Mehr Diskriminierungen

14. August 2020

Die Anti-Diskriminierungsstelle des Bundes verzeichnet deutlich mehr Beratungsanfragen mit Corona-Bezug. Neben rassistischen Übergriffen kommt es vermehrt zu Attacken auf Menschen mit körperlichen und geistigen Einschränkungen, meist im Zusammenhang mit der Maskenpflicht.

Keine Zusammenarbeit?

14. August 2020

Nach einer gemeinsamen Pressekonferenz der Stadtratsfraktionen von Linken und AfD in Forst (Lausitz) betonte Katja Kipping, dass für sie eine Zusammenarbeit mit der AfD unter keinen Umständen in Frage käme. Die Stadtratsfraktionen hatten für den Neubau eines Jugendclubs votiert und dies auf der PK erläutert.

Unteilbar aktiv

14. August 2020

Trotz der Coronakrise haben 20.000 Menschen allein in Berlin am 14. Juni unter #SoGehtSolidarisch für eine solidarische Gesellschaft, gegen Rassismus und soziale Ungleichheit demonstriert. Die Demonstrant*innen bildeten ein ca. neun Kilometer langes »Band der Solidarität« vom Brandenburger Tor bis nach Neukölln. Es gab auch Demonstrationen in Hamburg, Leipzig, Freiburg, Chemnitz, Detmold, Plauen, Münster, Geislingen und Passau.

Rechter Anschlag

11. August 2020

Am 10. Juni wurde im niedersächsischen Einbeck ein Bombenanschlag auf das Haus einer Antifaschistin durchgeführt. Dabei wurde der am Haus angebrachte Briefkasten zerstört und die Explosionstrümmer mehrere Meter in den Wohnbereich katapultiert. Einer von zwei Tatverdächtigen hatte sich bei dem Anschlag anscheinend so stark verletzt, dass die Polizei seiner Blutspur bis zu einem Wohnhaus folgen konnte. Dort fand die Polizei mehrere Waffen. Die Antifaschistin wurde bereits häufiger beleidigt und bedroht. Wegen anderer einschlägiger Delikte müssen sich die beiden Tatverdächtigen demnächst vor Gericht verantworten. Die Generalstaatsanwaltschaft Celle ermittelt noch gegen einen dritten Verdächtigen.

Hetze strafbar

11. August 2020

Das Oberlandesgericht (OLG) Köln hat in einem Urteil den Schutz des Volksverhetzungsparagraphen auf Frauen erweitert. Das OLG hob den Freispruch des Landgerichts Bonn auf und wies ihn an eine andere Kammer des Gerichts zurück. Der Angeklagte hatte auf einer von ihm betriebenen Homepage Frauen u.a. als »minderwertige Menschen« und den »Tieren näherstehend« bezeichnet.

Dienstgeheimnisse

11. August 2020

Die Berliner Staatsanwaltschaft ermittelt gegen den leitenden Polizeibeamten Detlef M. wegen der Weitergabe von Dienstgeheimnissen an die AfD. Er ist Mitglied im Neuköllner AfD-Verband und hat in einer Chatgruppe Informationen über Ermittlungen bezüglich des Breitscheidplatz-Attentats von 2016 mit AfD-Mitgliedern geteilt.

Rechter Terror vor Gericht

geschrieben von Erika Klantz

8. August 2020

Netzwerke hinter den Angeklagten bleiben unaufgeklärt

In der Bundesrepublik mehren sich wieder die rechten Gewaltakte. Auf Grund der wiederholt bekannt gewordenen Verquickung von Angehörigen von Polizei und Geheimdiensten in rechte Machenschaften und ihres Versagens, solche Gewalttaten zu verhindern, schafft es auch die juristische Aufarbeitung teilweise auf die Titelseiten. Rechter Terror vor Gericht weiterlesen »

Jeder Name zählt

geschrieben von Ulrich Schneider

8. August 2020

Digitales Archiv der Deportation lädt zur Mitarbeit ein

Das älteste Archiv zur Geschichte der faschistischen Deportation und des Lagersystems befindet sich seit vielen Jahrzehnten im nordhessischen Bad Arolsen. Es handelt sich um das Archiv des früheren Internationalen Suchdienstes (International Tracing Service – ITS). Diese 1948 gegründete Einrichtung wurde im Auftrag der Siegermächte von der Bundesrepublik Deutschland organisiert und diente in den ersten Jahrzehnten der Aufklärung von Verfolgungs- und Haftschicksalen. Insbesondere für die Anerkennung von Haftzeiten in Konzentrationslagern im Rahmen der Entschädigung oder den Nachweis des Todes von Angehörigen waren die dort gesammelten Unterlagen aus den befreiten Konzentrationslagern von großer Bedeutung.

Mit Beginn der gesellschaftlichen Aufarbeitung des faschistischen Terrorsystems wurde der Suchdienst immer wieder auch von Historikern angefragt, was jedoch seit Beginn der 80er Jahre zunehmend schwieriger wurde. Es bedurfte politischer Aktionen der Verfolgtenverbände aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, der VVN-BdA und der FIR, bis es gelang, ein Umdenken und eine Öffnung der Bestände für historische Forschung zu erreichen.

Nach mehreren Jahren intensiver Arbeit ist die wohl größte Sammlung zu Deportation und Verfolgung im NS-Regime nun im Internet einsehbar. Die Sammlung des früheren Opfer-Suchdienstes ITS gehört zum UNESCO-Weltdokumentenerbe. Die historischen Bestände der Arolsen Archives stehen seit April 2020 fast vollständig online. Sie umfassen Originaldokumente und Kopien über Millionen von Zwangsarbeitern sowie Transport- und Deportationslisten über Millionen Menschen, die in Konzentrationslager und Ghettos verschleppt wurden. Nun können Interessierte weltweit fortan über das Onlinearchiv auf 26 Millionen Dokumente mit Informationen zu 21 Millionen Namen von Verfolgten zugreifen. Jeder Name zählt weiterlesen »

Magische Kugeln

geschrieben von Thomas Willms

5. August 2020

Der Modus des Verschwörungsdenkens

Diskussionen mit Verschwörungstheoretikern sind entnervend, weil sie Daten, Fakten und Argumente ignorieren, leugnen und missverstehen. Sie wissen gar nicht, was Daten, Fakten und Argumente sind. Oder etwas neutraler formuliert: es prallen unvereinbare Vorstellungen über das Verständnis der Welt aufeinander.

Im Grunde ist das nicht überraschend. Es ist ja auch erst 300 Jahre her, also praktisch gestern, dass sich die Prinzipien der Aufklärung und mit ihnen die eng verbundenen klassischen Prinzipien der Wissenschaft durchzusetzen begannen. Die kann man ob ihrer eigenen blinden Stellen wiederum aus moderner Perspektive kritisieren, muss sie aber gegenüber dem voraufklärerischen Denken verteidigen. Die Aufklärung versprach – Ergebnisse gemischt – Rationalität als Grundlage für die Überwindung fortschrittshemmender Verhältnisse. Erkenntnisse entständen aus genauer Beobachtung, Messung und Darstellung. Darauf basierende Theorien seien Instrumente, um Aussagen über Zukünftiges treffen zu können. Jede Beobachtung und Theorie unterliege prinzipiell der Kritik durch neue Beobachtungen und Analyse. Grundlegend ist außerdem die Annahme der eigenen Begrenztheit, der Respekt vor der Komplexität der natürlichen Umwelt und dem Chaos der menschengemachten Realität. Dieses Dahinfließen der Erkenntnis ist grundsätzlich schwer auszuhalten, steht es doch im Gegensatz zum Bedürfnis nach festen Erklärungen und Stabilität. In Krisenzeiten steigt diese Spannung und schlägt derzeit sogar in eine große Erklärungsgegenbewegung um. Magische Kugeln weiterlesen »

Alter Wein in neuen Schläuchen

5. August 2020

Klaas Junge im antifa-Gespräch zu »Hygienedemos«

antifa: Das Jüdische Forum beobachtet seit März die sogenannten Hygienedemos. Wer erscheint auf diesen Veranstaltungen?

Klaas Junge: Dort zeigt sich ein recht weites Spektrum, darunter extreme Rechte und andere Verschwörungsideolog*innen, aber auch sogenannte besorgte Bürger*innen. Letztere fühlen sich häufig zur Teilnahme ermutigt angesichts der Beschränkungen in Verbindung mit Covid-19. Die meisten Organisator*innen und Redner*innen sind allerdings keine Unbekannten. Angefangen von Ken Jebsen und anderen Videoselbstdarsteller*innen über Anhänger*innen extrem rechter Parteien bis hin zu Reichsbürger*innen. Aus den meisten Interviews mit Teilnehmenden wird deutlich, dass fast alle die Gefährlichkeit des Corona-Virus leugnen oder es gar für eine Erfindung höherer Mächte halten. Alter Wein in neuen Schläuchen weiterlesen »

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