Deepfakes aus dem KZ

geschrieben von Niklas Tretow

8. März 2026

Die Gefahr von KI-Bildern für ein würdiges Erinnern an den Holocaust

Aktuell blicken Gedenkstättenbetreiber*innen und andere Akteur*innen im Bereich der Gedenk- und Erinnerungsarbeit mit Sorge auf die Auswirkungen von Künstlicher Intelligenz auf das Holocaustgedenken. In den sozialen Medien tauchen vermehrt KI-generierte Bilder und Videos aus Konzentrations- und Vernichtungslagern des deutschen Faschismus auf. Sie zeigen meist emotionale Szenen mit Häftlingen, Täter*innen und Befreier*innen. Viele der Bilder und Videos sind von Personen mit einer gewissen Medienkompetenz schnell als Fakes auszumachen: Sie wirken zu modern, glatt, zeigen unnatürliche Bewegungen oder Schrift, die keinen Sinn ergibt. Doch die Entwicklung generativer KI schreitet schnell voran, und so entstehen auch immer realistischere Fakes, die erst auf den zweiten Blick oder durch KI-Erkennungstools als solche zu erkennen sind. Deepfakes aus dem KZ weiterlesen »

Prozesswelle gegen Antifaschist*innen

geschrieben von Ulrich Stuwe

8. März 2026

Staatsschutzjustiz forciert Mammutprozess mit umstrittener Beweisführung

Das Oberlandesgericht Düsseldorf eröffnete Mitte Januar einen Prozess wegen versuchten Mordes, Bildung einer kriminellen Vereinigung und gefährliche Körperverletzung gegen fünf Antifaschistinnen und einen Antifaschisten. Angeklagt wurden sie, weil sie in Erfurt (Thüringen) 2022 und in Budapest 2023 Neonazis überfallen und schwer verletzt haben sollen. Die Identifizierung der bei der Tat maskierten Täterinnen und Täter soll durch ein Gutachten erfolgen, in dem die digitalen Skelette der Angeklagten anhand von Videoaufnahmen abgeglichen werden. Zu der Gruppe soll auch Johannes G. gehören, gegen den zusammen mit sechs weiteren Personen seit Ende November in Dresden wegen der gleichen Delikte verhandelt wird – es sind über 100 Prozesstage geplant –, außerdem Maja T. Prozesswelle gegen Antifaschist*innen weiterlesen »

Jugend gegen Zwangsdienst

geschrieben von Sam

8. März 2026

Nach Erfolg im Dezember ruft die Bewegung für den 5. März erneut zum Streik gegen Wehrpflicht auf

Rund 55.000 Schülerinnen und Schüler haben am 5. Dezember 2025 bei einem bundesweiten Aktionstag gegen die Wehrpflicht gestreikt. Am selben Tag wurde in Berlin das »Wehrdienst-Modernisierungsgesetz« (WDModG) beschlossen. Das Gesetz beinhaltet vorerst einen Fragebogen, der für alle 18-jährigen Männer verpflichtend auszufüllen ist, Frauen dürfen ihn ausfüllen. Wir nennen das die »Wehrpflicht durch die Hintertür«, denn: Das Gesetz beinhaltet jetzt schon eine Wehrpflicht für den Fall, dass sich nicht genug Freiwillige durch die Fragebögen auftreiben lassen. Es wird in den Medien aber immer von dieser Freiwilligkeit des Modells geschwärmt. Zugleich kommunizieren Minister in Talkshows offen, dass, wenn es zum Kriegsfall kommt, alle eingezogen werden. Jugend gegen Zwangsdienst weiterlesen »

Kampagne gegen Debanking erfolgreich

geschrieben von Nils Becker

8. März 2026

Im Dezember 2025 kündigten die Sparkasse Göttingen und die GLS-Bank der Roten Hilfe die Girokonten. Auch andere Vereine, Journalist*innen und Parteien sind immer wieder betroffen vom sogenannten Debanking, dem faktischen Entzug der Geschäfts- und Arbeitsfähigkeit.

Dagegen regte sich schon Ende des Jahres deutlicher Widerstand. Einerseits weil die GLS-Bank eine Genossenschaftsbank mit sozialökologischem Anspruch ist und damit viele Kund*innen und Genoss*innen mit gleichem Anspruch enttäuscht waren. Hinzu kam, dass die Rote Hilfe mit über 10.000 Mitgliedern wohl eine der größten Strukturen der außerparlamentarischen Linken ist. Andererseits sahen viele in dem Kontoentzug auch den langen Arm der US-Regierung, antifaschistische und linke Organisationen zu kriminalisieren – auch wenn sie nicht in den USA aktiv sind. Die zeitliche Nähe zu entsprechenden Erklärungen Trumps war eindeutig, auch wenn die GLS-Bank regulatorische Bestimmungen der EU und der Bankenaufsicht als Begründung vorschob. Kampagne gegen Debanking erfolgreich weiterlesen »

Erzählgemeinschaften

8. März 2026

Interview mit Felix Schilk zu Grenzen des demokratischen Konservatismus

antifa: Für die Bundesarbeitsgemeinschaft Kirche und Rechtsextremismus hast du kürzlich ein Referat zu den »Grenzen des demokratischen Konservatismus« gehalten. Worum ging es dabei?

Felix Schilk: Im Vortrag ging es um eine bestimmte Strömung des Konservatismus, die christlich und humanistisch geprägt ist. Mir ist aber wichtig hervorzuheben, dass es nicht den einen Konservatismus gibt. Historisch betrachtet handelt es sich beim Konservatismus um eine politische Ideologie, die sich deutlich flexibler und opportunistischer an die jeweiligen Epochen anpasst als etwa liberale oder sozialistische Ideologien.

Den Kern des konservativen Denkens bilden nicht moralische Leitlinien, sondern Hegemonie- und Machtansprüche, für deren Durchsetzung fortwährend neue Methoden und Strategien entwickelt werden. Die ideologische Offenheit des Konservatismus gegenüber Themen und Strategien kann in Phasen, in denen die Gesellschaft insgesamt autoritärer wird, sehr gefährlich sein. In den meisten Ländern ist der demokratische Konservatismus eine historische Ausnahmeerscheinung, die nur durch den mäßigenden Einfluss des christlichen Menschenbildes entstehen konnte. In dem Beitrag für die evangelische Kirche ging es daher um die Deutungskämpfe darum, was heute konservativ ist. Die wichtige Frage ist ja, wie dieser grundsätzlich offene Konservatismus mit demokratischen Werten gefüllt werden kann, statt ihn der Rechten zu überlassen. Erzählgemeinschaften weiterlesen »

Die AfD als Familienunternehmen

geschrieben von Janka Kluge

8. März 2026

Netzwerke und Posten: Wie sich die selbsternannte Antikorruptionspartei in personelle Abhängigkeiten verstrickt

Die AfD steht erneut im Zentrum eines Skandals, den sie selbst verursacht hat. In Medien und Öffentlichkeit macht der Begriff der Vetternwirtschaft die Runde. Der Vorwurf: Abgeordnete der Partei beschäftigen bevorzugt Familienangehörige anderer AfD-Mandatsträger – ein Geflecht, das zwar juristisch oft schwer angreifbar ist, politisch jedoch ein deutliches Geschmäckle hinterlässt. Im Abgeordnetengesetz des Bundestags ist geregelt, dass Abgeordnete ihre Ehepartner sowie Verwandte ersten Grades nicht beschäftigen dürfen. Nicht eindeutig geregelt ist jedoch die Anstellung von Lebenspartner*innen ohne Trauschein – eine Lücke, die offenbar genutzt wird. Die AfD als Familienunternehmen weiterlesen »

Die Sammelwut der AfD

geschrieben von Janka Kluge

8. März 2026

Feindeslisten, Datenweitergabe und Einschüchterung politischer Gegner*innen

Die AfD hat im Bundestag nach dem Vorbild der USA im Oktober 2025 einen Antrag zum Verbot der »Antifa« eingebracht, der im Januar 2026 von allen Parteien, außer der AfD abgelehnt wurde. Parallel lieferten sie Daten über angebliche politische Gegner*innen an US-Behörden.

Es gibt eine lange Tradition, Listen von politischen Gegnern anzulegen. Bereits 2017 hat der damalige baden-württembergische AfD-Landtagsabgeordnete Heiner Merz eine Liste mit 25.000 Namen und Adressen an Parteifreunde verschickt. Die Daten stammten wahrscheinlich aus einer 2015 gehackten Internetseite eines Punk-Versandhandels. Die Liste wird seitdem immer wieder als »Antifa-Liste« veröffentlicht. 2022 wurden die Namen auf einer Internetlandkarte von rechten Impfgegnern veröffent-licht. Es hieß die »Jäger (werden) nun zu Gejagten«. Die Sammelwut der AfD weiterlesen »

Meldungen

geschrieben von Ulrich Stuwe

8. März 2026

AfD: Gericht bremst VS

Das Verwaltungsgericht Köln hat kurz vor Drucklegung dieser Ausgabe Ende Februar die Einstufung der AfD als »gesichert rechtsextremistisch« durch das Bundesamt für Verfassungsschutz im Eilverfahren vorläufig gestoppt. Die Behörde darf die Partei bundesweit weder so bezeichnen noch entsprechend behandeln. Zwar gebe es verfassungsfeindliche Bestrebungen einzelner Akteure, diese prägten aber nicht das Gesamtbild. Die AfD bleibt Verdachtsfall; der Einsatz nachrichtendienstlicher Mittel ist weiter möglich. Im Hauptsacheverfahren muss der Verfassungsschutz nun zusätzliche, belastbare Belege vorlegen. Gegen den Eilbeschluss ist zudem Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht möglich.

Rechte Soldaten im Visier

Nach mutmaßlichen Fällen von neofaschistischen und sexualisierten Vorfällen sowie Drogenmissbrauch bei einem Fallschirmjägerregiment hat die Bundeswehr eigenen Angaben zufolge bereits bis Ende Dezember drei Soldaten entlassen; gegen 19 weitere wurden Entlassungen eingeleitet. Weitere Meldungen weiterlesen »

Die Chiffren funktionieren

8. März 2026

Wie die AfD Antisemitismus umdeutet und politisch instrumentalisiert. Ein Gespräch mit Stefan Dietl

antifa: In deinem Buch »Antisemitismus und die AfD« beschreibst du Antisemitismus als ein zentrales Ideologie- und Welterklärungsmodell der AfD. Gleichzeitig inszeniert sich die Partei öffentlich als entschiedene Gegnerin von Antisemitismus. Ist das vor allem politisches Kalkül? Oder gibt es innerhalb der AfD auch ideologisch verankerte Motive für diese Positionierung?

Stefan Dietl: Zunächst einmal ist das vor allem instrumentell. Die Art und Weise, wie sich die AfD in Bezug auf Antisemitismus positioniert, dient in erster Linie dazu, vom eigenen Antisemitismus abzulenken. Die Partei thematisiert Antisemitismus fast ausschließlich externalisierend – also in Bezug auf Minderheiten oder Geflüchtete. Daran wird das politische Kalkül deutlich: Man grenzt sich rhetorisch von Antisemitismus ab, um den eigenen zu verdecken. Das schließt allerdings nicht aus, dass es innerhalb der AfD auch Einzelne gibt, die sich tatsächlich als Kämpfer gegen Antisemitismus verstehen. Beides kann nebeneinander bestehen. Die Chiffren funktionieren weiterlesen »

Ein wachsendes Netzwerk

8. März 2026

Interview zur Bezahlkarte für Geflüchtete

antifa: In Hamburg wurde die Bezahlkarte für Geflüchtete vor zwei Jahren als Pilotprojekt eingeführt. Wie ist der aktuelle Stand der Umsetzung bundesweit?

Vanessa: Zumindest gibt es die gesetzlichen Voraussetzungen und den Willen, das bundesweit umzusetzen. Eine Kooperation von Visa, SAP und anderen Finanzdienstleistern stellt die Karten seit März 2025 zur Verfügung. Bei der Umstellung darauf gibt es aber unterschiedliche Geschwindigkeiten – je nachdem wie ambitioniert die Verantwortlichen in den Bundesländern, Landkreisen und Kommunen sind. In Bayern gilt die Karte schon landesweit. In Berlin ist sie nur für neu ankommende Geflüchtete für dieses Frühjahr geplant. Auch ist die Umsetzung unterschiedlich drastisch gestaltet. In Bayern ist beispielsweise der Einkauf mit der Karte auf bestimmte Postleitzahlengebiete begrenzt. Für Kommunen in NRW hat die Landesregierung eine Opt-out-Regelung ins Landesgesetz geschrieben – die Kommunen müssen die Karte also nicht einführen und können beim alten Modell des Bargelds oder Schecks bleiben. Dahinter stehen nicht nur politische Erwägungen, sondern auch technische Hürden und Verwaltungsmehraufwand. Der ist für viele Kommunen nicht zu stemmen. Überambitioniert ist allerdings Hamburg. Der rot-grüne Senat testet die Bezahlkarte auch für andere Gruppen, so zum Beispiel unbegleitete Jugendliche. Ein wachsendes Netzwerk weiterlesen »

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