Im Schatten der Historie

geschrieben von Bernd Hüttner

8. März 2026

Kunst und Kultur nach 1945 in Ost und West

Die zeithistorischen und auch die kunstwissenschaftlichen Großerzählungen waren lange von der Vorstellung eines demokratischen (West) oder antifaschistischen (Ost) Neubeginns im Kunstbetrieb nach 1945 geprägt. Dieses Narrativ hat sich für den Westen noch mehr als für den Osten als falsch erwiesen. Für die Bundesrepublik wurden in den letzten Jahren ideologische und personelle Kontinuitäten nicht nur anhand von Emil Nolde oder der weltbekannten Ausstellung documenta fundiert nachgewiesen. Im Schatten der Historie weiterlesen »

Gewerkschaften gegen Aufrüstung

geschrieben von Ulrich Stuwe

8. März 2026

Die Gegner der Aufrüstung aus den Gewerkschaften haben Ende letzten Jahres einen Sammelband publiziert, in dem sie ihre Positionen darstellen und daraus Empfehlungen ableiten. Herausgeberin ist die Gewerkschaftssekretärin Ulrike Eifler. Sie sieht in der Umstellung von Teilen der Industrie auf Rüs-tungsproduktion und die enorme Steigerung des Rüs-tungsetats auf avisierte fünf Prozent des BIP einen Klassenkampf von oben, dem sich die Gewerkschaften als Vertretung der Arbeiterklasse entgegenstellen müssen. Die Aufrüstung wird nach Meinung aller AutorInnen zu einem massiven Abbau des Sozialstaates führen und zu einer Verschlechterung der Möglichkeiten der Arbeitenden für hohe Gehälter und gute Arbeitsbedingungen zu kämpfen. Hiergegen helfe als einziges Bollwerk der Aufbau einer gewerkschaftlich verankerten Friedensbewegung. Gewerkschaften gegen Aufrüstung weiterlesen »

Wer ist Höcke?

geschrieben von Janka Kluge

8. März 2026

Eine neue Biografie seziert Strategie, Netzwerk und Ideologie des Thüringer AfD-Politikers

Im Herbst 2025 erschien eine Höcke-Biografie des Journalisten Frederik Schindler. Schindler recherchiert seit 2018 zur AfD und ihren Protagonisten, seit 2021 arbeitet er bei Springer insbesondere für die verschiedenen Formate von Welt. In seinem Buch versucht er, Ideologie, Karriereweg und Kommunikationsstrategie von Björn Höcke systematisch offenzulegen – und liefert damit Material für alle, die sich ernsthaft mit der extrem rechten Formierung auseinandersetzen wollen.

Besonders aufschlussreich ist Schindlers Blick auf Höckes frühe Jahre im Schuldienst. Zwischen 1999 und 2001 absolvierte er sein Referendariat am Goethe-Gymnasium im hessischen Bensheim, anschließend wechselte er an eine integrierte Gesamtschule im rund 40 Kilometer entfernten Groß-Gerau. Dort galt er als engagierter Lehrer, insbesondere im Sportunterricht, und als jemand, der für Schüler:innen ansprechbar war. Parallel jedoch verfolgte er ehrgeizigere Pläne: Ab dem Wintersemester 2002/2003 studierte er im Fernstudium Schulmanagement an der TU Kaiserslautern, mit dem Ziel, Schulleiter zu werden. Wer ist Höcke? weiterlesen »

Kämpferinnen sichtbar

geschrieben von Peter Nowak

8. März 2026

Gewerkschaftswiderstand gegen den NS-Staat

In den 1960er-Jahren plante der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), die Geschichte der Gewerkschafter*innen aufzuarbeiten, die während des NS-Regimes Widerstand geleistet hatten. Das Projekt wurde nie realisiert. Doch fast sechzig Jahre später setzt die Arbeitsstelle »Nationale und Internationale Gewerkschaftspolitik« am Otto-Suhr-Institut für Politikwissenschaft an der Freien Universität Berlin die Pläne um. In den letzten Jahren sind zahlreiche Schriften zum gewerkschaftlichen Widerstand erschienen.

Jetzt ist im Metropol-Verlag der dritte Band der Reihe »Gewerkschafterinnen im NS-Staat« erschienen. Auf über 400 Seiten finden sich Biografien von 50 Gewerkschafterinnen, die zum großen Teil unbekannt waren. Tatsächlich wurden Frauen oft als Lebensgefährtinnen männlicher Antifaschisten betrachtet. Dabei wurde der eigenständige Beitrag der Widerstandskämpferinnen ausgeblendet. Kämpferinnen sichtbar weiterlesen »

Lust an der Zerstörung

geschrieben von Christian Meyer

8. März 2026

Warum destruktive Affekte die Demokratie von innen aushöhlen

Die Soziolog_innen Carolin Amlinger und Oliver Nachtwey legen mit ihrem zweiten gemeinsamen Buch eine tiefgehende und umfassende Analyse faschistischer Tendenzen vor. Dafür beziehen sie sich auf Klassiker kritischer Sozialforschung ebenso wie auf neuere Arbeiten sowie aktuelle Studien zu Autoritarismus und Rechtsruck in verschiedenen Ländern. Vor allem kommen sie immer wieder auf den Psychoanalytiker und Philosophen Erich Fromm zurück, was dem breiten Theoriefundament ihrer Analyse einen besonderen Charakter verleiht. Das Buch bietet einen guten Überblick des Forschungsstands und eignet sich somit auch gut als Einstieg ins Thema Rechtsruck und neuer Faschismus. Wie schon ihr Buch über Corona-Proteste »Gekränkte Freiheit. Aspekte des libertären Autoritarismus« (2022) fußt das aktuelle Buch außerdem auf umfassender Empirie. Um destruktiven Tendenzen in der Gesellschaft nachzuspüren, haben die Autor_innen 2.595 Fragebögen und 41 längere Interviews ausgewertet. Lust an der Zerstörung weiterlesen »

Ausgabe Januar/Februar 2026

geschrieben von Nils Becker

2. Januar 2026

Unser Titelbild zeigt eine der Blockaden vom 29. November 2025 in Gießen. Hier kamen Zehntausende Antifaschist:innen zu den Protesten gegen das Gründungstreffen der AfD-Jugendorganisation »Generation Deutschland«. Foto: Widersetzen Presse

Unser Titelbild zeigt eine der Blockaden vom 29. November 2025 in Gießen. Hier kamen Zehntausende Antifaschist:innen zu den Protesten gegen das Gründungstreffen der AfD-Jugendorganisation »Generation Deutschland«. Foto: Widersetzen Presse

Editorial: Bundespräsident Steinmeier hat in seiner Weihnachtsansprache an unsere Vorstellungskraft appelliert: »Stellen sie sich vor, in der Dunkelheit erstrahlt ein Licht«. Wer den Kitsch beiseite schiebt, merkt gleich, dass für das Licht wohl wir selbst sorgen müssen. Denn die Regierung feiert die negativen Superlative und affirmiert eine Krisenwahrnehmung (irgendwas zwischen Altersarmut, Migration und Kriegsbedrohung), die der Einfachwelt der Rechtspopulist*innen und ihren affektgeladen sowie empathielosen Lösungsansätzen zugute kommt.

Aus dem Hause von Innenminister Dobrindt hören wir, dass die Abschiebungen im Jahresvergleich zu 2024 um 20 Prozent erhöht werden konnten. Pro Tag sind das 65 Menschen, davon etwa zehn minderjährig, die gegen ihren Willen außer Landes geschafft wurden. Im Dezember hat die Bundesregierung zudem ein Gesetz erlassen, um noch schneller – nämlich ohne Zustimmung des Bundesrats, Staaten als »sicher« klassifizieren und Asylverfahren regelhaft negativ bescheiden zu können. Ein Regieren durch Rechtsverordnungen – fast so, wie man es dem US-Vorbild vorwirft. Nicht erwähnt wurde, dass Bundeskanzler Merz, der – entgegen der Norm – auch eine eigene Weihnachtsansprache hielt, diese jedoch ausschließlich auf TikTok und nur an die CDU/CSU richtete. Darin drohte er, dass es so weitergeht: »Wir brauchen Geduld und einen langen Atem« – beim Umbau der Staaten hin zu illiberalen Demokratien, möchte man zynisch hinzufügen.

»Dem destruktiven Charakter schwebt kein Bild vor. Er hat wenig Bedürfnisse, und das wäre sein geringstes: zu wissen, was an Stelle des Zerstörten tritt«, schrieb Walter Benjamin 1931, als er die demokratischen Nihilisten seiner Zeit beobachtete, die zwar bereit waren, Feuer zu legen, aber keine Idee davon hatten, mit der Dynamik der Flammen umzugehen. Der Faschismus war kein Betriebsunfall, sondern eine Eskalation im Kontinuum dieser Politik. Auch heute werden wir mehr brauchen als den »Funken Mut«, wie Steinmeier ihn uns wünscht, um Licht im Dunkeln zu machen.

Zeitgeschehen
Wehrpflicht reloaded (Cornelia Kerth)
US-Sicherheitsdoktrin: Kriegserklärung an die Welt (Rojin Kadir)
Interview „Widersetzen“: Widerstand intensivieren (Lou&Marc)
Interview mit AgR: AfD-Erfolge verhindern (Christian Schneider)
Hammerskins: Nazistruktur bleibt aktiv (Janka Kluge)
Medien befördern Vorurteile (Axel Holz)
NSU-Prozess: Bisher unbestraft
Debanking: Ein Angriff auf die Geschäftstätigkeit (Nils Becker)
Meldungen (Ulrich Stuwe)
Netzwerktreffen der Lagergemeinschaften (Maxi Schneider)
BAK K+R: Kirchen gegen extreme Rechte
Interview: Gedenkini Lübeck. Einen neuen Anlauf wagen (Betty Bass)
„Seitenwechsel“: Rechte Buchmesse als Knotenpunkt (Jan Tölva)
Demokalender gut gefüllt (Andreas Siegmund-Schultze)
Archiv: Digitalisierung abgeschlossen (Maxi Schneider)
Leserforum: Nationale Symbole und Nahost (Mathias Wörsching)

Spezial
Gedenkstättenkonzept: Status quo der Erinnerung (Maxi Schneider und Ulrich Schneider)

Portrait
Dompropst Bernhard Lichtenberg: Gewissen gegen Barbarei (Jutta Harnisch)
Bertl Lörcher: Seinem Weg treu (Friedbert Mühldorfer)

Geschichte
Interview zu 100 Jahren Heideruh: Ein Ort, der verbindet (Bea Trampenau)
Roma-Gedenkstätten in Tschechien (Gerald Netzl)
Curiohaus-Prozesse: Symbolische Abrechnung (Russel Kent)

Internationales
75 Jahre FIR (1) (Ulrich Schneider)
Franco und sein Erbe (Carmela Negrete)

Kultur
Mitte-Studie: Seismograf der Stimmung (Axel Holz)
Katharina Höftmann Ciobotaru, Sohrab Shahname: Über den Hass hinweg (Harry Friebel)
Susanne Siegert: Gedenken neu denken (Bernd Hüttner)
Bettina Wilpert: Die bärtige Frau (Peps Gutsche)
Bela Winkens: Brief an die Mutter (Gabi Bauer und Peter Piro)
Vor 90 Jahren: Friedensnobelpreis für Ossietzky (Janka Kluge)
Heinz Jürgen Schneider: Rote Marine (Peter Nowak)
Karl Banghard: Die wahre Geschichte der Germanen (Mathias Wörsching)



Wehrpflicht reloaded

geschrieben von Cornelia Kerth

2. Januar 2026

Erst Fragebogen, dann Zwangsdienst

Am 5. Dezember wurde es im Bundestag beschlossen, im Januar geht es los: Für den ersten Schritt zum »freiwilligen« Wehrdienst ist die Wehrerfassung bereits aktiviert, junge Menschen erhalten zum 18. Geburtstag einen Fragebogen. Frauen können ihn (noch) einfach ignorieren, Männer müssen ihn bei Androhung eines Bußgelds (bis zu 1.000 Euro) ausgefüllt zurückschicken. Wer ankreuzt, dass er kein Interesse am Dienen hat, hat damit seine Pflicht erst mal erfüllt. Stufe zwei tritt allerdings schon ein Jahr später in Kraft: Dann ist für Männer auch die Musterung Pflicht. Ein Schelm, wer dabei an die Debatte über fehlende Voraussetzungen für eine »neue Wehrpflicht« in Struktur und Logistik der Bundeswehr und ihrer Verwaltung denkt, und weiteren »Aufwuchs« kommen sieht, wenn Kapazitäten für Unterbringung und Ausbildung geschaffen sind … Wehrpflicht reloaded weiterlesen »

Kriegserklärung an die Welt

geschrieben von Rojin Kadir

2. Januar 2026

Die neue US-Sicherheitsstrategie

Das nationale Sicherheitspapier der USA ist ein Dokument seiner Zeit – der postfaktischen, neofaschistischen Zeit des neoliberalen AI- und Tech-Kapitalismus. Die reaktionäre Internationale, die Massenmörderkaste konstituiert sich weiter. Das System ist zunehmend beherrscht von Kriegen über regionale Vorherrschaft zwischen alten Hegemonen und denjenigen, die sich einst als Alternative präsentierten, heute aber die Regeln eines autoritären kapitalistischen Systems genauso gut beherrschen. Das Papier liest sich als eine weitere Kriegserklärung an die Welt. Kriegserklärung an die Welt weiterlesen »

Widerstand intensivieren

geschrieben von Interview: Kristin Caspary

2. Januar 2026

Lou und Marc von »Widersetzen« zu den Aktionen in Gießen

antifa: Das bundesweite antifaschistische Bündnis »Widersetzen« hat sich im Jahr 2024 gegründet, um den AfD-Parteitag in Essen zu blockieren. Wie ging es danach weiter?

Lou: Seit Essen konnten wir ein stetiges Wachstum beobachten, sowohl was aktive lokale Gruppen anbelangt als auch die Größe der Aktionen selbst. Bei den Protesten gegen den AfD-Parteitag in Riesa waren wir schon 15.000 Menschen! Nach diesem Erfolg haben wir eine Konferenz ausgerichtet, auf der wir das Ziel formuliert haben, in Gießen den AfD-Jugendkongress zu blockieren. An über 80 Orten gab es daraufhin Veranstaltungen, um über die »Generation Deutschland« (GD) aufzuklären, zu erläutern, warum wir deren Gründung blockieren sollten, und zusätzliche Aktionstrainings. Widerstand intensivieren weiterlesen »

AfD-Erfolge verhindern

geschrieben von Interview: Nils Becker

2. Januar 2026

Christian Schneider von »Aufstehen gegen Rassismus« zum Wahljahr 2026

antifa: 2026 stehen in acht Bundesländern Wahlen bevor. Aktuelle Umfragen sehen die AfD zwischen 20 (Bayern) und 40 Prozent (Sachsen-Anhalt). »Aufstehen gegen Rassismus« (AgR) will in die Wahlkämpfe intervenieren, um die AfD-Ergebnisse zu drücken. Was habt ihr vor?

Christian: Im Gegensatz zu Parteien, die Wahlkampf für ihr Programm und ihr Personal machen, werden wir mit vielen anderen gegen die AfD, ihre Forderungen und ihr Personal arbeiten. Wir werden aufklären, Menschen befähigen, gegen die AfD aktiv zu werden, und auch Bündnisse für die Zeit nach der Wahl schmieden. Letztlich wollen wir die AfD aus den Parlamenten vertreiben und mögliche Fraktionsbildungen, Zählgemeinschaften und was es sonst noch alles Gruseliges auf kommunaler Ebene mit ihnen gibt, verhindern. Allen anderen Parteien muss klar werden, dass die Zusammenarbeit mit der AfD nicht in Frage kommt, auch wenn sie viele Wähler*innen von sich überzeugen kann. Gleichzeitig wollen wir unsere Forderung nach einem AfD-Verbot weiter ins Bewusstsein rücken. AfD-Erfolge verhindern weiterlesen »

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