»Symphonia Rromani«

geschrieben von Renate Hennecke

11. November 2014

Wie die Geschichte des Hugo Höllenreiner vertont wurde

 

Hugo Höllenreiner – wer einmal seine Geschichte gehört hat, wird es nie vergessen. Es ist die Geschichte eines Sinto-Jungen aus München, der als Neunjähriger mit seiner Familie nach Auschwitz deportiert wurde, dort dem KZ-Arzt Josef Mengele in die Hände fiel, Unvorstellbares, Unsagbares durchlebte, überlebte. Auf seine Frage nach dem Warum – »wir haben doch nichts getan!« – antwortete der Vater: »Weil wir Sinti sind.« So einfach, so außerhalb menschlicher Ordnung war das.

Foto fu¦êr Seite 28

Nach einer Odyssee durch mehrere Lager nach München zurückgekehrt, erfährt Hugo, jetzt zwölf Jahre alt, dass Sinti auch weiterhin aus der Gesellschaft ausgegrenzt werden. Er schafft es trotz allem, eine Familie zu gründen, zu leben, freundlich zu sein. Nach Jahrzehnten wird er gefragt und beginnt zu erzählen. Die Erinnerung schmerzt noch immer fast unerträglich, aber Hugo redet nun davon. Vor Schulklassen, bei Veranstaltungen und Gedenkfeiern – ohne Hass, ohne Anklage, nur »damit so etwas nie wieder passiert«. 2008 spricht er beim Gedenken an den Jahrestag der Liquidierung des so genannten Zigeunerlagers in Auschwitz-Birkenau. Sechsunddreißig Mitglieder seiner Familie wurden dort ermordet.

Unter den Teilnehmern an der Gedenkfeier sind Iovanca und Iosif Gaspar, Roma aus Rumänien, die in Wien leben. Sie sind 1996 dorthin gezogen, um ihrem Sohn Adrian, der schon als kleines Kind eine ungewöhnliche musikalische Begabung zeigte, eine optimale Ausbildung zu ermöglichen. Jetzt, 2008, ist Adrian 21 Jahre alt und bereits ein international bekannter und vielfach ausgezeichneter Pianist und Komponist.

Über die Verbrechen der Nazis an den »Zigeunern« hat Adrian in der Schule gehört, aber es ist ihm Schulwissen geblieben. Die Berichte der Eltern über ihre Begegnung mit Hugo Höllenreiner sind etwas Reales, sie wecken Gefühle, die er in seiner Sprache ausdrücken möchte: der Musik.

Zwei Jahre zuvor, noch als Schüler des Wiener Musikgymnasiums, hat er bei einer Aufführung des Oratoriums »Belshazzar’s Feast« des britischen Komponisten William Walton im Chor mitgesungen. Dem Werk liegt die biblische Geschichte der Unterdrückung der Juden im Exil und ihrer Befreiung aus der babylonischen Gefangenschaft zugrunde. So ein großes Werk müsste es sein.

Im November 2008 besucht Adrian Gaspar Hugo Höllenreiner in dessen heutigem Heimatort Ingolstadt. Später reisen sie gemeinsam nach Auschwitz, Hugo zeigt Adrian, wo sich »das alles« abspielte. Am 29. September 2010 wird im Kulturzentrum von Eisenstadt im österreichischen Burgenland die »Symphonia Rromani – Bari Duk/Großer Schmerz« uraufgeführt.

Iovanca Gaspar, Adrians Mutter, ist seit 2005 beim Wiener Magistrat im Bereich »Integration und Diversität« für Roma und Sinti zuständig. Als erste Romni hat sie 2009 an der Wiener Universität ihr Magisterexamen in Soziologie abgelegt. Ihre Magisterarbeit heißt: »Der Schlüssel zur Integration – Roma des 21. Jahrhunderts in Wien«; man kann sie im Internet abrufen. Integration heißt für sie: Chancen zu geben, zu bekommen und zu nutzen. Sie selbst hat entmutigende Zurücksetzung schon in der Schule erfahren. Aber sie hat sich durchgebissen und hartnäckig dafür gesorgt, dass auch ihr Sohn seine Chance bekam.

Die Entstehung der »Symphonia Rromani« hat sie mit der Filmkamera begleitet. »Dui Rroma« (»Zwei Roma«) heißt der tief berührende Dokumentarfilm darüber. Im Zug nach Polen und in der Gedenkstätte von Auschwitz berichtet Hugo dem jungen Komponisten, was er dort erlebt und erlitten hat. Im Wechsel damit wird man Zeuge der Aufführung des daraus entstandenen Werkes, interpretiert von dem Sänger Theodore Cortesi, dem Orchester »Filarmonia Mihail Jora« und dem Chor »Corul Armonia«, alle aus Rumänien. Gesprochen und gesungen wird in Romanes, der Muttersprache der beiden Hauptprotagonisten. Bei den Untertiteln kann man zwischen fünf Sprachen wählen.

»Mir war klar,« sagt Adrian, »dass ich damit viele Menschen ansprechen und sie aufmerksam machen kann, was in der Geschichte der Sinti und Roma geschah.« Das ist die eine Seite. Die andere nennt Iovanca: »Wenn man heute Roma sagt, denkt jeder an arm und dreckig. Ich wollte zeigen, was für eine reiche Kultur und was für Menschen wir haben, die man nicht mehr vergisst.«

Mehr als ein Gedenkort

geschrieben von Erika Schwarz und Simone Steppan

6. November 2014

Zur künstlerischen Gestaltung der Mahn-und Gedenkstätte Ravensbrück

 

Vor 55 Jahren wurde die Nationale Mahn- und Gedenkstätte Ravensbrück eingeweiht. Sie ist noch heute ein Zeugnis für Geschichts- und Traditionsverständnis, für die politische Kultur in der SBZ/DDR und ihre Gestaltung. Die Entstehungsgeschichte der Stätte in den Jahren von der Befreiung des größten Frauen-Konzentrationslagers des Dritten Reiches am 30. April 1945 bis zu ihrer Eröffnung am 12. September 1959 weist drei Etappen auf. Die erste von 1945 bis 1948 war durch den fortschreitenden Verfall des nicht von sowjetischen Truppen besetzten kleinen Areals vor der Lagermauer, der einstigen Haftstätte am Ufer des Schwedtsees gekennzeichnet. Der größte Teil des Geländes und seiner Baulichkeiten diente jedoch von 1945 an bis 1993 der Roten Armee.

Die zweite Etappe begann 1948 mit der Errichtung einer einfachen Gedächtnisstätte. Pläne sahen vor, das geschaffene »Provisorium« zu einem würdigen Gedenkort umzugestalten. Charakteristisch für die dritte Etappe von 1953 bis 1959 war die Erarbeitung und Verwirklichung eines unter zentraler staatlicher Leitung entstandenen Konzepts. Im Unterschied zu den früh geschaffenen Gedenkstätten in der BRD, die vorwiegend aus Grabmalen bestanden und erst später zu Museen gestaltet und durch Baulichkeiten ergänzt wurden, entschloss man sich in Ravensbrück ebenso wie in Buchenwald und Sachsenhausen, deren Gedenkstätten 1958 bzw. 1961 eröffnet wurden, für eine dominierende künstlerische Prägung. Es sollte mehr entstehen als nur ein Platz der Totenehrung. Bereits die Benennung der Gedenkstätte bezog die Mahnung für die Überlebenden und Nachkommenden ein.

Das Wirken der Künstler, die vor 55 Jahren mit ihren Arbeiten dem Ort eine bleibende Gestalt gaben, ein Äußeres, das dominierend blieb auch als sich die Gedenkanlage so weit ausdehnte, dass sie heute nahezu das gesamte ehemalige KZ-Gelände umfasst, verdient an diesem Jahrestag eine Erinnerung. Das Gremium setzte sich aus jungen, engagierten Menschen zusammen, die erst wenige Jahre zuvor ihr Studium beendet hatten. Zu ihnen gehörten u. a. die Architekten Ludwig Deiters, zu diesem Zeitpunkt 32 Jahre alt, Horst Kutzat (30), Kurt Tausendschön (27) sowie die Landschaftsgestalter Hubert Matthes (29) und Hugo Namslauer (31). Sie begannen mit den Entwürfen für den Aufbau der Gedenkstätte auf dem Ettersberg. Während eines Treffens ehemaliger Häftlinge im April 1955 stellte dann das »Buchenwaldkollektiv«, so die Bezeichnung der Gruppe, in der Stadt Fürstenberg auch seine Entwürfe für Ravensbrück vor. Darauf folgte die Hinzuziehung weiterer Künstler. Zu ihnen gehörte die Schriftstellerin Anna Seghers. Von ihr stammen jene beiden Sätze, die 1949 in deutscher, französischer und russischer Sprache auf Tafeln an der Lagermauer von Ravensbrück zu lesen waren: »Sie sind unser aller Mütter und Schwestern. Ihr könntet heute weder frei lernen, noch spielen, ja, Ihr wäret vielleicht gar nicht geboren, wenn solche Frauen nicht ihre zarten schmächtigen Körper wie stählerne Schutzschilder durch die ganze Zeit des faschistischen Terrors vor Euch und Eure Zukunft gestellt hätten«. Auf Vorschlag des Buchenwaldkollektivs wurde der Spruch in eine Stele am Eingang des künftigen Gedenkortes gemeißelt. Verwendet wurde dafür das Schriftbild des international bekannten Kunstschmieds Fritz Kühn (1910-1967), das er vordem schon für die Namensnennung der 20 Nationen an der Lagermauer entworfen und hergestellt hatte. Seiner Werkstatt in Berlin-Grünau entstammten auch weitere Elemente der Ravensbrücker Anlage, so die kupferne Feuerschale mit Stahlbock, die Treppen- und Podiumsgitter sowie die Brüstungsgitter am und im Museum, das im Zellenbau, dem KZ-Gefängnis, eingerichtet werden sollte, sowie drei Tore für das ehemalige und erhalten gebliebene Krematorium.

An den künstlerischen Arbeiten war auch der Bildhauer Will Lammert beteiligt, der, von den Faschisten verfolgt und emigriert, erst Ende Dezember 1951 aus dem Exil zurückgekehrt war. Er beabsichtigte, in das Zentrum des künftigen Gedenkortes eine Figurengruppe zu stellen, aus der eine lebensgroße Frauengestalt herausragen sollte Doch hat er, der seine Entwürfe immer wieder mit ehemaligen Häftlingen besprach, deren Verwirklichung nicht erlebt. Nach seinem unerwarteten Tod am 30. Oktober 1957, er wurde 65 Jahre alt, verpflichtete das Ministerium für Kultur die Bildhauer Hans Kies und Gerhard Thieme unter Anleitung von Fritz Cremer (1906-1993), einem Schüler Lammerts, die Arbeiten des Verstorbenen zu beenden. Das Ergebnis ihrer Arbeit, die vier Meter hohe Plastik, »Die Tragende«, errichtet auf einer in den Schwedtsee hineingesetzten »Insel« gilt den Besuchern noch heute als Symbol von Ravensbrück und als ein unverwechselbarer Platz des Gedenkens.

Durchgangsstation DP-Camp

geschrieben von P. C. Walther

6. November 2014

Eine Ausstellung in Frankfurt über ein Stück Nachkriegsgeschichte

Knapp zehn Millionen Menschen, die aus vielen Ländern von den Nazis in KZs oder zur Zwangsarbeit verschleppt worden waren und den Naziterror, wenn auch geschunden und geschwächt, überlebt hatten, befanden sich 1945 fernab ihrer Heimat auf für sie fremdem Boden, zumeist in Deutschland. Dazu zählten auch Kriegsgefangene. Sie alle wurden von den Alliierten als »Displaced Persons« (verschleppte Personen) bezeichnet. Befreit, mussten sie erst einmal untergebracht, versorgt und betreut werden. Ihnen musste geholfen werden, entweder in ihre Heimatorte zurückkehren zu können, wo das möglich und gewollt war, oder Wege in eine neue Heimat zu finden. Zur Bewältigung dieser Aufgaben errichteten die Alliierten sogenannte DP-Camps. Vereinzelt wurden zu diesem Zweck auch Wohnungen und Häuser belegt.

Blick in die Ausstellung. Foto: P.C. Walther

Blick in die Ausstellung. Foto: P.C. Walther

Über das Schicksal der Menschen in den DP-Camps und DP-Einrichtungen berichtet mit Bildern, Texten und Exponaten sehr anschaulich und informativ eine Ausstellung des International Tracing Service (ITS). Die Ausstellungsmacher haben die Frage, die sich damals den meisten dieser Naziopfer stellte, zum Titel genommen: »Wohin sollten wir nach der Befreiung?«. Untertitel: »Zwischenstationen: Displaced Persons nach 1945«.

Die Ausstellung hatte im September Premiere in Frankfurt am Main. Sie wurde dort zum ersten Mal präsentiert – und zwar an einem durchaus passenden Ort: in den Räumen der Bildungsstätte Anne Frank. Mit der Ausstellung wird an einen wesentlichen Abschnitt im Leben von Millionen Menschen erinnert; ein Lebensabschnitt, der vom Terror und den Folgen des deutschen Faschismus geprägt war. Die Erinnerung daran ist in Deutschland, wenn sie überhaupt einmal gegenwärtig war, weitgehend verdrängt und vergessen – wie so vieles, was zu den Bestandteilen und Folgen des Faschismus gehört.

Deshalb leistet die Ausstellung ein wichtiges Stück Gedenk- und Erinnerungsarbeit. Das wurde bei der Eröffnung auch von der Kuratorin, Dr. Susanne Urban, betont: Eine Erinnerung, die den Blick des Betrachters »in die Gegenwart richten« soll. Dabei verwies sie auf die Flüchtlinge heute.

Die einzelnen Tafeln mit Bildern, Kopien von Dokumenten und erläuternden Texten informieren sehr gut über das Schicksal der Menschen in den damaligen DP-Camps und Wohnungen, über das Erlebte und die Ziele ihres künftigen Lebens, die Wege dorthin und auch über die dabei aufgetretenen Schwierigkeiten. Besonders eingängig nachzuempfinden ist das auf denjenigen Tafeln, die über Einzelschicksale berichten.

In den einzelnen DP-Camps entwickelte sich auf der Basis einer gewissen Selbstverwaltung sehr bald eine Art von eigenen Gemeinden und Zusammenschlüssen mit politischem und kulturellem Leben, das sehr vielfältig war. Schließlich kamen die Menschen aus verschiedensten Ländern und aus unterschiedlichsten Verhältnissen – auch mit unterschiedlichen Einstellungen. »Die Beziehungen zwischen DPs, Alliierten und Deutschen veränderten sich ständig, bedingt durch politische, gesellschaftliche und individuelle Faktoren«, heißt es auf einer der Tafeln. Auf Seiten der deutschen Bevölkerung herrschten Wegschauen bis blanke Ablehnung vor.

Rund sechs Millionen Menschen konnten bis September 1945 repatriiert werden. Für mehr als drei Millionen dauerte der Schritt zu einem neuen Ort und Lebensabschnitt wesentlich länger. 1951 wurde die Zuständigkeit für die verbliebenen DPs an die deutschen Behörden abgegeben. Bezeichnenderweise bestimmte die Bundesregierung das Vertriebenenministerium für zuständig und bezeichnete diese Naziopfer fortan als »heimatlose Ausländer«.

Auch Kollaborateure und andere Nazihelfer versuchten über die DP-Camps unerkannt und mit gefälschter Vita Unterschlupf und Wege ins Ausland zu finden, was ihnen zum Teil auch gelang. Der später aus den USA ausgewiesene und dann in München verurteilte KZ-Wächter Demjanjuk war einer von ihnen. Auf alle diese Facetten wird in der Ausstellung hingewiesen, ihr Besuch lohnt sich unbedingt.

Ein britisches No pasarán

geschrieben von Peter Steglich

6. November 2014

Bewegender Film über antifaschistisches Musical zum Spanienkrieg

 

Weltstädte wie London und Barcelona verbindet nicht wenig, zum Beispiel die Nähe und Verbindung zum Meer. Dass aber ein Musical dieser Tage an die Solidarität junger Engländer mit der ihre Republik verteidigenden spanischen Antifaschisten 1936 erinnern würde, erfuhren die Teilnehmer des Internationalen Jahrestreffen der »Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik« am 18. Oktober im Berliner Kino Babylon auf bewegende und eindrucksvolle Weise. Sie applaudierten einem Film über ein Antifaschistisches Musical mit dem Titel »Goodbye Barcelona«. Gewöhnlich wird dieses Genre vornehmlich mit seichter Unterhaltung verbunden. Nicht in diesem Fall. Englische Komponisten, Szenaristen, Regisseure sowie talentierte Sängerinnen und Sänger riefen in einem Londoner Theater Herz und Sinne aufrüttelnd jene Jahre in die Erinnerung zurück, als englische Freiwillige in Spanien aufopferungsvoll und leidenschaftlich an der Seite ihrer spanischen Kameradinnen und Kameraden für Freiheit und Demokratie stritten. Die spanische Zeitung »El País« sieht in diesem Stück ein Sinnbild »für die Träume unserer Großeltern und deren Glauben an eine bessere Welt«. Die Musik zur Handlung kann der Londoner »Evening Standard« nicht anders als »aufwühlend« beschreiben. Menschen, wie der Komponist und Regisseur KS Lewkowitz erzählte, haben mit Mühe und großem Enthusiasmus um künstlerischen Zugang zu diesem für sie weitgehend unbekannten Thema gerungen. Als Ergebnis erlebten die Zuschauer eine beinahe meisterhafte politisch-musikalische und natürlich historische Zusammenfassung der Auseinandersetzung um Werte, die auch heute höchst aktuell sind. Begriffe wie Freiheit, Demokratie, Gerechtigkeit, Menschenwürde stehen im Musical jenen Worthülsen gleichen Namens entgegen, die zu instrumentalisieren sich wirtschaftliche, politische oder andere Kreise nicht scheuen, so ihre Interessen betroffen oder gefährdet sind.

»Goodbye Barcelona« Buch: Judith Johnson Musik und Texte: K S Lewkowicz Großbritannien 2011, 105 Minuten. Englisch mit deutschen Untertiteln

»Goodbye Barcelona«
Buch: Judith Johnson
Musik und Texte: K S Lewkowicz
Großbritannien 2011, 105 Minuten.
Englisch mit deutschen Untertiteln

Die Freiwilligen sind auf abenteuerlichen Wegen nach Spanien aufgebrochen. Meist ohne Mittel, nötige Kleidung oder behördliche Zeugnisse. Getragen hat sie der Wille, jenen wirklichen Patrioten an die Seite zu treten, die ihre durch Wahlen gewonnene Republik per faschistischen Putsch verlieren sollten. Geleitet hat sie nicht der Segen ihrer Dienstherren, wie heute, geschützt haben sie nicht eine solide Ausrüstung und moderne Waffen wie heute, begleitet wurden sie nicht von fragwürdigen Argumenten und wohlfeilen Lügen, wie heute. Ihr Kompass waren Selbstbestimmung und ein ehrenwertes Gespür dafür, wo Recht zu verteidigen und Unrecht zu tilgen sind. Die Entscheidung, solidarisch zu sein, wurde, um am Beispiel des »Guerra Civil« in Spanien zu bleiben, weder geschult noch bezahlt. Sie entsprang vielmehr selbst empfundener Ungleichbehandlung, Benachteiligung oder anderer Ungerechtigkeiten im eigenen Land und dem Wunsch, dem Faschismus zu trotzen.

Bedürfte es eines Beweises für die Aktualität besagten Musicals, war es eine Kundgebung der Teilnehmer des Jahrestreffens der Kämpfer und Freunde der Spanischen Republik.

Am Nachmittag des gleichen Tages erinnerten sie an die Tage, Wochen und Monate erbitterten Widerstandes nationaler und Internationaler Brigaden gegen eine Übermacht spanischer, italienischer und deutscher Faschisten und das Versagen einer so genannten Nichteinmischungspolitik. Unter und mit ihnen ein 95 jähriger spanischer Brigadist, den Alter und körperliche Gebrechen nicht daran hinderten, an dieser kleinen aber ehrlichen und aufrichtigen Manifestation teilzunehmen. Begriffe wie Freiheit, Würde, Gleichheit, Demokratie waren da keine notwendigen Floskeln, sondern bewusst ge- und erlebte Erkenntnis. Besonders gedachten die internationalen Gäste deutscher Brigadisten, denen kein Opfer, und sei es das des eigenen Lebens, zu gering war, um an der Seite ihrer spanischen Schwestern und Brüder für jene Ziele zu streiten, die in diesen Tagen an Aktualität nicht verloren haben. Einige von ihnen waren am Werden eines deutschen Staates beteiligt, dem heute, dem Zeitgeist nahe, das allumfassende Diktum des Unrechts auferlegt wird. Die solches zu tun bereit und aktiv dabei sind, sollten Pein und Scham dabei empfinden, sich bei ihren Urteilen, Aussagen und Bewertungen vom Standpunkt der Beliebigkeit oder Käuflichkeit, nicht aber von den Überzeugungen jener Menschen leiten zu lassen, von denen »Goodbye Barcelona« erzählt. Dass der berühmte Ruf der Spanienkämpfer No pasarán – Sie kommen nicht durch, auch wenn eine militärische und politische Niederlage erlitten wurde, noch immer gilt, mag eine kleine Episode zu Beginn der 80er Jahre in Madrid beweisen. Bei einem Empfang in der Botschaft einer heute nicht mehr existenten UdSSR galten Bewunderung, Interesse und Aufmerksamkeit einer einzigen Person, nämlich Dolores Ibarruri, der Großen Gestalt aller Antifaschisten in der »Guerra Civil«.

Eine erlittene Niederlage heißt nicht, das Ziel aus den Augen zu lassen. Ihr Leben war dafür beispielhaft und so zeigt sich auch heute: »No Pasarán« bleibt sehr aktuell!

Rücktitel

6. November 2014

Am 12. Oktober wurde in der Gedenkstätte Sachsenhausen ein Denkmal eingeweiht, das an die Ermordung von 27 Widerstandkämpfern, 24 deutschen und drei französischen Häftlingen, vor 70 Jahren erinnert. Das Denkmal »Der Klang der Erinnerung« von Eva Susanne Schmidhuber wurde im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs unter Studenten der Kunsthochschule Weißensee ermittelt. Stifter sind das deutsche Sachsenhausen Komitee und die französische Amicale.

Am 12. Oktober wurde in der Gedenkstätte Sachsenhausen ein Denkmal eingeweiht, das an die Ermordung von 27 Widerstandkämpfern, 24 deutschen und drei französischen Häftlingen, vor 70 Jahren erinnert. Das Denkmal »Der Klang der Erinnerung« von Eva Susanne Schmidhuber wurde im Rahmen eines künstlerischen Wettbewerbs unter Studenten der Kunsthochschule Weißensee ermittelt. Stifter sind das deutsche Sachsenhausen Komitee und die französische Amicale.

Titelbild

23. September 2014

Der aufenthaltsrechtliche Status »Duldung« » ist eine vorübergehende Aussetzung der Abschiebung. Rund 100.000 Menschen leben mit diesem Status in Deutschland.

Duldung

Editorial

geschrieben von Regina Girod

23. September 2014

Je weiter wir uns von historischen Ereignissen entfernen, desto größer wird die Möglichkeit, sie aus ihrem historischen Kontext zu reißen und sie – politischen Interessen folgend – umzuinterpretieren. Wenn keine Zeitzeugen mehr da sind, fehlen ihre Erinnerungen und Erfahrungen als his­torisches Korrektiv. Mit dem Überfall auf Polen am 1. September vor 75 Jahren begann der Zweite Weltkrieg. Wir sind froh, in dieser Ausgabe der antifa nicht nur unter dem grundsätzlichen Aspekt der Kriegsschuld an dieses Datum zu erinnern (S.3), sondern unseren Lesern auch die Erfahrungen zweier heute noch lebender Polen vermitteln zu können. Ada Żurawska kämpfte als Kompanieführerin des Frauenbataillons Emilia Plater in der 2. Polnischen Armee an der Seite der Roten Armee und engagiert sich bis heute für eine gerechte Darstel-lung und Bewertung dieses Kampfes (S. 19). Und Alojzy Twardecki, der als Kind Opfer des faschistischen Programms zur »Eindeutschung Fremdstämmiger« wurde, übermittelte mit seinem Erlebnisbericht nachfolgenden Generationen ein einzigartiges Dokument über dieses weithin unbekannte faschistische Verbrechen (S. 25). Doch Twardecki wollte nicht nur Opfer sein. Bis heute setzt er sich für Aussöhnung und Verständigung zwischen Polen und Deutschen ein.

Die zweite Linie, die sich durch diese Ausgabe zieht, widmet sich der Flüchtlingsfrage. Im derzeit geschürten Klima von Ängsten und offen rassistischer Hetze ist es wichtig, den Blick für die Situation der Menschen zu öffnen, die hierher flüchten. Besonders die aus den ehema-ligen Staaten Jugoslawiens kommenden Sinti und Roma werden immer wieder zu rassistischen Feindbildern stilisiert. In unserem »Spezial« (S. 13 – 16) lässt Jürgen Weber die Romafamilie Alisanovic zu Wort kommen, die vor dem Terror von Neonazis aus Südserbien nach Deutschland flüchtete. Dass schon der Großvater der Familie nur knapp der Vernichtung durch die deutschen Nazis entging, interessiert die deutschen Behörden jedoch ebenso wenig, wie sie den aktuellen Fluchtgrund akzeptiert.

Versuche der Umdeutung

geschrieben von Eckart Mehls

23. September 2014

Zum 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen

 

Vor fümf Jahren, zum 70. Jahrestag des Überfalls Hitlerdeutschlands auf Polen, las ich im Heft 4/2009 des in Polen erscheinenden »Przegląd Socjalistyczny« einen Artikel des bekannten Philosophen, Friedensforschers und Diplomaten Prof. Dr. Marian Dobrosielski unter dem schlichten Titel »1 września 1939. 70 lat później« (1. September 1939. 70 Jahre später). Der Autor, u.a. von 1969 bis 1971 Botschafter der Volksrepublik Polen in Großbritannien und anschließend bis 1980 Direktor des »Polnischen Instituts für Internationale Angelegenheiten«, setzte sich, unter Hinweis auf die damals bereits kaum noch zu überblickende Fülle der dem Überfall auf Polen und dem damit ausgelösten Zweiten Weltkrieg gewidmeten wissenschaftlichen Literatur, kritisch mit den vielfältigen Versuchen von Legendenbildungen, Verzerrungen des historischen Geschehens und politischer Instrumentalisierung der Geschichte auseinander. In Erinnerung rief er in diesem Zusammenhang die Mahnung des bedeutenden polnischen Historikers Józef Szuijski (1835-1883): »Falsche Geschichte zeugt falsche Politik.«

In der Tat. Bis ins Groteske gehende Versuche der Umdeutung des tatsächlichen Verlaufs der Vorgeschichte des Krieges und nicht zuletzt auch seiner Ergebnisse, Folgen und Lehren sind eine bestürzende Bestätigung der genannten Warnung. Das »Nie wieder Krieg!«, weltweit als eine von weitesten Kreisen der Bewohner unseres Erdballs aus dem schrecklichen Geschehen der Kriegsjahre und angesichts der Hekatomben von Toten, Verkrüppelten und Entwurzelten beschworene Forderung, musste immer weiter vor erneuter Bejahung des Krieges und militärischer Gewalt aller Art, unter dem Mantel welch wohltönender Phrasen auch immer, zurückweichen. Fragen nach Kriegsschuld und Verantwortlichen für fatale politische Fehler im Vorfeld des Krieges, seien sie aus profitorientierter Politik und ihr entsprechender Gesellschaftsordnung erwachsen, seien sie ideologischer Verbohrtheit und ihr entsprechender angeblicher »Alternativlosigkeit« der Politik zuzuordnen, werden zunehmend abgewehrt. Mythen, Legenden, aus ferner Vergangenheit erneut wiederbelebte Stereotype und dreiste Fälschungen sind, statt der berechtigten Fragen nach Triebkräften und Interessen der Herrschenden jener Zeit, an der Tagesordnung. Aus Tätern wurden in nunmehr vorherrschender deutscher Sicht Opfer. Aus Militärs und Befehlshabern, die aus politischen Motiven die Konsequenzen ihrer Entscheidungen leichtfertig missachteten und im August 1944 in Warschau einen Aufstand auslösten, der zu mehr als 200.000 Toten und der völligen Zerstörung der Stadt führte, wurden in nunmehr vorherrschender polnischer Sicht kritiklos zu bewundernde Helden.

An die Stelle gründlicher und sachlicher Auseinandersetzung mit der Verantwortung Deutschlands für die Auslösung des Zweiten Weltkrieges (nach dem Motto: Hitler war es!) geriet der Kult um die Deutschen als Opfer immer stärker in den Vordergrund. Und alle Ansätze einer öffentlichen Auseinandersetzung mit den revanchistischen Forderungen der deutschen Vertriebenenverbände, denen überdies zunehmend mehr Ehre zuteil wurde durch die Teilnahme höchster Repräsentanten des Staates an ihren Opferritualen, führten zu nicht mehr, als zum Wandel des ursprünglich geforderten »Zentrums gegen Vertreibungen« in das im Aufbau befindliche »Sichtbare Zeichen gegen Flucht und Vertreibung«, das dazu beitragen soll, »Erinnerung und Gedenken an das »Jahrhundert der Vertreibungen« und das damit verbundene tiefe menschliche Leid wach zu halten, die junge Generation an das Thema heranzuführen«, wie es u. a. in der offiziellen Konzeption der Bundesregierung heißt.

Der 75. Jahrestag des deutschen Überfalls auf Polen sollte angesichts all dessen auch Gelegenheit sein, an den vor mehr als zehn Jahren, nämlich 2003, von Prof. Dobrosielski öffentlich unterbreiteten Vorschlag zu erinnern, dass es wohl angebrachter sei, anstelle eines Zentrums gegen Vertreibung, also einer Kriegsfolge, in Berlin ein gemeinsam von den Regierungen der BRD und Polens initiiertes gesamteuropäisches »Zentrum gegen Kriege« zu schaffen – der weder in Polen noch in der BRD auf offene Ohren stieß.

Dass heute Europa, inmitten einer Welt voller Spannungen und Kriege, weiter entfernt von der Realisierung eines solchen Schrittes als vor zehn oder fünf Jahren ist, macht es umso dringlicher, dieses Ziel nicht nur am 1. September jeden Jahres im Auge zu behalten.

Randlage Hellersdorf

geschrieben von Markus Roth

23. September 2014

Nach dem Bezug vor einem Jahr ist in dem Flüchtlingsheim keine Normalität eingekehrt

 

Was hat sich seit dem Einzug von rund 400 Flüchtlingen in einer ehemaligen Schule in Berlin Hellersdorf getan? Festzuhalten ist, dass in dem Gebiet über zehn Prozent NPD gewählt haben und dass die Behörden es nicht vermocht haben die Sicherheit der Flüchtlinge zu gewährleisten. Abgesehen von der rassistischen Straßengewalt hat sich an der humanitären Lage der dort Untergebrachten, trotz Rundem Tisch, wenig geändert. Die Beschulung der Kinder kam nur schleppend voran, Deutschkurse an den Volkshochschulen werden jetzt erst angeboten, und die Kritik am privaten Betreiber reißt nicht ab. Von hygienischen Mängeln, über die drangsalierenden Zugangskontrollen zu kamera-überwachten Fluren – das Hellersdorfer Heim ist ein Abziehbild des klassischen »Lagers«, so wie es zu hauf existiert. Die zuständige Stadträtin nennt das »relative Normalität«. Sie verschweigt, dass die preisgekrönte Initiative »Hellersdorf Hilft« mittlerweile das Heim nicht mehr betreten darf – angeblich weil sie zur Politisierung der Flüchtlinge beiträgt. Auch die prall gefüllte Spendenkammer im Heim musste aufgelöst werden. Die bundesweite gefeierte Kooperation mit der benachbarten Hochschule für Soziale Arbeit steht ebenso auf der Kippe, weil die Studierenden durch den Träger des Heims systematisch von den Bewohnern ferngehalten werden. Dass in der Nachbarschaft nun extra ein Ladenlokal mit Spendengeldern angemietet werden musste, um unabhängige Räumlichkeiten für Solidaritätsarbeit und ein paar Internetarbeitsplätze für die Flüchtlinge anbieten zu können, zeigt, dass in Hellersdorf eben nicht alles gut ist. Und, seien wir ehrlich, wer es ernst nimmt mit der »Willkommenskultur« tut mehr, als die offensichtlichen Mängel zu beheben. Die Stichwörter sind klar: Wohnungsunterbringung, Aufhebung des Arbeitsverbots, großzügige Bleiberechtsregelung.

Kalte Abschiebung

geschrieben von Markus Roth

23. September 2014

Über den Umgang mit den streikenden Flüchtlingen in Berlin

 

Der Berliner Senat hat versucht, sich der protestierenden Flüchtlinge auf dem Oranienplatz und der seit über einem Jahr besetzten Gerhart-Hauptmann-Schule mit dem sogenannten »Oranienplatz-Agreement« zu entledigen. Die Blockaden und Besetzungen durch rund 500 Flüchtlinge, die aus anderen Bundesländern und aus Italien (Lampedusa) nach Berlin gekommen waren, sollten aufgegeben werden – im Gegenzug versprach der Senat ordentliche Unterkünfte, die »wohlwollende« Einzelfallprüfung der Asylanträge und sogar die Prüfung, ob das strikte Arbeitsverbot teilweise aufzuheben ist. Unter anderem wollte der Senat dafür die Asylanträge aus anderen Bundesländern nach Berlin holen und ein Bleiberecht aus humanitären Gründen erwägen. Eine Einigung, die Berlin gut zu Gesicht gestanden und letztlich auch die Stimmung in der Berliner Bevölkerung aufgenommen hätte. Die hatte sich nämlich massenhaft an den Besetzungen als »Support« beteiligt, nächtelang Straßenkreuzungen besetzt und die protestierenden Flüchtlinge mit vielfältigen Spenden unterstützt.

 

Zerschlagung durch Wortbruch

Nur wenige Wochen nach der Einigung, nachdem die Streikenden ihren Teil der Abmachung erfüllt haben, ist der Berliner Senat wortbrüchig geworden. Bis auf einige wenige Flüchtlinge, die derzeit noch ein Dach eines Hostels in Bezirk Friedrichshain besetzt halten, scheint das perfide Spiel aufgegangen zu sein. Der Flüchtlingsprotest wurde zerschlagen, in kleinere Gruppen aufgegliedert, dezentral untergebracht und mit gezielter Desinformationen in Missgunst, Streit und schiere Panik versetzt. Diejenigen, die zum Teil seit Jahren auf dem Weg sind in ein besseres Leben, die sich (und meist auch ihre Familien) irgendwie durchschlagen und zum Spielball europäischer Abschottungspolitik geworden sind, wurden erneut von Behörden getäuscht und erniedrigt. Ja, der Konflikt mit den verzweifelt streikenden Flüchtlingen wurde offenkundig befriedet – mit unlauteren Mitteln und falschen Hoffnungen »bereinigt«. Aber zu welchem Preis – oder besser, mit welchen Folgeschäden, nicht nur für die Menschen, die hier ausgegrenzt wurden, sondern auch für unsere Gesellschaft, die sich solche Eskalation menschlichen Leids leistet?

 

Sofortige Obdachlosigkeit

Ende August teilte das Berliner Landesamt für Gesundheit und Soziales (LAGeSo) mit, es werde mit sofortiger Wirkung alle Leistungen für die Flüchtlinge des »Oranienplatz-Agreements« einstellen. Deren aufenthaltsrechtliche Prüfung sei negativ abgeschlossen. Die zugewiesenen Unterkünfte seien sofort zu verlassen.

Die Flüchtlinge selbst wurden lediglich mündlich informiert und faktisch über Nacht in die Obdachlosigkeit geschickt. Dieses für alle Beteiligten unerwartete Vorgehen seitens des Senats war willkürlich, intransparent, menschenverachtend und auch rechtswidrig.

Georg Classen, Sprecher des Flüchtlingsrates Berlin betont: »Nach dem Polizeirecht darf niemand in die Obdachlosigkeit ausgesetzt werden. Dies gebietet das für Deutsche und Ausländer gleichermaßen zu beachtende, in der Verfassung verankerte Menschenwürdeprinzip nach Art. 1 und Art. 20 des Grundgesetzes.«

Zudem seien keine entschiedenen Ablehnungen in den aufenthaltsrechtlichen Verfahren der betroffenen Flüchtlinge bekannt. Der Senat hat sich also nicht einmal die Mühe einer Prüfung gemacht. Sämtliche Anträge auf Umverteilung der laufenden Asylverfahren aus anderen Bundesländern nach Berlin wurden ebenso ausnahmslos abgelehnt wie die Anträge der »Lampedusa-Flüchtlinge« auf humanitäre Aufenthaltstitel.

»Das Vorgehen des Senats ruft bei den Flüchtlingen Wut und Verzweiflung hervor« sagt Nora Brezger vom Flüchtlingsrat, »nachdem sie ihren Teil der Vereinbarung erfüllt haben, nämlich den Abbau der Zelte auf dem Oranienplatz und den Auszug aus der besetzten Schule, bleibt der Senat die gegebenen Zusagen schuldig.« Die offensichtlich nutzlose Einigung war das Papier nicht wert, auf dem sie steht. Die mühevollen und nervenaufreibenden Verhandlungen der letzten Monate, die dauernden Hungerstreiks, die Selbstmord-Drohungen und die Belagerung ganzer Stadtviertel in Berlin, waren die Kulisse einer Inszenierung des Senats.

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