Erziehung ohne Auschwitz

geschrieben von Astrid Ludwig

31. August 2015

NS-Pädagogik ist in Frankfurt am Main kein Pflichtfach mehr

 

Micha Brumlik spricht von einem Skandal, der Jüdische Jugend- und Studentenverband Hessen kritisiert die Entscheidung scharf, der Asta der Goethe-Universität und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) sind empört.

Erheblicher Protest regt sich derzeit gegen die Entscheidung des Fachbereichs Erziehungswissenschaften an der Frankfurter Goethe-Universität, künftig die Vorlesungen zur Pädagogik in der NS-Zeit aus dem Curriculum für Lehramtsstudenten zu nehmen.

Sie sollen für den Besuch keine Credit Points, wichtige Leistungspunkte für das Studium, mehr erhalten. Das Studienangebot für angehende Lehrer zum Thema Indoktrination und Pädagogik im »Dritten Reich« soll nur noch als Spezialthema in Vertiefungsseminaren angeboten und bewertet werden. Zudem wurde das Studiengangs-Modul »Theorie und Geschichte« von zwei auf ein Semester gekürzt – auch Erziehungswissenschaftler erhalten dann nur noch die Hälfte an Credit Points.

Bisher galten die zwei aufeinanderfolgenden Vorlesungen und Seminare von Benjamin Ortmeyer über NS-Verbrechen, -Ideologie und –Pädagogik als vorbildliches Pilotprojekt. Keine andere deutsche Universität bietet das Thema in dieser Form für künftige Lehrer und Erziehungswissenschaftler an.

Zwischen 300 und 400 Studenten besuchten bisher jeweils die Vorlesungen der bundesweit einmaligen Forschungsstelle für NS-Pädagogik, die 2011 u.a. mit Mitteln der Goethe-Uni, des Fritz-Bauer-Instituts und der Hans-Böckler-Stiftung gegründet wurde. Bis zu seiner Emeritierung leitete der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik die Forschungsstelle gemeinsam mit Benjamin Ortmeyer.

Gerade im zurückliegenden Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag der von jüdischen Stiftern mitbegründeten Frankfurter Universität hatte sich die Forschungsstelle NS-Pädagogik mit einer Vorlesungsreihe zur NS-Geschichte der Hochschule und ihrer antisemitisch gesinnten Dozenten hervorgetan. Ortmeyer und Brumlik hatten beispielsweise daran erinnert, dass der KZ-Arzt Josef Mengele hier arbeitete und der judenfeindliche Erziehungswissenschaftler Ernst Krieck Rektor der Universität war.

Der Fachbereich begründet die umstrittene Änderung mit der Vereinbarung der Kultusministerkonferenz zur Lehrerbildung. Laut einer offiziellen Stellungnahme der Universität, der Fachbereiche und der Akademie für Bildungsforschung und Lehrerbildung sind die Themen »Unterrichten, Erziehen, Diagnostizieren und Schulentwicklung« verbindliche curriculare Inhalte. Einführende Vorlesungen gebe es nur in diesen Kompetenzfeldern, nicht in Spezialthemen, heißt es. Einführende Vorlesungen zum Thema NS-Pädagogik existierten an keiner deutschen Einrichtung der Lehrerbildung im Pflichtbereich – nur als Zusatzangebote.

Als eine »Entwertung« dieser Inhalte sieht der Fachbereich das keineswegs, es gehe darum, den Studienbeginn besser und klarer zu strukturieren, so die Dekanin Diemut Kucharz. In Vertiefungsseminaren allerdings können vielleicht allenfalls rund 60 Studenten dem Thema folgen, in Vorlesungssälen mehrere Hundert.

Micha Brumlik kritisiert scharf, dass grundlegende Kenntnisse der Geschichte der Pädagogik und der NS-Zeit offenbar nicht zu den professionellen Qualifikationen von Lehrern gehören sollen. Benjamin Ortmeyer betont: »Wir haben versucht, uns an Adorno und seinen Grundsätzen der Erziehung nach Auschwitz zu orientieren, und jetzt soll das nur ein Spezialthema sein?« Er sieht die Bemühungen des Pilotprojekts, die NS-Pädagogik zu einem Pflichtthema für alle Universitäten zumachen, in Gefahr.

Noch im Jubiläumsjahr habe die Uni sich mit der Umbenennung von Straßen und Plätzen nach Adorno und Horkheimer geschmückt, schimpft Asta-Sprecher Daniel Katzenmaier. Jetzt behindere der Fachbereich die hervorragende Arbeit der Forschungsstelle und flüchte sich in Formalargumente und Ablenkungsmanöver.

Katzenmaier und der Asta halten das bisherige Angebot für einen grundlegenden Aufklärungsbeitrag für zukünftige Lehrerinnen und Lehrer. Dem Fachbereich werfen sie vor, sich seiner gesellschaftlichen und politischen Bedeutung nicht bewusst zu sein.

Auch die GEW unterstützt Ortmeyer und kritisiert zudem, dass der prekäre Status der Forschungsstelle hartnäckig aufrechterhalten werde. Nur noch bis 2016 ist die Finanzierung und damit die Arbeit von Ortmeyer und vier Mitarbeitern gesichert.

Der Jüdische Jugend- und Studentenverband Hessen spricht von einem grundlegenden Beitrag für die Pädagogik und die ganze Gesellschaft. »Das Thema Erziehung nach Auschwitz muss gerade im Lehramtsstudium, wie Adorno forderte, Priorität haben«, betont der Verband.

Ortmeyer will seine Vorlesungen auf jeden Fall weiter anbieten. »Dann wird sich zeigen, wie wir die Anerkennung für die Lehramtsstudierenden regeln.«

Ein kämpferisches Paar

geschrieben von Ulrich Sander

31. August 2015

Beate und Serge Klarsfeld mit dem Bundesverdienstkreuz geehrt

 

In Rom wird ein Platz nach Martin Luther benannt. Eine späte Ehrung nach fast 500 Jahren. Solange mussten Beate und Serge Klarsfeld nicht warten, jedoch sind immerhin fast 50 Jahre seit ihrer Missetat vergangen – bis zum Bundesverdienstkreuz 1. Klasse in diesem Jahr. Vor drei Jahren kandidierte Beate Klarsfeld gegen Joachim Gauck für das Bundespräsidentenamt. Da wich dieser noch der Frage nach einer Ehrung für Beate Klarsfeld aus. 1967 startete Beate Klarsfeld, geb. 1939 in Berlin, gemeinsam mit ihrem jüdischen Mann Serge, geb. 1935 in Paris, ihre Aufklärungsarbeit gegen die Nazis. Am 7. November 1968 hat sie dem NSDAP-Mann, NS-Rundfunkchef und späteren Bundeskanzler Kurt Georg Kiesinger auf einem CDU-Bundesparteitag in Westberlin die weltweit Aufsehen erregende Ohrfeige verpasst und gerufen: »Nazi Kiesinger abtreten«. Und Serge, dessen Vater Arno Klarsfeld im Herbst 1943 in Auschwitz ermordet wurde, sammelte Dokument um Dokument, um die Mörder zu brandmarken.

Kennen und lieben gelernt hatten sich Beate und Serge, nachdem sie nach Paris gekommen war, um im deutsch-Französischen Jugendwerk zu arbeiten. Sie wurde entlassen, als sie in der DFJW-Leitung Antisemiten ausmachte.

Bis in unsere Tage gab es solche Meldungen wie jene aus der FAZ: »Ohrfeigen-Beate von der Stasi gesteuert?« Angespielt wurde auf Serges Dokumentationen, für die er in Ost und West Belege sammelte. Entlarvt wurden Nazikriegsverbrecher, die im okkupierten Frankreich tätig waren und deren Gräueltaten von bundesdeutschen Gerichten nicht geahndet wurden. Insbesondere konzentrierte sich das Paar auf Leiter des nazistischen Polizeiapparats und des SD, die so viele Widerstandskämpfer folterten und fast 80.000 Juden aus Frankreich in die Gaskammern nach Auschwitz schickten, unter ihnen Tausende Kinder.

In dem Buch »Die Endlösung der Judenfrage in Frankreich« stellten sie eine Serie von Dokumenten der deutschen Judenverfolgung in Frankreich zusammen. Sie sind von Kurt Lischka, Herbert Hagen, Ernst Heinrichsohn, Hans-Dietrich Ernst, Ernst Achenbach, Fritz Merdsche u.a. unterzeichnet, die straffrei – obwohl in Frankreich in Abwesenheit verurteilt – in der BRD lebten und nach 1945 erneut als Rechtsanwälte, Richter, Polizisten, Industrielle oder Politiker Karriere machten. Die französische Regierung benötigte über zehn Jahre, um von der deutschen Bundesregierung am 2. Februar 1971 die Unterzeichnung eines Zusatzabkommens zu erlangen, das die Verurteilung dieser Verbrecher vorsah. Und es vergingen weitere vier Jahre, bis der Bundestag es ratifizierte. Allerdings schützte die deutsche Justiz diese Verbrecher weiterhin und verzögerte die Eröffnung von Strafprozessen.

Forderungen in diesem Sinne hatten natürlich auch die Opfer des Faschismus in der BRD gestartet, mit deren VVN-BdA die Klarsfelds zusammen arbeiteten. Um ihnen Nachdruck zu verleihen, starteten Beate und Serge gefährliche Entführungsaktionen, so gegen den Gestapo-Schergen und in Frankreich zu lebenslänglich verurteilten Kurt Lischka in Köln im Jahre 1971, was Beate Gefängnis eintrug. Später sagten die Klarsfelds: »Für uns am wichtigsten war, dass wir den Kölner Prozess gegen Hagen, Lischka und Heinrichsohn, die Hauptverantwortlichen für die Deportation der Juden aus Frankreich initiiert und eine Verurteilung erreichen konnten.« Und dann der Prozess gegen Klaus Barbie, den Gestapo-Chef von Lyon, den sie in Bolivien aufspüren konnten. Auch gegen weitere Verbrecher wurden durch ihre Initiative Verfahren eingeleitet. Dass seit kurzem endlich Naziverbrecher verurteilt werden, die am Tatort zum Mordkollektiv gehörten, nicht aber direkt beim Töten beobachtet wurden, das finden die »Nazijäger« richtig – es kommt aber viel zu spät. Ein Rückfall ist der Freispruch im Prozess gegen Werner Christukat gewesen, der im Juni 1944 im südfranzösischen Dorf Oradour-sur-Glane an dem Massaker an 642 Menschen teilnahm. Er hatte gesagt, dass er anwesend war, aber nicht geschossen habe. Die Strafen, die schon vor 60 Jahren hätten verhängt werden können, blieben aus.

Schon 1960 hatte die VVN Klage gegen Barbie erhoben, ab 1971 stiegen die Klarsfelds in diese Aktion ein. Beate fand den Mörder in Bolivien, kettete sich vor Barbies Büro an und erregte endlich die Weltöffentlichkeit. Barbie wurde ausgewiesen.

Heute sind die Klarsfelds besorgt wegen der Rechtsentwicklung auch in Frankreich. Alle sollten gegen den gemeinsamen Hauptfeind, den Front National, zusammenstehen.

Holocausterinnerung

geschrieben von Thomas Willms

30. August 2015

Versuch einer Analyse aus wissenschaftlicher Perspektive

Die im rührigen transcript-Verlag erschienene literaturwissenschaftliche Dissertation von Kirstin Frieden mit dem vielversprechenden Titel »Neuverhandlungen des Holocaust – Mediale Transformationen des Gedächtnisparadigmas«beschäftigt sich mit zeitgenössischen unorthodoxen Ansätzen des sogenannten Erinnerungshandelns in Deutschland und enthält zahlreiche wichtige Anregungen und Ideen. Das Thema ist schwierig und das Werk verdient Respekt und Anerkennung. Dass daraus trotzdem kein knappes, kritisches und gut lesbares Buch (besser zwei oder drei) geworden ist, liegt wie so oft am geisteswissenschaftlichen Betrieb. Der verlangt ein fürchterliches Dissertations-Gedöns. Wenn die darzubietende Theorie wie in diesem Fall dann auch noch aus der postmodernen Schwafelschule Aleida Assmanns besteht, wird dem Leser wirklich mächtig Geduld abverlangt, ohne dass er etwas davon hätte. Dem theoretischen Ansatz entsprechend kennt die Autorin im weiteren denn auch keine politischen Interessen und Interessenten an der Geschichte, als würde die ganze deutsche Gesellschaft nur darauf warten, ganz toll der Nazi-Opfer gedenken zu können.

Kirstin Frieden: Neuverhandlungen des Holocaust. Mediale Transformationen des Gedächtnisparadigmas, transcript-Verlag 2014, 368 Seiten, 29,95 €

Kirstin Frieden: Neuverhandlungen des Holocaust. Mediale Transformationen des Gedächtnisparadigmas, transcript-Verlag 2014, 368 Seiten, 29,95 €

Ausgegangen wird in der Arbeit von vier zentralen Veränderungsprozessen: dem Generationswechsel, einem Gedächtnis/Medienwechsel, einem Sprachwechsel und einem gesellschaftlichen Wandel weg von festen Weltvorstellungen hin zu sich ständig ändernden Mix-Anschauungen. Die Autorin hat sich eine Querschnittsanalyse vorgenommen, in der sie untersucht, wie heute mit dem Thema NS-Verbrechen – womit stillschweigend eigentlich nur der Judenmord gemeint ist – umgegangen wird. Sie möchte deutschsprachige oder für den deutschsprachigen »Diskurs« wichtige Autorinnen und Autoren analysieren, die zudem innovativ sein sollen und für ein junges Publikum arbeiten. Dies tut sie für gleich für drei große Bereiche: Literatur, Performance-Kunst und Neue Medien. Das ist schlicht zuviel auf einmal. Im ersten, im engeren Sinne literaturwissenschaftlichen Teil, verteilt die Autorin freigiebig Watschen an das Gros der deutschen Gegenwartsautoren. Diese mögen gerechtfertigt sein, sind aber ebenso zu kurz begründet wie das Hohelied auf den jungen Autor Kevin Vennemann, nach dem gleich ein »Prinzip« benannt wird. Wenn man sich nicht selber an die NS-Geschichte erinnern kann wie Vennemann, dürfe und müsse man erfinden und Geschichten erzählen. Lyrisch und quasi-musikalisch sei der Autor und dabei radikal distanzlos. Die Form reflektiere den Inhalt, denn dieser – der NS-Judenmord – verweigere sich der konkreten Erzählung. Das hört sich schon spannend an, aber ist es auch so originell wie behauptet? Aus der »experimentellen Schreibweise« zu schließen, dass sich das Ganze an die jüngere Generation wende, ist eher unfreiwillig komisch. Menschen jenseits der 30 sind literarisch wohl ein bisschen blöd, heißt das nämlich. Ganz auf der Höhe der unbeständigen Gegenwart befindlich sieht die Autorin im zweiten Teil die Performance-Kunst mit dem zentralen Beispiel des Stückes »Dritte Generation. Work in Progress« von Yael Ronen. In diesem deutsch-israelisch-palästinensischen, ans Improvisations-Theater angelehnten, Stück wird offensichtlich mächtig gestritten und damit der Stoff der familiären Betroffenheiten »flüssig« und damit diskutierbar gemacht. Das würde man gerne einmal sehen. Aber angesichts der Tatsache, dass das Ganze aus einer Gruppentherapie entstanden ist – was sicher sehr verdienstvoll ist – stellt sich doch die Frage, ob nicht eher andere Disziplinen geeigneter zur Analyse wären als die Literaturwissenschaft.

Der dritte Teil der Arbeit – »Erinnerungskultur« in den Neuen Medien – macht noch einmal ein ganz neues großes Fass auf. Was wird auf youtube und ähnlichen Plattformen eigentlich geschichtspolitisch getrieben, fragt sich Frieden völlig zu Recht. Sie ist optimistisch, dass sich in dieser neuen Handlungswelt »Erinnerungsgemeinschaften« bilden werden, die mit Innovationen, z.B. facebook-accounts für NS-Opfer oder dem bekannten »Dancing Auschwitz«-Video in großem Maße jüngere Menschen positiv sensibilisieren werden.

Dass das Netz aber auch voll ist von prä- und profaschistischen Geschichtsaneignungen kommt dann schon nicht mehr vor.

Krieg der Erinnerungen

30. August 2015

Wie die Ukraine-Krise den Geschichtsrevisionismus in Litauen befeuert

 

Die Theorie vom »doppelten Genozid« floriert in Litauen. Nach dieser Geschichtsauffassung hätten die Sowjetunion und NS-Deutschland gleichartige Verbrechen verübt, und die litauische Nation wäre jeweils Opfer gewesen.

Während moderate Stimmen den Judenmord noch als nationale Tragödie beklagen, schlagen Nationalkonservative und Neofaschist_innen, die alljährlich Aufmärsche durchführen, radikalere Töne an. Sie feiern NS-Kollaborateure als Helden im antisowjetischen Befreiungskampf. Die jüdischen Mordopfer gelten dagegen als »Bolschewisten«, ehemalige Rotarmisten als »Besatzer« und Partisan_innen als »Verbrecher«.

Weil sich die Theorie vom »doppelten Genozid« gegen Putin (= Stalin) und Russland (= UdSSR) instrumentalisieren lässt, breitet sie sich im Zuge der Ukraine-Krise weiter aus und fasst auch im Westen Fuß. Die Erben der Anti-Hitler-Koalition werden so erneut entzweit.

Das Ausmaß zeigte sich erstmals anlässlich des 70. Jahrestags der Befreiung des NS-Vernichtungslagers Auschwitz. Mit Wladimir Putin wurde ausgerechnet das Staatsoberhaupt Russlands von der zentralen Gedenkfeier in Oświęcim ausgeladen. Der polnische Außenminister Schetyna legte noch einen drauf und stellte die Befreiung von Auschwitz als Leistung ukrainischer Soldaten dar. Ein dummer Zug, den Putin, der den 27. Januar im Jüdischen Museum in Moskau beging, leicht parieren konnte.

Derweil zog der polnische Präsident Komorowski in Oświęcim eine abwegige Parallele zwischen NS-Deutschland und der UdSSR, indem er an das Massaker in Katyń erinnerte. Und die litauische Präsidentin Dalia Grybauskaitė, die Putin in einer Linie mit Stalin und Hitler sieht, warnte mit Blick auf die russische Ukraine-Politik vor einer angeblichen Wiederholung von Auschwitz. Unlängst übrigens kürte ein Think Tank Grybauskaitė zur größten Fürsprecherin der Ukraine (noch vor Präsident Poroschenko selbst).

Der Deutungskrieg setzte sich anlässlich des 70. Jahrestags des Kriegsendes in Europa fort. Als klar wurde, dass Putin den »Tag des Sieges« am 9. Mai mit einer Parade seiner neuesten Waffensysteme in Moskau begehen würde, sagten die westlichen Staatschefs ab. Sie wollten nicht zu Statisten einer Geschichtslektion werden, die Putins Politik kaschieren würde. Doch wie ein Kritiker zu Recht anmerkte: Das Dilemma ist, dass Putins Sicht der Dinge – und sei es zufällig – die historisch richtige ist. Jede Alternativveranstaltung läuft Gefahr, den Geschichtsrevisionismus und die Diskriminierung der russischsprachigen Minderheiten in Osteuropa zu befeuern. So wie Putins Ausschluss in Oświęcim den russischen Anteil an der Befreiung von Auschwitz vergessen machte, schmälerte der Boykott der Feier in Moskau den russischen Anteil am Sieg über Nazi-Deutschland.

Die Anti-Putin-Allianz traf sich am – historisch unbedeutenden – 7. Mai im polnischen Gdańsk (Danzig), um am 8. Mai nationale Gedenkveranstaltungen durchzuführen. So auch die Präsidentin von Litauen, wo der 9. Mai längst tabu ist. Da ihr das Mahnmal auf dem sowjetischen Soldatenfriedhof in Vilnius zuwider ist und das Kriegsende ohnehin als ambivalentes Ereignis gilt (weil es die sog. Besatzung Litauens durch die UdSSR zementierte), fiel Grybauskaitės Ortswahl auf die abgelegene Holocaust-Gedenkstätte in Ponar.

Dort gedachte die Präsidentin nicht nur der 70.000 in Ponar ermordeten Jüdinnen und Juden. Sie verneigte sich auch am Gedenkstein für die polnischen Mordopfer (darunter viele Angehörige der Armia Krajowa, die in der Region stark antikommunistisch und latent antisemitisch ausgerichtet war) und sogar am Gedenkstein für eine Gruppe litauischer Kollaborateure, die die Deutschen wegen Desertion erschossen hatten.

Doch Grybauskaitė ebnete nicht nur die Unterschiede zwischen den Gruppen ein und schwieg zur litauischen Komplizenschaft bei der Durchführung des Holocausts. Politisch schwerer wog, dass sie am 70. Jahrestag des Kriegsendes ausgerechnet den Gedenkstein unbeachtet ließ, der dem Anlass am angemessensten war: den für die 7.514 in Ponar ermordeten sowjetischen Kriegsgefangenen. Dass diese auch litauischer Herkunft waren, interessierte sie nicht. Für die letzten Veteran_innen und Partisan_innen war das ein weiterer Schlag ins Gesicht.

Was der 23. August, der Jahrestag des sog. Hitler-Stalin-Pakts, bringen würde, war bei Redaktionsschluss noch nicht absehbar. Die Erfahrung der letzten Jahre und die aktuelle Zuspitzung lassen jedenfalls nichts Gutes erwarten.

Kriegsgeschäfte mit den Nazis

geschrieben von Axel Holz

30. August 2015

Die Schweiz und Portugal gehörten zu den großen Profiteuren

 

Portugal nahm als neutrales Land nicht am Zweiten Weltkrieg teil, verlängerte ihn aber durch Wirtschaftsgeschäfte mit Hilfe der Lissaboner und der Schweizer Nationalbank mit Nazi-Gold. Zu diesem Schluss kommt der Wirtschaftshistoriker und Journalist, Antonio Louca, in seinem bereits 2000 in Portugal erschienenem Buch. Vorausgegangen war dem Buch eine Resolution des amerikanischen Repräsentantenhauses vom 3. Januar 1996, das die vollständige Offenlegung der gesamten Kriegsvergangenheit gegen Nazi-Deutschland forderte. In der Folge erschienen zahlreiche Kommissionsberichte einzelner Länder, deren Banken in den Handel mit dem Raubgold der Nazis verwickelt waren. Nazideutschland war zu Kriegsbeginn faktisch pleite und finanzierte den kommenden Krieg weitgehend mit Raubgold. Von 930 Mio. Dollar Reichsbankgold waren zu Kriegsende 753 Mio. Dollar Raubgold. Das Raubgold der Nazis hatte dreifachen Ursprung: die Bestände der Nationalbanken der von den Nazis überfallenen Staaten, geraubte private Devisen- und Goldeinlagen und das Raub-Gold der Nazi-Opfer aus den Konzentrationslagern.

Antonio Louca, Nazigold für Portugal. Hitler & Salazar, Wien 2002

Antonio Louca, Nazigold für Portugal. Hitler & Salazar, Wien 2002

Während letzeres in den türkischen Wirtschaftskreislauf eingespeist wurde, wurden die riesigen geraubten Gold-Bestände der europäischen Nationalbanken als Zahlungsmittel der Nazis in Wirtschaftsgeschäfte mit sogenannten neutralen Staaten eingebracht, vor allem mit Portugal und der Schweiz. Die Nazis ließen dazu Raubgold umschmelzen und brachten es mit veränderter Prägung auf den Markt, etwa um die unausgeglichene Handelsbilanz mit Portugal zu bedienen, die Wehrmacht mit portugiesischen Sardinen zu versorgen und vor allem, um kriegswichtige Rohstoffe zu importieren, über die Deutschland nicht verfügte. Darunter war auch portugiesisches Wolfram, ein Metall mit hohem Schmelzpunkt, dessen Legierungen für die Panzerung von Militärfahrzeugen unerlässlich waren.

Das Geschäft der Nazis mit dem portugiesischen Diktator Salazar wurde über die Schweiz abgewickelt. Von Kriegsbeginn bis 1942 flossen 517 Millionen Schweizer Franken nach Deutschland. Später erfolgte die Bezahlung aus Angst vor einer Abwertung des Schweizer Franken mit Gold aus weitgehend belgischer Herkunft. Das Raub-Gold der Nazis wurde über Depots der Schweizer Nationalbank ab Bern mit Lastwagen über Südfrankreich und Nordspanien nach Portugal gebracht. Insgesamt nennt der Bericht, der zur Aufklärung des Handels mit Nazigold eingesetzten portugiesischen Kommission unter der Leitung des ehemaligen sozialistischen Regierungschefs, Mario Soares, Geschäfte im Umfang von 42 Tonnen Nazi-Gold. Doch der Geschäftsführer des Jüdischen Weltkongresses, Elan Steinberg, sprach 1999 von 110 Tonnen Nazigold, die nach Portugal flossen. Das war immerhin ein Kriegs-Geschäft Portugals im Wert von umgerechnet knapp einer Milliarde Euro. Portugal profitierte dabei beim Woframverkauf ähnlich wie Rumänien beim Erdölverkauf an Deutschland von überhöhten Preisen, die Nazi-Deutschland auf Grund fehlender Alternativen zahlen musste.

Auch der Handel der Schweiz mit Raubgold ist unübersehbar, denn der Wert des gehandelten Goldes erreicht fast das Dreifache des Wertes der Waren, die von Deutschland mit der Schweiz zwischen 1940 und 1944 mit anderen Gütern kompensiert wurden. Natürlich versuchten die Alliierten, die kriegswichtigen Wolframgeschäfte Portugals mit Deutschland lahmzulegen, zunächst mit Angeboten von Waffenlieferungen zu Dumpingpreisen, später mit einer Kampagne, um die deutschen Zahlungsmittel in Misskredit zu bringen. Schließlich attackierten die Alliierten Portugal mit einem Embargo der Wolframlieferungen und drohten schließlich Anfang 1943 und erneut 1944 mit der Beschlagnahme portugiesischer Vermögenswerte im Ausland. Doch Portugals Diktator Salazar ließ sich nicht beeindrucken, vertuschte die Nazigeschäfte und stellte sie erst ein, als mit dem Vormarsch der Alliierten nach der Eröffnung der zweiten Front der Weg für die Goldtransporte über Südfrankreich versperrt war. Zwei Motive leiteten Salazar dabei – Profite aus Kriegsgeschäften mit Nazi-Deutschland und der Antikommunismus, der beide faschistischen Regimes verband. Der Handel mit den deutschen Faschisten funktionierte auch in Kriegszeiten ausgezeichnet, die noch heute gern als Nationalsozialisten bezeichnet werden, indes aber kapitalistische Geschäfte reinsten Wassers betrieben. Selbst als Nazi-Deutschland 1943 größte wirtschaftliche Anstrengungen zur Kriegsproduktion unternehmen musste, wurde 40 Prozent dieser Produktion für internationale Waffengeschäfte eingesetzt. Das lohnt sich bis heute, ob mit oder ohne Krieg.

Einheitsfront und Partisanenkampf

geschrieben von Ulrich Schneider

30. August 2015

Die Rolle der Resistenza in der italienischen Geschichte

 

Ein zentrales historisches Narrativ der italienischen Gesellschaft ist der bewaffnete Widerstand in Mittel- und Norditalien gegen die deutsche Okkupation, die »Resistenza« von 1943 – 1945. Gerhard Feldbauer hat eine kurze Geschichte dieser Periode vorgelegt, die jedoch weit über den kurzen Zeitraum hinausreicht und die Voraussetzungen und Wirkungen ebenfalls beleuchtet.

Gerhard Feldbauer, Die Resistenza, Italien im II. Weltkrieg, Reihe Basiswissen, 126 S., PapyRossa Verlag, Köln 2014

Gerhard Feldbauer, Die Resistenza, Italien im II. Weltkrieg, Reihe Basiswissen, 126 S., PapyRossa Verlag, Köln 2014

In der gebotenen Kürze skizziert der Autor die Entstehung der faschistischen Herrschaft in Italien, die Übertragung der Macht an Benito Mussolini, den »Marsch auf Rom« der faschistischen »Schwarzhemden« und die Absprachen mit zentralen Kräften in Politik, Wirtschaft und Kirche. Die Reaktion der politischen Gegner und die Debatten innerhalb der Organisationen der Arbeiterbewegung auf die Etablierung des gewalttätigen Regimes werden ebenfalls nachgezeichnet.

Anders als später in Deutschland, kam es zur Formierung einer antifaschistischen Einheitsfront auch mit linksbürgerlichen Kräften, die sich zu einem »Antikriegskomitee« weiterentwickelte. Auf dieser Basis wurde im September 1943 selbst die neu gegründete Democrazia Cristiana (DC) in das Nationale Befreiungskomitee (CLN) integriert.

Zum antifaschistischen Widerstand in Italien vor dem Sommer 1943 gehörten auch Streikaktionen in den Rüstungsbetrieben, die sozialen und politischen Charakter besaßen. Vor dem Hintergrund der wachsenden Kriegsmüdigkeit und der sich ausweitenden antifaschistischen Bewegung, verbunden mit der militärischen Niederlage der italienischen Truppen in Nordafrika und der Landung der alliierten Truppen in Sizilien, kam es im Juli 1943 zum Sturz Mussolinis und zur Einsetzung der Regierung unter Marschall Pietro Badoglio. Diese nahm Kontakt zu den Alliierten auf und erklärte später dem faschistischen Deutschland den Krieg.

Als Reaktion darauf ließ das faschistische Deutschland Mussolini in einem Kommandounternehmen befreien, besetzen deutsche Truppen Nord- und Mittelitalien und errichteten – mit Mussolini als Marionette – eine »Republik von Salo«.

Aufgrund dieser Situation entstanden für die antifaschistischen Kräfte völlig neue Bedingungen. Der Charakter des Kampfes wechselte vom Widerstand gegen die eigene faschistische Herrschaft zu einer nationalen Befreiungsbewegung gegen eine fremde Okkupation. Im Aufruf zum 1. Oktober 1943 hieß es: »Heute gibt es für die Italiener nur noch eine Front: Gegen die Deutschen und die fünfte faschistische Kolonne.«

Zur Entwicklung des Widerstandes als Massenphänomen trug auch das brutale Vorgehen der deutschen Wehrmachts- und SS-Einheiten bei, die in den besetzten Gebieten zahlreiche Kriegsverbrechen und Massaker an Zivilisten und Partisanen begingen.

Feldbauer geht zwar auf einzelne militärische Aktionen der »Gruppi di Azione Patriottica« (GAP) ein, skizziert jedoch vorrangig die politischen Hauptlinien und wichtige strategische Optionen (»Wende von Salerno« und Gramscis »blocco storico«) für antifaschistisches Handeln. So erklärte die italienische KP »heute nicht für eine Diktatur des Proletariats zu kämpfen, sondern für eine progressive Demokratie«.

Zu den großen Ereignissen im nationalen Selbstverständnis gehört der Aufstand zur Befreiung Mailands und Norditaliens am 25. April 1944, bevor die alliierten Streitkräfte das Territorium Italiens erreichten. Die Partisaneneinheiten leisteten mit ihrer militärischen Offensive einen wichtigen Beitrag zum Sieg der Anti-Hitler-Koalition, der auch von den alliierten Kommandeuren anerkannt werden musste. Gleichzeitig hatten die Westalliierten keinerlei Interesse an einer sozialpolitischen Veränderung und betrachteten alle Bestrebungen einer volksdemokratischen Entwicklung als Bedrohung, so dass sie nach der Besetzung die sofortige Entwaffnung der Partisanen forderten.

In den Abschlusskapiteln wird Feldbauers kritische Einschätzung auch gegenüber der KP-Politik deutlich. Er spricht von einer »revolutionären Situation«, die jedoch nicht angemessen ausgenutzt worden sei, und kritisiert das »beschämende Schweigen« und weitere »Versäumnisse der IKP-Führung«.

Am Schluss dieses Überblickswerkes findet sich eine kurze Bilanz »Was erreicht wurde«. Hier nennt er das erfolgreiche Referendum für die republikanische Staatsform und den breite Konsens über eine antifaschistische Verfassung, die nicht nur grundlegende Freiheiten des Volkes fixiert, sondern auch weitergehende sozialpolitische Rechte (Recht auf Arbeit, angemessene Entlohnung etc.) enthält.

Feldbauer Überblickswerk ist ein wichtiger Beitrag gegen alle Versuche, die Resistenza »als wichtigste Wurzel der Italienischen Republik aus den Seiten der Geschichte zu löschen«.

Nicht den Gesetzen beugen

geschrieben von Gina Pietsch

30. August 2015

Mikis Theodorakis zum 90. Geburtstag

 

Am 29. Juli hatte er Geburtstag. Wir feierten damit 90 Jahre eines reichen, schweren, kämpferischen, widerständigen, widersprüchlichen Lebens. Unmöglich zu nennen all seine Aktivitäten in Politik und Kunst, in Freiheit und Gefangenschaft, geehrt und gefoltert, verbannt und in der Nähe seiner traditionsreichen Familie, als Politiker, als Dichter, als Komponist. Auffällig immer, schon durch Körpergröße, er ist 1,94. Und immer ist er unbequem, weil er, wie in seinem Lied, »sich nicht Gesetzen beugte«.

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Seine Kindheit ist geprägt durch viele Umzüge, bedingt durch häufigen Arbeitswechsel des Vaters als Jurist und Staatsbeamter. Geboren wird er auf der Insel Chios. Aber er versteht sich als Kreter, als ein Kreter mit musikalischer und höchst politischer Vorgeschichte. Da ist der eine Stammvater der erste und letzte kretische General, den die Türken am Beginn der Kämpfe gegen sie verhungern ließen. Und da ist der andere der Schöpfer des Hauptliedes der kretischen Revolution »Pote tha kani xasteria«. Eine verschworene Sippe sind sie – meist Hirten, Bauern, Lyraspieler, Angestellte und, wie Theodorakis sagt, Antikommunisten bis auf die Knochen, aber über zwei Jahrhunderte an vorderster Front Kämpfer gegen die wechselnden Besatzer, Türken, Albaner, Italiener, Deutsche, Engländer, Amerikaner – und die Junta des eigenen Landes. Und so wird denn auch verständlich, wieso Theodorakis auf die Frage eines seiner Peiniger auf der Verbannungsinsel Makronisos, wer er denn sei, dass er die Reueerklärung nicht unterschreibe, nicht antwortet Weil ich Kommunist bin, was er doch war zu dieser Zeit, sondern, Weil ich Kreter bin.

Die Jahre 60 bis 67 kommen. Eine gute Zeit, für Mikis die produktivste und glücklichste.

Er spricht vom »Frühling in Griechenland«. Und er wird Komponist in 30 Filmen. »Alexis Zorbas« macht ihn weltbekannt. Mit dem Dichter, und Maler Jakobos Kambanellis verbindet Mikis viel, Schmerzen auch, die Lager und Verbannung hinterlassen haben, das bei der Folter gebrochene Bein, das zerschlagene Auge, und die Krämpfe, die jede Erinnerung an die Verbannungsinsel Makronisos begleiten. Was Wunder, dass er für die »Mauthausen-Kantate« die Gedichte von Kambanellis nimmt, die dieser über seine Zeit als Häftling im KZ Mauthausen schrieb.

Der 22. Mai 1963. Der Armenarzt Grigoris Lambrakis, der an der Spitze der griechischen Friedensbewegung steht, wird ermordet, woraufhin sich auf Mikis Anregung Künstler, Wissenschaftler mit vielen Jugendlichen zusammenschließen zum Demokratischen Jugendverband »Lambrakides«. Sie werden die stärkste Organisation Griechenlands, machen sich an die Arbeit, pflanzen Bäume, helfen Schulen gründen, richten Kulturzentren ein. 1967 rollen die Panzer. Für sieben Jahre fällt das Land unter die Diktatur der Junta.

Theodorakis verfasst 2 Tage nach dem Putsch den ersten Aufruf zum Widerstand, gründet die »Patriotische Front« und schreibt »Rebellenlieder«. Es hagelt Verbote, von Büchern, von langen Haaren, kurzen Röcken, den Beatles, der Homosexualität, der Modernen Musik, den Russen, der Friedenbewegung, dem Buchstaben »Z«, der Leben bedeutet, und – den Liedern von Mikis Theodorakis.

Der 13. April 1970 – die internationale Solidarität verhilft ihm zur Flucht nach Paris. Der diese Flucht organisiert, tut es mit den Worten, der Komponist Mikis Theodorakis ist nun kein Kommunist mehr. Nicht das erste Mal und später immer wieder bringt ihn die Frage nach seiner Partei-Zugehörigkeit oder Nicht-Zugehörigkeit, seiner kritischen Sicht auf die oder seiner Solidarität mit der kommunistischen Partei zwischen die Fronten, für die Konservativen ein Erzkommunist, für die Kommunisten ein Abweichler.

Am Ende der Junta und dem Beginn der Zivilregierung unter Karamanlis im Juli 74 kann Theodorakis nach Athen zurückkehren. Der Empfang auf dem Flughafen wird ebenso triumphal wie die folgenden großen Konzerte mit seinen Werken. Der Erfolg seiner politischen Arbeit, als unabhängiger Bürgermeisterkandidat oder Staatsminister, reicht nicht heran an den als Komponist. Als dieser weltberühmt und in Griechenland unerreicht, wird er aber dennoch nicht von allen akzeptiert, aufgrund des ewigen Widerspruchs zwischen Massenerfolg und Innovation, des bewusst Unelitär-sein-Wollens.

Was seine Landsleute heute beschäftigt, sieht Mikis sehr früh. Schon 1990 kommt er zu der Einschätzung: »Die Lage ist schlimmer als unter der Diktatur. Gewiss, es gibt keine Folter, keine willkürlichen Verhaftungen, aber heute geht es um Leben und Tod für Griechenland. Sie haben die Kassen geleert, sie haben die Herzen gelehrt, sie haben die Hirne geleert.« Und entgegen seiner Pläne, sich nur noch mit Musik zu beschäftigen, engagiert er sich, bleibt unbequem.

Quellenschutz mit Folgen

geschrieben von Janka Kluge

30. August 2015

V-Leute des Staates als Brandbeschleuniger der Naziszene

 

Hajo Funke, emeritierter Politikprofessor aus Berlin gilt als einer der besten Kenner der Neonaziszene in Deutschland. Er trat als Gutachter vor mehreren NSU-Untersuchungsausschüssen auf und begleitete sie als Beobachter. Jetzt hat er mit dem Buch »Staatsaffäre NSU« eine Sammlung von Texten vorgelegt, die er zum Thema NSU im Internet veröffentlicht hat. Sein Schwerpunkt liegt auf der Frage, wie weit die Sicherheitsbehörden Deutschlands ein Teil der Strukturen des NSU waren oder immer noch sind.

Hajo Funke, Staatsaffäre NSU, Kontur Verlag, Münster, 20,- Euro

Hajo Funke, Staatsaffäre NSU,
Kontur Verlag, Münster, 20,- Euro

Die Geheimdienste des Landes waren mit mindestens 20 V-Leuten im unmittelbaren Umfeld des NSU Trios aktiv. Sie informierten die Ämter, sowohl vor dem Abtauchen als auch danach, über die Aktivitäten der militanten Neonaziszene. Hajo Funke fasst die Strategie der Geheimdienste nach 1990 folgendermaßen zusammen: »Ihr Handlungsmuster sah überspitzt, aber sinngemäß wie folgt aus: Wir überbieten ideologisch und in den Aktionen die jeweilige Gruppe oder Szene und setzen strategisch V-Leute, Doppelagenten oder Agents Provocateurs an die Spitze der jeweiligen Bewegungsformation. So erreichen wir eine informelle Kontrolle und einen Einfluss, den wir zur Zersetzung, zur Vorbereitung von Verboten und – notwendigerweise – zur Radikalisierung nutzen. Wir vertreten einen absoluten `Quellenschutz´, so dass die Akteure, die wir beschatten, sich in ihren Aktionen frei fühlen und handeln können.« (S.138)

Hajo Funke geht in seinen Analysen nicht davon aus, dass die Geheimdienste aus politischer Nähe mit Neonazis zusammengearbeitet haben und es wohl noch immer tun. Sie haben sich vielmehr aus taktischem Kalkül so verhalten. Weil Neonazis fast jeden Tag schwere Straftaten bis hin zu Anschlägen und Morden begehen, sind die Ämter zwar informiert, wollen ihre Quellen aber schützen um nicht vom Informationsfluss abgeschnitten zu sein. Je mehr Verbrechen von Nazis begangen werden, desto dringender ist es für die Dienste, ihre Informanten zu schützen. Damit werden die Ämter zumindest zu Mitwissenden von Straftaten und ihre V-Leute zu »Brandbeschleunigern«. Diesen Begriff benutzte das Bundeskriminalamt 1997 in einer Stellungnahme zu der Spitzelpraxis der Geheimdienste. Hajo Funke schreibt dazu: »Das BKA wies besonders auf die Gefahr hin, dass die Leugnung der Zusammenarbeit von `Quellen´ mit dem Verfassungsschutz zur Schwächung des Geheimdienstes und der Polizei führte. Bei den V-Leuten entsteht der Eindruck, im Sinne ihrer Ideologie ungestraft unter dem Schutz des Verfassungsschutzes handeln zu können und die Exekutive nicht ernst nehmen zu müssen. Das BKA forderte, das in Fällen, in denen die `Quelle´ aus dem Ruder läuft, der VS die Strafverfolgung vor den Schutz der `Quelle´ stellen sollte. » (S, 248)

Außerdem belegt Hajo Funke, dass das Bundeskriminalamt bereits 2002 von der Existenz des NSU wusste. In der Anhörung vor dem Bundestagsuntersuchungsausschuss sagte ein führender Beamter des BKA, der für Neonazis zuständig ist, dass sie von Thomas Richter, Deckname Corelli, auf einen Gruß an den NSU in der Zeitschrift »Der weiße Wolf« aufmerksam gemacht worden waren. In der Zeitschrift stand: »Danke an den NSU. Die Spende hat geholfen. Der Kampf geht weiter.« 2003 informierte ein Informant das Landesamt für Verfassungsschutz Baden-Württemberg über eine Gruppe mit dem Namen NSU und nannte Namen von Beteiligten. Darunter auch den Namen Uwe Mundlos. Der Beamte, der die Informationen an das Amt weitergab, musste die entsprechenden Teile seines Berichts löschen. Immer wieder hat das Bundesamt das Bundeskriminalamt bei Ermittlungen behindert und getäuscht. Das ist keine bloße Schlamperei mehr.

Ein besseres Plädoyer für die Abschaffung der Geheimdienste in Deutschland gibt es im Moment nicht in Deutschland, auch wenn Hajo Funke in seinen Texten für eine Reform plädiert. »Wenn der Bundestag auch nur den Ansatz einer Wahrnehmung der Ursachen des Scheiterns der Sicherheitsbehörden hat und Konsequenzen aus dem Scheitern der Sicherheitsbehörden ziehen und eine Reform, die diesen Namen verdient, will, wäre das Mindeste eine Kontrolle einer außer Kontrolle und in der Mordserie gescheiterten Institution.« (S.368) Dieser Satz verdeutlicht nicht nur die Position von Hajo Funke, sondern auch eine der Schwächen der Texte. Sie sind mit heißer Feder geschrieben für die schnelle Veröffentlichung im Internet. Manchmal wäre es für die Buchausgabe gut gewesen, wenn sie noch einmal überarbeitet worden wären. Das gilt auch für die Struktur des Buches. Es ist nicht leserfreundlich, die aktuellsten Texte nach vorn zu stellen. Da die Texte unabhängig voneinander entstanden sind, ist es möglich, sie in einer anderen Reihenfolge zu lesen. Ich empfehle, zuerst den Teil II zu lesen und dann vorn mit Teil I weiterzumachen. Auslassen sollte man auf keinen Fall die zahlreichen Fußnoten. In ihnen erläutert und ergänzt Hajo Funke die Texte.

Ein wichtiges Buch für alle, die sich mit dem Komplex des NSU auseinandersetzen und seine Hintergründe verstehen wollen.

Taubenschlag der Reaktion

geschrieben von Ernst Antoni

30. August 2015

Wie die »Thule-Gesellschaft« ab 1918 den Aufstieg der Nazis beförderte

 

»Veröffentlichungen, die auf Effekthascherei bedacht sind und mit einem Rückgriff in das Irrationale die politische Rolle der Thule-Gesellschaft verklären, gibt es genug. Ganz im Gegensatz zu Literatur, die sich an nachweisbaren Quellen orientiert. Mit der vorliegenden Arbeit möchte der Verfasser dazu beitragen, diese Lücke zu schließen. Und es gibt noch einen weiteren Grund für die Veröffentlichung«, schreibt der Autor: »Die Thule-Gesellschaft ist mit einem dunklen Kapitel deutscher Geschichte eng verbunden, doch ihre Ideologie ist mit dem Dritten Reich nicht untergegangen. (…) ›Thule‹ wurde zu einer Art Schlüsselwort im Kommunikationssystem der extremen Rechten.«

Hermann Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, Verlag Clemens Kiessling München, 234 S., 28 Euro

Hermann Gilbhard, Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz, Verlag Clemens Kiessling München, 234 S., 28 Euro

Hermann Gilbhard, Politologe und viele Jahre für den Bayerischen Rundfunk journalistisch mit wirtschafts- und gesellschaftspolitischen Themen befasst, hat zur Eröffnung des neuen NS-Dokumentationszentrum in München eine von ihm vor längerer Zeit veröffentlichte Studie über die aus dem völkisch-antisemitischen »Germanenorden« hervorgegangene Gruppierung überarbeitet und aktualisiert: »Die Thule-Gesellschaft. Vom okkulten Mummenschanz zum Hakenkreuz«.

Ein einführender Exkurs durch völkische und völkisch-esoterische Ideologie- und Organisationslandschaften des 19. Jahrhunderts bis in den Ersten Weltkrieg hinein führt uns zur Münchner Loge jenes »Germanenordens«, die im August 1918 im Nobelhotel »Vier Jahreszeiten« trotz des Kriegs-elends ihre »Weihe« mit einer »prächtigen Festtafel« begehen kann. Am Finanziellen wird es auch in Folge dem »Thule«-Gründer Rudolf von Sebottendorf nicht mangeln.

1875 in Hoyerdswerda als Rudolf Glauer geboren, fährt dieser nach einer abgebrochenen Ingenieursausbildung zur See, landet schließlich in der Türkei und befasst sich dort mit Okkultismus und Astrologie. 1913 zurück in Deutschland, nach eigener Angabe inzwischen von einem Baron von Sebottendorf adoptiert, wird er im »Germanenorden« aktiv. Dessen Münchner Ableger, fürderhin »Thule-Gesellschaft« genannt, richtet im »Vier Jahreszeiten« ein Büro ein und unterhält dort eine eigene Redaktion. Der Titel der Zeitung, die antisemitische Texte, Hetze gegen die Republik und Veranstaltungsankündigungen der Gesellschaft verbreitet: »Münchener Beobachter«. 1920 wird die NSDAP das Blatt kaufen und ihm den Titel »Völkischer Beobachter« geben.

Von Anfang an spielt bei den Auftritten der Thule-Gesellschaft das Hakenkreuz-Symbol eine Rolle. Von anderen völkisch-nationalistischen Gruppierungen dieser Zeit unterscheidet sie sich jedoch vor allem durch ihre beachtlichen finanziellen Mittel und den Zuspruch, den sie in gehobeneren Kreisen der bayerischen Gesellschaft findet. Nachdem am 8. November 1918 Kurt Eisner als Revolutionsergebnis den »Freistaat Bayern« proklamiert hatte, formiert sich ein »Kampfbund Thule« als Militärorganisation der Gesellschaft.

Hermann Gilbhard zitiert eine Rede Sebottendorfs, die dieser bei einer gemeinsamen Versammlung von Thule-Gesellschaft und Germanenordnen am 9. November 1918 hält: »Wir erlebten gestern den Zusammenbruch all dessen, was uns lieb und wert war. An Stelle unseres blutsverwandten Fürsten herrscht unser Todfeind: Juda. Die gestrige Revolution, gemacht von Niederrassigen, um den Germanen zu verderben, ist der Beginn der Läuterung. Es geht jetzt Auge um Auge, Zahn um Zahn! Jetzt heißt es kämpfen, bis das Hakenkreuz siegreich aufsteigt!«

Die Thule-Räume im Nobelhotel werden, so Gilbhard, zum »Taubenschlag«, zum »Zentrum der gegenrevolutionären Kräfte Münchens«. Über dieses Zentrum laufen zu weiten Teilen Gründungen und Koordination von Freikorps wie »Epp« und »Oberland«, letzteres unmittelbar von Sebottendorf mitbegründet. Im Umfeld der Thule-Gesellschaft finden sich 1919 fast alle nationalistischen Gruppen, auch der Alldeutsche Verband. Und die Deutsche Arbeiterpartei (DAP) ist dabei, die sich dann in NSDAP umbenennt. Spätere NS-Größen wie Hans Frank, Rudolf Heß und Alfred Rosenberg sind Thule-Aktivisten.

Dennoch: Diese Thule-Gesellschaft hatte ihre Hoch-Zeit in dieser Zeit von Revolution und Konterrevolution, über ihr völkisch-antisemitisches Modell ließ sich das Konstrukt einer »jüdisch-bolschewistischen« Verschwörung instrumentalisieren. Halbseidene Pseudo-Barone wie Glauser-Sebottendorf können mit mythisch-okkultistischen Einsprengseln und passender Rhetorik durchaus hilfreich sein. Danach kann es dann wieder »rationaler« weitergehen. Die NSDAP bedurfte seiner auf dem Weg zur Macht und vor allem nach deren Übergabe an Hitler nicht in besonderem Maße.

Sebottendorf war eine Karriere im NS-Regime versagt, enttäuscht zog er wieder in die Türkei. Für die »Endlösung der Judenfrage«, für weitere Programme zur Vernichtung »lebensunwerten Lebens« und mörderischen Antikommunismus und Antisozialismus kamen kompetentere Kräfte mit noch wesentlich besserer wirtschaftlicher Ausstattung zum Einsatz.

Was nicht bedeuten soll – und davon zeugen viele Beispiele nicht nur in neofaschistischen Spektren – dass wir heute braune Germanen-Nostalgien, Thule-Konstrukte und esoterische Inszenierungen unbeachtet lassen könnten.

Menschenversuche im Elsass

geschrieben von Janka Kluge

30. August 2015

Die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Natzweiler-Struthof

 

1941 gründeten die Nazis in dem Ski- und Naherholungsgebiet Natzweiler in der Nähe Straßburgs ein Konzentrationslager. Es war das einzige Konzentrationslager im besetzten Frankreich, das in die Struktur der KZs eingebunden war. Daneben gab es in Frankreich, wie in allen von den Nazis besetzten Ländern, Lager, in denen oft noch viel schlimmere und grausamere Bedingungen herrschten.

Der Ort wurde ausgewählt, weil ein Geologe und SS-Standartenführer in einem nahegelegenen Steinbruch Granit entdeckt hatte. Der Stein wurde für die Errichtung staatlicher Gebäude in Berlin, Nürnberg und Linz dringend benötigt.

Die ersten Häftlinge erreichten das Tal im Elsass am 21. Mai 1941. Sie kamen aus dem KZ Buchenwald. In Natzweiler wurden viele politische Häftlinge aus Frankreich, Holland, Belgien und Luxemburg inhaftiert. Sie wurden unter der Bezeichnung »Nacht und Nebel« (N und N) in das KZ gebracht. Der Gestapo und der SS war es zu unsicher, die in ihren Heimatländern oft angesehenen Männer, in den jeweiligen Ländern zu inhaftieren und hinzurichten. Seit zehn Jahren befindet sich in der Gedenkstätte auf dem Gelände des ehemaligen KZ eine Ausstellung, die besonders an diese europäische Widerstandskämpfer erinnert.

Obwohl viele politische Häftlinge in Natzweiler inhaftiert waren, wurden die Funktionen im Lager lange von kriminellen Häftlingen ausgeübt. Entsprechend schwer war es, im Lager Widerstandsstrukturen aufzubauen. Traurige Bedeutung hat Natzweiler auch durch die dort verübten Menschenversuche erlangt. Ärzte der Universität Straßburg nutzten das KZ, um dort barbarische Experimente an Häftlingen durchzuführen.

In unmittelbarer Nähe des KZ befindet sich das ehemalige Hotel Struthof mit einigen Nebengebäuden. In einem von ihnen wurde 1943 eine Gaskammer eingerichtet. Hier wurden u.a. Häftlinge umgebracht, die der SS-Arzt August Hirt von der Universität Straßburg aus Auschwitz angefordert hatte. Er wollte eine anatomische Sammlung »einer neuen Rasse« anlegen. Dafür arbeitete er eng mit der »Studiengesellschaft für Geistesurgeschichte« aus dem 1935 gegründeten Ahnenerbe zusammen. Anfang August 1943 kamen in Natzweiler 57 Männer und 30 Frauen aus Auschwitz Birkenau an. Sie wurden in den Tagen zwischen dem 11. und 19. August vergast. Ihre Leichen wurden sofort danach ins anatomische Institut der Universität Straßburg gebracht. Im KZ Natzweiler sind weder die Aufnahme der Häftlinge noch die Morde registriert worden. Erst seit 2003 sind die Namen der Opfer bekannt. Vor wenigen Wochen wurden im Keller des anatomischen Instituts noch Überreste von ermordeten Häftlingen gefunden.

Ein anderer »Wissenschaftler«, der die Gaskammer nutzte war der Virologe Otto Bickenbach. Er forschte über das Giftgas Phosgen. Obwohl er bereits vor dem Zweiten Weltkrieg ein Gegenmittel entdeckt hatte führte er weiter Menschenexperimente durch. Ein Überlebender berichtete später »Nach ungefähr 10 Minuten hörte ich einen dumpfen Knall, so als würde jemand in die Hände klatschen. Es waren die Lungen zweier Häftlinge, die um den Verteiler laufen mussten. Sie waren `geplatzt´, und aus ihrem Mund, aus ihren Ohren und ihren Nasen rann brauner Schleim«.

Ein weiterer Arzt, der an Häftlingen in Natzweiler medizinische Experimente durchführte war der Bakteriologe Eugen Haagen. Er unternahm 1943 und 1944 zwei Versuchsreihen, bei denen er Häftlinge mit einem Typhusvirus infizierte. Die hygienischen Bedingungen im Krankenblock waren so schlimm, dass sich 1944 im ganzen Lager eine Typhusepidemie ausbreitete.

Zu den Besonderheiten von Natzweiler gehörte, dass das KZ für mehr als 60 Außenlager in Süddeutschland zuständig war. Selbst nach der Evakuierung im November 1944 wurde die Verwaltung der Außenlager aufrecht gehalten. Ihr Sitz wurde in einen kleinen Gasthof in Guttenbach verlegt. Obwohl Ende 1944 das KZ Natzweiler befreit wurde, endete der Leidensweg vieler Häftlinge erst im April / Mai 1945.

Neben französischen Besuchern trifft man heute auch deutsche Gruppen in der Gedenkstätte, die täglich geöffnet ist. Die Internetseite www.struthof.fr ist ebenfalls in deutscher Sprache abrufbar.

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