Der Wehrkraft-Zersetzer

3. Oktober 2018

Zum 75. Todestag eines österreichischen Katholiken

Am 9. August 2018 jährte sich der Todestag des oberösterreichischen Bauern und Mesners Franz Jägerstätter, der aus religiösen Gründen den Kriegsdienst verweigerte, zum 75. Mal. An diesem Tage wurde Franz Jägerstätter nach Brandenburg/Havel gebracht und hingerichtet. Jägerstätter ist eine Ikone katholischen Widerstands in Österreich, man findet sein Schicksal auch in der Dauerausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin.

Am 20. Mai 1907 erblickte Franz Jägerstätter als Franz Huber, Sohn der ledigen Bauernmagd Rosalia, in St. Radegund/OÖ, das Licht der Welt. Sein leiblicher Vater starb 1915 im Ersten Weltkrieg. Seine Mutter heiratete 1917 Heinrich Jägerstätter, der den jungen Franz adoptierte. Schon bald begann sich Franz Jägerstätter als Heranwachsender für Bücher, darunter auch religiöse Literatur zu interessieren. Der Wehrkraft-Zersetzer weiterlesen »

Wozu das?

3. Oktober 2018

Zum Beitrag von General Moissejew in der Juli-August-Ausgabe. Ich weiß natürlich um die Schwierigkeiten und Belastungen einer Redaktion, deshalb vorweg sowieso ein großes Dankeschön für eure Arbeit. Nun aber zum Anlass: Wie konnte der Artikel von Moissejew denn »durchgehen«? Bei allem Respekt für die russischen Veteranen und für Moissejews Wirken in der FIR und für das Bedürfnis, der Russophobie etwas entgegenzusetzen: Dieser durch und durch militaristische und verklärende Artikel erreicht genau das Gegenteil! Er entwertet meines Erachtens leider das ganze Heft, weil er auch nicht als Art eines Meinungsstreits fungieren kann …

Friedbert Mühldorfer, München

Vor 60 Jahren

geschrieben von Gerhard Hoffmann

30. September 2018

Die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald wird eingeweiht

Der sonore Klang der Glocke von Buchenwald ertönte am 14. September 1958 zum ersten Mal. Der zweite Septembersonntag war in der Deutschen Demokratischen Republik der Gedenktag für die Opfer des Faschismus. An jenem versammelten sich über 80.000 Menschen, darunter 4000 ausländische Gäste, um an der Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte Buchenwald teilzunehmen. Eine Urnenschale mit Asche und blutgetränkter Erde aus zweiundsechzig faschistischen Mordstätten war am Vortag in die Gruft des Glockenturms eingebracht worden. In den Feuerschalen der Pylonen an der Straße der Nationen mahnten die Flammen. Die feierliche Einweihung der Nationalen Mahn- und Gedenkstätte nahm der erste Ministerpräsident der DDR, Otto Grotewohl, vor. In seiner Ansprache sagte er: Vor 60 Jahren weiterlesen »

Der Appell von Mailand

30. September 2018

KZ-Verbände wenden sich an die europäischen Regierungen

Am 1. Juli organisierte der italienische Verband der FIR, ANED, ein Treffen der Internationalen Lagerkomitees in Mailand. Nach einer sehr fruchtbaren Debatte über die gemeinsamen Aufgaben, über die Arbeit mit und in den Gedenkstätten und mit den jungen Generationen, beschlossen sie den »Mailänder Appell«, eine Erklärung zur gemeinsamen Aufgaben und ein Appell an alle Gewählten und Verantwortlichen in den verschiedenen nationalen und europäischen Institutionen.

APPELL VON MAILAND, 1. Juli 2018

Die Präsidenten, Vizepräsidenten und Generalsekretäre der Internationalen Komitees der Nazi Konzentrationslager haben sich – auf Initiative der Associazione Nationale Ex Deportati Nei Campi nazisti (ANED) – am 1. Juli 2018 in der Casa della Memoria in Mailand getroffen. Angesichts der aktuellen Bedrohungen gegen das Gedächtnis und gegen die Zukunft Europas und seiner MitbürgerInnen, veröffentlichen wir folgenden feierlichen Aufruf: Der Appell von Mailand weiterlesen »

Die Hoffnung währte kurz…

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

30. September 2018

Gedanken anlässlich der Einweihung eines Erinnerungs-Ortes

In München wurde kürzlich eine Erinnerungs-Stele an den 1944 von den Nazis Ermordeten Ludwig Holleis eingeweiht. Er gehörte zum Umfeld der »Antinazistischen Deutschen Volksfront«, einer Gruppe, die in Kontakt mit Organisationsstrukturen widerständiger Kriegsgefangener und Zwangsarbeiter aus der Sowjetunion in Oberbayern versucht hatte, Kriegsende und Befreiung zu beschleunigen. Hier Auszüge aus der Rede des Vertreters der VVN-BdA bei dieser Feierlichkeit:

»Sommer 1945: Angehörige der von den Nazis Ermordeten bemühten sich um würdige Gräber, aus Lagern und Zuchthäusern Befreite kehrten zu ihren Familien zurück und erfuhren vom oft furchtbaren Schicksal von Freunden und Nachbarn. Aber sie waren sich in diesem Sommer doch recht sicher, dass all dieses Leid nur der Öffentlichkeit bekannt gemacht werden müsse, um die Augen zu öffnen für das, was in den zwölf Jahren des Naziregimes wirklich geschehen war. Dieser Sommer der Hoffnung währte nur kurz. Die Hoffnung währte kurz… weiterlesen »

Kämpfer sein und Melodie

geschrieben von Dirk Krüger

27. September 2018

Vor 70 Jahren starb der Dichter und Publizist Alfred Kerr

Am 10. Mai 1933 warfen die Nazi-Barbaren auch die Bücher Alfred Kerrs auf den Scheiterhaufen der deutschen Kultur. Der achte Rufer grölte den »Feuerspruch«: »Gegen Verhunzung der deutschen Sprache! Für Pflege des kostbarsten Gutes unseres Volkes! Ich übergeben den Flammen die Schriften von Alfred Kerr!«

Der so »geehrte« wurde als Sohn einer wohlhabenden Familie 1867 in Breslau geboren und hatte sich vor allem als streitbarer Theaterkritiker, aber auch als Publizist und Schriftsteller (Gedichte und Reisebücher) einen Namen gemacht. Ihn hatten die Nazis bereits weit vor 1933 auf ihren Todes-Listen vermerkt. Kämpfer sein und Melodie weiterlesen »

Geistige Wiedergeburt

geschrieben von Ulrich Schneider

27. September 2018

Antifa-Taschen-Jahrbuch für 1946 – »Kampf dem Faschismus«

Manchmal findet man in Antiquariaten kleine Raritäten, die einen interessanten Einblick in die Geschichte der antifaschistischen Bewegung eröffnen. Einen solchen Einblick vermittelt das »Antifa-Taschen-Jahrbuch für 1946«, das der Verfasser vor wenigen Wochen von einem Antiquar erhielt.

Herausgeber dieses Ende 1945 erschienen über 170 seitigen Jahreskalenders im A6-Format war Viktor Brychcy. Historische Details über sein Leben sind schwer zu finden, nur wenige Dokumente sind in Archiven überliefert. Als Geschäftsführer der Commerz-Werbung für Handel, Gewerbe und Industrie stellte er Ende 1945 einen Jahreskalender mit umfangreichen antifaschistischen Beiträgen zusammen, der sich vor allem durch Anzeigen von Unternehmen finanzierte. Geistige Wiedergeburt weiterlesen »

Nur wenige überlebten

27. September 2018

Vor 75 Jahren wagten Häftlinge in Treblinka den Aufstand

Treblinka war während des Zweiten Weltkriegs einer der großen Schreckensorte im okkupierten Europa. Erst spät hat sich die Weltöffentlichkeit an diesen Namen gewöhnt. Wer heute die Reise dorthin unternimmt, fährt meistens die Landstraßen hinauf an den verwunschenen Ort, der etwa 100 Kilometer in nordöstlicher Richtung von Warschau entfernt liegt. Mit Polens Hauptstadt ist der Ort seit dem Sommer 1942 schicksalsschwer verbunden. Auf dem Schienenweg wurden vom Juli bis September fast täglich tausende Menschen nach Treblinka deportiert, um vergast zu werden. Im Laufe des Sommers steigerte sich die Vernichtungsleistung im Lager auf 10.000 Menschen pro Tag. Am Anfang ahnte kaum jemand der Opfer, was eintreten würde, wenn die Züge mit den Güterwaggons, die den sogenannten Umschlagplatz am nördlichen Ende des Ghettos in unbekannte Richtung verließen, die Endstation der qualvollen Reise erreicht hatten. Erst später identifizierten Widerstandskämpfer und Flüchtende, was es mit der abgesperrten Bahnstation im Wald von Treblinka auf sich hat. In sein Tagebuch notierte der Hebräischlehrer und Untergrundarchivar Abraham Lewin unter dem 28. August 1942, einem Freitag: »Heute haben wir ein langes Gespräch geführt mit Dawid Nowodworski, der aus T[reblinka] zurückgekommen ist. Er hat uns genau berichtet über alles Leiden, dem er ausgesetzt war von dem Moment an, als man ihn geschnappt hatte, bis zur Flucht vom Ort des Entsetzens und der Rückkehr nach Warschau. Seine Worte bestätigen noch einmal, was wir bereits wissen, und sie sind über jeden Zweifel erhaben, dass die Menschen aus allen Transporten umgebracht werden und keiner sich retten kann. Also sowohl diejenigen, die geschnappt wurden, als auch diejenigen, die sich freiwillig stellten. Das ist die nackte Wahrheit. Schauderhaft. Und daran denken, dass in den zurückliegenden Wochen mindestens 300.000 Juden aus Warschau, Radom, Siedlce und vielen, vielen anderen Städten umgebracht wurden. ..« Nur wenige überlebten weiterlesen »

Sicherheitsrisiko VS

geschrieben von Axel Holz

24. September 2018

Warum der »Verfassungsschutz« unter demokratische Kontrolle gehört

Der Rechtsextremismusexperte Hajo Funke sieht im deutschen Verfassungsschutz ein Sicherheitsrisiko für Staat und Gesellschaft. Die Staatsaffäre um das V-Mann-Desaster habe das ganze Ausmaß der systematischen Verstrickungen des Inlandgeheimdienstes in die neonazistische Szene und das Umfeld des NSU-Trios gezeigt. Eine unendliche Geschichte von struktureller Unterstützung der rechten Szene, Behinderung der Aufklärung und Aktenvernichtung zur Vertuschung möglicher tieferer Erkenntnisse darüber, was der VS aus dem Umfeld des NSU-Trios und dessen Netzwerk wusste, befördert und billigend in Kauf genommen hat. Als der Skandal um die V-Männer im Umfeld des NSU öffentlich wurde, haben viele die Auflösung des VS gefordert. Heute hört man nicht mehr viel davon, nachdem der NSU-Untersuchungsausschuss des Bundestages über 60 Forderungen als Schlussfolgerungen der Ausschussarbeit vorgelegt hat. Die verfehlen aber den Kern des Skandals: das Versagen des Geheimdienstes durch das Führen bezahlter Spitzel, die selbst Neonazis sind, sowie die Unkontrollierbarkeit einer staatlichen Behörde, die über Jahrzehnte in der Tradition des kalten Krieges steht, frühzeitig mit Nazipersonal ausgestattet und durch dessen undemokratischen Geist geprägt wurde, das dem Verfassungsschutzverständnis der Zivilgesellschaft zuwiderlaufe, so Funke. Ziel müsse die Auflösung des Geheimdienstes in seiner bisherigen Form sein. Es wäre schön gewesen, wenn Richter Götzl im NSU-Prozess diese schlüssige Forderung gestellt hätte. Denn wie in vielen solchen Prozessen in der deutschen Geschichte stand mit der »Einzeltäterthese« nicht das Netzwerk im Fokus, das in die Vorbereitung, Planung und Durchführung der Morde verstrickt sein muss, wie zahlreiche Untersuchungsausschüsse zum NSU auf Landes- und Bundesebene deutlich gemacht haben, in denen der Autor vielfach als Sachverständiger fungiert hatte. Sicherheitsrisiko VS weiterlesen »

Gefährliche Kommunistin

geschrieben von Ludwig Elm

24. September 2018

Neuauflage der Biografie von Judith Auer

Der Name Judith Auer hatte in der DDR wie der vieler Antifaschisten und Antifaschistinnen auch im öffentlichen Raum seinen selbstverständlichen Platz im Erinnern und Gedenken. Ihn nach dem 3. Oktober 1990 von einer nach ihr benannten Straße in Berlin-Lichtenberg zu tilgen, konnte verhindert werden. Die Neuauflage des im Text wie im Anhang (S. 179-262) reich dokumentierten Bandes ist angesichts der politisch und medial vorherrschenden, unverändert einseitigen und defizitären Würdigung des Widerstandes unter der NS-Diktatur nachdrücklich zu begrüßen und ihr eine größtmögliche Aufnahme zu wünschen. Gefährliche Kommunistin weiterlesen »

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