Unbeugsame Haltung

geschrieben von Janka Kluge

2. Januar 2026

Vor 90 Jahren: Friedensnobelpreis für Carl von Ossietzky

Die Verleihung des Friedensnobelpreises ist immer auch ein politisches Statement. Der Preis wurde erstmals 1901 nach dem Tod des Stifters Alfred Nobel verliehen. Laut Satzung soll damit die Person oder Organisation ausgezeichnet werden, die »am meisten oder am besten auf die Verbrüderung der Völker und die Abschaffung oder Verminderung stehender Heere sowie das Abhalten oder die Förderung von Friedenskongressen hingewirkt« hat.

Carl von Ossietzky war einer der streitbarsten Journalisten und Redakteure der Weimarer Republik. Er kam 1889 in Hamburg zur Welt. Nach der Schule ging er in den Justizdienst und wurde 1910 in das Grundbuchamt versetzt. Bereits 1908 wurde er Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft und der Demokratischen Gesellschaft. Ab 1911 veröffentlichte er Artikel in der Wochenzeitung Das freie Wort. 1914 wurde er zum ersten Mal wegen eines antimilitaristischen Artikels zu einer Geldstrafe von 200 Mark verurteilt. Im Ersten Weltkrieg war er zunächst als kriegsuntauglich ausgemustert worden. Weil es für einen antimilitaristischen Journalisten kaum noch Möglichkeiten zur Veröffentlichung gab, ging er in den Justizdienst zurück. Im Sommer 1916 wurde er doch noch eingezogen und kam an die Westfront. Unbeugsame Haltung weiterlesen »

Hamburgs Roter Widerstand

geschrieben von Peter Nowak

2. Januar 2026

Ein historischer Roman über kommunistische Gegenwehr an der Alster

Mehr als 35.000 Menschen versammelten sich am 21. März 1931 in Winterhude im Norden Hamburgs, um Ernst Henning das letzte Geleit zu geben. Es war auch ein Massenprotest gegen den NS-Terror. Denn der Metallgewerkschafter war in Hamburg bekannter Politiker der KPD und beteiligte sich auch im Rotfrontkämpferbund am Kampf gegen den aufkommenden NS-Faschismus.

Am 14. März 1931 wurde Henning in einem Bus auf dem Rückweg von einer KPD-Versammlung von SA-Männern erschossen. Sein Begleiter wurde schwer verletzt und verlor ein Auge. Eine Berufsschullehrerin, die zufällig auch im Bus saß, wurde ebenfalls durch die Schüsse verwundet. Die faschistische Mordtat sorgte damals wegen ihrer Brutalität für große Empörung. Hamburgs Roter Widerstand weiterlesen »

Germanen neu erzählt

geschrieben von Mathias Wörsching

2. Januar 2026

Mythenkritisches Buch über deutsche Vorgeschichte

»Die Germanen« als Mythos und Konstrukt sind in allen Spielarten des deutschen Nationalismus bis hin zum Nazismus ein wichtiger Teil der jeweiligen Geschichtserzählungen. Die sich im 19. und frühen 20. Jahrhundert als Wissenschaft herausbildende Ur- und Frühgeschichtsarchäologie ging mit verfestigten nationalistischen Deutungsmustern an die Bodenfunde und baute sie ins bestehende Germanenbild ein, während sie gleichzeitig viel neues, über die Schriftquellen hinausgehendes Wissen zusammentrug.

Das nationalistisch geprägte Germanenbild ist in Deutschland kulturell tief verwurzelt. Während die moderne Wissenschaft dieses Bild nach 1945 zunehmend hinterfragte und auseinandernahm, bis so gut wie nichts mehr davon übrig blieb, wirkt es unterhalb der akademischen Schwelle mächtig weiter auf ein großes Publikum – in populärwissenschaftlichen Werken und in Kinderbüchern, Filmen, Comics und Romanen, auf Mittelaltermärkten und in der Reenactment1-Szene. Germanen neu erzählt weiterlesen »

Ausgabe November/Dezember 2025

geschrieben von Nils Becker

9. November 2025

Editorial

Unser Titelbild zeigt die Demonstration am 19. Oktober in Berlin nach der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema Migration als »Problem im Stadtbild«. Foto: Christian Mang

Unser Titelbild zeigt die Demonstration am 19. Oktober in Berlin nach der Aussage von Bundeskanzler Friedrich Merz zum Thema Migration als »Problem im Stadtbild«.
Foto: Christian Mang

Antifaschistisches Banner in der Bastei/Sächsische Schweiz zur Mobilisierung gegen das Treffen der AfD-Jugend Ende November in Gießen. Foto: widersetzen.com

Unser Rücktitel: Antifaschistisches Banner in der Bastei/Sächsische Schweiz zur Mobilisierung gegen das Treffen der AfD-Jugend Ende November in Gießen. Foto: widersetzen.com

Ein bewegender und konstruktiver Bundeskongress in Stuttgart liegt hinter uns. Auf drei Seiten stellen wir Ablauf, Vorträge und Ergebnisse vor. Mehr findet sich auf unserer Webseite. Obwohl solche großen Treffen immer viel Einigendes haben, stellen wir weiterhin große Widersprüche im Verband fest. Wer die Beiträge in dieser Ausgabe und der Länderbeilage genauer liest und Verbindungen zieht, wird unterschiedliche Herangehensweisen an taktische Fragen der Bündnispolitik in der Friedensarbeit feststellen. Obwohl es hier offensichtlich weiterhin viel zu diskutieren gibt, ist dennoch klar, dass die VVN-BdA aus ihrer Geschichte heraus dem Frieden verpflichtet ist. Aufgrund der unsicheren Weltlage und Deutschlands militärischer Rolle (laut »Global Firepower Index« auf Platz 14 der Armeen) sind alle Strukturen der VVN gefragt diesem Anspruch gerecht zu werden. Egal wie groß die Gefahr der persönlichen Involvierung ist, muss doch wahrgenommen werden, dass 40 Prozent der Deutschen Angst vor einem Atomkrieg haben und damit rechnen, dass weitere Kriege in Europa stattfinden (CeMas-Studie). Diese existenziellen Ängste beeinflussen politische Entscheidungen, sorgen für Stress und haben Auswirkungen auf das Zusammenleben. Das ist der Nährboden für autoritäre Kräfte, Rüstungswettlauf und nationale Abschottung. Damit werden wir uns weiter beschäftigen.

Ein Thema, das Antifaschist*innen dieses Jahr auch begleitet hat, waren die CSD-Paraden zur Sichtbarkeit queeren Lebens und Liebens. Von 245 geplanten CSDs waren 110 Störungen ausgesetzt. Die Hälfte der Störungen gingen laut dem CSD-Sicherheitsreport (Amadeu-Antonio-Stiftung) von organisierten (Jugend-)Gruppen und rechten Parteien aus. Diese Zahlen wurden kurz nach dem Saisonende in Cottbus bekanntgegeben. Rund 1.000 Teilnehmende waren dort zusammengekommen, um den letzten CSD dieses Jahr zu feiern – trotz mehrerer Gegendemos von Neonazis. Auch die VVN war wieder mit dabei – an der Seite derer, die diskriminiert und ausgegrenzt werden. Auch das war und wird weiterhin unsere Aufgabe sein. Nils Becker

Zeitgeschehen

Kanzler des Grauens (Conrnelia Kerth)
UNO rügt Deutschlands Asylbewerberleistungsgesetz (Nils Becker)
Leistung statt Teilhabe – Die Bildungspolitik der AfD (Jan Tölva)
Bundeskongress 2025: Einendes hervorheben 
Auszüge der inhaltlichen Beiträge (Fritz Burschel, Tobias Pflüger, Paul Schäfer, Maxi Schneider)
Aufklärung notwendig (Markus Roth)
Rechtsruck im Ruhrgebiet (Falk Mikosch/Ulrich Sander)
Brückenbau nach rechts (Ulrich Peters)
Unsere Meldungen
Interview: Solidarität unter Betroffenen (Initiative Antisemitismus und Rassismus gemeinsam bekämpfen)
Erik Ahrens: Aussteiger mit Sprengkraft (Janka Kluge)
Jordan Peterson: Rechter Guru (Juliet Schnabel)
Interview mit Loretta Walz: Im Kontext ihrer Zeit
Gießen 2025: Nie wieder HJ 

Spezial

Jenseits des Schlachtfelds (Siddharth Tripathi)

Porträt

Irmgard Jasker bekommt Bundesverdienstkreuz (Jens Wilke)

Internationales

Trump machts vor (Ulrich Schneider)
Wegläufer Geert Wilders (Gerrit Hoekman)
Reisebericht: Von Bleiburg nach Ljubljana (Wanja Musta)

Geschichte

100 Jahre Bauhaus (Ulrich Schneider)
Saarland: Zweimal falsch abgebogen (Roland Röder)
Asberger: Ein Name, der Opfer verhöhnt (Sophie Lierschof)

Kultur

„Deutsche in der Resistanze“ – Lückenhaft, aber notwendig(Brigitte und Gerhard Brändle)
Erinnern als Praxis (Ulrich Schneider)
„Die Shoa und die DDR“ (Bernd Hüttner)
Empathieblockaden – Shoa, Genozid, Nakba (Janka Kluge)
„Unerwünschte Opfer“ in der BRD (Axel Holz)
Rußland: Das innere Imperium (Thomas Hacker)
Dokumentation der Antifadebatten (Peter Nowak)
Antifaschistisch lehren (Evelyn Bernadette Mayr und Irene Willroider)
„Mit Männern leben“ (Peps Gutsche)

Kanzler des Grauens

geschrieben von Cornelia Kerth

9. November 2025

Wie die Angriffe auf den Sozialstaat hinter Rassismus verschwinden

Eine kurze Recherche über die Vita des Bundeskanzlers hält folgende Informationen bereit: Nach Abi, Wehrdienst und Jurastudium hat Friedrich Merz drei Jahre als Syndikus beim Verband der Chemischen Industrie gearbeitet. Dann wurde er 1989 Politiker. Als Mitarbeiter der Rechtsanwaltskanzlei Mayer Brown und gleichzeitiger Bundestagsabgeordneter vertrat er 2006 die Interessen der RAG Aktiengesellschaft (einst Ruhrkohle AG) beim Börsengang. Nach seinem Ausscheiden aus dem Bundestag 2009 konnte er seinem Vermögen 1.980.000 Euro hinzufügen, die er als Honorar für seine Dienste zur Privatisierung der WestLB bezogen hat. Selbstverständlich war Merz 2005 Gründungsmitglied und bis zur Auflösung 2014 Mitglied des Fördervereins der Lobbyorganisation »Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft«. Kanzler des Grauens weiterlesen »

Menschenrechtsverstoß

geschrieben von Nils Becker

9. November 2025

UNO rügt Deutschlands Asylbewerberleistungsgesetz

Der Sozialausschuss der UNO hat im Herbst 2025 erstmals Deutschland gerügt: Der vollständige Entzug von Sozialleistungen für Geflüchtete im Dublin-Verfahren ist ein Verstoß gegen den UNO-Sozialpakt. Im konkreten Fall betraf es einen jungen Geflüchteten Syrer im Ilm-Kreis (Thüringen), dessen Leistungen gestrichen wurden, obwohl keine realistische Ausreisemöglichkeit bestand. Das Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (BAMF) erklärte Malta für das Asylverfahren zuständig. Daraufhin habe das Landratsamt dem Mann Ende 2024 Unterkunft, Nahrung und medizinische Versorgung verweigert. Menschenrechtsverstoß weiterlesen »

Leistung statt Teilhabe

geschrieben von Jan Tölva

9. November 2025

Die rechte Vision von Schule

»Wir müssen das Bildungssystem von Ideologieprojekten befreien«, sagte Björn Höcke schon 2023 im Sommerinterview mit dem MDR und nannte als Beispiel unter anderem das Thema Inklusion. »Das sind alles Projekte, die unsere Schüler nicht weiterbringen, die unsere Kinder nicht leistungsfähiger machen«, fuhr Höcke fort.

Das Zitat sagt viel aus über die Weltsicht und das Menschenbild des Thüringer Landesvorsitzenden der AfD. So stellt er Schule nicht als einen Ort dar, an dem junge Menschen fürs Leben lernen, sondern der sie »leistungsfähiger machen« soll. Inklusion, also die gleichberechtigte Teilhabe von Menschen mit Behinderung, sieht er in diesem Zusammenhang offenbar als Hemmnis für ein erfolgreiches Trimmen der Jugend auf Weiterkommen und Leistung.

Höcke liegt damit ganz auf Parteilinie. Im Grundsatzprogramm der AfD findet sich zu Menschen mit Behinderung nur ein einziger Satz: »Wir wollen keine ideologisch motivierte Inklusion ›um jeden Preis‹. Die AfD setzt sich für den Erhalt der Förder- und Sonderschulen ein.« Leistung statt Teilhabe weiterlesen »

Einendes hervorheben

9. November 2025

Der außerordentliche Bundeskongress der VVN-BdA im Stuttgart-Bad Cannstatt

Am 4. und 5. Oktober fand im Kursaal des Stuttgarter Stadtteils Bad Cannstatt ein außerordentlicher Bundeskongress (BuKo) der VVN-BdA mit 223 Delegierten statt. Zahlreiche Verbandsstrukturen der VVN-BdA hatten bereits im Vorfeld Diskussionen geführt, aus denen Dutzende Anträge für das Treffen hervorgingen. Die Bundesgeschäftsstelle in Berlin verschickte Hunderte Briefe mit Materialien an die Delegierten, und auch der Bundessprecher*innenkreis (BSK) sowie der Bundesausschuss der VVN-BdA waren in die Vorbereitung des BuKo stark eingebunden.

Der Kongress war nötig geworden, da es bei der Tagung am 1. und 2. Juni 2024 in Halle/Saale (siehe Länderseiten der antifa-Ausgabe Juli/August 2024) zu heftigen verbandsinternen Auseinandersetzungen gekommen war. Turnusmäßig findet der Bundeskongress der VVN-BdA alle drei Jahre statt. Das Treffen ist das bedeutendste Gremium der Organisation, denn alle Kreisvereinigungen entsenden ihre gewählten Delegierten zu der in der Regel zweitägigen Veranstaltung. Rund 85 Prozent der gewählten Delegierten reisten diesmal nach Stuttgart. Einendes hervorheben weiterlesen »

Das neue Normal

9. November 2025

Auszüge der inhaltlichen Beiträge beim Bundeskongress der VVN-BdA 2025

Wir dokumentieren hier Auszüge aus den vier Beiträgen unserer Referent:innen auf dem VVN-BdA-Bundeskongress in Stuttgart. Die kompletten Skripte sind auf vvn-bda.de/category/buko zu finden.

Fritz Burschel, »AfD-Verbotsverfahren und gesellschaftlicher Druck«

Ich will hier nun nicht noch das Panorama der deutschen Politik des zurückliegenden Dreivierteljahres auffächern, die Sprengung der Brandmauer Ende Januar, als die Union mit den Stimmen von AfD, FDP und den anwesenden BSWler*innen den Entschließungsantrag für das »Einwanderungsbeschränkungsgesetz« in den Bundestag einbrachte; die rhetorische und politische Angleichung (…) von Unions- und AfD-Positionen (…). Da muss die AfD gerade gar nichts machen. (…) Eine zunehmend an Bedeutung gewinnende Hetzpresse (…), ganz zu schweigen natürlich auch von Social Media, die uns alle mit rechtem Shit überfluten, flankiert diese problematische Entwicklung (…). Das Verhalten der Union und das Mittun der Sozialdemokrat*innen dabei macht die Umsetzung etwa eines Verbotsverfahrens gegen die faschistische AfD fast unmöglich. (…) Normalisierung (…) hat eingesetzt, und nur diejenigen zivilgesellschaftlichen und antifaschistischen Gruppen wie VVN-BdA oder die »Omas gegen rechts«, »Widersetzen«, Campact und andere, die im denunziatorischen 551-Fragen-Katalog der CDU gegen eine politisch profilierte Zivilgesellschaft auftauchen, bemühen sich weiter, den Protest nicht einschlafen zu lassen. Das neue Normal weiterlesen »

Aufklärung notwendig

geschrieben von Markus Roth

9. November 2025

Bei den Bürgermeisterwahlen in Brandenburg ging die AfD noch leer aus

In Brandenburg wurden in den letzten Wochen 30 hauptamtliche und ehrenamtliche Bürgermeister*innen neu gewählt. Die AfD trat in 22 Städten mit eigenen Kandidat*innen an. In Eisenhüttenstadt, Oranienburg und Bad Freienwalde holten sie im ersten Wahlgang die meisten Stimmen und qualifizierten sich für die Stichwahlen. Bei einer Wahlbeteiligung von um die fünfzig Prozent kamen sie in insgesamt sechs Städten als stärkste oder zweitstärkste (in Templin, Frankfurt/Oder und Wriezen) Kandidat*innen in die Stichwahl. Trotz der Materialschlacht und der Unterstützung durch den Landesverband verlor die AfD all diese Stichwahlen. Die Gegner*innen waren vor allem freie Kandidat*innen, die als Kompromiss der anderen Parteien antraten. Diese gewannen haushoch. Nur in Bad Freienwalde unterlag der AfD-Kandidat Frank Vettel mit gerade 160 Stimmen (bzw. drei Prozentpunkten). Aufklärung notwendig weiterlesen »

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