Das Landesamt für Verfassungsschutz Niedersachsen hat – wie Anfang April bekannt wurde – einige Mitglieder linker Parteien darüber informiert, dass es sie mit geheimdienstlichen Mitteln beobachtet hatte. Betroffen davon waren mindestens drei Mitglieder von Die Linke und fünf der Deutschen Kommunistischen Partei. Über die Gründe der Überwachung teilten die Schreiben nichts mit.
Reichsbürger bei Wahl
19. Mai 2021
Der nach eigenen Aussagen ehemalige »Reichsbürger« Stefan Woller kandidierte am 25. April für das Bürgermeisteramt in Demmin. Woller zählte bis Februar 2019 zur Gruppe »Freistaat Preußen«. Im Oktober 2019 kam es bei ihm wegen des Verdachts der Verbreitung verfassungsfeindlicher Schreiben zu einer Hausdurchsuchung. Auch in der Corona-Leugner-Szene Demmins war er aktiv. Woller erhielt 23,5 Prozent der Stimmem, gewählt wurde schließlich der CDU-Politiker Thomas Wittkowski.
Mörderpolizist verurteilt
19. Mai 2021
Zu Redaktionsschluss, am 21. April, erging das Urteil gegen den Polizisten Derek Chauvin wegen Mordes zweiten Grades an dem Afroamerikaner George Floyd und weiterer Anklagepunkte. Chauvin hatte dem mit Handschellen gefesselten und fixierten Floyd neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser wiederholt geklagt hatte, dass er keine Luft bekomme. Die zwölfköpfige Jury in Minneapolis verurteilte Chauvin zu 75 Jahren Haft. Die Verurteilung weiterer beteiligter Polizisten ist noch nicht erfolgt. Der Tod von Floyd sorgte weltweit für die »Black Lives Matter«-Proteste.
Maaßen aufgestellt
19. Mai 2021
Am 30. April wurde Hans-Georg Maaßen mit 37 von 43 Stimmen als Direktkandidat für den Bundestagswahlkreis 196 in Südthüringen aufgestellt. Maaßen hatte als VS-Präsident die Nähe zur AfD gesucht. Auch hatte er die Wahl von Thomas Kemmerich (FDP) zum thüringischen Ministerpräsidenten Anfang 2020 mit AfD-Stimmen begrüßt.
Beeindruckender Fund
17. Mai 2021
Naziverbrechen: Entdeckte Fotosammlung der Leipziger VVN-BdA geht an die Gedenkstätte Zeithain
Leipzig, September 2020. Vor uns stand eine Archivkiste mit dem schlichten Vermerk »Historische Dokumente bis 1945«. »Da sind auch Fotos von Zeithain drin«, sagte Johannes Thurm, der gemeinsam mit Ursel Olaru zehn Jahre ehrenamtlich das Vereinsarchiv betreut hatte. Thurm wusste, dass ich schon seit einiger Zeit versuchte, eine Gedenkstättenfahrt nach Zeithain zu organisieren. 2020 hatte uns aber die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Beeindruckender Fund weiterlesen »
Der verlorene Winkel
17. Mai 2021
Die Restaurierung eines Gedenksteins in Mainz erzählt deutsche Geschichte
Als sich am 21. März 1948 mehr als zweihundert Überlebende der Gefängnisse und Konzentrationslager des deutschen Faschismus auf dem Waldfriedhof im Mainzer Stadtteil Mombach versammelten, bestand noch ein breiter antifaschistischer Konsens in der Gesellschaft. Die Kundgebung fand auf Einladung der VVN statt. Es wurde ein Grundstein für ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus gelegt. Der Mainzer Domkapitular Schwalbach, selbst ehemaliger KZ-Häftling, hielt die Rede zur Grundsteinlegung. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Emil Kraus übernahm den Gedenkstein – mit Dank an die VVN – in die Obhut der Stadt. Neben der Inschrift »Im Gedenken an die unsterblichen Opfer des Faschismus 1933–1945« war in den roten Quarzstein ein Winkel eingemeißelt. In das Fundament ist ein Dokument eingemauert. Darin steht zu lesen: »Die VVN sieht es als ihre Ehrenpflicht an, den 11 Millionen Toten aller Nationen, die durch das Naziregime hingemordet wurden, ein bleibendes Ehrenmal auf dem Waldfriedhof Mainz-Mombach zu errichten. Aus der Bruderschaft der Nationen, die im Zuchthaus und Konzentrationslager wuchs, sollte eine neue Ära der Völkerverständigung und des Völkerfriedens entstehen.« Der verlorene Winkel weiterlesen »
Nachruf für Günter Pappenheim
17. Mai 2021
Antifaschist und Überlebender des KZ Buchenwald am 31. März 2021 95jährig verstorben
Mit großer Trauer mussten wir erfahren, dass Günter Pappenheim, Überlebender des KZ Buchenwald, erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, jahrzehntelang Mitglied der VVN und ihrer Nachfolgeverbände und Mitglied des Ehrenpräsidiums der FIR im Alter von 95 Jahren verstorben ist.
Aufgewachsen in einer sozialdemokratisch geprägten Familie, musste er bereits 1934 erleben, dass die Nazis seinen Vater wegen seiner antifaschistischen Haltung im Moorlager Neusustrum ermordeten. Er selber wurde als Jugendlicher verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Sein »Verbrechen«: Er hat für französische Zwangsarbeiter heimlich die Marseillaise auf einer Ziehharmonika gespielt. Gemeinsam mit seinen Kameraden sprach er am 19. April 1945 auf dem Appellplatz den »Schwur von Buchenwald«, der ihm Zeit seines Lebens die politische Richtschnur war: »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln, Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit«. Nachruf für Günter Pappenheim weiterlesen »
Fehlende Aufmerksamkeit
17. Mai 2021
Zu antifa März/April, »Ein Heldinnenepos«, Seite 29

Anne Beaumanoir: Wir wollten das Leben ändern. Edition Contra-Bass, Hamburg 2019 und 2020; Band 1: Leben für Gerechtigkeit. Erinnerungen 1923–1956. 208 Seiten, 15 Euro; Band 2: Kampf für Freiheit. Algerien 1954–1965. 232 Seiten, 16 Euro
Von Anne Beaumanoir, der Heldin des mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten »Heldinnenepos« von Anne Weber, das in der antifa-Ausgabe von März/April 2021 von Janka Kluge rezensiert wurde, existiert eine kurz zuvor erschienene Autobiographie in deutscher Sprache. Da sie in einem kleinen Verlag erschien, erregte sie leider nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Ich empfehle die zwei Bände wärmstens, da sie ein authentischeres und auch genaueres Bild von Anne Beaumanoirs lebensgefährlichem Engagement in der französischen Résistance und im algerischen Unabhängigkeitskampf vermitteln und zudem auch ihre heutigen Einschätzungen darüber enthalten. Teilweise widerspricht die Autobiographie dem Epos, in das Anne Webers eigene Urteile und Empfindungen eingeflossen sind. Verkitscht erscheint mir z. B. im Epos die Reue der Heldin, ihr Familienleben geopfert zu haben. Weil es sich hier um eine Frau handelt? Männlichen Revolutionären wird es so gut wie immer nachgesehen, wenn sie ihre Kinder zurücklassen – was uns freilich zum Nachdenken bringen sollte. Anne Beaumanoir selber schreibt dazu ganz klar, dass sie an der Trennung von ihren Kindern natürlich gelitten habe, und auch ihre Kinder hätten gelitten. Schließlich aber hätten auch ihre Kinder verstanden, dass »ohne diesen Opfermut« kein Engagement an vorderster Front möglich wäre: »Der Kampf an der Seite der Unterdrückten muss sich uns auf absolute, unwiderlegbare Weise aufdrängen, um alle Wagnisse einzugehen, selbst, an seinem Engagement leiden zu müssen«. Das bedeute, auch in Extremsituationen »nicht abzufallen«.
Sabine Kebir, Berlin
50 Jahre »Bund der Antifaschisten«
17. Mai 2021
1971 öffnete sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes für nachgeborene Generationen
Die VVN-BdA hat im Laufe ihrer fast 75jährigen Geschichte nicht nur Angriffe und Anfeindungen überstehen müssen, sondern auch mehrere einschneidende Kulturbrüche erlebt. Dass sie diese nicht nur unbeschadet, sondern vielmehr gestärkt bewältigen konnte, zeigt zum einen die große Lebendigkeit der antifaschistischen Idee. Zum anderen wird hierin aber auch die Bereitschaft der Organisation sichtbar, die historischen Erfahrungen des antifaschistischen Kampfes und die damit verbundenen Anforderungen an Bündnisbreite und politische Offenheit nicht nur zu erklären, sondern mit Leben zu füllen. 50 Jahre »Bund der Antifaschisten« weiterlesen »
Seid wachsam
17. Mai 2021
Zur im Januar verstorbenen Antifaschistin Lore Pawlowski
Lore Pawlowski war das freundlichste Menschenkind, das wir kannten. Wir gehörten zwar der gleichen Vereinigung von Antifaschisten an, aber richtig kennengelernt haben wir Lore erst bei unserer Fahrt im Mai 1995 nach Kopenhagen, zu der uns der Widerstandskämpfer Frede Klitgaard anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung Dänemarks vom Faschismus eingeladen hatte. Lore und Alfons, ihr Ehemann, hatten da bereits das 70. Lebensjahr überschritten.
Was wir in Kopenhagen erlebten, haben wir bis heute nicht vergessen. Zum Jahrestag gab es eine große Feier. Am 4. Mai strömten mehr als 100.000 Menschen in einem Sternmarsch auf den Marktplatz der Stadt. Unterwegs standen an Straßeneinmündungen kleine Gruppen mit roten Fahnen. Wir erfuhren, dass sie sich dort aufgestellt hatten, wo Widerstandskämpfer wohnten, verhaftet und von den Faschisten ermordet worden waren. »Seid wachsam!« war die übereinstimmende Aussage. Erst nach Mitternacht endete die Kundgebung. Lore und Alfons immer dabei! Seid wachsam weiterlesen »






























