Nach Auskunft des Bundeskriminalamtes wurden im Jahr 2016 bisher 921 Angriffe auf Flüchtlingsunterkünfte gezählt. Dazu zählen 371 Sachbeschädigungen und 211 sogenannte Propagandadelikte. In mehr als 150 Fällen seien Gewalttaten gegen Flüchtlinge und Flüchtlingsunterkünfte verübt worden, darunter 66 Brandstiftungen und vier Sprengstoffexplosionen. Diese Zahl wird sich erfahrungsgemäß durch Nachmeldungen noch erhöhen. Experten gehen überdies von einer hohen Dunkelziffer aus. Diese erhellte sich bereits durch Recherchen der »taz«. Sie stellte bei der Auswertung lokaler und regionaler Polizei- und Presseberichte eine wesentlich höhere Zahl von 142 Brandanschlägen fest, bei den 125 Menschen verletzt wurden, meist durch Rauchgasvergiftungen.
Deutliches Urteil
4. April 2017
Wegen des Brandanschlags auf eine geplante Flüchtlingsunterkunft in Nauen verurteilte das Landgericht Potsdam den NPD-Politiker Maik Schneider zu acht Jahren Haft. Zusätzlich erhielt er ein Jahr und sechs Monate Haft wegen anderer Straftaten. Ein weiterer Neonazi wurde als Mittäter zu sieben Jahren Gefängnis verurteilt. Vier weitere Angeklagte erhielten wegen Beihilfe Freiheitsstrafen zwischen acht Monaten und zwei Jahren auf Bewährung.
»Besorgnis erregend«
4. April 2017
Das »Krebsgeschwür Rechtsextremismus« sei »viel gefährlicher« als bislang erkannt worden sei, erklärte der Präsident des Thüringer Verfassungsschutzes, Stephan Kramer, in einem Interview mit der »Frankfurter Rundschau« (9.2.17). Es würden »schon wieder Entwicklungen übersehen, die in eine ähnliche Richtung wie der NSU gehen«. Er denke dabei »beispielsweise an die Reichsbürger, die Identitären und die Neue Rechte insgesamt«; die Lage sei »extrem Besorgnis erregend«.
Hartnäckig
1. April 2017
Fast sechs Jahre nach seiner Teilnahme an den Protesten gegen die Neonazi-Aufmärsche in Dresden ist der Berliner Antifaschist Tim H. vom Landgericht Dresden in einem dritten Prozess vom Vorwurf des Landfriedensbruchs endlich freigesprochen worden. Zuvor hatten Polizei, Staatsanwaltschaft und Gerichte hartnäckig immer wieder versucht, eine Verurteilung herbeizuführen.
Proteste erfolgreich
1. April 2017
Der junge Wissenschaftler Kerem Schamberger, dessen Anstellung an der Münchener Universität wegen seines politischen Engagements als Kommunist und als Antifaschist (u.a. auch bei VVN-Aktivitäten) verhindert werden sollte, ist nach zahlreichen Protesten nun doch eingestellt worden. Neben einer Reihe von Organisationen und Persönlichkeiten hatte sich auch die frühere Bundesjustizministerin Herta Däubler-Gmelin (SPD) als seine Anwältin für Schamberger eingesetzt.
Allons enfants de la Patrie
1. April 2017
Günter Pappenheim zum Kommandeur der Ehrenlegion ernannt
Im festlich ausgestatteten Erfurter Konferenzsaal stand auf einem Beistelltisch eine Ziehharmonika, ein älteres Modell der Marke »Senator«. Die Gebrauchsspuren an dem Instrument deuteten auf rege Benutzung – gegenüber saß ein Akkordeonist mit einem anspruchsvollen Akkordeon.
Die Aufmerksamkeit der Gäste aber galt Günter Pappenheim, dem ehemaligen Häftling des Konzentrationslagers Buchenwald mit der Nummer 22514 sowie dem Botschafter der Französischen Republik in Deutschland, Philippe Etienne. Zu der Zusammenkunft, an der auch Überlebende des KZ Buchenwald sowie der Präsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Dominique Durand und weitere Persönlichkeiten teilnahmen, hatte der Präsident des Thüringer Landtages, Christian Carius, eingeladen. Nach seiner Begrüßungsrede erklang, gespielt auf dem Akkordeon, die »Marseillaise«, die französische Hymne. Günter Pappenheim hatte sie als Achtzehnjähriger am französischen Nationalfeiertag 1943 für französische kriegsgefangene Zwangsarbeiter auf seiner schlichten Ziehharmonika gespielt, eben der auf dem Beistelltisch ausgestellten. Von Kollegen denunziert, verhaftete ihn die Gestapo, misshandelte ihn im Gefängnis Suhl, in dem zehn Jahre zuvor sein Vater als Antifaschist grausam gefoltert worden war und wies ihn schließlich mit Schutzhaftbefehl in das KZ Buchenwald ein.
Jetzt ist Günter Pappenheim durch Erlass des Präsidenten der Französischen Republik zum Kommandeur der Ehrenlegion, der ranghöchsten staatlichen Auszeichnung Frankreichs, ernannt worden. Der Botschafter überreichte am denkwürdigen 27. Januar die Insignien, den Orden am Halsband, die Ernennungsurkunde.
In einer emotionalen Rede zeichnete er den Weg des Geehrten zum Antifaschisten und Internationalisten nach.
Im sozialdemokratischen Elternhaus, der Vater war Landtagsabgeordneter und geachteter Kommunalpolitiker, herrschte ein antimilitaristischer und antifaschistischer Geist. Den Vater verhafteten die Nazis 1933, folterten ihn grausam und ermordeten ihn im Januar 1934 bestialisch im KZ Neusustrum. Mittellos sah sich die Mutter mit vier Kindern den Drangsalierungen der Nazis ausgesetzt. Dennoch nahm sie Einfluss darauf, dass sich die Kinder dem Nazieinfluss widersetzten. Rassistischen Anfeindungen ausgeliefert, gehörte die Familie nicht zur so genannten Volksgemeinschaft. Als Schlosser in einer Werkzeugfabrik in Schmalkalden fand Günter Kontakt zu kriegsgefangenen französischen Zwangsarbeitern, die er aus Kameradschaft mit Informationen zur politischen Lage und zum Kriegsverlauf versorgen konnte. Ihnen war die »Marseillaise« zugedacht. Dafür kam er nach Buchenwald ins Kleine Lager. Mitstreiter seines Vaters erkannten ihn. Der Vater sei ermordet worden, er müsse überleben, war das Motiv für die Solidarität, die er in der Folgezeit erfuhr und die nur möglich wurde durch den organisierten politischen Widerstand im Lager.
Günter sprach am 19. April 1945 mit seinen 21.000 Kameraden, die den Lagerterror überlebt hatten, den Schwur von Buchenwald »… Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung. Eine neue Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel …«
Dieser Schwur, führte Günter in seiner Dankrede aus, sei für sein weiteres Leben stets Kompass gewesen und habe sein antifaschistisches, auf Völkerverständigung und Frieden gerichtetes politisches Wirken bestimmt. Als Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, als Erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, bei seinen Begegnungen mit jungen Menschen habe er ohne jeden Zweifel im Sinne des Schwurs gehandelt.
In einem Exkurs wies er die infame Beleidigung der 56 000 Toten und der Überlebenden des KZ Buchenwald und aller Opfer des deutschen faschistischen Terrors durch den hessischen Verfassungsschutz zurück, der in einem Konstrukt die Aussage des Schwurs von Buchenwald als die Prinzipien der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in Frage stellend bezeichnet hatte.
Abschließend sagte Günter Pappenheim: »Da ich nun diese hohe französische Ehrung erfuhr, möchte ich versichern: Ich bin durch Erleben Internationalist geworden und Internationalismus lässt sich von Antifaschismus nicht trennen, das beweist die Geschichte eindringlich. Dessen eingedenk ist es wichtig, in breiten Bündnissen gegen Terror, Rechtsextremismus, Fremdenfeindlichkeit, Rassismus das Trennende zu überwinden, gesunde Kompromissbereitschaft zu entwickeln, denn Kompromisse besiegen Feindschaft. Antifaschismus ist nichts Antiquiertes, Überlebtes, er muss ohne Einschränkung und Zeitgeist- Erwägungen an jüngere Generationen vermittelt werden – so, wie er gelebt, erlebt wurde. In dieser Überzeugung lebe ich und in dieser Überzeugung möchte ich Sie alle grüßen mit Versen von Johannes R. Becher:
>Friede, Friede sei auf Erden!
Menschen, lasst uns Menschen werden!<«
Der Minister der Thüringer Landesregierung und Chef der Staatskanzlei, Benjamin Immanuel Hoff, würdigte mit einer sehr persönlichen Ansprache den Antifaschisten Günter Pappenheim. Die Mitglieder der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora danken besonders jenen französischen Kameradinnen und Kameraden, die sich engagiert für diese hohe Auszeichnung eingesetzt hatten. In Deutschland war der Antrag zur Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an Günter Pappenheim »vertraulich« ohne Begründung zurückgewiesen worden, weil, wie es hieß, die geforderten Voraussetzungen nicht erfüllt seien.
Gegen den Zeitgeist
29. März 2017
Vor 50 Jahren wurde der Studienkreis Deutscher Widerstand gegründet
Im Februar 1967 gründeten ehemalige Widerstandskämpfer, Historiker und Politikwissenschaftler, Lehrer und andere an antifaschistischer Aufklärungsarbeit Interessierte in Frankfurt/ Main den »Studienkreis Deutscher Widerstand 1933 – 1945«. Ziel war es, einen eigenen Beitrag zu einem wahrheitsgemäßen Geschichtsbild über Faschismus und antifaschistischen Widerstand zu vermitteln.
Einige Jahre zuvor hatte die FIR eine internationale Geschichtskonferenz organisiert, auf der über die Frage diskutiert wurde, wie die Erfahrungen des Widerstands an die Nachgeborenen weitergegeben werden könnten. Die VVN hatte damals eine erschreckende Bestandsaufnahme beigesteuert, wie das Thema NS-Zeit in bundesdeutschen Schulbüchern behandelt wird. Ausgehend von diesen Vorarbeiten luden Max Oppenheimer, Prof. Wolfgang Abendroth und Edgar Weick zu einer Schulbuchkonferenz ein. Etwa 80 Historiker, Pädagogen, Widerstandskämpfer und selbst Vertreter von Schulbuchverlagen nahmen an dieser Konferenz teil.
Als ein praktisches Ergebnis entstand der »Studienkreis Deutscher Widerstand«, Prof. Hans-Joachim Heydorn wurde der erste Vorsitzende, Edgar Weick der Sekretär. Max Oppenheimer erklärte dazu: »Unser Anliegen war es damals, den Widerstand der Arbeiterbewegung, der quantitativ der stärkste und der erste gewesen war, und der in der Bundesrepublik in der Periode des Kalten Krieges unterdrückt wurde, zu erforschen und ihn im Kontext des Gesamtwiderstandes darzustellen und zu vermitteln.«
Obwohl damals noch viele Frauen und Männer Zeugnis aus eigenem Erleben ablegen konnten, war es notwendig, gegen die gesellschaftliche Verdrängung anzugehen.
In den folgenden Jahren wurde der Studienkreis um einen wichtigen Bereich, nämlich das Dokumentationsarchiv, erweitert. Nun hatten die Überlebenden auch einen Ort, dem sie ihre Nachlässe und die Dokumente aus dem antifaschistischen Kampf anvertrauen konnten – wissend, dass sie dort bewahrt und für Geschichtsarbeit genutzt werden würden. Der Studienkreis verfügt heute über Nachlässe und Sammlungen zu den Internationalen Brigaden, zum Widerstand im KZ Buchenwald, zu Frauen im Widerstand und anderen Spezialthemen, die selbst in großen Archiven nicht zu finden sind. Bei der Arbeit mit diesen Unterlagen war der Studienkreis in den vergangenen Jahrzehnten überaus erfolgreich, obwohl sich die finanzielle Ausstattung der Einrichtung nie mit staatlichen Archiven vergleichen ließ.
Neben der Sicherung von Archivbeständen und der Pflege der ständig wachsenden Bibliothek, die über einen Fundus von zeitgenössischen Werken und »grauer Literatur« verfügt, entwickelte der Studienkreis auch eigene Projekte, wie mehrere erfolgreiche Ausstellungen, u.a. eine mit Kinderzeichnungen aus Theresienstadt.
Ein arbeitsintensives Projekt, das nur mit Hilfe zahlreicher freiwilliger Helfer in den verschiedenen Bundesländern realisiert werden konnte, waren die »Heimatgeschichtlichen Wegweiser zu den Stätten der Verfolgung und des Widerstandes«. Leider konnten aufgrund fehlender Mittel und Kräfte diese Wegweiser nicht für alle Bundesländer fertig gestellt werden. Die vorhandenen sind aber als regionale Nachschlagewerke bis heute unübertroffen.
Neben weiteren eindrucksvollen Ausstellungen über den Jugendwiderstand und Frauen im Widerstand, ein Thema, das viele Jahrzehnte Hanna Elling engagiert bearbeitet hatte, wurde als letztes großes Projekt ein Internetportal über »Europäische Gedenkorte« entwickelt, eine elektronische Landkarte von Italien und Südfrankreich, auf der Bilder, historische Informationen und weitere Details des antifaschistischen Kampfes und der Erinnerung verzeichnet sind.
Die Arbeit des Studienkreises wird bis heute von einem kleinen hauptamtlichen Team und vielen Ehrenamtlichen getragen. Ob Konferenzen, Ausstellungen oder die halbjährlich erscheinenden »Informationen« – alle diese Arbeiten werden hoch geschätzt. Im November 2016 erhielt der Studienkreis für seine jahrzehntelange engagierte antifaschistische Aufklärungsarbeit die höchste Ehrung der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), den Michel-Vanderborght-Preis«. Eine durchaus angemessene Würdigung 50jähriger verdienstvoller Arbeit.
Leitantrag des Bundesausschusses zum Bundeskongress 2017
29. März 2017
1947, zwei Jahre nach der Befreiung von Faschismus und Krieg, gründeten die Überlebenden der Verfolgung und des Widerstands die VVN, die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes als gesamtdeutsche Organisation.
Aus dem von ihnen Erlebten zogen sie die Konsequenz, die die befreiten Häftlinge im Schwur von Buchenwald formuliert hatten:
»Wir stellen den Kampf erst ein, wenn auch der letzte Schuldige vor den Richtern der Völker steht!
Die Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln ist unsere Losung.
Der Aufbau einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit ist unser Ziel.«
Über Parteien und Weltanschauungen hinweg organisierten sie sich in der VVN, seit 1971 als VVN-BdA, um mitzuwirken an der vollständigen Befreiung von Faschismus und Militarismus, an der Beseitigung ihrer Ursachen. Sie wollten mitwirken beim Aufbau einer neuen, solidarischen, gerechten, demokratischen Gesellschaft ohne Krieg.
Bis heute ist eine Politik gefordert, die die Konsequenzen aus der historischen Erfahrung des Faschismus zieht und eine Wiederholung solcher Verbrechen unmöglich macht. Auch in Zukunft wird eine starke VVN-BdA notwendig sein!
Gegen Faschismus und Rassismus
Mit der AfD ist zusätzlich zum bereits bestehen braunen Netzwerk offen neofaschistischer Parteien und Organisation eine antisoziale, antidemokratische, antifeministische und rassistische Partei in der Mitte der Gesellschaft herangewachsen, der es nicht nur gelungen ist in die Landesparlamente einzuziehen, sondern Gesellschaft und Politik der BRD nach rechts zu drängen.
- Dieser Partei, ihren Parolen und ihrer Politik stellen wir uns entschieden entgegen.
- So wie wir in örtlichen und regionalen Bündnissen gegen Faschismus und Rassismus mitarbeiten beteiligen wir uns auch an der Kampagne Aufstehen gegen Rassismus.
- Trotz des Urteils des Verfassungsgerichts bleiben wir bei unserer Forderung, die NPD, die in Wesensverwandtschaft mit der faschistischen Bewegung steht, zu verbieten. Denn Faschismus ist keine Meinung, sondern ein Verbrechen!
Deutsche Großmachtträume platzen lassen.
Die Bundeswehr führt Krieg in Afghanistan, in Syrien, in Mali, am Horn von Afrika und im Mittelmeer. Deutsche Politiker werden nicht müde, immer »mehr deutsche Verantwortung« anzumahnen, womit immer neue Kriegseinsätze gemeint sind. Gleichzeitig bereitet sich die Bundeswehr auf künftige Einsätze im Inneren vor.
Für die kommenden Jahre ist ein milliardenschweres Aufrüstungsprogramm und damit nahezu die Verdoppelung des Rüstungshaushaltes fest eingeplant.
Auch die EU soll weiter militarisiert werden: neben den bereits aufgestellten »battlegroups« sind die Einrichtung eines europäischen Generalstabes und ein Europäischer Aufrüstungshaushalt vorgesehen.
Im Rahmen der NATO führt die Bundeswehr die sog. Speerspitze einer Schnellen Eingreiftruppe an und stationiert Panzereinheiten im Baltikum und in Polen.
Die Konfrontation mit der Atommacht Russland – nicht nur in der Ukraine – wird offen zugespitzt.
- Wir wollen diese gefährliche Politik der Kriegsvorbereitung stoppen.
- Wir wollen dazu beitragen, die Friedensbewegung zu stärken um die weitere Militarisierung der deutschen, der europäischen und der internationalen Politik aufzuhalten.
Demokratische und soziale Rechte verteidigen und ausbauen.
Gleiche Rechte für alle.
Vielen Menschen werden weiterhin gleiche demokratische Rechte vorenthalten.
Am stärksten betroffen sind Geflüchtete, Asylsuchende und Zugewanderte.
- Wir fordern die volle Wiederherstellung des Grundrechts auf Asyl, Wir setzen uns für den Stopp der Abschiebungen, die Öffnung legaler Reisewege für Flüchtlinge, Zugang zum Arbeitsmarkt ein.
Schluss mit dem Überwachungsstaat
Die Datensammelwut von Behörden, unkontrollierbaren Organisationen wie Internetanbietern oder der Schufa und anderer stellt eine gravierende Bedrohung von Demokratie und Freiheitsrechten dar.
- Wir fordern Schluss mit Vorratsdatenspeicherung und Überwachung.
Auflösung der Geheimdienste
Beim Versuch der Aufklärung der Verbrechen der rechtsterroristischen NSU wird immer deutlicher, dass die Geheimdienste, insbesondere der Verfassungsschutz, auf vielfältige Weise in dessen Strukturen und Taten verstrickt sind. Zugleich wird Antifaschismus als verfassungsfeindlich denunziert.
- Geheimdienste sind mit einer Demokratie, die vom Austausch und Streit der Meinungen und der Transparenz der Entscheidungen lebt unvereinbar. Sie müssen aufgelöst werden.
Erinnerung Wachhalten
Der beste Schutz gegen faschistische Parolen und Entwicklungen bleibt die gesellschaftliche Erinnerung an die Verbrechen der Nazis und die Wurzeln faschistischer Herrschaft.
Aus dieser Erkenntnis heraus wenden wir uns entschieden gegen alle Versuche, diese Verbrechen und dadurch den verbrecherischen Charakter faschistischer Ideologie zu verharmlosen oder zu relativieren.
- Wir weisen die sogenannte Totalitarismus-These entschieden zurück, da sie auf unhistorischen Analogien beruht
- Wir kritisieren alle Geschichtsinterpretationen, die eine Gleichsetzung von Faschismus und Kommunismus/ Sozialismus als Voraussetzung, Inhalt und Ziel haben.
- Wir lehnen daher den europäischen Gedenktag für die Opfer des »Totalitarismus« ab, mit dem Kommunismus und Nationalsozialismus gleichgesetzt werden sollen.
- Wir lehnen solche Gedenkstättenkonzeptionen ab, bei denen von »zwei deutschen Diktaturen im 20. Jahrhundert« ausgegangen wird.
- Wir werden uns auch in Zukunft mit den Verbrechen der Wirtschaft als Förderer und Nutznießer des deutschen Faschismus befassen.
- Wir fordern, dass der Tag der Befreiung, der 8. Mai, zum gesetzlichen Feiertag erklärt wird.
Da wir nun mit unserer Gründergeneration die authentischen Zeugen aus Widerstand und Verfolgung verloren haben, suchen wir nach neuen Wegen der Vermittlung der Geschichte und der Ursachen des Faschismus und der Leistungen des Widerstandes.
- Wir bemühen uns dabei um die enge Zusammenarbeit mit allen Institutionen und Initiativen die sich die Pflege von Gedenkstätten, das Andenken an Opfer und die historische Aufarbeitung des Faschismus zum Ziel gesetzt haben. In lokalgeschichtlichen Initiativen und Netzwerken ergeben sich für uns dabei ein großes Betätigungsfeld und die Aussicht auf die Gewinnung neuer Menschen.
Antifaschismus ist international
In immer mehr Ländern Europas und in der Welt, zuletzt durch den Wahlsieg von Donald Trump in den USA, übernehmen extrem rechte Kräfte die Regierungsmacht.
- Dem stellen wir uns im Bündnis mit internationalen Partnerverbänden und insbesondere im Rahmen der FIR gemeinsam entgegen.
- Gemeinsam setzten wir uns für die Rechte der Flüchtlinge über Grenzen hinweg ein.
Antifaschistische Gegenstrategien
29. März 2017
Anfang April tagt der 6. Bundeskongress der VVN-BdA in Frankfurt/Main
Deutsche Großmachtträume platzen lassen. Rechts-entwicklung stoppen. Menschenrechte verteidigen. Unter diesem Motto steht der Bundeskongress der VVN-BdA, der am 1. und 2. April 2017 im Frankfurter Haus Gallus stattfinden wird.
Seit unserem letzten Bundeskongress 2014 hat sich die politische Situation, in der wir uns positionieren müssen, erheblich verändert. Damals haben wir beim Kongress erstmals die neueste Version unserer Ausstellung »Neofaschismus in Deutschland« vorgestellt, in der die AfD nur als Randnotiz vorkam. Es gab noch keine Pegida-Aufmärsche und brennende Unterkünfte von Geflüchteten schienen der Vergangenheit anzugehören.
Das alles hat sich inzwischen geändert. Anders als häufig dargestellt allerdings nicht erst nachdem die Bundeskanzlerin die Öffnung der Grenzen für Hunderttausende verzweifelte Menschen anwies, die auf der Flucht vor Kriegen, Verfolgung und Elend versuchten über die »Balkanroute« den reichen (Nord-)Westen Europas zu erreichen und dort auf Ablehnung, Verweigerung von Schutz und Hilfe und teilweise offene Pogromstimmung gestoßen waren. Schon ein knappes Jahr vorher hatten Ende 2014 die ersten Pegida-Märsche in Dresden stattgefunden und die Zahl derer, die dort und anderswo gegen »Merkel« und die »Lügenpresse« demonstrierten und beide offensichtlich mit der halluzinierten »Islamisierung des Abendlandes« in Verbindung brachten, war auf 20- bis 30.000 an jedem Montag gestiegen.
Auch der Sieg des völkisch-nationalen Teils der AfD über die »Euro-Kritiker« hatte schon im Sommer 2015 den Weg für Gauland, Höcke und Co. geebnet. Insofern stellt die weit verbreitete Interpretation der rasanten Entwickung einer extrem rechten Partei als parlamentarischer Arm einer ebensolchen Bewegung als Folge einer »Flüchtlingskrise« eher eine Verharmlosung des Phänomens dar als eine Erklärung, auf deren Grundlage wirksame Gegenstrategien entwickelt werden können.
Unbestreitbar bilden die Erosion des Sozialstaats zugunsten verallgemeinerter Konkurrenz in der »Ellbogen-Gesellschaft« in allen westlich-kapitalistischen Staaten eine wesentliche Voraussetzung für die Abkehr vieler Menschen von einem parlamentarischen System, das sein Versprechen – einen gewissen Ausgleich der widerstreitenden sozialen Interessen zu organisieren – nicht mehr einlöst. Kurz: die seit der Sinus-Studie in den 1980er Jahren bekannte »latente« Zustimmung zu extrem rechten Positionen liegt nun offen zutage und die darauf basierende Bewegung und ihre Partei sind zu einer wesentlichen Bedrohung für alles geworden, was wir als die antifaschistischen Grundlagen dieses Staates ansehen und für alle, die in deren völkischer Weltsicht keinen Platz haben.
Dieser Entwicklung haben wir zwei unserer drei Diskussionsschwerpunkte gewidmet: »Die Mitte radikalisiert sich« und »Die äußerste Rechte formiert sich neu.«
Die erste Losung für unseren Kongress heißt indes »Deutsche Großmachtträume zum Platzen bringen« und weist darauf hin, dass die Rechtsentwicklung in unserer Gesellschaft durchaus auch von den aktuell Regierenden vorangetrieben wird. Schon 2014 haben wir die eindeutige und massive Parteinahme der Bundesregierung für die auch von Faschisten befeuerte und gesteuerte Maidan-Revolte in Kiew kritisiert und in die Bestrebungen zur Ausweitung der deutschen Vormachtstellung in Europa eingeordnet. Inzwischen ist die Bundeskanzlerin zur »Patin« des türkischen Diktators Erdogan geworden, der mit den Milliarden, die er aus Europa für Türsteher-Dienste gegen Flüchtende kassiert, seine Anhängerschaft alimentiert und Gegner mit Willkür und Terror verfolgt. Diesem Modell folgend verhandelt Deutschland mit weiteren Diktatoren, wie sie aufgerüstet werden können, um diejenigen, die vor ihnen fliehen wollen, daran zu hindern sich auf den Weg in Richtung Europa zu machen.
Unterdessen hat die Gauck‘sche Ansage von der größeren militärischen »Verantwortung« Deutschlands, die seiner gewachsenen politischen Bedeutung folgen müsse, materielle Gestalt angenommen. Bis 2030 soll sich der Rüstungsanteil im Bundeshaushalt verdoppeln, die Bundeswehr soll personell deutlich verstärkt und mit neuen Waffensystemen ausgerüstet werden, um an immer mehr Kriegsschauplätzen »deutsche Interessen« zu vertreten.
»Deutschland rüstet auf« heißt dementsprechend unser erstes Thema am Samstagnachmittag. Alle drei Themen des Samstagnachmittags sollen an ca. zehn Tischen unter den Aspekten »Fragen – Widersprüche – Schlussfolgerungen« diskutiert werden; die Schlussfolgerungen sollen als Anforderungen an unsere Arbeit in den nächsten drei Jahren formuliert und dokumentiert werden, so dass die Antragskommission sie über Nacht in unseren Leitantrag einarbeiten kann.
Wir freuen uns, dass wir ausgewiesene Experten gewinnen konnten, die uns zunächst mit jeweils einem Input in die Themen einführen und anschließend in den Diskussionen zur Verfügung stehen.
Alle Mitglieder sind herzlich eingeladen, sich an den Diskussionen zu beteiligen.
Ein bitteres Ende
26. März 2017
Zum Beitrag »Die internationalen Kämpfer« von Dirk Krüger
Gefallene, verwundete oder vermisste Interbrigadisten sind Opfer des Faschismus. Mitglieder und Freunde der Spanischen Republik 1936-1939 e.V. (KFSR) haben es sich zur Aufgabe gemacht, ihrer würdig zu gedenken, indem sie ihre Namen und ihr Vermächtnis in der Öffentlichkeit wachhalten und ihre Ehre verteidigen. Dirk Krüger stellt im Zusammenhang mit der Verlegung der XIII. Internationalen Brigade (IB), zu der das Tschapaiew-Bataillon gehörte, an die Zentralfront fest: »Dort erlebte sie nach einiger Zeit in der Reservestellung am 4. August 1937 ihre Auflösung.« Abgesehen davon, dass der Autor eine völlig den Tatsachen widersprechende Interpretation der Geschichte des Tschapaiew-Buches bringt, ist der Begriff »Reservestellung« eine groteske Bezeichnung für eine Situation, in der diese Brigade unvorbereitet und ohne Reserven in einen mörderischen Kampf geschickt wurde. Nachstehende Zeitzeugen berichten in unterschiedlichen Quellen, so z.B. in einigen in der DDR erschienenen Büchern, von dem aufreibenden, kräftezehrenden Kampf der Interbrigadisten mit großen Verlusten:
Wilhelm Zaisser, als General José Gómez, Kommandeur der XIII. IB, protestierte erfolglos bei General Miaja, dem Befehlshaber der Zentrumsfront, dagegen, seine durch den monatelangen ununterbrochenen Einsatz an der Südfront erschöpften Kämpfer ohne Erholungspause wieder in den Kampf zu schicken. Der Brigadearzt Dr. Jensen hielt es für unverantwortlich, die Männer sofort wieder an die Front zu kommandieren. Wilhelm Zaisser wurde als Kommandeur der Brigade abgelöst. Schon am 4. Juli 1937 musste die XIII. Brigade ohne Reserven den Ort Villanueva de la Cañada angreifen. Der Ort konnte erobert werden, wurde dann aber von der faschistischen Luftwaffe zerstört. Danach wurde der Brigade der Sturm auf das stark befestigte Romanillos befohlen. Sie war schon arg dezimiert, der neue Kriegskommissar Blagoje Parovič-Schmid gefallen. Aus Mangel an Kräften musste sogar die Pionier-Kompanie als Infanterie an die Front kommandiert werden. Dabei fiel auch der deutsche Kommunist Fritz Giga, von den Nazis fast zum Krüppel gefoltert und nur durch einen Geniestreich seiner Genossen aus der Haft entflohen. In Spanien kam er in einem verantwortungslos zu nennenden angeordneten Gefecht ums Leben. Otto Brunner, der Kommandeur des Tschapaiew-Bataillons, war schwer verwundet und auch Alfred Kantorowicz durch die Detonation einer Bombe verschüttet und ebenfalls verwundet worden.
In den Erinnerungen Rudolf Engels »Freunde und Feinde« (Militärverlag der DDR, 1984, S.220), heißt es: »Nach meiner Übersicht und den Auskünften, die ich von den Stäben der Bataillone bekam, hatte die XIII. Brigade nur noch die Sollstärke eines Bataillons. Nach fünf Tagen Offensive waren fast 75 Prozent der Kameraden tot, verwundet oder in der Sonnenglut zusammengebrochen – eine traurige Bilanz. In diesen fünf Tagen hatte der Gegner auch die absolute Luftherrschaft und eine erdrückende Überlegenheit an Artillerie und Panzern gewonnen und, wie wir in Romanillos beobachten konnten, ununterbrochen neue Truppen herangefahren.« Verwundet hört Engel im Hospital in Murcia: »Die XIII. Brigade hätte fast alle Offiziere verloren, verwundet oder tot. Der Mannschaftsbestand sei so klein geworden, dass sie nicht mehr aufgefüllt werden sollte. Die überlebenden Kameraden ordnete man den jeweiligen nationalen Einheiten der anderen Brigaden zu.«
Und Luigi Longo, Generalinspekteur-Generalkommissar der IB, in seinem 1958 in der DDR unter dem Titel »Die Internationalen Brigaden in Spanien« erschienenen Buch: »In dieser Schlacht hat die XIII. Brigade die schwersten Verluste an Mannschaften und Kadern.« (S. 274)
In einer internen und vertraulichen Kritik am spanischen Generalstab wegen dessen Umgang mit den IB schrieb der Kommandeur der Base Albacete Vidal (d.i. der Franzose Vitali Gayman) am 28. Juli 1937 über das Schicksal der XIII. Brigade nach Moskau: »Es ist nicht so, dass diese Brigade besiegt wurde, sie wurde ermordet.« Vidal trat danach als Kommandeur der Base zurück. (Bundesarchiv, SAPMO,SgY11/V/237/4/24, Bl. 18).
Die Angehörigen der XIII. Brigade haben trotz der widersinnigen Befehle, trotz der unfähigen Führung, trotz der Erschöpfung und des Ausbleibens von Nachschub und des Ersatzes durch neue Einheiten, trotz der immer mehr werdenden Toten und Verletzten heldenhaft weitergekämpft, bis zum bitteren Ende. Als die XIII. Brigade nach ihrer Auflösung dann im Oktober 1937 neu aufgestellt wurde, gab es kein Tschapaiew-Bataillon mehr. Und auch kaum noch Deutsche in der Brigade, diese wurde nun vornehmlich aus polnischen Kameraden zusammengestellt, die man aus anderen Einheiten abgezogen hatte.
Das von Alfred Kanotorowicz redigierte Tschapaiew«-Buch, das wird vom Autor leider nicht erwähnt, erlebte 1956 in der DDR einen fast unveränderten Nachdruck.
Hans-Jürgen Schwebke, Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik 1936 – 1939 e.V.






























