Er schrieb Zeitgeschichte

geschrieben von Peter Christian Walther

18. Juni 2018

Bundesverdienstkreuz für den antifaschistischen Publizisten Kurt Nelhiebel

Der Bremer Publizist Kurt Nelhiebel erhielt am 18. April aus der Hand des Bremer Regierungschefs, Bürgermeister Dr. Carsten Sieling, das ihm von Bundespräsident Steinmeier verliehene Bundesverdienstkreuz. Damit wurde zugleich ein Autor unserer Zeitschrift ausgezeichnet, der unter seinem Autorennamen Conrad Taler schon mehrfach Beiträge für die »antifa« verfasst hat.

In den mehr als sieben Jahrzehnten seiner journalistischen und publizistischen Tätigkeit hat sich Kurt Nelhiebel, nicht zuletzt verursacht durch eigenes Erleben, vornehmlich mit Ursachen, Erscheinungen und Folgen der Naziherrschaft sowie mit ihren Folgeerscheinungen im Nachkriegsdeutschland bis in die jüngste Gegenwart hinein befasst und auseinandergesetzt. Er schrieb Zeitgeschichte weiterlesen »

Kämpfe um Anerkennung

geschrieben von Rosel Vadehra-Jonas

15. Juni 2018

Eine Dissertation über Ravensbrückerinnen in Ost und West

Mit seiner Dissertation nahm sich der Historiker Henning Fischer ein außergewöhnliches Thema vor, Die Arbeit, veröffentlicht im Dezember 2017, trägt den Titel ‚Überlebende als Akteurinnen. Die Frauen der Lagergemeinschaften Ravensbrück: Biografische Erfahrung und politisches Handeln, 1945 – 1989.

Henning Fischer vermittelt profunde Einblicke in das Leben und das politische Handeln von deutschen Kommunistinnen, die die Hölle des Frauenkonzentrationslagers Ravensbrück überlebten und die sich nach der Befreiung in Lagergemeinschaften engagierten. Parallel zu dieser »Kollektivbiografie« wird die Geschichte der Vereinigungen ehemaliger Ravensbrück-Häftlinge in beiden Teilen Deutschlands dargestellt. Kämpfe um Anerkennung weiterlesen »

Kunst in Buchenwald

geschrieben von Ulrich Schneider

15. Juni 2018

Auftrag im Widerspruch zwischen SS-Anspruch und Kreativität

Wer sich den menschenfeindlichen Alltag in einem Konzentrationslager vor Augen führt, dem erscheint es unmöglich, dass unter diesen Bedingungen der kreative Freiraum existierte, der für die Schaffung von Kunst notwendig ist. Umso beeindruckender ist es, wenn man entdeckt, was Häftlinge des KZ Buchenwalds an künstlerischen Werken hervorgebracht haben. Kunst in Buchenwald weiterlesen »

Nichts war vergeblich

geschrieben von Reinhold Weismann-Kieser

15. Juni 2018

Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus

Dies ist der Titel einer Wanderausstellung des Studienkreises Deutscher Widerstand 1922- 1945. Der Titel der Ausstellung stammt von der Kämpferin der Résistance und Auschwitz-Überlebenden Gerti Schindel (1913 – 2008): »Nichts war vergeblich, was sich gegen das Regime gerichtet hat.« Die Ausstellung ist Irmgard Heydorn zum 100. Geburtstag 2016 gewidmet, die ab 1936 als Jugendliche illegal unter Einsatz ihres Lebens für den Internationalen Sozialistischen Kampfbund aktiv war. Nichts war vergeblich weiterlesen »

Unser Titelbild:

4. Mai 2018

Schweres Gerät gegen legitimen Protest beim G20-Gipfel in Hamburg 2017. Siehe dazu auch den Beitrag auf Seite 9 zur »Autoritären Formierung«.

Schweres Gerät gegen legitimen Protest beim G20-Gipfel in Hamburg 2017. Siehe dazu auch den Beitrag auf Seite 9 zur »Autoritären Formierung«.

 

 

Editorial

geschrieben von Ernst Antoni

4. Mai 2018

Es ist halt so mit einem im Zweimonats-Turnus erscheinenden Magazin für Politik und Kultur: Aktuell soll es schon sein. Tagesaktuelles aber ist meist bereits kalter Kaffee, wenn dieses Printprodukt seine Leserinnen und Leser erreicht. In unseren digitalen Medienzeiten ganz besonders. Dennoch: Einen neuen Versuch ist es jedes Mal wert. Und auch für die Redaktion ist es oft überraschend, wenn sich – über Geplantes und Vorhersehbares hinaus – immer mal wieder so etwas wie ein roter Faden zeigt, der sich durchs Blatt zieht. Klar, die Rahmenbedingungen ähneln sich von Ausgabe zu Ausgabe: alter und neuer Faschismus, Entwicklungen, Erscheinungsformen, Möglichkeiten, dagegen aktiv zu werden, historische Hintergründe, Erkenntnisse, die da gewonnen wurden, Erinnern und Gedenken, Vergangenes mit Aktuellem und Blick auf Zukünftiges verbinden… Alles nicht neu. Und dennoch taucht nicht selten aus der nach wie vor erfreulichen Fülle der einzelnen Beiträge wieder einer dieser berühmten, hier gar nicht politfarbig gemeinten Fäden auf. In diesem Heft ist es die vielfach, von ganz unterschiedlichen Positionen aus gestellte Frage nach der »Verhältnismäßigkeit der Mittel«. Auch wenn der Begriff explizit wohl gar nicht vorkommt. Es geht um den Umgang mit dem, was von Rechtsaußen hereindrängt oder schon angekommen ist in der sich gerne selbst definierenden »Mitte der Gesellschaft«. Und eben auch um den Umgang mit denen, die sich solchen Entwicklungen entgegenstellen oder auch -setzen. Die VVN-BdA gehört auch da ja immer wieder dazu. Es geht aber vor allem um den Umgang mit Grundrechten, die als Konsequenz aus Faschismus und Krieg Bedeutung erlangten. Mag sein, dass die jungen Leute auf unserem Titelbild, die sich da, friedlich und selbstbestimmt-satirisch, vor recht martialischen Obrigkeitsfahrzeugen demonstrativ niedergelassen haben, das mit den Grundrechten für gar nicht so wichtig erachten. Umso dringlicher ist es, hier miteinander Erfahrungen auszutauschen.

Das Beispiel Cottbus

geschrieben von Marek Winter

4. Mai 2018

Wie eine breite rassistische Bewegung entsteht

Die Lausitzmetropole Cottbus hält den Rekord, die Kommune in Brandenburg mit den meisten rechten Gewalttaten und Heimat der militantesten Neonaziszene des Landes zu sein. In weiten Teilen Brandenburgs gelang es ca. ab dem Jahr 2000, durch Repression und zivilgesellschaftlichen Protest die rechte Szene zurückzudrängen. Nicht in Cottbus, wo Neonazis zur führenden Kraft in der Fanszene des Fußballvereins FC Energie Cottbus werden konnten. Im Milieu von Ultras und Hooligans bestand die Gelegenheit, neue Generationen gewaltgeneigter junger Männer zu rekrutieren. Es entstand eine Subkultur an der Schnittstelle von Fußball, Kampfsport und Neofaschismus. Eigene Firmen (Wachschutz, Modelabel etc.) stärken die ökonomische Basis dieser Szene und ihre Verankerung vor Ort.

Ab 2014 wurden auch vermehrt nach Cottbus Flüchtlinge zur Unterbringung zugewiesen. Neben diesen begannen ab 2015 auch anerkannte Asylbewerber oder subsidiär Schutzberechtigte, die ihren Wohnsitz frei wählen durften, aus den Dörfern und Kleinstädten, in denen sie ursprünglich untergebracht waren, nach Cottbus zu ziehen. Aus einfachen Gründen: Als Großstadt bietet Cottbus eine gewisse Infrastruktur, es gibt Bildungseinrichtungen, auch Arbeitsplätze. Vor allem gibt es, im Gegensatz zur Landeshauptstadt Potsdam, in der Wohnungsnot herrscht, aufgrund der jahrelangen Abwanderung aus der Stadt die Möglichkeit, Wohnraum zu finden. Die Stadtspitze war anfangs durchaus für den Zuzug, rettete dieser doch der Stadt den an die Zahl von 100.000 Einwohnern gebundenen Status als Großstadt.

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Jammern und klagen

geschrieben von Regina Girod

1. Mai 2018

Die AfD stilisiert sich als Opfer

Jüngster »Täter« aus Sicht der AfD: Dass Magazin »der rechte rand«, eine Publikation von und für AntifaschistInnen. Am 26. Februar hat die AfD das seit fast 30 Jahren erscheinende Magazin aufgefordert, die von ihr registrierte Internet-Domain www.afd-im-bundestag.de aufzugeben und zu löschen, weil sie die Namensrechte der Partei verletze. Nachdem die Frist für die Abgabe einer Unterlassungserklärung am 5. März verstrichen war, reagierte die Redaktion mit dem Tweet #wirunterlassennicht und erklärte: »Berichterstattung über die AfD ist unser journalistisches Recht und als AntifaschistInnen unsere Aufgabe. Wir werden die geforderte Unterlassungserklärung nicht abgeben. Wir unterlassen gar nichts.«

Vorausschauender als die AfD hatte die Redaktion die Domain schon im Juli 2017, also Monate vor deren Einzug in den Bundestag, registrieren lassen und seitdem für ihre journalistische Berichterstattung genutzt. Mit ihrer Klage könnte sich die AfD erneut ein Eigentor geschossen haben: Wer bisher nicht auf die Idee gekommen war, die Internetseite zu besuchen, hat nun einen guten Grund dafür.

Im Dezember, nach ihrem Parteitag in Hannover, wollte sich die AfD im Bundestag schon einmal als Opfer profilieren und beantragte eine aktuelle Stunde zum Thema »Linksextreme Gewalt gegen die politische Betätigung demokratischer Parteien«. Allerdings löste Beatrix von Storch damals mit dem Schwenken des Aktionskits der Kampagne »Aufstehen gegen Rassismus« vor laufenden Kameras einen ungeahnten Bestellboom für das Kampagnenmaterial aus. Deshalb hier eine Anregung für weitere Opfermythen: Demnächst kommt eine neue Fassung der Anti-AfD-Ausstellung heraus, die die VVN-BdA für den Bundestagswahlkampf produziert hatte. Unterstützung bei der Werbung für dieses Produkt wird ebenfalls gern angenommen.

 

 

Schon wieder GroKo

geschrieben von Cornelia Kerth

1. Mai 2018

Was uns laut Koalitionsvertrag erwartet

»Ein neuer Aufbruch für Europa. Eine neue Dynamik für Deutschland. Ein neuer Zusammenhalt für unser Land.« Das steht über dem Koalitionsvertrag, dem nun 66 Prozent der SPD-Mitglieder zugestimmt haben. Doch der Aufbruch der extremen Rechten in etlichen Mitgliedsstaaten der EU bis hin zur Regierungsbeteiligung im Nachbarland Österreich sind kein Thema. Nazis im Bundestag, keine Parlamentsdebatte ohne Hetze und gezielten Tabubruch? Im Koalitionsvertrag kommen sie – zumindest als Herausforderung für die neue Bundesregierung – nicht vor.

Aber irgendwie wabert der »besorgte Bürger« doch durch den Text. »Bürgerinnen und Bürger haben ein starkes Bedürfnis nach Gemeinschaft, Sicherheit im Alltag, Bewahrung der kulturellen Identität … Wir werden die Probleme anpacken, welche die Menschen in ihrem Alltag bewegen, und setzen uns mutige Ziele. … Wir werden Migration in Zukunft besser steuern und ordnen sowie die Integration von Zugewanderten in unsere Gesellschaft umfassender fordern und unterstützen.« So heißt es in der Präambel.

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Zur Erinnerung: Die Hitler-Glocke

geschrieben von Christian Rethlaw

1. Mai 2018

Seit 1934 hängt und läutet in der pfälzischen Gemeinde Herxheim in der protestantischen Jakobskirche eine Glocke mit der gegossenen Aufschrift »Alles fuer’s Vaterland – Adolf Hitler«. Die Hitler-Glocke überdauerte die Naziherrschaft. Die Herxheimer sahen keinen Grund, sie abzuhängen. Erst als im vergangenen Jahr die Sache über die Gemeinde und das Land hinaus bekannt wurde und nahezu international Empörung auslöste, befassten sich kirchliche und politische Gremien mit dem Skandal. Doch die maßgebenden Leute und Gremien in der Gemeinde verstanden die Aufregung nicht. Sie sahen keinen Grund, ihre Hitler-Glocke abzuhängen. Und so beschloss der Gemeinderat mit 10 von 13 Stimmen, dass sie hängen bleiben soll.

Um die Treue zur Hitler-Glocke wohl ein wenig zu bemänteln, erklärte man nunmehr, die Glocke könne doch ein »Mahnmal gegen Gewalt und Unrecht« sein. Das könne man ja auf einer Informationstafel erläutern. Das Ganze ein Stück »Erinnerungskultur« eben. Dreister geht’s wohl kaum noch.

 

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