Die AfD nach Dresden

geschrieben von Thomas Willms

31. Mai 2021

Der Bundesparteitag markierte die Wende zum Schlechtesten

Wenn Politik die Kunst ist, in einer gegebenen Situation das Mögliche für die eigenen Ziele herauszuholen, ist Jörg Meuthen ein Politiker, Björn Höcke aber nicht. Selbstverständlich möchte Meuthen an die Macht, aber er verhält sich dabei wie ein »normaler« Politiker: Er organisiert Mehrheiten innerhalb der eigenen Partei, er sucht nach Bündnispartnern außerhalb derselben, und er orientiert sich bei der Zielformulierung daran, was (gerade noch) durchsetzbar scheint. Die AfD nach Dresden weiterlesen »

Versuch eines Überblicks

31. Mai 2021

Interview mit dem Rechercheprojekt »Entnazifizierung jetzt«

antifa: Unter dem Motto »75 Jahre sind nicht genug – Entnazifizierung jetzt« fanden am 8. Mai 2020 bundesweit Aktionen gegen Neonazis in staatlichen Institutionen statt. Im Aufruf stand: »Mit der Entnazifizierung ist es wie mit dem Aufräumen: Es ist nie erledigt, und man muss immer wieder von vorne beginnen.« In welcher Phase dieses »Aufräumens« sind wir gerade – vor dem 76. Jahrestag der Befreiung?

Jan Richter: Angelehnt an Marie Kondo (Netflix-Star) könnte man sagen, der Schrank ist nicht einmal leer geräumt worden, um sich einen Überblick zu verschaffen, geschweige denn etwas aussortiert und das Brauchbare wieder eingeräumt worden. Aber im Ernst, dass es in Deutschland je eine Entnazifizierung gab, die ihren Namen verdient, daran glaubt keine:r mehr. Im Gegenteil, in den 50er Jahren des vorigen Jahrhunderts, sind in der Bundesrepublik alte Nazis in die neu geschaffenen Behörden gehievt worden. Diese alten Nazis wurden wir erst los, als sie in den Ruhestand gingen. Nicht aber ihr ideologisches Erbe, das durch Corpsgeist und gewollte Unkontrollierbarkeit der Sicherheitsbehörden weiterwirken kann.   Versuch eines Überblicks weiterlesen »

Zweifelhafte Aktion

28. Mai 2021

Oberstleutnant Marcel Bohnert ist einer der Initiatoren der Ende Februar gestarteten Online-Aktion »#WirGegenExtremismus«, einer privaten Gruppe von Bundeswehrangehörigen. Ihn treiben allzu offensichtliche Interessen an: Bohnert ist Leiter der Social-Media-Abteilung der Bundeswehr, die Online-Kampagnen hauptsächlich zur Nachwuchsgewinnung einsetzt. Wie seit Jahren bekannt, ist Bohnert aber auch mit dem Instagram-Account eines Neofaschisten der »Identitären Bewegung« vernetzt und kommentiert einschlägige Beiträge mit »Gefällt mir«. Das Verteidigungsministerium teilte mit, dass sie die Vorwürfe »umgehend und sorgfältig« prüfen wolle.

Feindeslisten

28. Mai 2021

Als Reaktion auf die Sammlung und Weitergabe von persönlichen Daten von Politikern und Aktivisten antifaschistischer und linker Organisationen, hat Anfang März das Bundesjustizministerium einen Gesetzentwurf zu »Feindeslisten« vorgelegt. Das bisher bekannte Material zum neuen Paragraphen 126a Strafgesetzbuch enthält Schwammiges. Eines ist aber bereits absehbar: Die neue Rechtsprechung soll hauptsächlich gegen linke und antifaschistische Personen zur Anwendung kommen. Der Entwurf überlässt es völlig der Richterschaft zu entscheiden, wann die Verbreitung öffentlich zugänglicher Daten geeignet ist, eine Person oder ihr nahestehende Personen der Gefahr eines Verbrechens auszusetzen. Allein die Bewertung der Verbreiter oder des Verbreitungsmediums als »extremistisch« durch die »Sicherheitsbehörden« könnte laut Entwurfsbegründung für eine solche »Eignung« ausreichen.

Notorische NS-Verharmloser

geschrieben von Andreas Siegmund-Schultze

28. Mai 2021

Zahlreiche Aktionen von Neonazis und Querdenkern am 1. Mai von umfangreichen Protesten begleitet

Bezogen auf die Zahl an Teilnehmer:innen hat das »Querdenken«-Spektrum am 1. Mai der traditionellen Neonaziszene in diesem Jahr den Rang abgelaufen. Bundesweit gingen einige tausend Verharmloser:innen der Pandemie auf die Straße. Die größte Aktion gab es mit rund 1.000 Teilnehmenden in Hannover. Mehrere hundert Menschen versammelten sich zudem trotz Verbots in Weimar vor dem Amtsgericht. Hier wollten sie sich mit einem Richter solidarisieren, der am 8. April in einem – mit allerei Schwurbel-Propaganda versehenen – 180seitigen Urteil die Maskenpflicht zweier Schüler für rechtswidrig erklären wollte. Notorische NS-Verharmloser weiterlesen »

Gelder gestrichen

25. Mai 2021

Im sächsischen Plauen hat Ende März ein Bündnis der Stadtratsfraktionen aus CDU, AfD und Der »III. Weg« dafür gesorgt, dass einem Demokratieprojekt gegen rechts 8.000 Euro Förderung gestrichen wurden. Das »Bündnis für Demokratie, Toleranz und Zivilcourage« war 2012 als Runder Tisch mit Beteiligung der CDU gegründet worden. Diese zog sich 2019 wegen eines Plakats eines Bündnispartners gegen Ministerpräsident Michael Kretschmer aus dem Kreis zurück. Die CDU bestreitet hinsichtlich der Mittelstreichung, »bewusst gemeinsame Sache mit Rechtsaußen gemacht zu haben« (siehe Seite 19 im Länderteil).

Zwölf Jahre geklagt

25. Mai 2021

Der Bremer Anwalt und Publizist Rolf Gössner hat Ende März eine öffentliche Entschuldigung »aus berufenem Munde« für seine jahrzehntelange und rechtswidrige Überwachung durch den Verfassungsschutz gefordert. Der langjährige Präsident der »Internationalen Liga für Menschenrechte« war seit seiner Studienzeit kontinuierlich vom Verfassungsschutz wegen »linksextremistischer Bestrebungen« beobachtet worden. Dagegen hat Gössner vor zwölf Jahren Klage erhoben. Das Bundesverwaltungsgericht hat Ende letzten Jahres die Feststellung der Rechtswidrigkeit dieser Beobachtung durch alle Vorinstanzen bestätigt. Gössner forderte, auch politische und rechtliche Konsequenzen zu ziehen.

Mildes Urteil

25. Mai 2021

Der Stabsfeldwebel Philipp Sch. von der inzwischen aufgelösten 2. Kompanie des Kommandos Spezialkräfte (KSK) ist am 12. März zu einer zweijährigen Haftstrafe auf Bewährung verurteilt worden. Der Täter hatte eingestanden u. a. ca. 5.000 Schuss Munition und zwei Kilo Sprengstoff aus Bundeswehrbeständen gestohlen und in seinem Garten vergraben zu haben. Obwohl bei ihm auch neofaschistisches Propagandamaterial gefunden wurde, konnte das Landgericht Leipzig keine gefestigte »rechtsextremistische Geisteshaltung« feststellen. Auch könne seine Behauptung nicht widerlegt werden, dass er nur Munitionsengpässe bei der Schießausbildung überbrücken wollte.

Prozess eröffnet

22. Mai 2021

Am 13. April hat das Strafverfahren gegen die zwölf Mitglieder der neofaschistischen »Gruppe S.« (benannt nach ihrem Anführer Werner Somogyi) begonnen. Die Terrorgruppe soll laut Anklage Anschläge auf Moscheen geplant haben, auch konkrete Umsturzpläne soll es gegeben haben. Ebenso sei ein Anschlag auf den Bundestag besprochen worden. Kurz vor Prozessbeginn wurde bekannt, dass der mutmaßliche Rädelsführer Kriegswaffen für die Gruppe beschaffen wollte.

Fristlos entlassen

22. Mai 2021

Anfang April ist der Chef des sächsischen Landeskriminalamtes (LKA), Petric Kleine, mit sofortiger Wirkung entlassen worden. Ebenso der für die Spezialkräfte zuständige Abteilungsleiter. Hintergrund sind Ermittlungen gegen 17 Polizeibeamte des Mobilen Einsatzkommandos Dresden wegen Diebstahls, Verstößen gegen das Waffengesetz und Bestechlichkeit. Vier Beamte sollen 7.000 Schuss Munition aus der Waffenkammer gestohlen und als Bezahlung für ein Schießtraining in Mecklenburg-Vorpommern verwendet haben. Geprüft werden auch Verbindungen zur extrem rechten Gruppe »Nordkreuz«.

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