Legende vom Genozid an Weißen

geschrieben von Christian Selz, Kapstadt

17. Mai 2021

Südafrikas Rechte instrumentalisiert »Farmmorde«, um gegen geplante Landreform Stimmung zu machen

Bis zum Oktober vergangenen Jahres war Senekal selbst den meisten Südafrikanern wohl eher unbekannt. Der kleine Ort in der Provinz Freistaat, der Kornkammer des Landes, zählte bei der letzten Volkszählung 2011 gerade einmal 3.466 Einwohner. Im benachbarten Township Matwabeng leben demnach auf einer etwa gleich großen Fläche 22.076 Menschen. Senekal ist eines dieser von der Landwirtschaft geprägten, verschlafen wirkenden Städtchen, wie sie allerorten im ländlichen Südafrika zu finden sind. Die Geschäfte dort werden von den weißen Farmeignern dominiert. In Matwabeng dagegen leben die Schwarzen, die Farmarbeiter und Arbeitslosen. An diesen Verhältnissen hat sich – ein paar wenige schwarze Farmer bilden die Ausnahme von der Regel – wenig geändert im Post-Apartheid-Staat, in den nunmehr 27 Jahren nach den ersten freien Wahlen. Legende vom Genozid an Weißen weiterlesen »

Erschaffen statt bewahren

geschrieben von Ann Wiesental und Rebecca Wilbertz

17. Mai 2021

Die Arbeit der Bibliothek des Konservatismus (BdK)

Das von der Soziologin Lilian Hümmler verfasste Buch »Wenn Rechte reden« bringt wissenschaftliche Analyse und Antifa-Recherche zusammen. Die Autorin wirft dort einen feministisch-soziologischen Blick auf den ideologischen Thinktank der sogenannten Neuen (extremen) Rechten, die Bib­liothek des Konservatismus (BdK). Sie untersucht die unterschiedlichen diskursiven und rhetorischen Strategien der Redner*innen, die dort bei Veranstaltungen auftreten oder Texte in den hauseigenen Organen veröffentlichen. Erschaffen statt bewahren weiterlesen »

Bereit zur Eskalation

geschrieben von Axel Holz

17. Mai 2021

Wie die Akteure der extremen Rechten punktuell zusammenarbeiten

›Einzeltäter‹ ist seit Jahrzehnten das regelmäßig wiederkehrende Stichwort in der juristischen und politischen Debatte zu rassistisch und neonazistisch initiierten Gewalttaten. Dem stellt Wilhelm Heitmeyer mit seinen Mitautoren die Analyse rechter Bedrohungsallianzen entgegen.

Zusammen mit Peter Sitzer und Manuela Freiheit dokumentiert Heitmeyer am Beispiel der Ausschreitungen vom August 2018 in Chemnitz, wie sich innerhalb eines Kontinuums Allianzen im extremen rechten Milieu herausbilden. Bereits 2012 hatte er dazu sein Modell eines konzentrischen Eskalationskontiniuums entwickelt. Demnach stehen in einem Wirkungszusammenhang ganz außen menschenfeindliche Einstellungen. Im Zentrum des Eskalationsmodells stehen terroristische Zellen. Dazwischen finden sich organisierte Akteure, Vordenker, systemfeindliche Milieus und Unterstützernetzwerke. Von außen nach innen nimmt die Gewaltbereitschaft zu, und die jeweils äußere Schicht liefert ihrer inneren Nachbarin Legitimation. Mit dem Buch »Rechte Bedrohungsallianzen« schließt Heitmeyer an seinen Band »Autoritäre Versuchungen« aus dem Jahre 2018 an und an die Langzeitstudie »Deutsche Zustände«, die er von 2002 bis 2011 durchgeführt hatte. Bereit zur Eskalation weiterlesen »

Einfühlsam, bestärkend

geschrieben von Peps Gutsche

17. Mai 2021

Ein neues Buch will Schwarze Superheldinnen nach vorn holen

Superheldinnen sind ein wichtiger Teil von Popkultur. Der Kampf »good vs. evil« wird in Comic-Heften und auf Kinoleinwänden von unterschiedlichsten Superheld*innen ausgetragen. Eine große Reichweite und wichtige politische Debatten erreichte dabei 2018 die Verfilmung von »Black Panther«. Diese begeisterte nicht nur durch die vielfältige Repräsentation Schwarzer Charaktere, sondern auch aufgrund der Thematisierung von Rassismus und Schwarz-Sein in einer durch weiße Vormachtstellungen strukturierten Welt. Neben dem Black Panther, Prinz T’Challa, stehen starke Schwarze Frauen: Nakia, seine Jugendliebe, die Kämpferin Okoye und Schwester Shuri, die durch ihre technischen Fähigkeiten beeindruckt. Doch auch diese bleiben ähnlich wie die Schwarze Superheldin Storm aus den X-Men-Comics eher in Nebenrollen. Einfühlsam, bestärkend weiterlesen »

Ideologisch eingebettet

geschrieben von Bernd Kant

17. Mai 2021

Einführung zum Antisemitismus im »Dritten Reich«

Im Alltagsbewusstsein verbindet sich mit dem NS-Regime das Stichwort Judenverfolgung. Am 27. Januar und 9. November sieht man in allen Medien Dokumentationen, in Bibliotheken findet man zahllose Veröffentlichungen zum Thema. Was kann vor diesem Hintergrund eine Veröffentlichung, die sich auch noch mit knapp 160 Seiten begnügt, Neues bringen? Ideologisch eingebettet weiterlesen »

Veränderter »Tatort«

geschrieben von Christian Meyer

17. Mai 2021

Wenn sich Krimis an der Hufeisentheorie versuchen und Polizeikritik zerstreuen

Die Krimiserie »Tatort« bleibt beliebt. Man fragt sich zunehmend, warum. Vor allem die Hauptrollen haben meist recht wenig mit der Polizei gemein, die man von Verkehrskontrollen und Demos kennt. Die uniformierten sonstigen Polizist_innen, die mit ihren Dialekten das jeweilige Regionalflair beisteuern, werden dafür oft als unfreundlich, grob oder latent rassistisch gezeigt. Doch solange das nur die niederen Dienstgrade betrifft, gibt es im »Tatort« kein Polizeiproblem. Immer wieder sickern politisierbare Sachverhalte von Asylpolitik bis Windkraft in den Krimi ein und treiben dabei oft bizarre Blüten. Die Folgen »Hetzjagd« und »Heile Welt« (beide gesendet im Februar) setzten hier allerdings neue Standards. Sie widmen sich unterschiedlichen Phänomenen der extremen Rechten mit Drehbüchern, die irgendwo zwischen Groschenroman, Compact-Magazin und Verfassungsschutzbericht einzuordnen sind. Veränderter »Tatort« weiterlesen »

Fanatiker überzeugen?

geschrieben von Janka Kluge

17. Mai 2021

Die Nähe zwischen Erich Fried und Michael Kühnen thematisiert ein neues Buch

Der Dichter und Übersetzer Erich Fried wäre im Mai dieses Jahres 100 Jahre alt geworden. Aus diesem Anlass hat sich der Journalist Thomas Wagner in einem neuen Buch mit einer Episode aus dem Leben Frieds beschäftigt. Erich Fried verband angeblich eine Freundschaft mit Michael Kühnen, dem wohl bekanntesten deutschen Neonazi der siebziger und achtziger Jahre. »Eine deutsche Freundschaft« heißt das Buch im Untertitel. Fanatiker überzeugen? weiterlesen »

Tagebuch eines Gettos

geschrieben von Janka Kluge

17. Mai 2021

In Lodz wurde das Leben dokumentiert

Der Krieg erreichte Lodz am 8. September 1939. Nach den Plänen der Nazis sollten die 223.000 Juden, die in der polnischen Stadt lebten, ein Drittel der Bevölkerung, sofort weiter in den Osten vertrieben und dadurch ermordet werden. Die Region rund um Lodz und Posen sollten unter dem Namen Warthegau Deutschland zugeschlagen werden. Aus diesem Grund ist Lodz 1940 in Litzmannstadt umbenannt worden. Am 10. Dezember 1939 hatte der Regierungspräsident von Kalisz-Lodz, Friedrich Uebelhoer, den Befehl zur Errichtung eines jüdischen Gettos in Lodz veröffentlicht. In dem Befehl hieß es: »Die Erstellung des Ghettos ist selbstverständlich nur eine Übergangsmaßnahme (…) Endziel muss jedenfalls sein, dass wir diese Pestbeule restlos ausbrennen.« Im April 1940 wurde ein Gebiet rund um die Armenviertel Baluty, Marysin und Stare Miasto zum Getto erklärt. Tagebuch eines Gettos weiterlesen »

Was da noch dräut

geschrieben von Daniel Bratanovic

17. Mai 2021

Heute ein Hauch von Weimar … Ein Sammelband scheut den Vergleich

Ein aufgrund der Corona-Pandemie erheblich gestörtes Zeitempfinden lässt das Ereignis in weite Ferne rücken: Am 5. Februar 2020 wählte ein Bürgerblock aus CDU und FDP einschließlich der offenen Faschisten der Höcke-AfD Thomas Kemmerich zum Ministerpräsidenten Thüringens. In Berlin, nicht in Erfurt wurde daraufhin entschieden, dass ein solcher Vorgang zu dieser Zeit nicht erwünscht ist – das Amt von Gnaden einer Bande völkischer Desperados, das war dann doch nicht akzeptabel und der internationalen Öffentlichkeit nicht vermittelbar. Kemmerich musste seinen Posten sogleich wieder räumen. Gleichwohl stand die bange Frage im Raum, ob damit nicht aufziehe, was schon einmal gewesen war. Schien wiederzukehren, was sich während der Endphase der Weimarer Republik zugetragen hatte? Was da noch dräut weiterlesen »

Unser Rücktitel im Mai

17. Mai 2021

Die Entscheidung der Crew des Seenotrettungsschiffs »Sea-Watch 4«, neben anderen Flaggen auch eine Antifa-Fahne zu hissen, hatte Anfang April einen rechten Shitstorm zur Folge. Demonstrativ platzierte die Besatzung daraufhin die Flagge »sichtbarer weiter oben«.

Die »Sea-Watch 4« war 2020 mithilfe von kirchlichen Spenden zur Rettung Geflüchteter ins Mittelmeer gestartet. Die aufrechte Haltung der Seenotretter:innen erfuhr zu Redaktionsschluss erneut den Hass von CDU über Welt bis AfD. Dem EKD-Ratsvorsitzenden Heinrich Bedford-Strohm fiel als Reaktion auf den Druck der Rechten nicht mehr ein, als zu fordern, die Fahne solle »alsbald eingeholt« werden. Fast zeitgleich wurde bekannt, dass erneut 130 Flüchtende im Mittelmeer ertranken. Nach Angaben von »Alarmphone« hatten sich Frontex, Italien, Malta und die libysche »Küstenwache« zuvor geweigert, den Schiffbrüchigen zu helfen Foto: Fabian Melber/Sea-Watch.org

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