Sichtbarkeit erhöhen

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

29. April 2023

Bau- und Begegnungstage der »Initiative für einen Gedenkort ehemaliges KZ Uckermark e. V.«

antifa: Ihr veranstaltet von 4. bis 13. August auf dem Gelände des ehemaligen KZ Uckermark Bau- und Begegnungstage. Was ist euer Anliegen?

Nandi: Wir wollen dabei einen Raum für die Auseinandersetzung mit der Geschichte des Ortes schaffen. Geplant sind Begegnungen mit Angehörigen von Überlebenden. Überlebende selbst werden dieses Jahr wahrscheinlich aus gesundheitlichen Gründen nicht anreisen können. Auch die Arbeit auf dem Gelände selbst, darunter die Instandhaltung, verstehen wir als Form des Gedenkens. Weiterhin organisieren wir Workshops und Rundgänge, Raum soll es zudem für den Austausch unter den Teilnehmenden geben. Natürlich planen wir ebenso Pausen ein – mit Zeit zum Baden, Schlauchboot fahren und alles sacken lassen. Sichtbarkeit erhöhen weiterlesen »

Endloses Wettrüsten

geschrieben von Florian Gutsche

29. April 2023

Gedanken zu Frieden in Europa nach dem 9. Mai 1945 und aktuellen Kriegen

In der Sowjetunion und ihren Nachfolgestaaten wurde und wird der 9. Mai als Tag des Sieges gefeiert. Doch was mindestens ebenso wichtig ist, es war gleichzeitig auch der erste Tag des Friedens in Euro-pa – zumindest was zwischenstaatliche Konflikte anbelangt. Gerade nach dem Zweiten Weltkrieg verbanden viele Menschen enorme Hoffnungen mit der entstandenen Situation.

Dieser Frieden war insgesamt gesehen auf dem Kontinent lange Zeit recht stabil, wurde im Laufe der Jahre jedoch immer brüchiger: Die türkische Invasion auf Zypern sowie die Kriege beim Zerfall Jugoslawiens – wohlgemerkt mit völkerrechtswidriger deutscher Beteiligung auch unter rot-grüner Regierung (1999) – machten die Fragilität des Hauses Europa deutlich. Endloses Wettrüsten weiterlesen »

Vorstoß zur Querfront

geschrieben von Mathias Wörsching

29. April 2023

Berlin: »Ostdeutsches Kuratorium von Verbänden« konferierte mit extrem Rechten

Das Gebäude des ehemaligen SED-Zentralorgans Neues Deutschland (ND) am Berliner Franz-Mehring-Platz in Friedrichshain heißt heute »FMP 1« und wird von vielen linken und antifaschistischen Organisationen für Büroarbeit und Veranstaltungen genutzt, auch von der Berliner VVN-BdA. Viele im Haus sind schockiert über die nicht-öffentliche Veranstaltung des Ostdeutschen Kuratoriums von Verbänden e.V. (OKV) am 27. März unter dem Motto »Dialog statt Waffen – überparteilich gegen den Krieg«. Vor einer unbekannten Anzahl persönlich eingeladener Gäste referierten vorwiegend Ex-militärs aus DDR und BRD sowie der frühere MfS-Auslandsagent Rainer Rupp (bis 2016 auch Autor für junge Welt und ND, seither in vermeintlichen »Alternativmedien« präsent) über die Notwendigkeit eines Bündnisses von Linken und Rechten. Vorstoß zur Querfront weiterlesen »

Neue Dinge entdecken

geschrieben von Thomas Hacker

29. April 2023

Zur Webveranstaltung »NS-Vergleiche. Die deutsche Debatte um den Ukrainekrieg«

»Vergleichen und gleichsetzen sind zwei grundverschiedene Dinge. Wir vergleichen immer, und so lernen wir. Nur so können wir Gemeinsamkeiten und Unterschiede herausfinden«. Dieses Statement des Historikers Christoph Dieckmann kann wohl als Klammer der VVN-BdA-Onlineveranstaltung am 27. März unter dem Titel »NS-Vergleiche. Die deutsche Debatte um den Ukrainekrieg« gelten. Günter Morsch, ebenfalls Historiker, wies darauf hin, dass Vergleiche häufig herangezogen werden, um etwas gleichzusetzen, zum Beispiel bei der Vermischung von NS-Herrschaft und Stalinismus. Die Journalistin Charlotte Wiedemann erinnerte an die Vorwürfe der Relativierung durch den antikolonialen Diskurs. So wurde in den USA bezüglich der Verbrechen gegenüber Indigenen mitunter vom »amerikanischen Holocaust« gesprochen. Im Gedenkdiskurs soll es laut Wiedemann nicht darum gehen, jemandem »etwas wegzunehmen«, sondern im konkreten Fall um mehr Verantwortung für Kolonialverbrechen.

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Zu antifa März-/Aprilausgabe, »Esthers Vermächtnis«, Seite 29 schreibt unsere Autorin Janka Kluge:

29. April 2023

Ich wurde darauf aufmerksam gemacht, dass ich in meiner Rezension des Buches »Nie schweigen« von Esther Bejarano bezüglich des Herausgebers Sascha Hellen etwas übersehen habe. In der Vergangenheit hatte ich Meldungen wahrgenommen, wonach ein Journalist zu einer Veranstaltung über Esther Bejarano den Sänger Philipp Burger von der rechtsoffenen österreichischen Band Frei.Wild eingeladen hatte. Mir war nicht bewusst, dass Sascha Hellen an der Organisation dieser Veranstaltung beteiligt war. Erst nach Protesten wurde der Sänger wieder ausgeladen. Ich habe das Buch und die Auseinandersetzung um die Veranstaltung nicht zusammengebracht.

Verschwundene Kinder

geschrieben von Lotta Maier/Andrea Röpke

29. April 2023

Eltern halten Nachwuchs von Schulen fern und orientieren sich an rechten Lernkonzepten

Viele Eltern aus verschwörungsideologischen Zusammenhängen verweigern ihren Kindern seit der Pandemie den Zugang zu Schulen. Sie gründen illegale »Lernorte«. Ideologisch wird sich auch an völkisch-reaktionären Lernkonzepten wie der »Schetinin«-Pädagogik orientiert.

Sie verschwanden einfach aus ihrem gewohnten Umfeld: Kinder von Corona-Leugnenden und Verschwörungsgläubigen. Seit der Corona-Pandemie ist der Verbleib vieler Kinder ungeklärt. Das strategische Verweigern von Masken, Test- und Impfpflicht ermöglichte es Tausenden von Eltern, den eigenen Nachwuchs dauerhaft den Schulen fernzuhalten. Auch nach dem Ende der Seuche kehren Kinder nicht zurück. Manche sind »dauerhaft reisend«, unterwegs mit ihren Eltern, die dem rechten »Querdenken«- und Verschwörungsmilieu zugerechnet werden. Verschwundene Kinder weiterlesen »

Wie in der »Hitlerjugend«

geschrieben von Timo Büchner

29. April 2023

In Herboldshausen finden regelmäßig Veranstaltungen des neonazistischen und völkischen Milieus statt

Herboldshausen – so heißt ein Weiler im Nordosten Baden-Württembergs. Der Weiler, ein Ortsteil von Kirchberg/Jagst im Landkreis Schwäbisch Hall, besteht im Wesentlichen aus drei Bauernhöfen. Auf einem der Höfe steht ein altes Bauernhaus, das seit über 50 Jahren im Besitz des völkischen »Bundes für Gotterkenntnis (Ludendorff)« (BfG) ist. Der BfG pflegt die Ideologie Mathilde Ludendorffs (1877–1966). In den 1920er-Jahren hatte die Antisemitin die religiös-völkische »Deutsche Gotterkenntnis« begründet. Die »Gotterkenntnis« unterschied zwischen »Lichtrassen« und »Schattenrassen« und behauptete, einzig »Lichtrassen« besäßen die Fähigkeit zur Gotterkenntnis. Die »Schattenrassen« – vor allem: das jüdische Volk – strebten nach der »Rassemischung« und wollten die »Lichtrassen« vernichten. Wie in der »Hitlerjugend« weiterlesen »

Jahrzehnte engagiert im Bild

geschrieben von Ernst Antoni

29. April 2023

Der Künstler Guido Zingerl verstarb mit 90 Jahren

Es war ein schöner, ausführlicher und würdiger Nachruf, der dem Künstler Guido Zingerl im Februar in der Regionalausgabe der Süddeutschen Zeitung für für Stadt und Landkreis Fürstenfeldbruck gewidmet war. Ob der Geehrte allerdings die Überschrift »Abschied vom letzten großen Satiriker in der Kunst« in ihrer Ausnahmslosigkeit so akzeptiert hätte? Vermutlich hätte er gesagt: »Da gibt’s schon noch ein paar mehr.« Gegen die Unterzeilen nach dem Abschieds-Statement hätte er aber bestimmt nichts eingewendet: »Wenige Wochen nach seinem 90. Geburtstag ist der Fürstenfeldbrucker Maler Guido Zingerl am Donnerstag (23.2.2023) gestorben. Sein Leben lang hat er sich gegen Ungerechtigkeit und Faschismus eingesetzt.« Jahrzehnte engagiert im Bild weiterlesen »

Die Gleichschaltung

geschrieben von Ulrich Schneider

29. April 2023

Schaffung kriegsbereiter »Volksgemeinschaft«: Der Weg zur Macht (Teil 5 u. Ende)

Nach Notverordnungen und Selbstentmachtung des Parlaments in der Weimarer Republik ging es im nächsten Schritt darum, die ideologische und politische Gleichschaltung der Gesellschaft durchzusetzen. Die Schaffung einer kriegsbereiten »Volksgemeinschaft« setzte voraus, dass die ideologischen Vorgaben auch von der Bevölkerung angenommen wurden. Eine zentrale Rolle spielte dabei das Reichspropagandaministerium unter Goebbels. Hier wurden nicht nur öffentliche Inszenierungen gesteuert, sondern auch die mediale Darstellung durch Pressebriefings vereinheitlicht. Nach dem Verbot der Arbeiterpresse wurden Zeitungen und Rundfunk seit dem 1. Juli 1933 auf täglichen Reichspressekonferenzen detaillierte Anweisungen für die Berichterstattung gegeben. Die Gleichschaltung weiterlesen »

Stichtag der Barbarei

geschrieben von Janka Kluge

29. April 2023

Zuerst brannten die Bücher: Zum 10. Mai 1933 in Nazideutschland

Am 10. Mai 1933 fand eine der ersten Propagandainszenierungen im NS-Staat statt. Bei den in 18 Universitätsstädten organisierten Bücherverbrennungen stand nicht Hitler im Vordergrund, sondern Goebbels. Berichte wurden in der »Wochenschau« in den Kinos und im Radio übertragen. In einer Ankündigung hieß es: »Die Hinrichtung des Ungeistes wird sich zur selben Stunde in allen Hochschulstädten Deutschlands vollziehen. In einer großen Staffelreportage zwischen 11 und 12 Uhr nachts wird gleichzeitig der Deutschlandsender ihren Verlauf (…) mitteilen.« In der Ankündigung wird bewusst auf eine andere Bücherverbrennung Bezug genommen. Beim Wartburgfest 1817 wurden preußische Polizeiverordnungen und zusammengebundenes Papier, auf dem die Namen einiger Schriftsteller standen, verbrannt. In der Ankündigung zur Radiosendung wurde darauf verwiesen: »Und heute steht abermals das Gericht über sie auf, und abermals schichtet der deutsche Bursch ihnen das Feuer der Vernichtung.« Der 1933 vor den Nazis nach Frankreich geflohene jüdische Jurist und Schriftsteller Alfred Kantorowicz nannte die Bücherverbrennung den »Stichtag der Barbarei«. Stichtag der Barbarei weiterlesen »

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