Die Serie »Charité« der ARD
Krankenhäuser sind als Orte von Leben, Tod, Heldenmut, Niedertracht und desaströsen Liebesgeschichten seit jeher beliebter Spielort von Film und Fernsehen. Daher ist es nicht verwunderlich, dass nun auch die Berliner Charité zum Gegenstand einer Fernsehserie geworden ist.
Ging es in der ersten Staffel von 2017 filmisch ganz achtbar um die Zeit der großen medizinischen Fortschritte um 1900, um Rudolf Virchow, Robert Koch, Paul Ehrlich und andere, setzt die zweite Staffel 1943 ein. Hier gibt es nur noch einen Heroen: den Chirurgen Ferdinand Sauerbruch. Die 1951 verstorbene Medizin-Legende wäre in der jungen Generation beinahe doch dem Vergessen anheimgefallen. Nun ist er wieder da, der Halbgott in Weiß, der Lenin und Hindenburg behandelt hat, jeden entweder duzte oder anschrie, der unumschränkte Herrscher im OP. Es ist schon beängstigend zu sehen, wie Ulrich Noethen das Genie nicht interpretiert, sondern regelrecht auferstehen lässt. Wie im realen Leben verblassen nahezu alle anderen Charaktere neben ihm. Schuld daran sind nicht die Schauspieler, auch nicht die ordentlichen Filmhandwerker, sondern ein Drehbuch, das einen tiefen und dabei erschütternden Einblick in das gibt, was heute wirklich über die NS-Zeit gewusst und gedacht wird. Dr. Sauerbruch ist auferstanden weiterlesen »




























