Am 19. Februar wurde Haftbefehl gegen den Verschwörungsideologen Attila Hildmann erlassen. Über seinen Telegram-Kanal gelangten bereits in der Nacht zum 21. Februar Informationen über den Haftbefehl an die Öffentlichkeit. Einige Stunden später beschwerte sich Hildmann darüber, dass die Medien nicht berichten würden. Seitdem suchen die Sicherheitsbehörden nicht nur nach Hildmann, sondern auch die Person im Justizapparat, die diese Information verbreitet haben könnte. Google und Apple haben den Hildmann-Kanal inzwischen aus ihren Angeboten entfernt. Hildmann ist wahrscheinlich schon seit mehreren Monaten auf der Flucht in der Türkei.
Antiziganismus-Bericht
3. Juli 2021
Die Unabhängige Kommission Antiziganismus hat Anfang Juni ihren Bericht bei einer Online-Tagung vorgestellt. Der Bundestag hatte den Bericht vor zwei Jahren in Auftrag gegeben. Der Bericht ist Ergebnis von 15 Studien, an denen Wissenschaftler*innen aus verschiedenen Fachbereichen gearbeitet haben. Dabei haben sie Betroffene interviewt, die Geschichte der Sinti und Roma im Nachkriegsdeutschland beleuchtet und die Behandlung durch Behörden und die Darstellung in Schulbüchern untersucht. Das Ergebnis: Antiziganismus stellt »ein massives gesamtgesellschaftliches Problem in Deutschland« dar. Die Kommission fordert von der Politik »Antiziganismus-Beauftragte« und die Verankerung des Themas auf höchster politischer Ebene.
Austritte aus der AfD
3. Juli 2021
Der stellvertretende Landessprecher der AfD-Nordrhein-Westfalen, Martin Schiller, ist aus der Partei ausgetreten. Auch als AfD-Kreisvorsitzender in Münster trat er zurück. Er kritisierte, dass sich die Funktionäre »fast nur noch mit völkischen Themen, Zuwanderungskritik« beschäftigten. Der Versuch der Etablierung einer bürgerlichen und konservativen Kraft sei gescheitert. Sein Stadtratsmandat behält er. Ebenso verließ Rolf Kahnt die hessische AfD. Kahnt stellte eine »zunehmende rechtsextreme Entwicklung der AfD auf Bundes- und Landesebene« fest. Kahnt war allerdings bereits im Oktober 2020 aus der AfD-Fraktion geworfen worden. Ihm war Anbiederung an die anderen Parteien vorgeworfen worden. Kahnt bleibt im Hessischen Landtag.
Rapoport-Gesellschaft
3. Juli 2021
Zur Erinnerung an Leben und Wirken der Eheleute Ingeborg Syllm-Rapoport und Samuel Mitja Rapoport hat sich der gemeinnützige »Rapoport-Gesellschaft e.V.« gegründet. Die Eheleute flohen als jüdisch Verfolgte während des Naziregimes in die USA. Dort entwickelte Mitja Rapoport das erste Verfahren zur Blutkonservenherstellung. Das hochgeehrte Wissenschaftlerpaar verließ wegen der Verfolgung aufgrund ihres kommunistischen Engagements während der McCarthy-Ära die USA. Ihre wissenschaftliche Karriere konnten die beiden in der DDR fortsetzen. Mitja leitete bis 1978 das Institut für Physiologische Chemie der Humboldt-Uni. Ingeborg erhielt an der Charité den ersten Lehrstuhl für Neo-natologie in Europa. Sie holte als 102-Jährige 2015 ihre durchs NS-Regime verhinderte Promotion nach. Ingeborg war auch in der VVN-BdA aktiv.
Prozess gegen Offizier
3. Juli 2021
Wegen geplanter terroristischer Anschläge muss sich Oberleutnant Franco Albrecht seit dem 20. Mai vor dem OLG Frankfurt am Main vor Gericht verantworten. Der Bundesgerichtshof hatte die Zulassung der Anklage erzwungen. Schon 2014 hatte er als deutscher Austauschstudent an der Militärakademie Saint Cyr (Frankreich) ein rassistisches Pamphlet als Masterarbeit eingereicht. Für die Bundeswehr war dies kein Grund, seine Karriere zu beenden. Im Dezember 2015 gab er sich als syrischer Flüchtling aus. Laut Anklage plante er Anschläge auf Claudia Roth, Heiko Maas und Anetta Kahane. Kahane ist Vorsitzende der Amadeu-Antonio-Stiftung, deren Tiefgarage Albrecht 2016 ausspionierte. Anfang 2017 wurde er auf dem Wiener Flughafen verhaftet, als er eine dort versteckte Pistole abholen wollte. Auch andere illegale Waffen soll er besessen haben. Albrecht gibt bisher nur offensichtliche Tatsachen zu, leugnet aber Anschlagsabsichten.
NSU 2.0 aufgeklärt?
3. Juli 2021
Gastbeitrag von Nancy Faeser
Seit dem Spätsommer 2018 sind in ganz Deutschland weit über 100 Briefe, Faxe und E-Mails aufgetaucht, in denen Menschen von einem angeblichen »NSU 2.0« bedroht werden. In einigen dieser Schreiben finden sich persönliche Informationen über die Empfänger:innen, die öffentlich nicht zugänglich sind. Die meisten der NSU-2.0-Briefe sind voller ekelhafter rechtsradikaler Phantasien von der Vernichtung Andersdenkender. Und alle diese Nachrichten haben ein Ziel: Diejenigen einzuschüchtern, die in der Öffentlichkeit für Toleranz, Freiheit, Weltoffenheit und den demokratischen Rechtsstaat einstehen. Seit einigen Wochen gehöre auch ich zu jenen, die eingeschüchtert werden sollen. NSU 2.0 aufgeklärt? weiterlesen »
Ken FM will Deutschland verlassen
3. Juli 2021
Seit über dreißig Jahren moderiert Ken Jebsen Radio-, Fernseh- und Internetsendungen. Seine Eltern, die aus dem Iran nach Deutschland gekommen waren, gaben ihm den Namen Kayvan, Nachname Soufi-Siavash. Da er überzeugt war, dass er unter seinem bürgerlichen Namen keine journalistische Karriere machen könne, legte er sich das Pseudonym Ken Jebsen zu. 2001 ging es zum Jugendradio Fritz des RBB. Dort bekam er seine eigene Sendung »KenFM«. Die Auseinandersetzung mit den Anschlägen vom 11. September 2001 hat ihn radikalisiert. Er vertrat in seinen Sendungen immer öfter Verschwörungsmythen und machte auch vor antisemitischen Äußerungen nicht halt. 2011 wurde er wegen der Behauptung, dass »Edward Barneys den Holocaust erfunden« habe, aber auch wegen nicht eingehaltener journalistischer Standards vom RBB fristlos entlassen. Bei Edward Barney handelt es sich um einen Neffen Sigmund Freuds, der sich sein Leben lang mit der Psychologie von Massen beschäftigt hat. Angeblich soll Goebbels ein Anhänger von Barney gewesen sein. Ken FM will Deutschland verlassen weiterlesen »
Menschen zweiter Klasse?
3. Juli 2021
Für das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung – auch für Flüchtlinge
Immer wieder weisen Organisationen von Geflüchteten sowie antirassistische Gruppen und Flüchtlingsräte darauf hin, dass die Polizei vielerorts ohne Durchsuchungsbefehl in Geflüchtetenunterkünfte eindringt und dass Menschen in solchen Sammelunterkünften das Grundrecht auf Unverletzlichkeit der Wohnung verweigert wird. In verschiedenen Gerichtsverfahren wird derzeit darum gestritten. So klagen zum Beispiel beim Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg die Gesellschaft für Freiheitsrechte, Aktion Bleiberecht Freiburg, Pro Asyl, Flüchtlingsrat Baden-Württemberg und vier Geflüchtete gegen eine schikanierende Hausordnung der Erstaufnahmeeinrichtung Freiburg, nach der Bewohner*innen keinen Besuch empfangen dürfen, keinen Schlüssel für ihr Zimmer erhalten und ständig fürchten müssen, dass andere Personen – nicht »nur« Polizisten – ungefragt ihr Zimmer betreten. Menschen zweiter Klasse? weiterlesen »
An die Redaktion:
3. Juli 2021
Zum Rücktitel der antifa Mai/Juni 2021
Nachdem die antifa als Zeitung der VVN-BdA die Vorgänge auf der Sea-Watch 4 mit der gehissten Fahne der Antifaschistischen Aktion präsentierte und kommentierte, habe ich die Meldung beim Evangelischen Pressedienst nachgelesen. Aus manchen Presseorganen bin ich verzerrte Berichterstattung gewöhnt. Dass die antifa das auch macht, bestürzt mich.
In der Meldung heißt es tatsächlich: »Aus Sicht des Ratsvorsitzenden der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, verdeckt die Debatte um eine Antifa-Fahne auf dem kirchlich unterstützten Flüchtlingsrettungsschiff Sea-Watch 4 die Ziele der Hilfsorganisation. (…) ›Ich würde es ausdrücklich begrüßen, wenn die Flagge alsbald eingeholt wird, da die Diskussion darum das eigentliche Anliegen der Seenotretter zunehmend unsichtbar macht‹, sagte Bedford-Strohm. Und bezogen auf die entfachte Kampagne sagte er: ›Als EKD haben wir eine glasklare Position für den Schutz von Menschenleben und für Gewaltfreiheit. (…) Die Sea-Watch 4 und ihre Besatzung retteten Menschenleben. Damit seien sie erkennbar im Dienste der Nächstenliebe und der Menschenrechte unterwegs.‹« An die Redaktion: weiterlesen »
Frustrierter, aggressiver, gefährlicher
3. Juli 2021
antifa-Spezial zu Neofaschismus heute
Die durch eine gemeinsame Ideologie verbundene neofaschistische Bewegung in Deutschland ist vielfältig und arbeitsteilig organisiert. Sowohl konkurrierend als auch kooperierend ringen ihre Zusammenschlüsse um die Vorherrschaft im eigenen Lager, die »richtige« taktische Herangehensweise, um den Ausbruch aus der politischen Isolation und letztlich um die Macht in Staat und Gesellschaft. Sie lassen sich fünf »Arbeitsfeldern« zuordnen: Ausnutzung der Parlamente, Gewalt und Terror, Beeinflussung sozialer Milieus, Medien sowie Unterstützungs- und Hintergrundtätigkeiten.
Mit dem Wegfall des direkten persönlichen Bezugs zum historischen Faschismus durch den Tod der Generationen, die Naziherrschaft und Krieg erlebt haben, der faktischen Freigabe von NS-Gesinnung im NPD-Verbotsurteil von 2017 und dem erstmaligen Ausschöpfen des extrem rechten – und darüber hinaus des konformistischen – Wähler*innenpotentials durch die AfD, geht die historische Epoche der schambesetzten Isolierung neofaschistischer Politik nach dem 8. Mai 1945 zu Ende. Wir betreten eine Welt, in der die faschistische Bewegung befreit »aufatmen« kann und sich selbst wieder als künftigen Machtfaktor sieht. Gleichzeitig verliert sie durch die rasch voranschreitende Liberalisierung und Individualisierung der Gesellschaft, erkennbar zum Beispiel am beklagten »Linksruck der Unions-Parteien«, an Boden. Frustrierter, aggressiver, gefährlicher weiterlesen »






























