Buch zu geretteten Kindern von Gurs. Gespräch mit Brigitte und Gerhard Brändle
antifa: Warum befasst ihr euch mit dem Internierungslager Gurs?
Gerhard Brändle: Weil bis Ende der 1970er-Jahre niemand genau hingeschaut hat – über Leid, Not, Mangelernährung, Siechtum und Tod hinaus. Deswegen war das Narrativ in Baden und in Pforzheim, wo wir herkommen, gleich: 22. Oktober 19401 Verschleppung nach Gurs, ab Sommer 1942 Deportation in die Todesfabriken, alle, fast alle ermordet.
antifa: Warum habt ihr euch dem Thema »Rettung« gewidmet?
Brigitte Brändle: Weil wir bei der Dokumentation der Schicksale, vor allem der Kinder in Gurs, immer wieder Überlebende fanden sowie kennenlernten und damit klar wurde, dass die Nazis ihre Vernichtungspläne nicht durchsetzen konnten. Statt alljährlich am 22. Oktober das Ritual des Erinnerns an Verfolgung, Verschleppung und Mord zu wiederholen, haben wir untersucht, wer eben nicht umgebracht wurde. Ergebnis: 417 der 563 aus Baden, der Pfalz und dem Saarland nach Gurs verschleppten Kinder wurden gerettet. Zuerst halfen die Berichte der überlebenden »Kinder«, die unsere Arbeit unterstützt haben, dann auch unsere Beziehungen zu RetterInnen bzw. deren Nachkommen. Das ging nur, weil die Menschen erst erstaunt und dann erfreut waren, dass wir die Frage nach diesem Abschnitt ihres Lebens stellten. Sie haben – wenn auch zum Teil in schmerzender Erinnerung – bereitwillig ihre Herzen sowie Dokumenten- und Fotomappen geöffnet. Etwas Selbstverständliches weiterlesen »



























