Autoindustrie als Auftakt

geschrieben von Janka Kluge

30. Juni 2018

Ultrarechte Listen gegen DGB-Gewerkschaften

Nach der Befreiung vom Faschismus wurden neben den 1933 verbotenen Parteien auch die Gewerkschaften wieder gegründet. Die Grundlagen dafür wurden auf der Potsdamer Konferenz vom 17. Juli bis 2 August 1945 gelegt. In § 10 des Abkommens heißt es: »Die Gründung freier Gewerkschaften, gleichfalls unter Berücksichtigung der Notwendigkeit der Erhaltung der militärischen Sicherheit, wird gestattet.« Weil die christlichen Gewerkschaften 1933 die Machtübertragung begrüßt hatten und sich an die neuen Machthaber angebiedert hatten, blieben christliche Gewerkschaften davon ausgenommen. Erst in den fünfziger Jahren, als der Antikommunismus in Westdeutschland blühte und 1956 die KPD verboten wurde, entstanden auch wieder christliche Gewerkschaften. Autoindustrie als Auftakt weiterlesen »

Erst gespalten, dann zerschlagen

geschrieben von Janka Kluge

30. Juni 2018

Gewerkschaften und die faschistische Machtübernahme

Obwohl die Vernichtung des Marxismus erklärtes Ziel Hitlers war, glaubten viele Gewerkschafter noch Anfang 1933, dass er die Gewerkschaftsstrukturen nicht angehen würde. Bereits 1927 waren von dem Berliner Ernst Engel, der im gleichen Jahr Mitglied der NSDAP geworden war, Betriebszellen gegründet worden. Er selbst war ihr erstes Mitglied. Bereits ein Jahr später gab es neben dieser ersten Gruppe bei den Berliner Verkehrsbetrieben weitere Gruppen in anderen Berliner Betrieben. Von Anfang an war ihre Gründung der Versuch, Arbeiter zu organisieren, die Mitglieder der NSDAP waren, oder mit der Partei sympathisierten, also eine Art Gegengewerkschaft zu gründen. Erst gespalten, dann zerschlagen weiterlesen »

Zwangsarbeit und Tod

27. Juni 2018

Gedenktafel in Chemnitz erinnert an Rüstungsbetrieb

Am 13. April 2018 wurde am Eingang der Landesdirektion Sachsen in Chemnitz feierlich eine Gedenktafel für die rund 1600 sowjetischen Kriegsgefangenen, deportierten Zivilisten aus Ost- und Westeuropa und KZ-Häftlinge enthüllt, die zwischen 1939 und 1945 in der damals dort ansässigen Astra-Werke AG als Zwangsarbeiter ausgebeutet wurden. Zwangsarbeit und Tod weiterlesen »

Veränderte Arbeitswelt

geschrieben von Axel Holz

27. Juni 2018

Warum rechte Ideologien in Betrieben wirken

Zur Bundestagswahl 2018 erzielte die AfD bei Gewerkschaftern mit 15 Prozent eine höhere Zustimmungsrate als in der Gesamtbevölkerung. Im Frühjahr 2018 erschien im VSA-Verlag die Studie »Rechtspopulismus und Gewerkschaften« von Dieter Sauer, Ursula Stöger, Joachim Bischoff, Richard Detje und Bernhard Müller über betriebliche Zustände als Nährboden für Rechtspopulismus. Für die Untersuchung wurden 19 Expertinnnengespräche mit hauptamtlichen Gewerkschaftsfunktionären aus Niedersachsen, Baden-Württemberg, Thüringen, Sachsen und Bayern geführt. Darüber hinaus fanden in zwei Bildungsstätten der IG Metall 14 freiwillige Gruppengespräche mit insgesamt 95 Teilnehmern statt. Sie kamen aus einem Autowerk, Zuliefererbetrieben, IT-Firmen, Luftfahrtunternehmen und Metallbetrieben, aber auch aus 25 Dienstleistungsbetrieben der Finanzdienstleistungen, Telekommunikation, Logistikbranche, Kliniken und Bereichen des öffentlichen Dienstes. Veränderte Arbeitswelt weiterlesen »

Die »Pflicht zum Widerstand«

geschrieben von Friedbert Mühldorfer

27. Juni 2018

Abschied vom couragierten Antifaschisten Martin Löwenberg

Am 2. April 2018 ist Martin Löwenberg in München verstorben. Mit ihm verliert die Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes-Bund der AntifaschistInnen einen weit über München und Bayern hinaus bekannten Antifaschisten und Friedensaktivisten, der auch viele Jahre im Münchner Kreis- und im bayerischen Landesvorstand der VVN-BdA wirkte.

Martin, am 12. Mai 1925 in einer sozialdemokratischen Familie in Breslau geboren, bekam bereits als Jugendlicher die rassistische Ausgrenzung durch die Nazis zu spüren – sein Vater war Jude. Da sich dieser noch vor Martins Geburt das Leben genommen hatte, lag es allein an der auch politisch tatkräftigen Mutter, die Familie durchzubringen. Weil die angestrebte landwirtschaftliche Ausbildung für Juden untersagt war, lernte Martin das Sattlerhandwerk. Angespornt durch seinen älteren Bruder Fred organisierte auch er heimlich Brotmarken und Zigaretten und unterstütze damit Zwangsarbeiter in Breslau. Beide wurden festgenommen, Fred ins KZ Buchenwald, Martin in die Konzentrationslager Flossenbürg, Longwy und Leitmeritz zur Zwangsarbeit verschleppt. Die »Pflicht zum Widerstand« weiterlesen »

Erklärung zur Buchenwald-Befreiung

24. Juni 2018

Bedeutsame Bestandteile der faschistischen Ideologie sind Rassismus und Antisemitismus. Die NSDAP verstand im »Kampf gegen das Judentum« eine ihrer wichtigsten Aufgaben. Der Antisemitismus wurde mit aktuellen politischen, ökonomischen und kulturellen Problemen der Zeit verbunden und in den Rang existenzieller Notwendigkeit erhoben. Organisierte antijüdische Übergriffe und Boykottaktionen schürten Judenfeindlichkeit und Rassismus. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 brannten in Deutschland hunderte Synagogen. Eine hysterische Meute plünderte tausende jüdische Geschäfte. Etwa 30.000 jüdische Männer wurden verhaftet und unter unmenschlichen Bedingungen in die Konzentrationslager verschleppt. Erklärung zur Buchenwald-Befreiung weiterlesen »

Anpassung und »Ausmerzen«

geschrieben von Anne Allex

24. Juni 2018

Aktion »Arbeitsscheu Reich« gegen »unliebsame Personen«

Vor 80 Jahren führten die deutschen Faschisten zunächst geheim die Aktion »Arbeitsscheu Reich« (ASR) durch. Grundlage dafür war ein Erlass zur vorbeugenden Verbrechensbekämpfung vom 14. Dezember 1937, der als Maßnahmenkatalog zur Überwachung von angeblichen und potenziellen (Wiederholungs-) Straftätern sowie zum Terror gegen politisch und anderweitig unliebsame Personen galt. Die polizeiliche Vorbeugehaft wurde auf sogenannte Asoziale erweitert, die ab Mitte 1941 direkt auf die »Ausmerze« verlagert wurde, da sie wegen vermeintlich erblicher Veranlagung zu »gesellschaftlich schädlichem Verhalten« neigten.

Der Aktion »Arbeitsscheu Reich« fielen außer Sicherungsverwahrten auch Menschen zum Opfer, die bereits dreimal ein halbes Jahr in Haft waren und potenziell wieder zu Tätern werden konnten oder auch solche, die den Staat nebst Behörden kritisierten und noch nie in Haft waren. Anpassung und »Ausmerzen« weiterlesen »

Erinnerung an jüdische Häftlinge

geschrieben von Gerhard Hoffmann

24. Juni 2018

Treffen der Nachkommen in Buchenwald

Anlässlich des 73. Jahrestages der Selbstbefreiung der Häftlinge des Konzentrationslagers Buchenwald fand auf Einladung der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora am 15. April 2018 das IX. Treffen der Nachkommen auf dem Ettersberg statt.

Mehr als hundert Gäste, Weimarer Bürger, Antifaschistinnen und Interessierte nahmen bereits am Vortag an einer Gedenkveranstaltung teil. Im Rahmen des Projekts »1000 Buchen« vom Lebenshilfe-Werk Weimar/Apolda zur Erinnerung an die Todesmärsche aus dem KZ Buchenwald wurden auf Anregung der Lagerarbeitsgemeinschaft Buchenwald-Dora Bäume für die jüdischen Häftlinge und den politischen Häftling Hans Gerhard Lehmann gepflanzt. Die Söhne von Hans Gerhard Lehmann und der Dresdener Jugendverein »Roter Baum«, der Stadtverband Die Linke sowie die Dresdener VVN-BdA finanzierten die Baumpflanzung. Erinnerung an jüdische Häftlinge weiterlesen »

Antisemitismus davor und danach

geschrieben von Markus Tervooren

21. Juni 2018

Die Lebenserinnerungen Semjon Shpungins aus Lettland

Auf Daugavpils, die zweitgrößte Stadt Lettlands und den Geburtsort Semjon Shpungins, bin ich auf einer kleinen Reise eher zufällig gestoßen. Von den 40 Synagogen, die in den 30er Jahren diesem ehemaligen kulturellen und religiösen jüdischen Zentrum existierten, ist wohl nur noch eine übriggeblieben, und die ist heute ein Museum. Shpungins Familie war gläubig, aß koscher und hatte ein schönes Sommerhaus, der Vater betrieb ein Fotoatelier. Semjon Shpungin beschreibt seine Jugend als glücklich Beim Einmarsch der deutschen Truppen, am 6. Juni 1941, waren 25 Prozent der Einwohner Jüdinnen und Juden. Man sprach jiddisch, russisch, lettisch und deutsch. Es sollte nur wenige Monate dauern, bis sie fast ausnahmslos von den Deutschen und ihren lettischen Kollaborateuren ermordet worden waren. Auf der Straße nach Riga fährt man am ehemaligen Ghetto, dem einstigen Vorwerk der Zitadelle Dünaburg/Daugavpils und nur wenige Kilometer weiter am Wald von Poguļanka vorbei. Hier war der Erschießungsort und ein kleines Mahnmal erinnert an die Opfer. 15- bis 20.000 Juden und Jüdinnen aus Daugavpils und Umgebung durchliefen das Getto von 1941 bis 1943. Nur etwa hundert überlebten den Holocaust, Semjon Shpungin war einer von ihnen. Ihm gelang als 14-jähriger bei der Liquidierung des Ghettos die Flucht, danach überlebte er unter falscher Identität als Zwangsarbeiter auf einem lettischen Bauernhof.

Vor und nach der Flucht - Erinnerungen eines lettischen Juden an die deutsche Okkupation, das Ghetto Daugavpils und sein Überleben danach. Herausgegeben von Heinrich R. Eberhardt. Aus dem Russischen übersetzt von Horst Koop. Juli 2017 Metropol, € 16.00

Vor und nach der Flucht – Erinnerungen eines lettischen Juden an die deutsche Okkupation, das Ghetto Daugavpils und sein Überleben danach. Herausgegeben von Heinrich R. Eberhardt. Aus dem Russischen übersetzt von Horst Koop. Juli 2017 Metropol, € 16.00

Bei der Befreiung wird er von einigen Rotarmisten antisemitisch verspottet, ein Schock für den ehemals begeisterten Jungpionier. Damit beginnt der zweite Teil des Buches. Der jugendliche Sema lernt Ilja Ehrenburg und einige Mitglieder des Jüdischen antifaschistischen Komitees kennen, dessen Mitglieder nur wenige Jahre später zum großen Teil vom KGB liquidiert werden. Hier kommt es zur ersten Niederschrift seiner Erinnerungen. Er wird von Wassili Grossman und Ilja Ehrenburg für das »Schwarzbuch: ›Über den Genozid an den sowjetischen Juden‹ interviewt. Das Buch wurde jedoch schon bei der Herausgabe beschlagnahmt und konnte erst 1980 in Israel veröffentlicht werden. Es wäre sicherlich spannend, beide Versionen seiner Erinnerung miteinander zu vergleichen.

Shpungin wird zum Ziehsohn des populären Schriftstellers Ehrenburg, der ihm ein Journalistikstudium an der Moskauer Lomonossow-Universität ermöglicht. Er arbeitet bis zu seiner Pensionierung für die sowjetische Nachrichtenagentur TASS, davon viele Jahre in Riga. Shpungin berichtet über seinen väterlichen Freund, seine Arbeit als Journalist, seine Begegnungen mit dem KGB, der ihn, den Überlebenden, zeitlebens – immer wieder explizit als Juden – überwacht. Er erzählt von antisemitischen Anwürfen von Schriftstellerkollegen ebenso wie von der jüdisch- sowjetischen Intelligenzija, mit der er meist gut lebt, aber manchmal auch leidet. Die locker aneinandergereihten Episoden sind in einem gut zu lesenden, oft ironischen journalistischen Stil gehalten.

An das Ende des Buches hat Shpungin eine kleine Sammlung Erinnerungstexte von weiteren Überlebenden des Holocaust, zum Teil aus Lettland, gestellt, die er selbst gesammelt und deren Verfasser er persönlich kenngelernt hat.

Der ausführliche und kenntnisreiche Anmerkungs-und Quellenapparat, der auch der Lektorin des Buches zu verdanken ist, und ein Glossar zu jüdischen Begriffen und Judentum können getrost als eigenständiger Teil des Buches und als eine fruchtbare Zusammenarbeit von Autor, Herausgeber und Verlag gelesen werden.

Das Buch ist in russischer Sprache zuerst in Lettland erschienen. Zusammengestellt hat es Shpungin in Bat Yam in Israel, wo er seit seiner »Repatriierung« im Jahr 2000 lebt. Dort ist er Mitglied der Journalistenvereinigung von Tel Aviv und arbeitet in einem parlamentarischen Ausschuss, der sich mit den Belangen von Holocaust-Überlebenden befasst.

 

Man achte den Dreck

geschrieben von Thomas Willms

21. Juni 2018

Über Bodenerosion und Politik

Dem Deutschen Reich ging bei seinem Griff nach der Weltmacht im Ersten Weltkrieg nicht die Munition, sondern das Essen aus. Einer, den das sehr beschäftigte, war Adolf Hitler. Der schrieb in »Mein Kampf« nicht zu Unrecht, dass die Grenze der Befriedigung der Bedürfnisse des Menschen durch »den Boden selber gezogen wird«. Er glaubte allerdings noch, wie damals allgemein üblich, dass Boden in »ungeheuren Flächen ungenützt vorhanden sei und nur des Bebauers harrt.« Von diesem Denken ausgehend, wurde der Zweite Weltkrieg denn auch zu einem brutalstmöglichen Kampf um Ackerland, als einer grundlegenden Ressource des »deutschen Volkes«. Man achte den Dreck weiterlesen »

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