Die AfD geht in Landes- und Kommunalparlamenten mit Anträgen und Anfragen gezielt gegen Nazigegner und Antifaschisten vor. In Berlin haben sich daraufhin mehr als 50 Träger sozialer Einrichtungen und demokratischer Projekte in einer gemeinsamen Erklärung gegen Behauptungen und Unterstellungen gewandt, mit denen die AfD versuche, »Träger, Projekte und zivilgesellschaftliche Bündnisse zu diffamieren und mundtot zu machen«. Nach Feststellung der Mobilen Beratung gegen Rechtsextremismus (MBR) ist die Diffamierung der demokratischen Zivilgesellschaft zu einem Arbeitsschwerpunkt der AfD-Fraktionen geworden. Fünf Abgeordnete der AfD, die in ihren Bundesländern an der Kontrolle der Verfassungsschutzbehörden beteiligt sind, haben in einer Erklärung das Verbot »der Antifa« gefordert. Nach ihren Darstellungen existiere eine »Antifa-Vereinigung« mit »Verbindungen« zu Gewerkschaften, Parteien, Verbänden und Regierung
Eine neue Ikone der Nazis?
5. August 2018
Der lange Weg der Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck-Wetzel
Seit der Verhaftung von Ursula Haverbeck-Wetzel wegen Leugnung des Holocausts haben Nazis eine neue Heldin. Die fast 90 jährige hat systematisch an dieser Rolle gearbeitet.
Die Geschichte dieser Frau ist nicht ohne die ihres Mannes zu verstehen. 1970 heirate sie Werner Georg Haverbeck. Bereits mit 14 Jahren wurde der 1923 Mitglied im »Jugendbund« der NSDAP, einem Vorläufer der Hitlerjugend. Drei Jahre später trat er dann der Partei bei. Allerdings wurde seine Mitgliedschaft gelöscht, nachdem beschlossen wurde, dass Minderjährige nicht beitreten dürfen. Kurz vor seinem 20. Geburtstag wurde er dann in die NSDAP aufgenommen. Seinen Werdegang bei den Faschisten im Detail zu schildern würde zu weit führen. Entscheidend war: als überzeugter Nazi ist er trotzdem immer wieder in Ungnade gefallen. Unter Baldur von Schirach war er Mitglied in der Reichsleitung der Hitlerjugend, wurde aber im Dezember 1932 aller Ämter enthoben. Er war frühes Mitglied der SA und wurde von Rudolf Heß in seinen Stab geholt. Dort sollte er die sogenannte Volkstumsarbeit organisieren. Im August 1933 gründete er den »Reichsbund Volkstum und Heimat«, der zur Deutschen Arbeitsfront (DAF) gehörte. Doch Robert Ley, der Führer der DAF, warf ihm vor, keine klare nationalsozialistische Gesinnung zu haben. Im Juli 1933 bezeichnete ihn Ley als »nicht mehr tragbar« und im Oktober setzte er ihn ab. Der Reichsbund wurde 1935 offiziell aufgelöst. Eine neue Ikone der Nazis? weiterlesen »
Eine Aufgabe für alle
2. August 2018
2. August: Internationaler Gedenktag an den Völkermord an Sinti und Roma
Wie jedes Jahr seit 1985 versammeln sich auch heuer am 2. August Sinti und Roma aus vielen europäischen Ländern in der KZ-Gedenkstätte Auschwitz, um der Opfer des NS-Völkermords an ihrer Volksgruppe zu gedenken. Und um zu feiern: dass sie da sind, dass es den Nazis nicht gelungen ist, ihre Pläne zu verwirklichen und die Sinti und Roma vollständig auszulöschen.
Der 2. August ist der Jahrestag der Liquidierung des sog. »Zigeunerfamilienlagers Auschwitz-Birkenau«. In der Nacht vom 2. auf den 3. August 1944 wurden, nach Selektion und Abtransport der noch Arbeitsfähigen in andere KZs, alle im Lager verbliebenen Häftlinge – 2897 Frauen, Kinder, Alte und Kranke – in den Gaskammern von Auschwitz ermordet. Eine Aufgabe für alle weiterlesen »
Das Kind auf der Liste
2. August 2018
Die Geschichte des Sinto Willy Blum und seiner Familie
Willy Blum war eins von zweihundert Kindern, die am 25. September 1944 vom KZ Buchenwald nach Auschwitz geschickt und dort ermordet wurden. Als Letzter auf der Transportliste stand ursprünglich »Zweig, Stefan«, der Name des dreijährigen polnisch-jüdischen Kindes, dessen Rettung Bruno Apitz als Vorlage für seinen 1958 erschienenen Roman »Nackt unter Wölfen« diente. Doch dieser Name wurde, ebenso wie elf weitere Namen, durchgestrichen und durch einen anderen ersetzt. Die neue Nummer 200 war der sechzehnjährige Sinto Willy Blum.
Willy fuhr aus eigenem Entschluss nach Auschwitz; er wollte seinen neunjährigen Bruder Rudolf nicht allein in den sicheren Tod fahren lassen. Belegt wird dies und dasselbe Heldentum des achtzehnjährigen Sintos Walter Bamberger durch ein vom Lagerarzt unterzeichnetes Schriftstück. Darin steht: »Die Häftlg. 41923/47 Bamberger W. und 74254/47 Blum Willy wollen auf Transport mit ihren Brüdern, wogegen keine Bedenken bestehen.«
Bruno Apitz wusste nichts von Willy Blum, seit den 1990er Jahren aber ist dessen Schicksal bekannt. Dennoch wurde es weder in der Neuverfilmung des Romans 2015 noch in der begleitenden TV-Dokumentation über das KZ Buchenwald erwähnt. Ebenso fehlte jeder Hinweis auf die Sinti und Roma, die zu Tausenden in Buchenwald eingesperrt waren. Dagegen protestierte der Zentralrat Deutscher Sinti und Roma. In der Folge dieses Protestes begab sich die Historikerin Annette Leo auf Spurensuche.
Aus dem Buch »Das Kind auf der Liste. Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie« erfährt man zunächst eine Menge über das Leben einer Schausteller-Familie, die Ende des 19./Anfang des 20. Jahrhunderts ein mobiles Marionettentheater betrieb und damit von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zog. Derartige Theater bildeten einen wichtigen Bestandteil der deutschen Volkskultur und waren auch für die lokale Ökonomie von Bedeutung, zogen sie doch Zuschauer aus der ganzen Umgebung an, die nicht nur die Theaterkasse füllten, sondern auch die Märkte und Wirtshäuser belebten.

Annette Leo, Das Kind auf der Liste. Die Geschichte von Willy Blum und seiner Familie.
Mit einem Vorwort von Romani Rose.
Aufbau Taschenbuch 2018
189 Seiten, 24 Abbildungen, 10,00 Euro
Aus den für den Betrieb eines Wandermarionettentheaters erforderlichen Wandergewerbescheinen von Willy Blums Vater Aloys, bzw. den darin enthaltenen Wohnsitz-Angaben, rekonstruiert Annette Leo die Wege der zwölfköpfigen Familie Blum vom Harz – dort wurde 1928 Willy geboren – bis nach Hoyerswerda, von wo aus die Blums noch bis Ende 1941 das Marionettentheater weiter betreiben konnten. Längst waren sie von den Trupps der »Rassenhygienischen Forschungsstelle« erfasst und »rassenbiologisch« kategorisiert worden. Anfang 1942 dann der Entzug des Gewerbescheins »aus rassischen Gründen« und das Verbot, Hoyerswerda zu verlassen. Die Töchter müssen Zwangsarbeit leisten. Ein Fluchtversuch mit dem Ziel Jugoslawien missglückt. Vater Aloys wird verhaftet und im Juli 1942 nach Auschwitz deportiert. Anfang März 1943 findet sich auch die übrige Familie im »Zigeunerfamilienlager Auschwitz-Birkenau« wieder.
Annette Leo wertet amtliche Dokumente – Transportlisten, Einträge im Gefangenenbuch von Auschwitz und in den Häftlingskarteien der KZs Buchenwald und Ravensbrück, Geburtsregister, Adressbücher, Strafregister, Unterlagen der ,Rassenhygienischen Forschungsstelle‹ der NS-Sicherheitspolizei, Materialien der Reichstheaterkammer sowie schließlich Akten des Entschädigungsamtes des Landes Niedersachsen – aus, ohne jedoch in deren »Sprache der Bürokratie, des Vorurteils, der Täter« zu verfallen. Die Dokumente »können ihren Teil zur Lebensgeschichte von Willy Blum nur beitragen, weil es auch noch einen anderen Teil gibt: die lebendige Erinnerung von Mitgliedern seiner Familie.« Beides zusammenzuführen wurde möglich, weil sich Willys Schwester, Elli Schopper, und deren Tochter, Ella Braun, bereit fanden, mit der Autorin zu sprechen. Elli Schopper schilderte aus eigener Erinnerung viele Details der Familiengeschichte, während ihre 1948 geborene Tochter über ihr Leben als Kind in einer traumatisierten Familie, über Diskriminierung und Ausgrenzung in der Nachkriegs-BRD und über ihr Engagement in der Bürgerrechtsbewegung der Sinti und Roma berichtete.
Romani Rose, Vorsitzender des Zentralrats Deutscher Sinti und Roma, in seinem Vorwort zu dem Buch: »(Annette Leos) einfühlsamer Text zeugt nicht nur von der Fachkompetenz einer renommierten Historikerin, sondern auch von großer Sensibilität gegenüber den Opfern und ihren Nachkommen.«
In Thüringen als Publikation der Landeszentrale für politische Bildung für 5,00 Euro erhältlich. Auch als E-Book erhältlich. www.aufbau-verlag.de
Von jetzt an jedes Jahr
2. August 2018
Gedenken an die deportierten und ermordeten Sinti und Roma
Das »Zigeunerfamilienlager Auschwitz-Birkenau« bestand von Februar 1943 bis zu seiner »Liquidierung« am 2./3. August 1944. Es hieß so, weil hier, anders als in anderen Lagern, die Häftlinge nicht nach Geschlecht getrennt, sondern familienweise eingesperrt wurden. Den Befehl zur Errichtung dieses Lagers gab Heinrich Himmler, Reichsführer SS, am 16. Dezember 1942, zusammen mit der Anordnung, alle noch im Deutschen Reich lebenden Sinti und Roma dorthin zu deportieren. Diese Anordnung wurde im März 1943 in die Tat umgesetzt. Von jetzt an jedes Jahr weiterlesen »
Richtigstellung
30. Juli 2018
Zur Rezension »Kämpfe um Anerkennung«
Sehr erfreut habe ich gesehen, dass in der Mai/Juni-Ausgabe der antifa auf Seite 29 von Rosel Vadehra-Jonas meine Dissertation zur Geschichte der Lagergemeinschaften Ravensbrück besprochen wurde. Doch ich habe eine wichtige Anmerkung dazu. Es handelt sich um einen Flüchtigkeitsfehler – ich weiß nicht, ob im Originaltext oder beim Eingang in die Zeitung entstanden -, der allerdings zu großen politischen Missverständnissen führen könnte. Dies würde ich gerne vermeiden.
Im letzten Absatz der linken Spalte heißt es, im Buch würde der Begriff »ostnationalsozialistisch« verwendet: Da fehlt ein ›p‹, denn es geht im Buch um die »postnationalsozialistische« Situation, die Zeit nach 1945, bzw. die Kontinuitäten der nationalsozialistischen Herrschaft in der jungen BRD. Keinesfalls – und dieser Eindruck könnte entstehen – denke ich, dass es eine Art »Ostnationalsozialismus« in der DDR gegeben hätte; totalitarismustheoretische Gleichsetzungen liegen mir fern.
Erzsébet Fazekas
30. Juli 2018
Die geheimnisvolle »Genn. Gelbert«
Sie stand nie im Licht der Öffentlichkeit und sie wurde auch nicht so berühmt wie andere Frauen, wie Ärztinnen, Journalistinnen oder Fotografinnen, die sich im Spanischen Krieg für die Verteidigung der Republik und gegen den Faschismus engagierten. Das hing wohl primär mit ihrer Funktion zusammen, einer Tätigkeit im Geheimen, nämlich der Kontrolle und Abwehr von Feinden der Republik. Die Spanier sind mit Recht stolz darauf, dass sie mit Federica Montseny von November 1936 bis März 1937 die erste Ministerin in einem westeuropäischen Land hatten. Dass aber zur gleichen Zeit in Spanien eine Frau, und noch dazu eine Ausländerin, einem Geheimdienst vorstand, das ist, obwohl es auch ein singulärer Fall ist, selbst in der Geschichtsschreibung nicht bekannt. Erzsébet Fazekas weiterlesen »
»Leuchtende Vorbilder«?
30. Juli 2018
Zum Beitrag von Jakob Knab in der Mai/Juni-Ausgabe
Im Rahmen meiner Recherchen zum Thema »Nazis als Vorbilder?« habe ich den Beitrag mit großer Aufmerksamkeit gelesen. Der Autor bringt darin Vorschläge zur Umbenennung von Kasernen. Seine Anregungen kann ich voll unterstützen. Frau v. d. Leyen hat zwar eine ähnliche Initiative in diese Richtung gestartet, doch scheint sie mir nur halbherzig und nicht ganz ohne Fragen zu bleiben. In Hannover gibt es z.B. jetzt ein in »Hauptfeldwebel-Langenstein-Kaserne« umbenanntes Objekt. Dieser Dienstgrad hat aber eine Tradition u.a. in der Waffen-SS. Besonders sensibel ist das nicht gerade. »Tobias-Langenstein-Kaserne« wäre sicher besser gewesen. Ich hoffe, Sie setzen Ihre Bemühungen zur Kritik an solchen staatlichen Hofierungen von Nazigrößen fort.
Provinzträume
30. Juli 2018
Verharmlosung als Form von Geschichtsrevisionismus
Nachdem wir nun gelernt haben, dass das 1000jährige Reich nur ein »Vogelschiss in der 1000jährigen deutschen Geschichte« war, sollten wir unser Augenmerk vielleicht auch auf andere Versuche der Verharmlosung richten. Zur 100-Jahr-Feier der Schlacht vor Verdun konnten wir schon einige Absetzbewegungen von der deutschen Schuld sehen, Versuche, die Schuld gleichmäßig auf alle Seiten zu verteilen, im Sinne der »Schlafwandler«-Theorie.
In Emden ist man da schon einen Schritt weiter und feiert zum 100jährigen Gedächtnis des Ersten Weltkriegs ein kaiserliches Kriegsschiff. Rat und Verwaltung sind bei jedem Marineevent dabei und fordern lautstark, endlich ihr Kriegsschiff »Emden« wieder zu bekommen.
Bei allen Auseinandersetzungen um die deutsche Vergangenheit wird leider meist die prägende Rolle der Provinz vergessen.
Missbrauchtes Gedenken
27. Juli 2018
Skandalöses Treffen von Rechtsextremen in Kärnten
Mehrere tausend Teilnehmer treffen sich jedes Jahr in Kärnten zu einer Gedenkveranstaltung am Loibacher Feld/Libuško polje in Bleiburg/Pliberk In diesem Jahr fand die Veranstaltung am 12. Mai statt. Offiziell handelt es sich hierbei um ein katholisches Totengedenken, dass sich aber inzwischen zum größten Faschistentreffen in Europa entwickelt hat. Gedacht wird von vielen Teilnehmern der faschistischen kroatischen Ustaša, der Domobrani, der Wehrmacht und der Waffen-SS. Missbrauchtes Gedenken weiterlesen »





























