Kuba rappen

geschrieben von Regina Girod

26. November 2018

Ein Fotobuch erinnert an die Konzertreise von Esther Bejarano

Die Sängerin Esther Bejarano und die Rapper der »Microphone Mafia« treten seit 2009 zusammen auf. Sie gehören drei Generationen und drei Religionen an und sind doch tief verbunden: durch ihre antifaschistische Haltung und die gemeinsame Musik. Die antifaschistische Szene der Bundesrepublik kennt sie dank unzähliger Konzerte. Esther Bejaranos unermüdliche Bereitschaft, durch das Land zu touren, um zu verschiedenen Anlässen auf der Bühne zu stehen und musikalisch und politisch Gesicht zu zeigen, ist legendär. Es hat sie gereizt, auch einmal eine Konzerttournee durch Kuba zu unternehmen. Und so hat sie sich den Wunsch im Jahr 2017, mit 92 Jahren, erfüllt. Kuba rappen weiterlesen »

Givat Haviva

geschrieben von Reinhold Weismann-Kieser

26. November 2018

Versöhnung durch Bildung und Dialog in Israel

Das Projekt

1963 entstand aus dem Weiterbildungszentrum Givat Haviva der Kibbutzbewegung Haartzi das Jüdisch-Arabische Zentrum für den Frieden. Es sollte dem krassen Widerspruch zwischen dem inneren Prinzip der Gleichheit der Kibbuz-Gemeinschaft und der Ungleichheit zwischen Juden und Arabern begegnen. Leitgedanken waren dabei, durch gegenseitiges Kennenlernen zum Verständnis zu gelangen, aber auch Integration der arabischen Minderheit in Israel und Friedensforschung im Nahen Osten. Auf dieser Grundlage werden seither gemeinsame Projekte mit jüdischen und arabischen Bürgern Israels, aber auch regionale Projekte unter Beteiligung von Palästinensern, Jordaniern und Israelis organisiert. In Givat Haviva fängt die Gleichberechtigung bei den Mitarbeitern an: 50 Prozent sind Araber und auch das Direktorium ist geteilt. Arabische und jüdische Pädagogen arbeiten in den Bereichen Friedensforschung, Dialog, Kunst und Sozialarbeit. Jedes Jahr nehmen bis zu 30.000 Jugendliche, Pädagogen und gesellschaftliche Multiplikatoren an den Aktivitäten des Zentrums teil. Givat Haviva weiterlesen »

Nicht nur in Sachsen

geschrieben von P.C. Walther

24. Oktober 2018

Verbindungen nach ganz rechts von Politik und Behörden

Geradezu symbolhaft und charakteristisch für Affinitäten und Verbindungen zwischen rechtsextremen Gruppierungen und Teilen der Sicherheitsapparate (Polizei und Verfassungsschutz) ist das Auftreten des LKA-Mitarbeiters in Dresden, der nicht nur bei Pegida mitmarschierte, sondern auch das polizeiliche Vorgehen gegen die ZDF-Journalisten auslöste.

Ebenso symptomatisch für die Einstellung und Haltung betroffener und verantwortlicher Politiker in solchen Fällen ist es, dass Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU) sich sofort und uneingeschränkt vor die Polizisten stellte. In seiner Vorstellungswelt können offenbar solche Journalisten nur störend und deshalb schuldig sein.

Sächsische Verhältnisse? Eben nicht nur, denn Ähnliches können wir auch in anderen Teilen unserer Republik immer wieder erleben.

Als dieser Tage im hessischen Landtag die Arbeit und die Ergebnisse des dortigen parlamentarischen NSU-Untersuchungsausschusses Debattenthema waren, wurden auch hier wieder die Nähen von Neonazis und Verfassungsschutz, dessen Verhalten, sowie deren Verdeckung durch den damals zuständigen Innenminister (CDU), heute Ministerpräsident, deutlich. Wobei es falsch wäre, die Parteizugehörigkeit solcher Politiker allein bei der CDU zu verorten.

Notwendiger denn je ist es, dieses Verhalten und diese Verquickungen aufzudecken, um dazu beizutragen, dass das thematisiert und beendet wird.

 

Anstelle eines Editorials:

24. Oktober 2018

Mit Empörung mussten wir zur Kenntnis nehmen, dass unsere Redakteurin Janka Kluge am 29. August am Rande einer antifaschistischen Demonstration in Stuttgart von einem Polizisten misshandelt wurde (siehe Bild). Die Demonstration junger Antifaschistinnen und Antifaschisten hatte sich nach einer Protestkundgebung gegen die Pogrome in Chemnitz, auf der Janka Kluge eine der Rednerinnen gewesen war, spontan formiert. Als die Polizei den Zug gewaltsam stoppte, hat Janka Kluge versucht, zu vermitteln. Daraufhin wurde sie von einem Polizisten gewürgt und an den Haaren gezogen. Die Szene wurde von zahlreichen Zuschauern beobachtet, fotografiert und gefilmt. Aus den Bildern geht eindeutig hervor, dass der Angriff des Polizisten auf Janka undvermittelt und grundlos erfolgte. Aufgrund der eindeutigen Bilder hat die Polizei selbst Ermittlungen gegen ihren prügelnden Kollegen eingeleitet, auch in der lokalen Presse und im Stadtrat wurde der Vorfall thematisiert und kontrovers diskutiert.

Agressive Polizei bei Demonstration in Stuttgart

Agressive Polizei bei Demonstration in Stuttgart

Wir wissen, dass polizeiliche Übergriffe auf Antifaschistinnen und Antifaschisten in der Bundesrepublik keine Seltenheit sind. Oft enden sie sogar mit einer Anzeige gegen das Opfer wegen Widerstands gegen die Staatsgewalt. Landet doch einmal ein prügelnder Beamter vor Gericht, kommt es nur selten zu einer Verurteilung. Wir fordern daher mit besonderem Nachdruck die rückhaltlose Aufklärung und Ahndung dieses Angriffs gegen unsere Kollegin!

Dr. Regina Girod, Ernst Antoni, Peter Christian Walther, Dr. Axel Holz, Nils Becker

Aufgestanden

geschrieben von Regina Girod

24. Oktober 2018

Vom Wachsen der Demokratiebewegung

Vor dreieinhalb Jahren habe ich das Phänomen zum ersten Mal erlebt: Bärgida, die Berliner Variante von PEGIDA hatte zu ihrer ersten Montagsdemo in Berlin aufgerufen und Tausende kamen. Nicht zu den Rassisten und Hetzern, die waren nur ein paar Hundert. Mehrere Tausend, überwiegend junge Frauen und Männer, manche auch mit Kindern, waren gekommen, um gegen den Aufmarsch zu protestieren, ihn zu blockieren und zu zeigen: »Das ist unsere Stadt, hier habt Ihr nichts zu suchen!« Auf der Suche nach vertrauten Gesichtern drängte ich mich durch diskutierende Gruppen, viel Englisch war da zu hören, Demoselfies wurden verschickt und Ratschläge geteilt, wie die weiträumigen Absperrungen zu umgehen seien. Die Atmosphäre war locker, beinahe fröhlich. Den ganzen Abend lang traf ich nur vereinzelt auf Bekannte, denen ich bei solchen Aktionen sonst immer begegne. Die anderen, die »selbstorganisierten« Demonstranten, waren absolut in der Überzahl. Aufgestanden weiterlesen »

Unser Titelbild

24. Oktober 2018

»ausgehetzt« war die Parole und Zehntausende hatte sich in München am 22. Juli trotz strömenden Regens auf den Weg in die Stadt gemacht. Die VVN-BdA war auch dabei. Gegen Rassismus und Menschenverachtung – ganz gleich, ob von der AfD kommend oder von der bayerischen Regierungspartei CSU. Insgesamt 50.000 zählten die Veranstalter am Ende. Ein schöner, nasser Tag.  Foto: Hermann Offner

»ausgehetzt« war die Parole und Zehntausende hatte sich in München am 22. Juli trotz strömenden Regens auf den Weg in die Stadt gemacht. Die VVN-BdA war auch dabei. Gegen Rassismus und Menschenverachtung – ganz gleich, ob von der AfD kommend oder von der bayerischen Regierungspartei CSU. Insgesamt 50.000 zählten die Veranstalter am Ende. Ein schöner, nasser Tag.
Foto: Hermann Offner

So grässlich Heßlich

geschrieben von Markus Tervooren

21. Oktober 2018

Wie Berlin zu einem Heß-Gedenkmarsch kam

Am 20. August 2018 schrieb ich im Berliner VVN-BdA–Rundbrief: »Nein liebe Freund*innen, ich werde jetzt nicht meine ganze Wut über den rot, rot, grünen Berliner Senat und den Neonaziaufmarsch vom Wochenende rauslassen (gemeint ist der Rudolf-Heßmarsch am 18. August 2018 in Berlin), bin ja Realist*in. Neonazis sind ja lediglich Arschlöcher, prügelnde Polizist*innen Verteidiger*innen des Grundgesetzes und Neonaziaufmärsche wichtiger Bestandteil der demokratischen Meinungsbildung. Verurteilte Holocaust-Leugner müssen natürlich von der Polizei zum Heßmarsch gefahren werden, am Bahnhof Lichtenberg wird die Öffentlichkeit darüber aufgeklärt, dass protestierende Antifaschist*innen »menschlicher Unrat am Straßenrand« sind. Na klar, die Polizei hat sie ja schließlich dorthin verbannt. Danke Herr Innensenator, danke liebe Regierungsparteien für euren Einsatz. Der Polizeiführung sei für die Koordination der beiden Neonazis-Heß-Märsche gedankt, S-Bahn und BVG für deren Transport. Das nenne ich mal bürgernah. Bitte bereut nichts! Heß hat es schließlich auch nicht getan….«

Nachdem im vergangenen Jahr der Rudolf-Heß-Marsch im Spandau erfolgreich von einem breiten Bündnis blockiert worden war, machte sich, beflügelt davon auch dieses Jahr ein breites zivilgesellschaftliches Bündnis, von Antifagruppen, über antirassistische und kirchliche Basisinitiativen, Parteien, dem Türkischen Bund in Berlin-Brandenburg bis hin zum evangelischen Bischof und dem Jüdischen Forum für Demokratie und gegen Antisemitismus auf, diesen Erfolg zu wiederholen. Lala Süßkind, Vorsitzende des JFDA hatte zuvor auf einer Pressekonferenz dazu aufgerufen, sich den Neonazis »auch mit unseren Körpern« entgegen zu stellen. Zum Fest der Demokratie, das den Nazis das Ziel, den Ort des ehemaligen Kriegsverbrecher-Gefängnisses, verstellte, fanden sich so illustre Redner wie die Bundesfamilienministerin ein.

Doch den demokratischen Blütenträumen bereiteten der Berliner Innensenat(or), die Polizei und die Neonazis ein jähes Ende. Ein Verbot sei nicht zu machen, verkündete schon im Vorfeld Innensenator Geisel (SPD), die Grundrechte würden eben auch für »Arschlöcher« gelten. Eine weitere, vielleicht inhaltliche Begründung und auch eine vielleicht etwas genauere Beschreibung der »Arschlöcher« hielt der sprachlose Herrn Geisel nicht für nötig. Am Tag selber setze die Berliner Polizei die Aufmarschchoreographie der Neonazis um. Sicherlich auch angesichts der geringen Chance, in Spandau ungestört marschieren zu können, täuschten die Neonazis in Spandau nur kurz an, um dann von der Polizei begleitet in die Ostberliner Innenstadt zu fahren und von dort aus durch Friedrichshain und Lichtenberg zu marschieren. Zuvor hatte die Berliner Polizei zahleiche versprengte ortsunkundige Neonazigruppen zum Auftaktort am Platz der Vereinten Nationen gebracht. Zahlreiche Blockaden von Antifaschisten wurden geräumt, die 700 Neonazis marschierten gutgelaunt und gut geschützt zu ihrem geplanten Endpunkt, dem Bahnhof Lichtenberg. Zuvor machten sie ausführlich von ihren vom den vom Innensenator garantierten Grundrechten, auch für Arschlöcher, Gebrauch. Die strengen Auflagen der Polizei erlaubten Sprechchören wie »Wo man Juden deportiert, da ist das Rheinland!« oder »Wo ist eure Anne Frank?«. Hitlergrüße übersahen die Beamten. Das Fronttransparent der Neonazis zeigte, wie bereits vergangenes Jahr, das berühmte Rudolf Heß-Zitat »Ich bereue nichts«. Auf T-Shirts wurde Solidarität mit der verurteilten Holocaustleugnerin Ursula Haverbeck gefordert.

Wohlgemerkt, das passierte nicht in Dresden oder Chemnitz, sondern im rot rot grün regierten Berlin. Wer Neonazis so aktiv in den demokratischen Diskurs einbezieht und sich dabei der protestierenden linken Zivilgesellschaft, sorgfältig hinter massive Polizeiabsperrungen verbannt, als fortschrittliches Deckmäntelchen bedient, befeuert das Normalisierungsbestreben der Rassisten, Nationalisten und Antisemiten.

Unser zukünftiger Protest und Widerstand, unsere entschiedene Kritik muss sich also nicht nur den Neonazis, den Wutbürgern, der AfD widmen. Sondern auch jenen Politikerinnen, egal welcher Couleur, die glauben, Faschismus wäre eine Meinung unter anderen und eine Demokratie müsse das aushalten. So denken und handeln Menschen, die glauben, nichts zu befürchten zu haben. Vom Innensenator war übrigens bis heute nichts mehr zu hören.

Der Autor ist Geschäftsführer der Berliner VVN-BdA, er hat einige der Neonazis, die in Berlin marschieren durften, schon in Wunsiedel und auch bei dem Pogrom in Rostock Lichtenhagen gesehen, im Moment fahren sie vermutlich ganz gerne nach Chemnitz.

»Gesucht«-Plakate: Fehlanzeige

geschrieben von Name und Anschrift des Autors sind der Redaktion bekannt

21. Oktober 2018

»XX, du Jude« und »Das KZ wartet auf dich«, das waren die letzten dieser Inschriften an unserem Wohnhaus. Die Hausgemeinschaft machte das weg. Mails wie: »Kommt Zeit kommt Rat kommt Attentat« löschte ich still für mich. Als die Polizei kam, um meinen Sohn und mich daran zu hindern, den Galgen auf der Kirchhofmauer gegenüber wegzumachen und das »Wir kriegen dich« – wir machten es mit einer schönen Friedenstaubenschablone -, da wurde es begründet mit einer Anzeige wegen Sachbeschädigung. Wir sagten, die Sache ist schon beschädigt und wir fühlten uns körperverletzt. Dann zogen die Nazis nächtelang vermummt und drohend ums Haus. Einmal grölten sie, betrunken von der Kirmes kommend: »Wir hängen XX an den höchsten Ast des Baums, Glorie Halleluja.« Doch da waren sie unvermummt. Und wir fotografierten sie; sie kamen vor Gericht und wurden verurteilt. »Gesucht«-Plakate: Fehlanzeige weiterlesen »

Alles Lüge und Angabe?

geschrieben von Janka Kluge

21. Oktober 2018

Skandalöser Freispruch im Wehrhahn Prozess

Ende Juli hat das Düsseldorfer Landgericht im Wehrhahn-Prozess den Angeklagten Ralf S. freigesprochen. Vor achtzehn Jahren war am Düsseldorfer S-Bahn Bahnhof Wehrhahn eine mit dem Sprengstoff TNT gefüllte Rohrbombe explodiert. Nur durch Zufall wurde niemand getötet. Der Anschlag galt einer Gruppe jüdischer Einwanderer, die dort jeden Tag von der S-Bahn zum Sprachunterricht liefen. Von den zwölf Mitgliedern der Gruppe wurden zehn zum Teil schwer verletzt und eine hochschwangere Frau verlor ihr Baby. Alles Lüge und Angabe? weiterlesen »

Nach dem NSU Prozess

geschrieben von Janka Kluge

18. Oktober 2018

Das fünfeinhalb Jahre dauernde Verfahren ließ wichtige Fragen offen

Am 11. Juli 2018 ging der Prozess gegen Beate Zschäpe, Ralf Wohlleben, André Emminger. Holger Gerlach und Carsten Schultze zu Ende. Beate Zschäpe war angeklagt, Teil des terroristischen Trios, und damit tatbeteiligt und mitverantwortlich zu sein. Die anderen waren wegen Unterstützung einer terroristischen Vereinigung angeklagt. Bis auf Carsten Schultze haben alle Angeklagten die meiste Zeit über geschwiegen. Schultze hatte sich schon vor seiner Verhaftung von der rechten Szene getrennt. Nach dem NSU Prozess weiterlesen »

Ältere Nachrichten · Neuere Nachrichten