Ein unbesungener Held

geschrieben von Anne Allex

24. Juli 2018

Das letzte Buch der Vera Friedländer

Vera Friedländer setzt mit ihrem Buch dem unbekannten Krefelder Alfred Wohlgemuth ein Denkmal. Er half jüdischen Menschen, und wurde deswegen selbst Opfer des Nazi-Terrors.

Seine Frau, Maria Wohlgemuth, hat später mit Historikern über ihre Geschichte gesprochen, doch die glaubten ihr nicht. Einer stieß dann im Buch Vera Friedländers auf den Namen Tawrigowski. Die Tawrigowski genannten Friedländers waren Veras Familie. Frau Wohlgemuths Erzählung war also wahr. Ein unbesungener Held weiterlesen »

Ein langer Weg zur Gerechtigkeit

geschrieben von Günter Wehner

21. Juli 2018

Siegfried Grundmann hat sich der Mühe unterzogen, den langwierigen Prozess der Entschädigung bzw. Rückgabe des vom NS-Regime konfiszierten Eigentums von Albert Einstein und seiner Familie detailliert nachzuvollziehen. Das gesamte Eigentum der Familie war von den Nazis geraubt worden. Ein langer Weg zur Gerechtigkeit weiterlesen »

Zwischen den Fronten

geschrieben von Fabian Lehr

21. Juli 2018

Das dramatische Leben des Marxisten Roman Rosdolsky

Roman Rosdolsky (1898 – 1967) ist heute eine außerhalb marxistischer Kreise weitgehend vergessene Figur und selbst in innermarxistischen Debatten ein eher vernachlässigter Name. Dabei gehörte Rosdolsky als Marx-Forscher und Historiker zweifellos zu den interessantesten, intellektuell fruchtbarsten marxistischen Autoren des 20. Jahrhunderts.

Seine Dissertation »Das Problem der geschichtslosen Völker bei Karl Marx und Friedrich Engels« wurde von Ernest Mandel als »erstes Beispiel einer gelungenen marxistischen Kritik an Marx selbst« gelobt. Und die posthum erschienene »Entstehungsgeschichte des Marxschen `Kapital` schließlich gibt bis heute vielfältige Impulse für ein tieferes Verständnis der Entwicklung von Marxens ökonomischer Lehre. Zwischen den Fronten weiterlesen »

Kunst in Buchenwald (Teil II)

geschrieben von Ulrich Schneider

21. Juli 2018

Überlebensmittel und Widerstand zugleich

Zu den beeindruckenden Zeugnissen des Überlebenswillens von Häftlingen gehören die zahlreichen künstlerischen Werke, die aus Buchenwald überliefert sind. Dazu gehören selbstgefertigte Schachfiguren, die es ermöglichten, sich in der kargen Freizeit intellektuellen Herausforderungen zu stellen. Die einfachsten Figuren waren aus Brotteig geformt, aufwändigere waren geschnitzt und teilweise sogar mit sehr kreativen Verzierungen versehen, wie die lebendig gestalteten Schachfiguren aus dem Sammlung von Hubert Niedziella. Kunst in Buchenwald (Teil II) weiterlesen »

Soldatentod und -elend

geschrieben von Ernst Antoni

18. Juli 2018

Retrospektive des Werks des Kunstmalers Josef Scharl (1896-1954)

Diese Retrospektive von Werken eines Künstlers, der 1918, nach dem Ende der Ersten Weltkriegs, mit dem Zeichnen und Malen anfing, passt nicht schlecht in gegenwärtige Verhältnisse. Sei es hier bei uns, sei es in den USA, die dem Maler und Grafiker von 1938 bis zu seinem Tod im Jahr 1954 Exilheimat geworden waren, oder anderswo. Soldatentod und -elend weiterlesen »

Eine Stadt blieb konsequent

geschrieben von P.C. Walther

17. Juli 2018

Die NPD bekam in Wetzlar keinen Mietvertrag für die Stadthalle

Die Stadt Wetzlar mit ihrem Oberbürgermeister Manfred Wagner (SPD) hielt im April konsequent an ihrer Entscheidung fest, der NPD die Stadthalle für einen Parteitag nicht zu vermieten; schließlich handele es sich um eine, wie das Bundesverfassungsgericht festgestellt habe, »verfassungsfeindliche Partei«. Als die NPD daraufhin das Verwaltungsgericht anrief, erklärte dieses, dass die NPD keine verbotene Partei sei und ihr deshalb die Halle zu vermieten sei. Die Stadt blieb bei ihrem Standpunkt und legte beim höheren Verwaltungsgerichtshof Widerspruch ein. Doch das stellte sich hinter das Verwaltungsgericht. Die Stadt aber bekräftigte ihren Entschluss, die Stadthalle nicht an Neonazis zu vermieten. Für diese Haltung erntete sie breite Zustimmung. Eine Stadt blieb konsequent weiterlesen »

Kandel – Stern am rechten Demohimmel?

geschrieben von Janka Kluge

17. Juli 2018

Nachdem im Dezember 2017 in der pfälzischen Kleinstadt Kandel ein junger Mann aus Afghanistan ein junges Mädchen erstochen hat, findet der Ort keine Ruhe mehr. Der Mord an der fünfzehnjährigen Mia wird seitdem von Rechten zum Anlass genommen, gegen Geflüchtete zu hetzen. Einträchtig demonstrieren dabei Hooligans und militante Neonazis mit sogenannten Wutbürgern und Anhängern der AfD. Die Unterstützer auf der rechten Seite wirken auf den ersten Blick breit aufgestellt, sind aber eng miteinander verzahnt. Einer der Hauptakteure ist Marco Kurz aus Mannheim. Er hat letztes Jahr versucht, mit einen »Marsch 2017«, die Regierung zu stürzen. Sein Ziel war, mit einer halben Million Gleichgesinnter nach Berlin zu marschieren und die Regierung abzusetzen. Da er dafür kaum Mitstreiter fand, begnügt sich Kurz jetzt mit kleineren Projekten. Er ist einer der Organisatoren von »Kandel ist überall«.

Inzwischen hat Christina Baum, Landtagsabgeordnete der AfD in Baden-Württemberg, die Organisation übernommen. Bis Ende des Jahres hat sie für jeden Monat eine Demo angemeldet. Auf entsprechenden Internetseiten wird immer für den ersten Samstag im Monat nach Kandel mobilisiert. Dazwischen ruft Marco Kurz all jene zur Demo, denen die AfD zu gemäßigt ist. So werden auf absehbare Zeit in Kandel jeden Monat ein oder zwei rechte Demonstrationen stattfinden. Die antifaschistische Mobilisierung lief am Anfang nur schleppend. Vielleicht 200 Antifaschistinnen standen über 1000 Rechten gegenüber. Bei der zweiten Demo kamen schon mehrere hundert Menschen zu den Protestaktionen. Die Zahl der Rechten hatte aber leider auch zugenommen.

Als Marco Kurz mehrere hundert Neonazis zu einer eigenen Demo nach Kandel brachte, wurde in ganz Süddeutschland gegen den Aufmarsch mobilisiert. Ein Zug aus Karlsruhe mit mehreren hundert Gegendemonstranten wurde jedoch auf dem Bahnhof Wörth gestoppt. Der kleine Bahnhof war von einem riesigen Polizeiaufgebot besetzt. Polizisten verhinderten die Weiterfahrt und versuchten, den Zug zu stürmen. Nach und nach wurden alle Reisenden aus dem Zug gezerrt und geprügelt, ihre Taschen durchsucht und die Personalien aufgenommen. An diesem Tag hat die Polizei wieder einmal bewiesen, dass sie bereit ist, antifaschistische Proteste mit allen Mitteln zu verhindern. Leider nicht zum ersten Mal in Baden-Württemberg.

Jahr für Jahr in Dortmund

geschrieben von Ulrich Sander (mit Quelle Nordstadtblogger)

17. Juli 2018

Nazis diesmal mit der SA-Losung »Erwache!« – überall Protest dagegen

So geht es seit 18 Jahren: Dortmund im Ausnahmezustand. Nazis marschieren und Tausende Menschen gehen friedlich gegen sie auf die Straße. Obwohl die Dortmunder Nazis ihrem verblassten Ruhm als »Hauptstadt der Bewegung« nachtrauern, geben sie nicht auf. Doch 600 Rechte aus ganz Europa unter der Losung »Europa erwache« zu vereinen, kann nicht als Erfolg gesehen werden in einer Zeit, da europaweit die Bewegungen der Rechten Auftrieb haben, in Deutschland das Verfassungsgericht die NPD legitimiert wird und die AfD über 12 Prozent Wählerstimmen bekommt. Jahr für Jahr in Dortmund weiterlesen »

Editorial

geschrieben von Regina Girod

17. Juli 2018

Ein ehemaliger Verkehrsminister der CSU, bekannt für seine verbalen Entgleisungen, ruft nach einer »konservativen Revolution«, ein »konservatives Manifest« kursiert in den C-Parteien und 2018 Unterzeichner eines anderen Manifestes werden in Stellung gebracht, um von der Bundesregierung zu fordern, »den durch die schrankenlose Migration eingetretene Kontrollverlust im Inneren des Landes zu beenden«. Ernst Antoni untersucht auf Seite 3 dieser Ausgabe, was davon zu halten ist und kommt zu dem Schluss, »dass keineswegs nur ganz rechtsaußen emsig daran gearbeitet wird, rechte und vor allem völkisch (und damit rassistisch) unterlegte Interpretationsmodelle in möglichst allen gesellschaftspolitischen Auseinandersetzungen zu verankern.« Davon sind auch die Gewerkschaften nicht ausgenommen. In unserem Spezial zum Thema »Rechte und Gewerkschaften« (Seite 13 – 16) erinnern wir an die Zerschlagung der Gewerkschaften 1933, bilanzieren die Versuche, bei den diesjährigen Betriebsratswahlen mit ultrarechten Listen gegen DGB-Gewerkschafter anzutreten, lassen einen Aktivisten von ver.di zu Wort kommen und stellen eine Studie vor, die den Zusammenhang von Veränderungen in der Arbeitswelt und dem Vordringen von Rechtspopulismus in Betrieben untersucht. Lange Zeit wurde die Rolle der Frauen im antifaschistischen Widerstand unterschätzt. Erst in den letzten Jahrzehnten veränderte sich diese Sicht. Doch wie sieht sie heute aus? Rosel ­Vadehra-Jonas, Gründungsmitglied und langjährige Vorsitzende der Lagergemeinschaft Ravensbrück / Freundeskreis e.V. analysiert eine aktuelle Dissertation über die Frauen der Lagergemeinschaften Ravensbrück (Seite 29) und Reinhold Weismann-Kieser stellt die Wanderausstellung »Nichts war vergeblich; Frauen im Widerstand gegen den Nationalsozialismus« des Studienkreises Deutscher Widerstand vor. Schließlich präsentieren wir auf Seite 26 ein originelles Beispiel für den aktuellen Widerstand einer Antifaschistin gegen ihre Überwachung durch den Verfassungsschutz.

Befremdliche Manifeste

geschrieben von Ernst Antoni

17. Juli 2018

Rechtswende-Versuche in vielen gesellschaftlichen Bereichen

»Mit wachsendem Befremden«, hatten sie im ersten Satz ihrer »Gemeinsamen Erklärung« festgehalten, müssten sie beobachten, »wie Deutschland durch die illegale Masseneinwanderung beschädigt« werde. Das Wort »Befremden« steht da ein bisschen unfreiwillig (oder vielleicht doch gewollt?) komisch im Raum. Die Quintessenz jedenfalls ist deutlich: Deutschland wird beschädigt. Befremdliche Manifeste weiterlesen »

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