Wir brauchen eure Solidarität – Antifaschismus ist gemeinnützig!

3. Februar 2020

Als Überlebender des Konzentrationslagers Theresienstadt, der sich seit der Befreiung für die Erinnerung an die NS-Verbrechen und gegen alte und neue Nazis, Antisemitismus und Fremdenhass eingesetzt hat, bekräftige ich jede Zeile des Briefes von Esther Bejarano an Finanzminister Scholz.

Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der AntifaschistInnen ist eine Verhöhnung der Überlebenden des Naziterrors und ihrer Angehörigen. Als Mitglied der bayerischen VVN-BdA seit der Gründung 1947 möchte ich ergänzen: Die Berliner Finanzbehörde verweist in ihrer Entscheidung auf die Einstufung der VVN-BdA als »linksextremistisch beeinflusst« in den Berichten des bayerischen Landesamts für Verfassungsschutz – der einzigen Erwähnung in der Bundesrepublik. Diese Einstufung beruht allein auf Unterstellungen und ist eine willkürliche Diffamierung der Arbeit der VVN-BdA.

Vor einigen Jahren wurde ich namentlich in den Berichten des bayerischen Verfassungsschutzes als »Linksextremist« genannt; das musste nach breitem Protest zurückgenommen werden. Notwendig ist aber die völlige Streichung der VVN-BdA aus diesen Berichten.

Ich appelliere an alle Menschen, denen die Erinnerung an die Naziverbrechen und der Schutz der Menschenwürde heute wichtig ist, Esther Bejaranos Brief zu verbreiten, darüber zu reden und sich dafür zu engagieren, dass Antifaschismus in der Bundesrepublik nicht länger diffamiert und behindert wird.

Eine Möglichkeit ist die Unterzeichnung einer online-Petition unter https://www.openpetition.de/petition/online/die-vvn-bda-muss-gemeinnuetzig-bleiben

Ernst Grube

Offener Brief von Günter Pappenheim an Minister Scholz.

3. Februar 2020

Mein Vater, Ludwig Pappenheim, war in Schmalkalden einer der Mitbegründer der SPD, also Sozialdemokrat wie Sie.

Am 25. März 1933 verhaftete man ihn und ordnete »Schutzhaft« an. Nach Misshandlungen und Folter brachten ihn die Hitlerfaschisten am 4. Januar 1934 bestialisch um. Ich wurde am 14. Juli 1943 von der Gestapo verhaftet und zum Häftling Nummer 22514 im Konzentrationslager Buchenwald. Am 19. April 1945 gehörte ich zu den 21.000 Überlebenden dieses Lagers und leistete den »Schwur von Buchenwald«. Offener Brief von Günter Pappenheim an Minister Scholz. weiterlesen »

Kommunist, Partisan und Querkopf

geschrieben von Jörg Becker

3. Februar 2020

Gustav Flohr, Mitbegründer der VVN in Remscheid

»Dann kam das Kommando an die Polizei: ‚Karabiner laden und sichern!’ Dann wieder zu uns: ‚Aufgesessen!’ Rauf auf die Wagen und dann formierte sich der Zug zum Abfahren.

Als wir über den Hof fuhren und wir die Kameraden an den Zellenfenstern hängen sahen, rief einer unserer Kameraden, ich nenne ihn Jupp, im lauten Ton: ‚Rot Front Kameraden!’ Dann folgte das Lied: ‚Ich hatt’ einen Kameraden’. Es war, als wäre eine Revolution ausgebrochen, mehr oder weniger dachten alle an die 12 Gerresheimer Kameraden, die hier in der Ulmer Höh’ ihrer Todesstunde entgegen gingen. Aus den Fenstern brüllte man ‚Rot Front, Rot Front, Rot Front!’ In den Zellen waren doch fast nur ehemalige RFB, Antifaschisten, Kampfbund-Kameraden und Parteigenossen. Dann war natürlich die Hölle los auf den Wagen. Die Polizisten zogen die Pistolen und brüllten: ‚Ruhe!’, zogen die Notizbücher und schrieben Namen auf. Dann forschten sie nach dem Mann, der angefangen hatte ‚Rot Front’ zu rufen. Jupp sagte ihnen aber: ‚Glaubt Ihr, ich wäre zu bange mich zu melden? Ich war es, der gerufen hat. Es war unser Abschiedsgruß und wer weiß, ob wir uns wiedersehen werden.’ Später im Lager, als man ihn gemeldet hatte und er die erste Vernehmung hinter sich hatte, erzählte er mir einmal, ich komme lebend nicht mehr davon, dass hätten sie ihm geschworen. Ein Jahr darauf haben sie den Jupp dann auch fertig gemacht.« Kommunist, Partisan und Querkopf weiterlesen »

Die Befreiung von Auschwitz

geschrieben von Ulrich Schneider

31. Januar 2020

Bis zuletzt Ermordungen und »Todesmärsche«

Mit dem Näherrücken der Ostfront wurden die verschiedenen auf polnischem Territorium gelegenen Vernichtungslager schrittweise geräumt, die Dokumente und deren baulichen Überreste zerstört, um Beweise für die Massenverbrechen zu vernichten. Als erstes wurde nach dem Aufstand der Häftlinge im Oktober 1943 das Vernichtungslager Sobibor aufgelöst und dem Erdboden gleich gemacht. Im November 1943 wurde das Vernichtungslager Treblinka endgültig aufgelöst. Das Lager Majdanek wurde so überhastet geräumt, dass zentrale Gebäude, darunter die Gaskammer und ein Großteil der Häftlingsbaracken, unzerstört blieben. Selbst Dokumente der SS- Verwaltung fielen in die Hände der sowjetischen Befreier. Jedoch trafen sie nur noch etwa 1000 sowjetische Kriegsgefangene im Krankenbau an.

Ab Herbst 1944 begann die SS auch mit der Evakuierung und Auflösung des Lagerkomplexes Auschwitz. Zur weiteren Ausbeutung der Arbeitskräfte wurden vom August 1944 bis Mitte Januar 1945 ungefähr 65.000 männliche und weibliche Häftlinge – in ihrer überwiegenden Zahl Juden – in Außenkommandos anderer Konzentrationslager zum Arbeitseinsatz in das Reichsinnere überstellt. So entstanden in dieser Zeit zahlreiche neue Außenkommandos der Lager Buchenwald, Neuengamme und Ravensbrück. Die Befreiung von Auschwitz weiterlesen »

Zum Beispiel Darmstadt

geschrieben von Christoph Jetter

31. Januar 2020

 Erinnerung an Opfer der NS-Verfolgung in Partnerstädten

Vor dem Eingang zum Erinnerungsort Liberale Synagoge in Darmstadt mahnt seit November 2019 eine Tafel zum Gedenken an die jüdischen Opfer der deutschen Besatzung während des Zweiten Weltkriegs in den heutigen Partnerstädten der Stadt.

Darmstadt hat, wie viele deutsche Städte im Verlauf der letzten Jahrzehnte mit europäischen Städten, die unter deutscher Besatzung zwischen 1939 und 1945 gelitten haben, eine Partnerschaft geschlossen. Aus solchen »Verschwisterungen« sind – neben offiziellen Kontakten und Besuchen – oftmals lebendige Beziehungen, auch persönliche Freundschaften hervorgegangen. Jedoch: Haben wir, die Bewohner und die politisch Verantwortlichen auf der deutschen Seite uns jemals davon genau informiert, was diesen Städten und ihren Einwohnern unter der deutschen Okkupation – also unter deutschen Stadtkommandanten, unter SS, SD, Gestapo, Sicherheitspolizei, Reicharbeitsdienst, Organisation Todt und deren Kollaborateuren – tatsächlich widerfahren ist? Recherchen zum deutschen Besatzungsterror in Litauen und Lettland führten uns vor einiger Zeit zu dessen Spuren in Liepaja (früher Liebau). Die Hafenstadt im Südwesten Lettlands wurde wenige Tage nach dem deutschen Überfall auf die Sowjetunion im Juni 1941 unter schweren Kämpfen von Heeres- und Marineeinheiten erobert. Die Herrschaft zunächst der Wehrmacht, bis zum Kriegsende dann die der SS, führte, wie die Nachforschungen ergaben, zur völligen Ausrottung der jüdischen Gemeinde Liepajas: Sie zählte bis 1941 ca. 7.000 Angehörige, im Mai 1945 haben ungefähr dreißig von ihnen dank mutiger Retterinnen und Retter in Verstecken überlebt. Zum Beispiel Darmstadt weiterlesen »

Nationalismus raus aus den Köpfen

geschrieben von Rosel Vadehra-Jonas

31. Januar 2020

Tagung der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis

»… und das braune Gift macht sich wieder breit. Bitte kämpft mit aller Kraft dagegen.« Dieser Ausspruch von Maria Potrzeba, Überlebende des Jugendkonzentrationslagers Uckermark war der Einladung zur Jahrestagung 2019 der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis (LGRF) vorangestellt. Die Tagung fand vom 15. bis 17. November 2019 in der Antifaschistischen Bildungs- und Erholungsstätte Heideruh in Buchholz (Nordheide) statt. 30 Mitglieder der LGR nahmen daran teil.

Das umfangreiche Programm umfasste Berichte, Erfahrungsaustausch, zwei Vorträge, Diskussionen und einen Filmabend. Zentrales Thema war der 75. Jahrstag der Befreiung des Konzentrationslagers Ravensbrück, der im April 2020 begangen wird.

Schon seit einigen Jahren gibt es erhebliche Irritationen um den Jahrestag der Befreiung in Ravensbrück. Der Charakter der zentralen Gedenkfeier wird in zunehmendem Maße durch Teilnehmerinnen und Teilnehmer aus Polen geprägt. Bereits in der Vergangenheit nahm eine große Zahl polnischer Gäste an den Gedenkfeiern teil. Dafür gab es und gibt es gute Gründe: Die Polinnen waren die größte nationale Häftlingsgruppe in Ravensbrück. Hinzu kommt die geographische Nähe zu Polen, die die Anreise erleichtert. Die polnischen Gäste waren jahrelang daran zu erkennen, dass sie blau-weiß gestreifte Halstücher trugen mit einem roten Winkel und dem schwarzen Buchstaben P. Diese Halstücher sind nicht mehr zu sehen. An ihre Stelle sind nationale und religiöse katholische Zeichen getreten. Nationalismus raus aus den Köpfen weiterlesen »

Antifaschistische Werte leben weiter

geschrieben von Ulrich Schneider

28. Januar 2020

Der XVIII. ordentliche Kongress der FIR hat in Reggio Emilia stattgefunden

»Gemeinsam mit den heutigen Generationen bewahren wir das Erbe der Kämpfer und Verfolgten, kämpfen gegen Neofaschismus, Rassismus und die Wurzeln des Faschismus, für Demokratie, Humanismus, soziale Gerechtigkeit und ‚eine neue Welt des Friedens und der Freiheit‘». Das war das Motto des XVIII. ordentlichen Kongresses der Internationalen Föderation der Widerstandskämpfer (FIR), der vom 29. bis 30. November 2019 in Reggio Emilia (Italien) stattfand.

Delegierte und Gäste aus mehr als 15 europäischen Ländern trafen sich in dieser berühmten Region, bekannt für die »Resistenza« und den Geburtsort der italienischen Tricolore. Mitgliedsverbände von Österreich bis Spanien, von Dänemark bis Griechenland und von Russland bis Portugal nahmen an diesem wichtigen Treffen der Veteranen- und Antifaschistenbewegung teil. Es war eine große Ehre, dass der Bürgermeister der Stadt alle Delegierten und Gäste im »Sale di Tricolore« begrüßte. Antifaschistische Werte leben weiter weiterlesen »

Jahrzehnte vergessen

geschrieben von Bernd Kant

28. Januar 2020

Neue Dokumentation erinnert an Schweizer KZ-Häftlinge

Ob es an der überschaubaren Zahl liegt oder doch an der fehlenden gesellschaftlichen Aufmerksamkeit, wollen die Autoren einer neuen Studie nicht bewerten. Entscheidend ist aber, dass die ehemaligen Schweizer Bürger, die in verschiedenen deutschen Konzentrationslagern eingekerkert waren, im eigenen Land weitestgehend vergessen wurden. Dies ist dankenswerter Weise durch eine umfangreiche Veröffentlichung von drei historisch engagierten Journalisten im vergangenen Jahr beendet worden.

Die Idee für dieses Buch ging auf einen Besuch der Autoren im KZ Buchenwald zurück, wo sie im Jahre 2015 auf dem Appellplatz mit der Tatsache konfrontiert wurden, dass in dem Lager auf dem Ettersberg auch Schweizer inhaftiert waren. Tatsächlich gab es in der Schweiz bis dahin nur Einzelveröffentlichungen zu dem Thema. Nicht historische Institute, sondern antifaschistische Hobbyhistoriker begannen mit der Sammlung von Quellen, Dokumenten und Zeitzeugenberichten. Auf diese Materialien baute die journalistische Recherche auf, nicht ahnend, welchen Umfang diese Arbeit annehmen würde. Zeitzeugen konnten die Autoren nicht mehr befragen, die letzte bekannte Überlebende starb Anfang 2019 in Genf. Jahrzehnte vergessen weiterlesen »

Der Vater war ein Nazitäter

geschrieben von Axel Holz

28. Januar 2020

Die Geschichte einer schwierigen Befreiung

Bewundernd schaut ein zwölfjähriger blonder Junge zu seinem Vater auf dem Foto auf, der ihn wiederum von der Seite stolz und fordernd anblickt. Es ist das Umschlagsbild auf Jens-Jürgen Ventzkis Buch »Seine Schatten, meine Bilder. Eine Spurensuche«, das der österreichische Studienverlag mit Unterstützung des Bundesministerium für Wissenschaft und Forschung und der Stadt Wien bereits 2011 herausgebracht hat. Nun wurde das Buch auf einer Lesereise in Mecklenburg-Vorpommern in Rathäusern und Schulen vorgestellt, organisiert von den Mahn- und Gedenkstätten Wöbbelin, einer Gedenkstätte, die sich ideenreich gedenkstättenpädagogisch dem ehemaligen KZ Wöbbelin widmet und zugleich ein Museum über den umstrittenen Dichter Theodor Körner enthält. Der Vater war ein Nazitäter weiterlesen »

Neue braune Schollen

geschrieben von Janka Kluge

25. Januar 2020

Wie der Blut- und Boden-Mythos weiter lebt

Die beiden antifaschistischen Journalisten Andrea Röpke und Andreas Speit haben eine neue Recherche vorgelegt. Der Untertitel des Buches »Völkische Landnahme« zeigt die Stoßrichtung der Untersuchung. Immer öfter fallen Menschen, die in ländliche Gegenden gezogen sind, mit rechten Einstellungen auf. Diese Siedlungsbewegung hat mehrere Ursachen. Zum einen sind in vielen ländlichen Gebieten verlassene Bauernhöfe und Häuser günstig zu haben. Weil in vielen Kommunen die Entwicklung eher so ist, dass die Menschen in größere Städte ziehen, werden die neuen Einwohner oft freundlich begrüßt. Für viele Nazikader ist es eine neue Erfahrung, ungestört ihren Aktivitäten nachgehen zu können. Die nächste Antifagruppe ist oft viele Kilometer entfernt.

Es gibt für die neue Siedlungsbewegung aber noch einen anderen Grund. In der rechten Ideologie spielt die Natur seit jeher eine besondere Rolle. In der völkischen Bewegung wird schon immer eine besondere Verbundenheit der Menschen mit der heimischen Erde betont. Dieser »Blut und Boden« Mythos blieb auch nach dem Sieg über den Faschismus in Deutschland fester Bestandteil rechten Denkens. Doch erst mit dem Aufstieg der Neuen Rechten wurde er wieder salonfähig. Statt »Scholle« und »Blut und Boden« hieß er jetzt »Ethnopluralismus«. Gemeint war jedoch dasselbe. Menschen sollen nur dort leben, wo schon ihre Vorfahren zu Hause waren. Neue Familien sollen auch nur innerhalb dieser Grenzen gegründet werden. »Für die Völkischen, die Verfechter einer elitären deutschen Gesinnungsgemeinschaft spiegelt die angestrebte Lebensweise auf dem Lande die eigene Weltanschauung wider«, heißt es im Vorwort. Neue braune Schollen weiterlesen »

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