Mörderpolizist verurteilt

19. Mai 2021

Zu Redaktionsschluss, am 21. April, erging das Urteil gegen den Polizisten Derek Chauvin wegen Mordes zweiten Grades an dem Afroamerikaner George Floyd und weiterer Anklagepunkte. Chauvin hatte dem mit Handschellen gefesselten und fixierten Floyd neuneinhalb Minuten lang das Knie in den Nacken gedrückt, obwohl dieser wiederholt geklagt hatte, dass er keine Luft bekomme. Die zwölfköpfige Jury in Minneapolis verurteilte Chauvin zu 75 Jahren Haft. Die Verurteilung weiterer beteiligter Polizisten ist noch nicht erfolgt. Der Tod von Floyd sorgte weltweit für die »Black Lives Matter«-Proteste.

Beeindruckender Fund

geschrieben von Daniela Schmohl

17. Mai 2021

Naziverbrechen: Entdeckte Fotosammlung der Leipziger VVN-BdA geht an die Gedenkstätte Zeithain

Leipzig, September 2020. Vor uns stand eine Archivkiste mit dem schlichten Vermerk »Historische Dokumente bis 1945«. »Da sind auch Fotos von Zeithain drin«, sagte Johannes Thurm, der gemeinsam mit Ursel Olaru zehn Jahre ehrenamtlich das Vereinsarchiv betreut hatte. Thurm wusste, dass ich schon seit einiger Zeit versuchte, eine Gedenkstättenfahrt nach Zeithain zu organisieren. 2020 hatte uns aber die Pandemie einen Strich durch die Rechnung gemacht. Beeindruckender Fund weiterlesen »

Der verlorene Winkel

geschrieben von Mathias Meyers

17. Mai 2021

Die Restaurierung eines Gedenksteins in Mainz erzählt deutsche Geschichte

Als sich am 21. März 1948 mehr als zweihundert Überlebende der Gefängnisse und Konzentrationslager des deutschen Faschismus auf dem Waldfriedhof im Mainzer Stadtteil Mombach versammelten, bestand noch ein breiter antifaschistischer Kon­sens in der Gesellschaft. Die Kundgebung fand auf Einladung der VVN statt. Es wurde ein Grundstein für ein Ehrenmal für die Opfer des Faschismus gelegt. Der Mainzer Domkapitular Schwalbach, selbst ehemaliger KZ-Häftling, hielt die Rede zur Grundsteinlegung. Der damalige Oberbürgermeister Dr. Emil Kraus übernahm den Gedenkstein – mit Dank an die VVN – in die Obhut der Stadt. Neben der Inschrift »Im Gedenken an die unsterblichen Opfer des Faschismus 1933–1945« war in den roten Quarzstein ein Winkel eingemeißelt. In das Fundament ist ein Dokument eingemauert. Darin steht zu lesen: »Die VVN sieht es als ihre Ehrenpflicht an, den 11 Millionen Toten aller Nationen, die durch das Naziregime hingemordet wurden, ein bleibendes Ehrenmal auf dem Waldfriedhof Mainz-Mombach zu errichten. Aus der Bruderschaft der Nationen, die im Zuchthaus und Konzentrationslager wuchs, sollte eine neue Ära der Völkerverständigung und des Völkerfriedens entstehen.« Der verlorene Winkel weiterlesen »

Nachruf für Günter Pappenheim

geschrieben von Ulrich Schneider, Bundessprecher der VVN-BdA

17. Mai 2021

Antifaschist und Überlebender des KZ Buchenwald am 31. März 2021 95jährig verstorben

Mit großer Trauer mussten wir erfahren, dass Günter Pappenheim, Überlebender des KZ Buchenwald, erster Vizepräsident des Internationalen Komitees Buchenwald-Dora und Kommandos, Vorsitzender der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora, jahrzehntelang Mitglied der VVN und ihrer Nachfolgeverbände und Mitglied des Ehrenpräsidiums der FIR im Alter von 95 Jahren verstorben ist.

Aufgewachsen in einer sozialdemokratisch geprägten Familie, musste er bereits 1934 erleben, dass die Nazis seinen Vater wegen seiner antifaschistischen Haltung im Moorlager Neusustrum ermordeten. Er selber wurde als Jugendlicher verhaftet und in das KZ Buchenwald verschleppt. Sein »Verbrechen«: Er hat für französische Zwangsarbeiter heimlich die Marseillaise auf einer Ziehharmonika ge­spielt. Gemeinsam mit seinen Kameraden sprach er am 19. April 1945 auf dem Appellplatz den »Schwur von Buchenwald«, der ihm Zeit seines Lebens die politische Richtschnur war: »Vernichtung des Nazismus mit seinen Wurzeln, Schaffung einer neuen Welt des Friedens und der Freiheit«. Nachruf für Günter Pappenheim weiterlesen »

Fehlende Aufmerksamkeit

17. Mai 2021

Zu antifa März/April, »Ein Heldinnenepos«, Seite 29

Anne Beaumanoir: Wir wollten das Leben ändern. Edition Contra-Bass, Hamburg 2019 und 2020; Band 1: Leben für Gerechtigkeit. Erinnerungen 1923–1956. 208 Seiten, 15 Euro; Band 2: Kampf für Freiheit. Algerien 1954–1965. 232 Seiten, 16 Euro

Anne Beaumanoir: Wir wollten das Leben ändern. Edition Contra-Bass, Hamburg 2019 und 2020; Band 1: Leben für Gerechtigkeit. Erinnerungen 1923–1956. 208 Seiten, 15 Euro; Band 2: Kampf für Freiheit. Algerien 1954–1965. 232 Seiten, 16 Euro

Von Anne Beaumanoir, der Heldin des mit dem deutschen Buchpreis ausgezeichneten »Heldinnenepos« von Anne Weber, das in der antifa-Ausgabe von März/April 2021 von Janka Kluge rezensiert wurde, existiert eine kurz zuvor erschienene Autobiographie in deutscher Sprache. Da sie in einem kleinen Verlag erschien, erregte sie leider nicht die ihr gebührende Aufmerksamkeit. Ich empfehle die zwei Bände wärmstens, da sie ein authentischeres und auch genaueres Bild von Anne Beaumanoirs lebensgefährlichem Engagement in der französischen Résistance und im algerischen Unabhängigkeitskampf vermitteln und zudem auch ihre heutigen Einschätzungen darüber enthalten. Teilweise widerspricht die Autobiographie dem Epos, in das Anne Webers eigene Urteile und Empfindungen eingeflossen sind. Verkitscht erscheint mir z. B. im Epos die Reue der Heldin, ihr Familienleben geopfert zu haben. Weil es sich hier um eine Frau handelt? Männlichen Revolutionären wird es so gut wie immer nachgesehen, wenn sie ihre Kinder zurücklassen – was uns freilich zum Nachdenken bringen sollte. Anne Beaumanoir selber schreibt dazu ganz klar, dass sie an der Trennung von ihren Kindern natürlich gelitten habe, und auch ihre Kinder hätten gelitten. Schließlich aber hätten auch ihre Kinder verstanden, dass »ohne diesen Opfermut« kein Engagement an vorderster Front möglich wäre: »Der Kampf an der Seite der Unterdrückten muss sich uns auf absolute, unwiderlegbare Weise aufdrängen, um alle Wagnisse einzugehen, selbst, an seinem Engagement leiden zu müssen«. Das bedeute, auch in Extremsituationen »nicht abzufallen«.

Sabine Kebir, Berlin

50 Jahre »Bund der Antifaschisten«

geschrieben von Ulrich Schneider

17. Mai 2021

1971 öffnete sich die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes für nachgeborene Generationen

Die VVN-BdA hat im Laufe ihrer fast 75jährigen Geschichte nicht nur Angriffe und Anfeindungen überstehen müssen, sondern auch mehrere einschneidende Kulturbrüche erlebt. Dass sie diese nicht nur unbeschadet, sondern vielmehr gestärkt bewältigen konnte, zeigt zum einen die große Lebendigkeit der antifaschistischen Idee. Zum anderen wird hierin aber auch die Bereitschaft der Organisation sichtbar, die historischen Erfahrungen des antifaschistischen Kampfes und die damit verbundenen Anforderungen an Bündnisbreite und politische Offenheit nicht nur zu erklären, sondern mit Leben zu füllen. 50 Jahre »Bund der Antifaschisten« weiterlesen »

Seid wachsam

geschrieben von Johanna Jawinsky/Marie-Louise Hänsel

17. Mai 2021

Zur im Januar verstorbenen Antifaschistin Lore Pawlowski

Lore Pawlowski war das freundlichste Menschenkind, das wir kannten. Wir gehörten zwar der gleichen Vereinigung von Antifaschisten an, aber richtig kennengelernt haben wir Lore erst bei unserer Fahrt im Mai 1995 nach Kopenhagen, zu der uns der Widerstandskämpfer Frede Klitgaard anlässlich des 50. Jahrestags der Befreiung Dänemarks vom Faschismus eingeladen hatte. Lore und Alfons, ihr Ehemann, hatten da bereits das 70. Lebensjahr überschritten.

Was wir in Kopenhagen erlebten, haben wir bis heute nicht vergessen. Zum Jahrestag gab es eine große Feier. Am 4. Mai strömten mehr als 100.000 Menschen in einem Sternmarsch auf den Marktplatz der Stadt. Unterwegs standen an Straßeneinmündungen kleine Gruppen mit roten Fahnen. Wir erfuhren, dass sie sich dort aufgestellt hatten, wo Widerstandskämpfer wohnten, verhaftet und von den Faschisten ermordet worden waren. »Seid wachsam!« war die übereinstimmende Aussage. Erst nach Mitternacht endete die Kundgebung. Lore und Alfons immer dabei! Seid wachsam weiterlesen »

Eine Kettenreaktion

geschrieben von Gerald Netzl

17. Mai 2021

Neu aufgelegte Analyse des Versuchs, 1934 den Austrofaschismus zu verhindern

Als in Deutschland im Januar 1933 Adolf Hitler die Macht übertragen wurde, regierte in Österreich der christlichsoziale Bundeskanzler Engelbert Dollfuß an der Spitze einer fragilen katholisch-rechten Koalition. Das Beispiel Deutschland vor Augen und gedrängt von Mussolini schaltete er am 4. März 1933 das Parlament aus. Sein Ziel war es, eine Kanzlerdiktatur zu etablieren. Vom 12. bis zum 15. Februar 1934 kam es in Teilen Österreichs zu schweren bewaffneten Kämpfen, die 350 bis 360 Tote forderten.

Otto Bauer, führender Theoretiker des Austromarxismus und der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei, flüchtete noch während der Kämpfe in die CSR, um dem Henker zu entgehen. Nur eine Woche später lieferte er mit der Schrift »Der Aufstand der österreichischen Arbeiter« eine profunde Analyse. Diese Broschüre wurde breit kommentiert 2021 neu aufgelegt. Eine Kettenreaktion weiterlesen »

Eine aktuelle Aufgabe

geschrieben von Ulrich Schneider

17. Mai 2021

80 Jahre nach dem Naziüberfall auf UdSSR: Erinnern an den Vernichtungskrieg lebendig halten

Wenn wir als deutsche Antifaschisten am 22. Juni an den 80. Jahrestag des Überfalls Nazideutschlands auf die Sowjetunion erinnern, dann müssen wir uns klarmachen, was das Besondere an diesem Krieg gewesen ist. Natürlich ordnete sich der »Russlandfeldzug«, wie er in der nazistischen Selbstdarstellung hieß, in die expansionistischen Weltherrschaftspläne des deutschen Faschismus im Interesse der ihn tragenden ökonomischen Kräfte ein. Es ging – wie in der Kriegsplanung und bereits in Hitlers »Mein Kampf« ganz offen ausgesprochen – um die Rohstoffreserven der UdSSR, um die Weizenfelder und Agrarprodukte der ukrainischen Schwarzerde-Region, um die Öl- und Gasvorkommen im Kaukasus, um Eisenerz und die industriellen Kapazitäten in den westlichen Republiken der Sowjetunion. All das wurde in der Planung zum »Fall Barbarossa« bereits als Ressource eingeplant, um den Krieg gegen die UdSSR überhaupt führen zu können. Das nach Osten vorrückende Millionenheer sollte sich aus den Vorräten der örtlichen Bevölkerung versorgen und damit den dort lebenden Menschen die Lebensgrundlage nehmen. Schon dies zeigt, in welchem Umfang dieser militärische Einsatz von Anfang an ein Vernichtungskrieg gegen die »slawischen Untermenschen« sein sollte. Eine aktuelle Aufgabe weiterlesen »

Solidarität, Analyse, Aktion

geschrieben von Ulrich Schneider

17. Mai 2021

Europäische »No Pasaran«-Konferenz zu Widerstand gegen rechten Aufschwung

Als Antifaschistinnen und Antifaschisten betrachten wir natürlich nicht nur die politischen Entwicklungen hierzulande, sondern haben auch Bewegungen und Kräfte der extremen Rechten international im Blick. Schon anlässlich der Wahlen zum EU-Parlament mussten wir erleben, dass rechtspopulistische und offen faschistische Parteien deutlich gestärkt wurden. Durch den Austritt der ungarischen Orbán-Partei Fidesz aus der Fraktion der christdemokratischen Europäischen Volkspartei (EVP) könnte sich deren Einfluss noch verstärken. Im Kontext dieser Wah­len veranstaltete die Europäische Linke (EL) zum ersten Mal im Jahr 2019 eine internationale Beratung unter dem Titel »No Pasaran« (»Sie werden nicht durchkommen«). Diese Adaption der Losung des Spanischen Bürgerkriegs soll die Dramatik verdeutlichen, die die Parteien der Fraktion GUE/NGL, aber auch darüber hinaus in der gegenwärtigen Entwicklung in Europa sehen.   Solidarität, Analyse, Aktion weiterlesen »

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