einsprüchen gegen die Steuerbescheide vom vergangenen November zu verstehen ist.

Zur Erinnerung: der Bundesvereinigung wurde mit diesen Bescheiden rückwirkend ab 2016 die Gemeinnützigkeit aberkannt und fünfstellige Steuernachzahlungen wurden fällig. Derzeit sind diese bis zur endgültigen Klärung ausgesetzt, allerdings wurden inzwischen mehrere Landesvereinigungen aufgefordert, keine Beiträge mehr an die Bundesorganisation zu zahlen.

Interessant an der aktuellen Stellungnahme ist nun vor allem, dass es monatelang nicht zu dem von uns gewünschten Gespräch kommen konnte, weil es „Abstimmungsbedarf“ mit der Senatsverwaltung gebe und der Bundesfinanzminister sich aufgrund von Interventionen prominenter Kamerad*innen die Akten hatte kommen lassen. Hat es die Abstimmungen inzwischen gegeben? Oder will das Finanzamt kurz vor der politischen Sommerpause Fakten schaffen? Rot-rot-grün-schwarze Arbeitsteilung? weiterlesen »

Solidarität als Wert

geschrieben von Regina Girod

14. Juni 2020

In Krisenzeiten und danach

Die Covid-19-Pandemie hat elementare Wahrheiten ins gesellschaftliche Bewusstsein zurückgehoben: Unser Leben ist verletzlich. Als soziale Wesen sind wir nur in der Gemeinschaft lebens- und überlebensfähig, und nur gemeinsam sind Katastrophen wie diese zu überstehen. Solidarität ist eine selbstverständliche Prämisse sozialen Lebens.

Zufrieden konstatieren Meinungsforschungsinstitute im Augenblick trotz des enormen Druck-anstiegs in der Gesellschaft auch eine Stärkung von sozialen Verhaltensweisen. Auf das Drängen der Politiker, Solidarität zu üben und Verantwortung für die Gemeinschaft zu übernehmen, dürfte das kaum zurückzuführen sein. Sie wirken eher unglaubwürdig, oft sogar verlogen. Denn dass wir heute als Gesellschaft so bedroht in dieser Katastrophe stehen, hat auch mit Politik zu tun, die seit mehr als 20 Jahren nicht nur in Deutschland durchgezogen wurde. Es sollte kein Zurück mehr geben hinter diese Erkenntnis aus der Pandemie. Solidarität als Wert weiterlesen »

Editorial

14. Juni 2020

»Team Menschlichkeit« steht auf dem T-Shirt des Jungen im völlig überfüllten Flüchtlingslager Moria auf der griechischen Insel Lesbos. Zu diesem Team zählt sich auch unser Verband. Deshalb richten wir in dieser antifa den Blick auf aktuell Unbeobachtetes. Die humanitäre Lage an den europäischen Außengrenzen spitzt sich weiter zu, während es hierzulande nur noch ein Thema zu geben scheint: Covid19.

Beides hat mit dem einen Wort zu tun, dass gerade in aller Munde ist: Solidarität. Es bleibt offen: Mit wem ist man solidarisch, wie exklusiv werden angeblich knapper werdende Ressourcen verteilt und wer entscheidet das? Wir gehen dem nach mit einer eigenen Stellungnahme zur Einschränkung von Grundrechten (auf den Länderseiten), mit dem Beitrag von Regina Girod zu antifaschistischen Werten (S.3) und Berichten von Lesbos (S.9, S.21). Weiter geht es um Beobachtungen über den Umgang mit der Pandemie durch Rechte (S.5) und die Prepper-Szene (S.25) sowie um einen Blick in die Seuchennotstands-Literatur (S.27).

Das zweite große Thema ist das vielfältige Gedenken an den 75. Jahrestag der Befreiung vom Faschismus. Im Spezial (S.13) geht Ulrich Schneider auf die Veränderungen in der Deutung des 8. Mai in den letzten Jahrzehnten ein. Trotz Corona haben es sich viele nicht nehmen lassen der Befreiung zu gedenken – wenn auch nur – in kleinen Gruppen und mit dem Fokus auf digitale Verbreitung in den sozialen Medien (S.11 / S.20).

Zu diesem Zweck liegt der Ausgabe ein Plakat bei, das unsere aktuelle Petition »Den 8. Mai zum Feiertag machen« bekannter machen soll. Benutzt es – nicht nur in den eigenen vier Wänden. Beteiligt euch an unserer Kampagne in den sozialen Medien (ebenfalls zu finden auf den Län- derseiten).

Nicht zu letzt müssen wir wieder einen rassistischen Mord in den letzten Wochen beklagen (S.6). Der Fall beweist einmal mehr, dass rechte Terrorakte strukturell mit staatlichem Nicht- Handeln-Wollen verbunden sind. Auch dazu haben wir zwei Beiträge im Heft (S.12 / S.31).

Nils Becker

Stammelnder Stichwortgeber

geschrieben von Ernst Antoni

14. Juni 2020

Der bayerische »Verfassungsschutz« und seine »Analysen«

Ein Geheimdienst mit »Verfassungsschutz«-Anspruch und die VVN-BdA. Irgendwie ließe sich ein auf den Monat der jährlichen Veröffentlichung des bayerischen Dienstes bezogenes »April-April« als Frühlings-Revival des silvesterlichen Miss-Sophie-Mottos »The same procedure as every year« sehen.

Auch in diesem Jahr der Einleitungssatz: »Die VVN-BdA ist die bundesweit größte linksextremistisch beeinflusste Organisation im Bereich des Antifaschismus.« Und weiter wie stets: »In der VVN-BdA wird nach wie vor ein kommunistisch orientierter Antifaschismus verfolgt. …« Da war zwar in der so formulierten Form noch nie etwas Wahres dran, aber es entsprach Kalter-Kriegs-erprobter Alt-BRD-Diffamierung »innerer Feinde«. Das hatte sich als wirksam erwiesen. Bis heute. Der Bezug auf bayerische »Verfassungsschutz-Berichte« scheint nach wie vor auszureichen, um Attacken auf die »Gemeinnützigkeit« der VVN-BdA bundes- und länderweit auszubauen. Stammelnder Stichwortgeber weiterlesen »

Unser Titelbild

14. Juni 2020

Kinder im Olive Grove vom Hotspot Moira, Lesbos 2019, jetzt leben 21.000 Menschen im Hotspot und im umliegenden Olive Grove.

Foto: Marily Stroux

Foto: Marily Stroux

 

Er bleibt ein Faschist

geschrieben von Janka Kluge

11. Juni 2020

Warum es erlaubt bleibt Björn Höcke zu nennen was er ist

Das Landgericht Hamburg hat im März einer einstweiligen Verfügung von Björn Höcke stattgegeben. Der Vorsitzende der AfD Fraktion im Thüringer Landtag war gegen eine Äußerung des Fraktionschefs der FDP im Berliner Landtag, Sebastian Czaja, vorgegangen. Dieser darf nun nicht mehr sagen, dass Höcke ein »gerichtlich bestätigter Faschist« ist. Ein Sprecher des Hamburger Landgerichts sagte gegenüber der Presse, dass ein Leser denken könne, dass ein Gericht bestätigt habe, dass Höcke ein Faschist sei. Er bleibt ein Faschist weiterlesen »

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